Die Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Geschichtswerk des Thukydides und stellt dessen methodische Arbeitsweise in den Fokus, erläutert diese und unterzieht sie einer fundierten Kritik. Untersucht werden insbesondere die Einarbeitung von Reden, Geschehnissen, Urkunden und biographischen Exkursen in das Werk "Der Peloponnesische Krieg".
Inhaltsverzeichnis
Prolog
I. Zur Biographie des Thukydides
II. Zur Methode des Thukydides
II.I. Zur Wiedergabe von Geschehnissen
II. I. I. Analyse der Archäologie
II.II. Zur Wiedergabe von Reden
II.II.I Exemplarische Analyse: Der Epitaphios des Perikles
II. III. Zur Wiedergabe von Urkunden
II. VI. Zur Wiedergabe von Biographien
III. Zur Geschichtsphilosophie des Thukydides
Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wissenschaftliche Arbeitsweise und methodische Technik des Historikers Thukydides bei der Darstellung des Peloponnesischen Krieges, mit dem Ziel zu bewerten, inwieweit sein Anspruch auf eine objektive und wahrheitsgetreue Geschichtsschreibung moderner wissenschaftlicher Überprüfung standhält.
- Methodische Analyse der Wiedergabe von Geschehnissen, Reden, Urkunden und Biographien.
- Kritische Quellenprüfung und Wahrheitsfindung bei Thukydides.
- Untersuchung der Authentizität und der rhetorischen Gestaltung von Reden.
- Reflexion über die philosophischen Grundannahmen (Geschichtsphilosophie) im Werk.
- Diskussion über den Stellenwert des Historikers als Zeitgenosse und Beobachter.
Auszug aus dem Buch
II.II. Zur Wiedergabe von Reden
Die thukydideische Darstellung des Peloponnesischen Krieges wird durch die Wiedergabe von ungefähr vierzig Reden verschiedener Staatsmänner und Militärangehöriger nicht nur ergänzt, sondern maßgeblich gestaltet. Die zumeist in direkter Rede wiedergegebenen Ansprachen sind allein schon auf Grund des Raumes, der ihnen im Gesamtwerk zukommt, neben der Berichterstattung über politische und militärische Geschehnisse der umfangreichste und bedeutendste Teil des Werkes. Aufsummiert bilden sie ungefähr ein Viertel der Gesamtdarstellung. Thukydides lässt athenische und spartanische Machthaber ebenso zu Wort kommen wie Kerkyraier, Korinther, Mytilener, Plataier und Thebaner. Hierdurch wird der Leser in Kenntnis gesetzt über den Prozess des Abwägens von militärischen und politischen Entscheidungen, die von den kriegsführenden Mächten schließlich in Taten umgesetzt werden. Die Reden im Werk dienen somit vordergründlich dem Zweck, dem Leser das Verständnis über konkret vollzogene Kriegstaten zu erleichtern, und die unterschiedlichen Ansichten zu Fragen des militärischen bzw. politischen Vorgehens innerhalb eines Lagers exemplarisch zu beleuchten.
Bei Betrachtung der sonstigen Quellenlage bezüglich der im Werk des Thukydides niedergeschriebenen Reden enthüllt sich aber ein beachtliches Problem: Die Wiedergabe von Ansprachen, wie sie Thukydides vornimmt, stehen vergleichslos dar. Es gibt keine der Wahrheitsprüfung dienliche Überlieferung anderer Autoren. Zwar haben neben Thukydides auch andere antike Schriftsteller beispielsweise den athenischen Staatsmann Perikles sprechen hören, jedoch ist das von ihnen Gehörte literarisch in einer Form bearbeitet worden, die für eine Prüfung der Korrektheit der von Thukydides wiedergebenden Reden nicht nutzbar ist. Bedeutendstes Beispiel hierfür ist Aristophanes, in dessen Komödien zwar Perikles indirekt in Erscheinung tritt, jedoch ohne dass sich auf dessen tatsächliche Redeweise rückschließen ließe.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Einführung in das Thema der methodischen Untersuchung des Geschichtswerks des Thukydides und Begründung der Arbeitsweise.
I. Zur Biographie des Thukydides: Skizze der Lebensdaten und des Werdegangs des Historikers, um seinen persönlichen Hintergrund als Athener, Stratege und Verbannter in den Kontext seiner Arbeit zu setzen.
II. Zur Methode des Thukydides: Methodologische Einleitung, die das Werk inhaltlich gliedert, um die verschiedenen literarischen Gattungen gezielt analysieren zu können.
II.I. Zur Wiedergabe von Geschehnissen: Analyse der kritischen Ereignisgeschichte, wobei insbesondere die Quellenkritik und der Anspruch auf Wahrheit gegenüber früheren Historikern wie Herodot hervorgehoben werden.
II. I. I. Analyse der Archäologie: Untersuchung der Rekonstruktion der griechischen Frühgeschichte durch den Historiker anhand von Anzeichen und archäologischen Analogien.
II.II. Zur Wiedergabe von Reden: Kritische Auseinandersetzung mit der Authentizität der im Werk enthaltenen Reden, die als Schöpfungen des Autors zur Erläuterung politischer Positionen dienen.
II.II.I Exemplarische Analyse: Der Epitaphios des Perikles: Detaillierte Untersuchung der Gefallenenrede des Perikles als Beispiel für die komplexe Verbindung von Authentizität und didaktischer Intention.
II. III. Zur Wiedergabe von Urkunden: Diskussion über die teils wörtliche, teils paraphrasierende Wiedergabe von Urkunden und die damit verbundenen Herausforderungen für den Leser.
II. VI. Zur Wiedergabe von Biographien: Analyse der Funktion biographischer Skizzen, die weniger Personen porträtieren, sondern als Rollenmodelle für politische Typologien dienen.
III. Zur Geschichtsphilosophie des Thukydides: Umriss der zyklischen Geschichtsvorstellung des Thukydides, geprägt durch das menschliche Streben nach Macht.
Epilog: Resümee der methodischen Untersuchung und Würdigung der dauerhaften Bedeutung des Historikers für die moderne Geschichtswissenschaft.
Schlüsselwörter
Thukydides, Peloponnesischer Krieg, Historiographie, Methode, Quellenkritik, Objektivität, Redenwiedergabe, Perikles, Geschichtsphilosophie, Machtstreben, Zeitgeschichte, Quellenforschung, Archäologie, Politische Geschichte, Antike.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die methodische Vorgehensweise von Thukydides bei der Niederschrift seines Geschichtswerks über den Peloponnesischen Krieg, insbesondere wie er Geschehnisse, Reden und Dokumente verarbeitet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Analyse der Ereignisgeschichte, die Authentizität der enthaltenen Reden, die Einbettung von Urkunden sowie die Verwendung biographischer Skizzen zur Typisierung von Politikern.
Welches Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob das Werk des Thukydides den eigenen Anspruch auf Objektivität und methodische Strenge einlöst und wie diese Methode eine moderne Prüfung besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine inhaltsanalytische, historisch-kritische Methode angewandt, bei der spezifische Textpassagen des thukydideischen Werks seziert und mit den expliziten methodischen Aussagen des Autors (dem sogenannten "Methodenkapitel") verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung der literarischen Gattungen: Geschehensberichte, Reden, Urkunden und biographische Elemente, ergänzt um eine Betrachtung der zugrunde liegenden Geschichtsphilosophie.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch den Fokus auf die kritische Quellenreflexion, den Vergleich mit anderen antiken Autoren wie Herodot und die philosophische Einordnung der zyklischen Geschichtsbewegung bei Thukydides aus.
Wie bewertet die Arbeit die Reden im Werk?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Reden zwar keine wortwörtlichen Protokolle sind, aber als "Schöpfungen des Autors" höchst wertvoll sind, um die politische Intention und den Kontext der jeweiligen Situation präzise zu vermitteln.
Welche Rolle spielen Urkunden in der Analyse?
Die Einbindung von Urkunden wird kontrovers diskutiert; die Arbeit stellt fest, dass diese für den Lesefluss oft erschwerend wirken, da ein methodischer Kommentar des Historikers dazu fehlt.
- Citation du texte
- Maik Lehmkuhl (Auteur), 2007, Die Wiedergabe von Geschehnissen, Reden, Urkunden und Biographien im Geschichtswerk des Thukydides, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73162