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Die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei in der sunnitischen Theologie und im Alevitentum

Title: Die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei in der sunnitischen Theologie und im Alevitentum

Term Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefanie Lembacher (Author)

Communications - Intercultural Communication
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Die Stellung der Frau differiert nicht nur von Land zu Land beträchtlich, sondern es gibt sogar innerhalb der Türkei unterschiedlichste Standpunkte. Es ist zu bedenken, dass der Islam trotz einer allumfassenden Ideologie verschiedene kulturelle Traditionen und ethische Elemente umfasst und die islamischen Konfessionen den Koran unterschiedlich auslegen. Diese Arbeit befasst sich mit den beiden größten konfessionellen Gruppe in der Türkei, den Sunniten sowie mit der Glaubensgemeinschaft der Aleviten, die sich in ihrer Theorie und teilweise Praxis extrem unterscheiden.
70-80 % der muslimischen Türken bekennen sich zum sunnitischen Islam, der Rest ist dem Alevitentum zugehörig, wobei unterstrichen werden muss, dass es sich mangels offizieller Statistiken, und aufgrund der Tatsache, dass die Aleviten in ihrer Heimat nicht als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt werden, hierbei um Schätzungen handelt. Der traditionelle Erbfolgekonflikt zwischen sunnitischem und schiitischem Islam sorgt seit jeher auch für Spannungen zwischen Sunniten und Aleviten in der Türkei. Hierbei ging es um die Frage, wer nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahre 632 n. Chr. die legitime Nachfolge als Oberhaupt aller Muslime antreten sollte. Die späteren Sunniten favorisierten Kandidaten aus dem Kreis der Weggefährten des Propheten, die Schiiten hingegen wollten, dass ein Mitglied der Prophetenfamilie - sein Schwiegersohn und Vetter Ali Ibn Talib das Erbe als Kalif antritt. Das Wort “Shia” bedeutet im Übrigen “Familie”. Der Begriff “Aleviten” leitet sich vom Namen “Ali” ab, womit auch deutlich gemacht werden soll, dass die türkischen Aleviten historisch, wie auch theologisch enge Bindungen zum Schiitentum aufweisen. Das Alevitentum ist jedoch eine anatolische Interpretation der schiitischen Konfession. Sie zeichnet sich durch eine Synthese aus schiitischer Theologie und dem kulturellen und spirituellen Erbe der nomadisch-türkischen Kultur Zentralasiens aus. Der schiitische Geistliche und Gründer des Bektashiordens Haci Bektas Veli verbreitete im 13. Jh. im ländlichen Zentral- und Ostanatolien diese “unorthodoxeste Deutung des Islam”.
Im Fokus dieser Arbeit steht jedoch die Frage welche Rolle der islamischen Frau dem Koran nach zukommt, und welche Unterschiede diesbezüglich zwischen den bereits genannten Glaubensgemeinschaften bestehen.

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Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung - Sunniten und Aleviten

2. Die Stellung der Frau in der sunnitischen Theologie

2.1. Das islamische Recht

2.2. Die Gleichheit von Mann und Frau vor Gott

2.3. Die Überlegenheit des Mannes

2.4. Der Koran und das Eherecht

2.4.1. Die Eheschließung und die Scheidung

2.4.2. Die Mehrehe

2.5. Die Frau im gesellschaftlichem Leben

2.5.1. Die Verschleierung

2.5.2. Die Absonderung im Haus

2.5.3. Die Ausbildung und die Berufstätigkeit

2.6. Die Frau im religiösen Leben

2.7. Der Ehrbegriff

3. Die Stellung der Frau in der heutigen Türkei

4. Die Stellung der Frau im Alevitentum

4.1. Die alevitische Theologie

4.2. Die Ehe und die Scheidung

4.3. Die Erziehung und die Bildung

4.4 Die Verschleierung

4.5. Die Frau im religiösen Leben

4.6. Historische Vorbilder

4.7. Der Ehrbegriff

5. Schluss – Die türkische Frau gibt es nicht

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei im Kontext der sunnitischen Theologie und des Alevitentums. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theologischen Vorgaben und gelebter Praxis aufzuzeigen und darzulegen, dass es „die eine“ türkische Frau nicht gibt, sondern ein heterogenes Bild existiert, das von religiösen, sozialen und politischen Faktoren beeinflusst wird.

  • Analyse des sunnitisch-islamischen Rechts und der Rolle der Frau innerhalb dieses Systems.
  • Untersuchung der alevitischen Lehre und deren Verhältnis zur Gleichstellung der Geschlechter.
  • Kontrastierung der gesellschaftlichen Realität in der modernen Türkei mit den theoretischen Glaubensfundamenten.
  • Bewertung des Einflusses von Säkularisierung, Urbanisierung und staatlichen Reformen auf die Frauenrechte.

Auszug aus dem Buch

2.1. Das islamische Recht

Bevor auf die Situation der Frau im Islam eingegangen werden kann, muss das islamische Recht, in Grundzügen dargestellt werden, da die Rolle der sunnitischen Frau maßgeblich durch dieses geprägt wird.

Im Islam existiert keine Trennung von weltlichem und religiösen Leben. Grundlage für jegliches Handeln der Muslime ist das islamische Gesetz, die Sharia. Diese wird als Offenbarung Gottes verstanden, wobei weder historische Veränderungen noch andere Umweltzustände auf deren Gültigkeit Einfluss nehmen. Ihre beiden Hauptquellen sind der Koran, als direktes Wort Gottes und die sog. Sunna. “Der Korantext […] enthält zwar eine Reihe von Geboten, Verboten und Rechtsvorschriften, […] die aber noch keineswegs eine vollständige Rechtsordnung ergeben.” Der bei weitem umfangreichere Komplex von göttlichen Vorschriften ist für den Muslim im Handeln und Wirken des Propheten exemplifiziert, dessen Lebensweise als idealtypisch angesehen wird. Speziell für die Musliminnen haben dessen Tochter Fatima und die Frauen des Propheten, auch “Mütter der Gläubigen genannt” Vorbildcharakter. So wurde bald nach dem Tod Muhammads auch die Sunna des Propheten, also seine persönliche Praxis in Überlieferungen (Hadithen) niedergelegt. Nicht selten wird bei Rechtsproblemen, die nicht von den offenbarten Regelungen abgedeckt wurden, auf das vorislamische Gewohnheitsrecht zurückgegriffen.

Islamisches Recht ist kein religiöses Recht, vergleichbar dem Kirchenrecht in Deutschland, da es den Anspruch erhebt alle gesellschaftlichen Bereiche voll umfänglich zu regeln. Ähnlich wie im Deutschen Recht bedient man sich gewisser Techniken und rechtswissenschaftlicher Hilfsmittel dieses Recht anzuwenden. Hier wären der Analogieschluss (Quiyas) oder die Auslegung durch Rechtsgelehrte zu nennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung - Sunniten und Aleviten: Das Kapitel führt in den historischen Konflikt zwischen Sunniten und Aleviten ein und begründet die Relevanz der Untersuchung für die Rolle der Frau.

2. Die Stellung der Frau in der sunnitischen Theologie: Es wird analysiert, wie das islamische Recht, der Koran und die Sunna die Rolle der Frau definieren und welche patriarchalischen Strukturen dabei verankert sind.

3. Die Stellung der Frau in der heutigen Türkei: Dieses Kapitel betrachtet die Auswirkungen der laizistischen Reformen Atatürks und gesellschaftlicher Faktoren auf den Status der Frau in der modernen türkischen Gesellschaft.

4. Die Stellung der Frau im Alevitentum: Hier wird die alevitische Theologie vorgestellt, die sich durch ihre humanistische Ausprägung und die absolute Gleichheit der Geschlechter vom sunnitischen Islam unterscheidet.

5. Schluss – Die türkische Frau gibt es nicht: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Realität der Frau in der Türkei aufgrund der konfessionellen und sozialen Vielfalt zu komplex für ein pauschales Unterdrückungsbild ist.

Schlüsselwörter

Türkei, Frau, Sunniten, Aleviten, Islam, Scharia, Gleichberechtigung, Koran, Sunna, Laizismus, Reformen, Gesellschaft, Geschlechterrollen, Ehrbegriff, Menschenrechte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei basierend auf den zwei größten Konfessionen, dem sunnitischen Islam und dem Alevitentum.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die zentralen Themenfelder sind die theologische Verankerung der Frauenrolle, der Einfluss des islamischen Rechts, der Vergleich zwischen den Glaubensgemeinschaften und der Wandel der Frauenrechte in der modernen Türkei.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die Wahrnehmung der türkischen Frau in westlichen Medien oft zu kurz greift und dass es keine einheitliche Realität gibt, sondern große Unterschiede zwischen sunnitischen und alevitischen Frauen bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um theologische Texte, koranische Auslegungen sowie soziologische Studien zur Rolle der Frau in der Türkei gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der sunnitischen Rechtstheorie, der Stellung der Frau im Alevitentum sowie der historischen und politischen Entwicklung der Frauenrechte seit der Gründung der türkischen Republik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Laizismus, Alevitentum, sunnitische Theologie, Gleichberechtigung, Sharia und gesellschaftlicher Wandel.

Welchen Stellenwert nimmt der Koran im Alevitentum ein?

Im Alevitentum ist der Mensch das Maß des Handelns; der Koran wird eher zur Legitimation von Handlungen genutzt, die bereits durch die Vernunft als richtig erkannt wurden, wobei Menschenliebe im Vordergrund steht.

Warum ist der Begriff „türkische Frau“ in der Arbeit kritisch zu sehen?

Die Autorin argumentiert, dass dieser Begriff eine Homogenität suggeriert, die in der Realität nicht existiert, da individuelle Freiheiten und Rechte stark von der konfessionellen Zugehörigkeit sowie dem sozioökonomischen Kontext abhängen.

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Details

Title
Die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei in der sunnitischen Theologie und im Alevitentum
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt  (Universität)
Course
Interkulturelle Kommunikation
Grade
1,0
Author
Stefanie Lembacher (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V73082
ISBN (eBook)
9783638737524
Language
German
Tags
Stellung Frau Türkei Theologie Alevitentum Interkulturelle Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Lembacher (Author), 2006, Die unterschiedliche Stellung der Frau in der Türkei in der sunnitischen Theologie und im Alevitentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73082
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