Im Rahmen des von mir besuchten Seminars zur Organisationssoziologie erhielt ich in Form eines Referats die Möglichkeit, mich mit den Problemen, die in Bezug auf Organisationen und deren interne Organisationsdemokratie auftauchen, näher zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang soll nun im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit näher beleuchtet werden, inwiefern gravierende Probleme bezüglich der
organisationsinternen Demokratie überhaupt bestehen beziehungsweise wo hierbei die Ursachen für das jeweilige Problem zu finden ist. Im Zuge dessen soll jedoch zu allererst geklärt werden, was grundsätzlich unter dem Begriff Organisation im Hinblick auf die
innere Struktur zu verstehen ist. Des weiteren sollen die Ursprünge für die Untersuchung der genannten Problemgruppe gefunden werden und anhand der Ätiologie der Oligarchie nach Robert Michels näher erläutert werden. Zudem sollen einzelne bedeutende Faktoren
der Oligarchie herausgestellt werden und verknüpft werden mit Problemen, die durch eine oligarchische Organisationsführung entstehen. Anschließend werden die Erkenntnisse bezüglich der Problematik der Oligarchie durch ausgesuchte Konzepte zur
innerorganisatorischen Demokratie verdeutlicht.
Abschließend sollen die einzelnen Erkenntnisse nochmals kurz benannt und dann zu einem Fazit zur Lösung der Problematik organisationsinterner Demokratie zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakteristika einer Organisation im Hinblick auf ihre Struktur
3. Probleme interner Organisationsdemokratie ausgehend von der Parteiensoziologie nach Robert Michels
3.1. Ursprung der Untersuchung von Problemen interner Organisationsdemokratie
3.2. Michels Ätiologie der Oligarchie
4. Probleme durch die Entstehung von Oligarchie in Organisationen
5. Konzepte zur Verdeutlichung der Eigenschaften und Probleme organisationsinterner Demokratie
5.1. Das Konzept der direkten organisationsinternen Demokratie
5.2. Das Konzept der repräsentativen organisationsinternen Demokratie
5.3. Das Konzept des demokratischen Zentralismus
6.Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen dem Anspruch auf innerorganisatorische Demokratie und der Tendenz zur oligarchischen Machtkonzentration in komplexen Organisationen, wobei sie insbesondere die theoretischen Grundlagen von Robert Michels sowie verschiedene Demokratisierungskonzepte analysiert.
- Strukturelle Merkmale und Definition von Organisationen
- Die Ätiologie der Oligarchie nach Robert Michels
- Ursachen und Mechanismen der oligarchischen Verselbstständigung
- Analyse direkter und repräsentativer Demokratiekonzepte
- Problematiken des demokratischen Zentralismus
Auszug aus dem Buch
3.2. Michels Ätiologie der Oligarchie
Im Zuge seiner Untersuchungen zur Parteiensoziologie spricht Michels mehr und mehr nicht mehr nur von einer gewissen Oligarchie-Tendenz, sondern vom Gesetzescharakter der historischen Notwendigkeit der Oligarchie. Er geht davon aus, dass neben den bereits genannten Ursachen, nämlich der Bildung der Führerschichten untereinander im Zuge der Bürokratisierung und der geistigen Apathie der Massen innerhalb der Organisation, auch ein weiterer Faktor eine entscheidende Rolle einnimmt. Dieser Faktor lässt sich wohl am ehesten damit beschreiben, dass die jeweilige Führerschaft sich durch ein extremes Geltungsbedürfnis und sich durch die Schaffung einer technischen Notwendigkeit ihrer Tätigkeit selbst unentbehrlich für das Funktionieren einer Organisation macht.
Gerade durch die Implementierung einer Führerschicht in einer Organisation nimmt auch die von Michels beschriebene Ätiologie ihren Lauf, denn aus den Führern, die ihre Aufgabe zuerst in aller Regel nur nebenamtlich und unentgeltlich erfüllen, da sie aus der spontanen Notwendigkeit erwächst, werden schnell zu berufsmäßigen Führern. Die Schaffung eines berufsmäßigen Führertums, zum Teil auch aus Gründen der Routiniertheit der Handlungen, wird zudem unentbehrlich, da diese sich durch ein spezielles Wissen und eine spezielle Kenntnis der Umwelt auch intellektuell von übrigen Organisationsmitgliedern abgrenzen und auf diese Art und Weise ihren größten Rechtsanspruch dadurch erhalten, dass sie in ihrer Funktion nicht mehr aus der Organisation wegzudenken sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der internen Organisationsdemokratie, die Relevanz der Ätiologie nach Robert Michels sowie die methodische Vorgehensweise der Hausarbeit.
2. Charakteristika einer Organisation im Hinblick auf ihre Struktur: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Organisation soziologisch und erläutert ihre zentralen Merkmale wie Arbeitsteilung, Ressourcenallokation, Leitungsinstanz und formale/informelle Verfassungen.
3. Probleme interner Organisationsdemokratie ausgehend von der Parteiensoziologie nach Robert Michels: Es werden die Ursprünge der Oligarchie-Forschung beleuchtet und dargelegt, warum in großen, komplexen Organisationen die demokratische Willensbildung durch oligarchische Führungsstrukturen ersetzt wird.
4. Probleme durch die Entstehung von Oligarchie in Organisationen: Hier werden drei zentrale Probleme für die interne Demokratie identifiziert, darunter das Monopol der Führungsschicht auf Kommunikation und Macht sowie die resultierende organisationspolitische Apathie der Mitglieder.
5. Konzepte zur Verdeutlichung der Eigenschaften und Probleme organisationsinterner Demokratie: Das Kapitel vergleicht drei verschiedene Demokratieansätze – direkte Demokratie, repräsentative Demokratie und demokratischen Zentralismus – hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit und ihrer inherenten Mängel.
6.Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel resümiert die Erkenntnisse und betont, dass demokratische Strukturen nur dann effektiv sind, wenn sie das gesamte System durchdringen und nicht nur punktuell angewendet werden.
Schlüsselwörter
Organisationsdemokratie, Robert Michels, Oligarchie, Parteiensoziologie, Bürokratie, Führerschicht, Machtmonopol, politische Apathie, Organisationstheorie, Direkte Demokratie, Repräsentative Demokratie, Demokratischer Zentralismus, Organisationsstruktur, Machtkonzentration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Spannungen zwischen dem demokratischen Anspruch innerhalb von Organisationen und dem faktischen Entstehen oligarchischer Führungsstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die organisationssoziologischen Grundlagen, die "Ätiologie der Oligarchie" nach Robert Michels und der Vergleich unterschiedlicher Demokratisierungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Ursachen für das Scheitern interner demokratischer Prozesse zu identifizieren und zu untersuchen, wie Organisationen ihre Struktur gestalten können, ohne oligarchischen Tendenzen zu verfallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur (u.a. von Michels und Naschold), um bestehende Konzepte der Organisationssoziologie kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Merkmale von Organisationen erläutert, das Phänomen der Oligarchie nach Michels analysiert und drei spezifische Konzepte (direkte/repräsentative Demokratie, demokratischer Zentralismus) im Hinblick auf ihre Probleme untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Organisationsdemokratie, Oligarchie, Bürokratie, Machtmonopol und Demokratisierungskonzepte definieren.
Inwiefern beeinflussen die "Massen" laut Michels den Erfolg der Oligarchie?
Michels argumentiert, dass eine geistige Apathie der Mitglieder sowie deren Bedürfnis nach Führung und eine gewisse Inkompetenz gegenüber komplexen Entscheidungsabläufen die Machtkonzentration der Führer massiv begünstigen.
Warum wird das Konzept des "demokratischen Zentralismus" als besonders problematisch angesehen?
Es führt zu einer weitgehenden Vernachlässigung demokratischer Orientierung, da eine hierarchische Führung jegliche Diskussion ausschließt und das System durch vordefinierte Abläufe unbeweglich macht.
- Quote paper
- Sarah Fäuster (Author), 2006, Probleme interner Organisationsdemokratie und das eherne Gesetz der Oligarchie nach Robert Michels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72999