Zur altspanischen Romanzendichtung


Seminararbeit, 2004
23 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

0. Inhalt

I. Einleitung

II. Charakterisierung der Romanze
A) Zur Geschichte der Gattung
B) Zur Etymologie des Begriffs
C) Formale Charakteristika der Romanze
D) Verschiedene Typen von Romanzen

III. Zur Romanze in Deutschland
A) Die formale Anpassung
B) Romanzen in der deutschen Lyrik
C) Herder trifft auf Cid
D) Gab es eine inhaltliche Anpassung in Herders Cid?

IV. Abschließende Betrachtungen

V. Bibliographie

I. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist die spanische Volksdichtungsform der Romanze, die ihren Ursprung in den Heldenepen des spanischen Mittelalters hat. Da sich das von mir besuchte Proseminar „Cantar de Mio Cid“ mit dem Epos über die altspanische Heldenfigur des „Cid“ beschäftigte, war es interessant zu erforschen wie der Zusammenhang zwischen dem Epos und den Romanzen ist.

Da die Romanzendichtung als die spanische Nationalliteratur gilt, ist es zudem noch von Interesse wie diese Art der Dichtung außerhalb ihrer Heimat, nämlich in Deutschland empfangen und verwertet wurden und zudem am Beispiel Johann Gottfried Herders einen Ausschnitt von der Rezeption des Cid in Deutschland zeigen.

Die Absicht, die mit dieser Hausarbeit verfolgt wird ist diejenige, die Gattung der Romanze zunächst zu definieren und ihren Hintergrund zu beleuchten.

II. Charakterisierung der Romanze

A Zur Geschichte der Gattung

Die Romanzendichtung entstand im mittelalterlichen Spanien und gilt bis zum heutigen Tage als die „köstlich Frucht aus dem Volksgut der Spanier“ (Staub 1970, 7).

Es wurde viel diskutiert und geforscht über den wahren Ursprung der Romanzendichtung. Einig ist man sich darüber, dass Romanzen seit ihrer ersten Verwendung den Zweck hatten, erzählte Geschichten weiterzutragen von Mensch zu Mensch und Generation zu Generation, was anfangs meist unter musikalischer und rhythmischer Begleitung geschah. Auf diese Weise war es für den Zuhörer einfacher den vorgetragenen Stoff im Gedächtnis zu behalten.

Der Eindruck den die Romanze machte wurde durch die musikalische Untermalung komplexer.

Jedoch kann man davon ausgehen dass die einzelnen Romanzen, die eine Art der Volksdichtung darstellen, so gut wie nie zweimal im exakt selben Wortlaut vorgetragen wurden. (vgl. Deutschmann 113, 1988) Die ersten Romanzen wurden im 14. Jahrhundert aufgezeichnet.

Einer der wohl bekanntesten Forscher, die sich auf die Suche nach dem Ursprung dieser spanischen Dichtungsform machten ist Ramón Menéndez Pidal, der durch sein 1953 erschienenes Werk „Romancero Hispánico, Teoría y Historia“ den Grundstein für alle ab diesem Zeitpunkt zum Thema Romanzenforschung verfassten Werke lieferte.

Menéndez Pidal und zwei seiner Kollegen, Manuel Milá y Fontanals und Marcelino Menéndez Pelayo, sind die Begründer der sogenannten „teoría de las tres emes“ , also der „Theorie der drei Ms“. Die Beziehung leitet sich aus den Familiennamen ihrer drei Verfasser ab, die alle mit M beginnen. Diese Theorie über den Ursprung der Romanzendichtung sieht diesen im Niedergang der spanischen Adelshöfe zwischen dem 14. und dem 15. Jahrhundert. An den Höfen war es Brauch die Taten von großen Helden in Schlachten in gesungenen Epen zu verewigen. Die drei Ms gehen davon aus dass die heute als Romanzengedichte bekannten lyrisch-epischen Erzählgedichte Extrakte aus diesen Heldenepen sind. (vgl. Staub 10, 1970)

Nach dem Niedergang der Adelshäuser im Spanien des 14. und 15. Jahrhunderts verließ also auch die Spielmannskultur die Höfe der Adeligen und gab auch dem gemeinen Volk Darbietungen ihrer musikalischen Dichtungen über die Helden, wie zum Beispiel auf Marktplätzen oder in Kneipen.

Hier sehen die drei Ms den Ursprung der Romanzendichtung:

Man nimmt an, dass sich die Zuhörer der Spielmänner manche sehr beliebte Passagen eines vorgetragenen Heldenliedes immer wieder und wieder auch aus dem Kontext gelöst vortragen ließen um sich diese selbst einzuprägen und den gehörten Gesang an anderer Stelle eventuell selbst vorzutragen. Von da an bekam diese Art der Heldendichtung einen eher populären oder bürgerlichen Anklang- sie wurden zur Volksromanze.

Durch ihre Grundeigenschaft der mündlichen Überlieferung hat eine Romanze im Verlauf ihres Daseins viele verschiedene Dichter gehabt, die aus jeder Bevölkerungsschicht stammen konnten, gehabt. Dies ist der Grund warum sie in und außerhalb Spaniens als seine national einigende literarische Gattung betrachtet wird. (vgl. Deutschmann 99, 1988)

Die Theorie der drei Ms über den Ursprung der Romanzendichtung wird heute allgemein als gültig betrachtet, da sie andere Theorien über den Ursprung der Romanze eindeutig widerlegen konnte. Menéndez Pidal hat anhand von Romanzen rund 18 verloren geglaubte Epen, also Heldenlieder rekonstruieren können. (Deutschmann 111, 1988)

Die Ähnlichkeit in Thema und Form zwischen dem Heldenepos und der spanischen Volksromanze sind einer der wichtigsten Beweise für die Richtigkeit der 3M-Theorie.

Das bedeutet, dass sich Teilestücke der Epen verselbstständigt und sich in der Form der Romanze zu eigenen kleinen Epen weiterentwickeln. Je öfter sie überliefert und rezitiert werden, desto mehr verändern sich die Romanzen. Darum spricht man auch von einem „epischen Trümmerfeld“. (vgl. Pfandl 2, 1933)

Andere Theorien über den Ursprung dieser Dichtung behaupten das genaue Gegenteil, nämlich dass zuerst die Romanzen entstanden seien, die dann in Zyklen gesammelt worden seien aus denen schließlich die „cantares de gesta“ - also die Heldenepen- entstanden sein sollen.

B Zur Etymologie des Begriffs

Wenn man das Wort „Romanze“ heutzutage in der deutschen Sprache verwendet bezeichnet es meist nicht vordergründig die literarische Gattung die es in seiner Grundbedeutung definiert, sondern man würde wahrscheinlich eher an eine Art sentimentale Liebesgeschichte als Bedeutung denken.

Der Begriff „Romance“ oder auch „Romanice“ in seiner ursprünglichsten Bedeutung definierte eigentlich die Sprachen der romanischen Länder, die sich aus dem lateinischen entwickelt hatten und grenzte sie als eigenständige Sprachen vom Lateinischen ab. „Romanice“ gleicht der Aussage „in romanischer Sprache“. Zudem bezog sich der Begriff „Romance“ noch auf Texte, die aus dem Lateinischen in die romanischen Volkssprachen übersetzt worden waren. (/vgl. Staub 1-2, 1970)

Ab dem 12. Jahrhundert wurde der entsprechende Begriff „li romanz“ in Frankreich in seiner Bedeutung eingeschränkt und definierte von da ab ausschließlich erzählende Texte in der Sprache eines Volkes der Romania.

In Spanien galt der Begriff „el romance“ erst seit dem 13. bis 14. Jahrhundert als Bezeichnung für erzählende Texte aus jeder literarischen Gattung. Die Transformation zu seiner heutigen Bedeutung,, also die Bezeichnung eines episch-lyrischen Erzählgedichtes, fand erst im 15. Jahrhundert statt. Die anderen Textgattungen die früher ebenfalls unter den Begriff der „romance“ fielen, erhielten eigene Bedeutungen- der Roman der bis dorthin ebenfalls im Spanischen unter den Begriff „romance“ fiel heißt heute beispielsweise „novela“.

Um auf den Gebrauch des Wortes in Deutschland zurückzukommen muss gesagt werden, dass mit „Romanze“ hier heute ebenfalls Bezug auf unter musikalischer Begleitung vorgetragene Erzählgesänge genommen wird. Diese Musikstücke haben eine Art „schwärmerischen“ Charakter was die Verbindung zum heute gängigeren Gebrauch des Wortes Romanze als eine „Liebesgeschichte“ erklärt. (Staub 1-6)

Festzuhalten bleibt dass der Begriff der Romanze mit seiner heutigen Bedeutung der klassischen Literatur Spaniens entsprang und auch dort geprägt wurde. Er definiert eine eigene literarische Gattung, die wie der Begriff selber ein traditionell spanisches Produkt ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Zur altspanischen Romanzendichtung
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,1
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V73153
ISBN (eBook)
9783638736770
ISBN (Buch)
9783638736947
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanzendichtung
Arbeit zitieren
Felix Bellermann (Autor), 2004, Zur altspanischen Romanzendichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73153

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