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Moderner Antisemitismus - Judenfeindlichkeit nach 1945

Title: Moderner Antisemitismus - Judenfeindlichkeit nach 1945

Seminar Paper , 2006 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christian Ritter (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Antisemitismus, oft als „Judenhass“ übersetzt, ist kein neues Phänomen. Über die Jahrhunderte ist die starke Abneigung gegen Juden, vor allem innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaft, gleichermaßen belegbar. Sie gipfelte etwa in den Kreuzzügen, die Ende des 11. Jahrhunderts gegen Juden in Mitteleuropa geführt wurden, in zahlreichen Pogromen und schließlich im Holocaust durch die Nationalsozialisten.
Wie konnte es dazu kommen? Was schürt den Hass gegen die Glaubensgemeinschaft, das „Volk“ der Juden? Was genau ist Antisemitismus, in welchen Erscheinungsformen kann er sich zeigen, und durch wen? Dies sind Fragen, die im Lauf der Arbeit erörtert werden und schließlich zum Hauptpunkt führen: Wie kann es sein, dass nach den Greueltaten der Nazis weiterhin eine Abneigung gegen Juden in der BRD respektive der DDR und später immer noch in Gesamtdeutschland existierte und existiert? Was ist dabei der Unterschied zum „traditionellen“ Antisemitismus, nach der Zäsur durch den Holocaust? Und: Gegen wen kann sich Hass eigentlich richten, wenn die Hassobjekte de facto kaum mehr im eigenen Land vorhanden sind und in welchen konkreten Handlungen äußert er sich?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des Antisemitismus bis zum Holocaust

3. Entwicklung des Antisemitismus nach 1945

3.1 Neue Formen des Antisemitismus

3.1.1 Geschichtsrevisionismus

3.1.2 Täter-Opfer-Umkehr

3.1.3 Sekundärer Antisemitismus

3.1.4 Antizionismus

3.2 Konkrete Erscheinungsformen von Antisemitismus

3.3 Antisemitismus in der Öffentlichkeit und im Privaten

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Persistenz und Wandelbarkeit antisemitischer Einstellungen in Deutschland nach 1945. Ziel ist es zu erörtern, warum trotz des Wissens um den Holocaust antisemitische Ressentiments weiterhin existieren, wie sie sich in neue Formen transformiert haben und in welchen Räumen – öffentlich oder privat – sie sich heute manifestieren.

  • Historische Herleitung des Antisemitismus vom Antijudaismus bis zum Rassenhass.
  • Analyse moderner Ausprägungen wie Geschichtsrevisionismus und sekundärer Antisemitismus.
  • Untersuchung der Täter-Opfer-Umkehr und des Antizionismus als Strategien der Schuldabwehr.
  • Beleuchtung der Diskrepanz zwischen öffentlicher Ächtung und privater Latenz (kommunikative Latenz).
  • Betrachtung von Fallbeispielen aus Medien und Alltag zur Veranschaulichung aktueller Tendenzen.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Täter-Opfer-Umkehr

Die andere Variante, die Täter-Opfer-Umkehr, soll das Handeln der Nazis rückwirkend unterstützen. Bei dieser Methode werden scheinbare Gewalttaten von jüdischer Seite, über alle Jahrhunderte hinweg, aufgewogen mit den Nazi-Verbrechen. Der ehemalige CDU-Abgeordnete Martin Hohmann hielt am 3. Oktober 2003 eine Rede vor dem Deutschen Bundestag, nach der er aus der CDU ausgeschlossen wurde. Er hatte eben diese Verkehrung der Rollen in seinem Redekonzept erarbeitet, zitierte auch aus bekannten antisemitischen Schriften.

Unter anderem kam zur Sprache, dass „der Mord am russischen Zaren und seiner Familie [...] von dem Juden Jakob Swerdlow angeordnet und von dem Juden Chaimowitz Jurowski am Zaren Nikolaus II eigenhändig vollzogen [wurde].“ Oder, dass sich viele Juden für den Bolschewismus begeisterten und sich dabei für „gläubige Soldaten der Weltrevolution“ hielten, ein Zitat aus einer antisemitischen Schrift nach Henry Ford. So versuchte Hohmann und so versuchen andere Antisemiten, durch wahllose Griffe in die Geschichte ein Judenbild zu konstruieren, das von vorne bis hinten verabscheuungswürdig ist, das die Juden in die Ecke der Täter drängt und selbstredend auch die bekannten anti-jüdischen Stereotypen beinhaltet.

Der Tenor lautet: Wenn die Deutschen sich als Tätervolk bezeichnen lassen müssen, so ist den Juden derselbe Vorwurf zu machen. Diese Vorgehensweise kann man wohl ebenso wie die einfache Leugnung als eine Form der Verdrängung ansehen, eine Form von nachträglicher Rechtfertigung der Ereignisse.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Aktualität des Antisemitismus anhand konkreter Vorfälle und Formulierung der zentralen Forschungsfrage nach dem Fortbestehen von Judenfeindlichkeit in Deutschland nach dem Holocaust.

2. Entwicklung des Antisemitismus bis zum Holocaust: Historischer Rückblick auf die Ursprünge des Judenhasses in christlichen Identitätsproblemen und die Transformation zum rassistisch begründeten Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts.

3. Entwicklung des Antisemitismus nach 1945: Analyse der Transformation antisemitischer Einstellungen nach der Zäsur des Holocaust, unterteilt in neue ideologische Ausprägungen, Erscheinungsformen und die Dichotomie zwischen Öffentlichkeit und Privatheit.

4. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse, die bestätigt, dass Antisemitismus wandlungsfähig ist und trotz öffentlicher Tabuisierung weiterhin in latenten, privaten Räumen fortbesteht.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Judenhass, Holocaust, Antijudaismus, Geschichtsrevisionismus, Täter-Opfer-Umkehr, sekundärer Antisemitismus, Antizionismus, Erinnerungskultur, kommunikative Latenz, Rechtsextremismus, Deutschland, Shoah, Vorurteile, Ideologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Beständigkeit von Antisemitismus in Deutschland nach 1945 und untersucht, warum der Judenhass trotz der historischen Zäsur des Holocaust nicht verschwunden ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Antisemitismus, der Entstehung neuer, post-holocaustaler Formen wie dem sekundären Antisemitismus und der Untersuchung von Antisemitismus im privaten Raum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Erscheinungsformen und Strategien antisemitischer Einstellungen zu analysieren, die genutzt werden, um das eigene Handeln zu rechtfertigen und die historische Schuld zu verdrängen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung von Umfragedaten und Fallbeispielen, um die diskursive Entwicklung des Antisemitismus nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die verschiedenen modernen Formen des Antisemitismus, wie Geschichtsrevisionismus, Täter-Opfer-Umkehr und Antizionismus, sowie deren Manifestation in der Öffentlichkeit und im privaten Bereich detailliert erläutert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Antisemitismus, sekundärer Antisemitismus, Holocaust, Schuldabwehr, kommunikative Latenz und Geschichtsrevisionismus.

Wie unterscheidet sich der sekundäre Antisemitismus vom traditionellen Judenhass?

Der sekundäre Antisemitismus richtet sich nicht trotz, sondern gerade wegen des Holocaust gegen Juden, indem er die Erinnerung an die Verbrechen und Entschädigungsleistungen als Belastung und Scham empfindet.

Welche Rolle spielt das Internet bei der Verbreitung von Antisemitismus?

Das Internet bietet laut der Arbeit durch den Schutz der Anonymität eine ideale Plattform für Extremismus, auf der sich antisemitisches Gedankengut ungefiltert äußern kann.

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Details

Title
Moderner Antisemitismus - Judenfeindlichkeit nach 1945
College
University of Bamberg
Course
Proseminar
Grade
2,0
Author
Christian Ritter (Author)
Publication Year
2006
Pages
14
Catalog Number
V73138
ISBN (eBook)
9783638633437
Language
German
Tags
Moderner Antisemitismus Judenfeindlichkeit Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Ritter (Author), 2006, Moderner Antisemitismus - Judenfeindlichkeit nach 1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73138
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