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Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus

Title: Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus

Term Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marie-Christin Schwab (Author)

World History - Early and Ancient History
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Zu Beginn seiner Annalen schreibt Tacitus davon, dass er in seinem Geschichtswerk „den Prinzipat des Tiberius und seiner Nachfolger“ überliefern wolle und zwar ausdrücklich „sine ira et studio“, also „alles ohne Haß und Vorliebe“, da ihm dafür „jeglicher Grund fehlt.“ Beginnt man jedoch mit der Lektüre, so wird dem Leser recht schnell deutlich, dass Tacitus keineswegs auf die angekündigte unparteiische Art und Weise von der damaligen Zeit berichtet. Im Gegenteil, er „hat ein Bild des Kaisers Tiberius von großer suggestiver Kraft geschaffen“, welches durch eine sehr geschickte Darstellung vermittelt wird. So schreibt Tacitus über die Phase kurz vor Augustus Tod, dass „Gerüchte(n) über die kommenden Herrscher“ umgingen, denen zufolge „Tiberius Nero zwar in reifen Jahren“ sei, und „auch im Kriege erprobt, aber von dem alten, der Familie der Claudier angeborenem Hochmut beseelt, und viele Anzeichen von Grausamkeit, auch wenn er sie noch so sehr unterdrücke, brächen schon hervor.“ In dieser Formulierung wird deutlich, dass Tacitus zwar nicht selbst diese Aussage trifft, dafür bietet er trotz allem eine Charakterdarstellung, die sich natürlich, stetig weiter ausgeschmückt und wiederholt, im Kopf des Lesers festsetzt. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Beschreibung des Rhodos-Aufenthaltes von Tiberius, während dessen er „unter dem Anschein freiwilliger Zurückgezogenheit die Rolle eines Verbannten gespielt“, jedoch „auf nichts anderes als auf Haß, Heuchelei und geheime Lüste gesonnen.“ Sehr effektvoll beginnt der Autor mit dem Satz „Die erste Untat des neuen Prinzipats war die Ermordung des Agrippa Postumus.“ Tacitus beschuldigt Tiberius nicht direkt seinen zu dem Zeitpunkt einzigen „Rivalen“ ermordet zu haben, sondern lässt die Worte für sich sprechen, denn Tiberius stellt ja faktisch den Prinzipat dar.
Aufgrund dieser stets negativ gefärbten Geschichtsschreibung ist es unbedingt von Bedeutung immerzu auch andere antike Autoren sowie moderne Forschungsansichten herbeizuziehen, um ein möglichst vielseitiges Bild der damaligen Situation zu erhalten. Diese Hausarbeit stellt nun den Versuch dar, mittels der besagten vielfältigen Literatur einen kleine Einblick auf die recusatio imperii des Tiberius Nero zu werfen und dialektisch ihre Deutungen darzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I „sine ira et studio“?

II Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus

1. Eine Begriffsbestimmung

1.1 Die Erklärung des lateinischen Ausdrucks

1.2 Die Bedeutung des Begriffs

2. Die antiken Überlieferungen und der moderne Forschungsstand

3. Ein kurzer Überblick über die Ereignisse im September 14 n. Chr.

4. Gründe für die recusatio und ihre Deutungen

4.1 negative Interpretationen

4.2 positivere Deutungsansätze

5. Theorien über das Ende der recusatio

III Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Deutungen der "recusatio imperii" des Tiberius Claudius Nero im September des Jahres 14 n. Chr. Ziel ist es, die einseitig negativen Darstellungen der antiken Quellen durch einen dialektischen Vergleich mit der modernen Forschung zu hinterfragen und den Begriff der Herrschaftsverweigerung historisch sowie politisch einzuordnen.

  • Analyse des Begriffs "recusatio imperii" in Theorie und Praxis.
  • Gegenüberstellung von antiken Überlieferungen (Tacitus, Sueton, Cassius Dio) und modernen Forschungsansätzen.
  • Untersuchung der Beweggründe für das zögernde Verhalten des Tiberius bei der Machtübernahme.
  • Bewertung der unterschiedlichen Theorien zum Ende der Herrschaftsverweigerung.

Auszug aus dem Buch

1.2 Die Bedeutung des Begriffes

Um später auf die hier aktuelle recusatio imperii des Tiberius eingehen zu können, ist es notwendig zunächst einmal kurz zu klären, was diese Zurückweisung bzw. das Hinauszögern der Herrschaft in der Theorie tatsächlich bedeutet. Ulrich Huttner gibt in seiner Dissertation zum Thema eine gelungene Kurzdefinition: „Recusatio imperii bedeutet also die lediglich inszenierte, oder aber die konsequente Ablehnung der Machtübernahme durch den Prätendenten.“ Der Grundgedanke, der hinter dem Prinzip dieser Herrschaftsablehnung steht, ist letztendlich die Legitimierung der eigenen Herrschaft. „Der princeps wird als der bestmögliche Anführer durch einen breiten Konsens“ (gemeint sind das Volk bzw. der Senat) „ausersehen, die Macht wird ihm übertragen, er drängt sich nicht danach und unterscheidet sich so darin vom Tyrannen.“ Dies bedeutet also, dass der betreffende Kandidat gewählt wird, und durch diese Erwählung wird seine Herrschaft legitimiert. In diesem Zusammenhang steht nun auch die Zurückweisung der Regierungsgewalt: selbst wenn deutlich ist, wer der zukünftige Herrscher sein wird, muss bzw. sollte dieser die Macht zunächst zurückweisen, damit nach Konsens und Akklamation durch die Masse seine Herrschaft als rechtmäßig anerkannt werden kann. Hinzu kommt dass der Prätendent durch die recusatio auch herausstellt, dass er nicht machthungrig ist und der Herrschaftsübernahme würdig aufgrund seines maßvollen Charakters.

Zusammenfassung der Kapitel

I „sine ira et studio“?: Dieses Kapitel kritisiert die Voreingenommenheit des Historikers Tacitus, der trotz seines Anspruchs auf Objektivität ein stark negativ geprägtes Bild des Kaisers Tiberius zeichnet.

II Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus: Dieser Hauptteil definiert den Begriff der recusatio, analysiert die antiken Quellen sowie den Forschungsstand und beleuchtet die Ereignisse im September 14 n. Chr. sowie deren verschiedene, teils gegensätzliche Deutungen.

III Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass aufgrund fehlender Eigenaussagen des Tiberius keine objektive Bewertung möglich ist und jede Interpretation der Motivation des Herrschers von der jeweiligen Perspektive des Betrachters abhängt.

Schlüsselwörter

Tiberius Claudius Nero, recusatio imperii, Prinzipat, Tacitus, Sueton, Cassius Dio, Herrschaftsübernahme, September 14 n. Chr., Römische Geschichte, Machtlegitimation, Antike, Historiographie, Augustus, Kaiserzeit, Machtpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Herrschaftsverweigerung (recusatio imperii) des Tiberius nach dem Tod des Augustus und hinterfragt, ob dieses Verhalten bloße Heuchelei war oder einer politischen Strategie entsprach.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Definition politischer Rituale in der römischen Kaiserzeit, die Quellenkritik antiker Geschichtsschreiber und die Interpretation von Machtwechseln.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine dialektische Aufarbeitung der Ereignisse von 14 n. Chr., um eine ausgewogenere Sichtweise jenseits der meist negativen antiken Darstellung des Tiberius zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine literatur- und quellenbasierte Analyse, bei der antike Primärquellen und moderne wissenschaftliche Fachliteratur gegenübergestellt und kritisch gewichtet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, einen Überblick über den historischen Ablauf im September 14 n. Chr., die Analyse negativer und positiver Deutungsmuster sowie Theorien zum Ende des zögerlichen Verhaltens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Tiberius, recusatio imperii, Herrschaftslegitimation, Tacitus, historische Quellenkritik und der Übergang zum Prinzipat.

Warum wird Tiberius in den antiken Quellen meist so negativ dargestellt?

Die antiken Autoren wie Tacitus neigten zu einer psychologisierenden Betrachtungsweise, bei der Tiberius’ Zögern als Heuchelei und Ausdruck eines zwiespältigen Charakters gewertet wurde, um ihn vom Idealbild des Herrschers abzugrenzen.

Welche Rolle spielt Germanicus in der Argumentation der antiken Autoren?

Germanicus wird oft als potenzieller Rivale angeführt; die Furcht Tiberius’ vor dessen Beliebtheit bei den Legionen dient in den Quellen als zentrales Motiv für seine angebliche Verstellung.

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Details

Title
Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1,3
Author
Marie-Christin Schwab (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V72988
ISBN (eBook)
9783638731065
Language
German
Tags
Tiberius Claudius Nero September Christus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marie-Christin Schwab (Author), 2007, Die recusatio imperii des Tiberius Claudius Nero im September 14 nach Christus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72988
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