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“Divided Memory”: Die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR

Title: “Divided Memory”: Die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christina Schmalz (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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1. Einleitung

Am 15. Juni 2001 überwies die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ 213 Millionen Mark zur Entschädigung der Zwangsarbeiter an Partnerorganisationen in Tschechien, Polen sowie an die „Jewish Claims Conference“. Damit fand auch diese letzte Debatte um die Entschädigung einer Verfolgtengruppe des NS- Regimes ihr Ende und zeigte gleichzeitig, wie langwierig der Prozess der Bewältigung der NS-Vergangenheit ist. Um diesen Prozess soll es im Folgenden gehen. Die vorliegende Arbeit trägt den Titel „NS-Vergangenheit in BRD und DDR“. Da eine Betrachtung unter Auslassung der Besatzungszeit von 1945-49 allerdings nicht möglich ist – in diesen Jahren wurden viele Grundlagen für die spätere Politik der beiden deutschen Staaten gelegt - soll diese im Vorab Erwähnung finden. Aufbauend auf diese Entwicklungen werden später die Entnazifizierungs- und Wiedergut-machungshaltung bzw. –politik von BRD und DDR dargestellt. Die Vergangenheitsbewältigung umfasst nach Jesse vier Bereiche: 1) die justitielle Aufarbeitung der NS-Verbrechen, 2) die Wiedergutmachung, 3) die öffentliche Auseinandersetzung und 4) die historische Aufarbeitung.1 Da eine Abarbeitung all dieser Themenbereiche jedoch in dem gegebenen Rahmen zu weit führen würde, sollen lediglich die ersten zwei Teilgebiete betrachtet werden. Hierbei spielen wiederum die Gründungsmythen eine entscheidende Rolle, weshalb diese zunächst erläutert werden. Neben den allgemeinen Fakten soll auch die politische Kultur der beiden Staaten bzw. der BRD angedeutet werden, die wiederum einen großen Einfluss auf das Handeln der jeweiligen Regierungen hatte. Zur politischen Kultur der DDR lässt sich nach dem heutigen Stand der Forschung nur wenig sagen, da aufgrund der weitreichenden Zensur und dem Verbot der Meinungsfreiheit aussagekräftige Zeitzeugnisse fehlen. Was die Literatur betrifft, scheint es eine nahezu unbegrenzte an Veröffentlichungen zum Thema der Vergangenheitsbewältigung zu geben.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gründungsmythen

2.1 Antifaschismus und antifaschistischer Widerstand – DDR

2.2 Währungsreform und Wirtschaftswunder -BRD

3. Justitielle Aufarbeitung

3.1 Besatzungszeit

3.1.1 Nürnberger Prozesse und die Folgeprozesse

3.1.2 Entnazifizierungspolitik in den einzelnen Besatzungszonen 1945 -1949

3.2 Justitielle Aufarbeitung in der BRD 1949-1990

3.2.1 Die großen Prozesse

3.2.2 Amnestien, Gnadenentscheidungen und Rehabilitierung

3.2.3 Verjährungsdebatten

3.3 Entnazifizierung in der DDR 1949-1990

4. Wiedergutmachung

4.1 Finanzielle Wiedergutmachung in den Westzonen

4.2 Wiedergutmachung in der BRD

4.3 Finanzielle Wiedergutmachung in der Sowjetischen Besatzungszone

4.4 Wiedergutmachung in der DDR

4.5 Fazit

4.6 Wiedergutmachung nach der Wiedervereinigung

5. Schlusswort

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht den langwierigen Prozess der Bewältigung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Dabei wird insbesondere analysiert, wie unterschiedliche Gründungsmythen, justitielle Aufarbeitungsprozesse und die Praxis der Wiedergutmachung in den beiden deutschen Staaten den Umgang mit dem NS-Erbe maßgeblich geprägt und voneinander differenziert haben.

  • Vergleich der Gründungsmythen (Antifaschismus in der DDR vs. Währungsreform/Wirtschaftswunder in der BRD)
  • Justitielle Aufarbeitung von NS-Verbrechen in der Besatzungszeit und in den beiden deutschen Staaten
  • Politische Instrumentalisierung der NS-Vergangenheit und Entnazifizierungsmaßnahmen
  • Finanzielle Wiedergutmachung und Entschädigungsleistungen an NS-Verfolgte
  • Wandel der Vergangenheitsbewältigung nach der Wiedervereinigung

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Nürnberger Prozesse und die Folgeprozesse

Zur gemeinsamen Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher durch die Alliierten wurde bald nach Kriegsende der Internationale Militärgerichtshof (IMG) eingerichtet, wo schließlich am 20. November 1945 der Hauptprozess der sogenannten Nürnberger Prozesse gegen insgesamt 21 der 24 angeklagten Einzelpersonen begann. „Angeklagt waren die Mitglieder der NS-Führungselite sowie kollektiv die Organisationen: NSDAP, Gestapo und SD, SS, SA, Reichsregierung und OKW.“16 Ziel des Verfahrens war außer der Verurteilung der Kriegsverbrecher die Aufklärung der deutschen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit über die begangenen Verbrechen. Besonders die Amerikaner hatten dabei die Absicht, die Deutschen mit den Abgründen ihrer diktatorischen Vergangenheit zu konfrontieren, um so eine neue politische Kultur zu ermöglichen.17 Berichte über den Prozess wurden im Rundfunk und in den Zeitungen der Besatzungsmächte verbreitet.18 Die Bestrafung erfolgte unabhängig davon, ob die Handlung gegen das Recht des Landes verstoßen hatte, indem sie begangen wurde oder nicht. Die Alliierten ließen demnach, nicht wie die Deutschen später, das Rückwirkungsverbot in diesem besonderen Fall nicht gelten.

Der Prozess endete am 1. Oktober 1946 mit zwölf Todesurteilen. Drei Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, die anderen erhielten Zeitstrafen. Ein Angeklagter hatte bereits vor Beginn der Verhandlungen Selbstmord begangen. Die Verfahren gegen zwei weitere Personen wurden wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Es wurde trotz der Unfassbarkeit der verübten Verbrechen auf ein rechtsstaatliches Verfahren Wert gelegt, was letztendlich zu den Freisprüchen führte.19 Es gab von Anfang an zahlreiche Vorbehalte gegen das Verfahren. Bedenken gab es vor allem wegen der Legalität des Prozesses (siehe Rückwirkungsverbot). Bemängelt wurde weiterhin die Zusammensetzung des Gerichts, dem nur Deutschlands Kriegsgegner, nicht aber neutrale Staaten, geschweige denn Vertreter Deutschlands angehörten.20 Dennoch bezeichneten 80 Prozent der Deutschen die Urteile als „fair“, was, so Weinke, allerdings hauptsächlich auf der Annahme basierte, dass mit der Abstrafung der NS-Führungsclique dem „alliierten Bedürfnis nach Sühne und Wiederherstellung von Gerechtigkeit genüge getan wäre“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der NS-Vergangenheitsbewältigung in der BRD und DDR ein, skizziert die vier Bereiche der Aufarbeitung und erläutert den Fokus der Arbeit auf die ersten zwei Teilgebiete.

2. Gründungsmythen: Das Kapitel analysiert die Rolle von Gründungsmythen als Instrumente des politischen Selbstverständnisses und vergleicht den Antifaschismus als Staatsdoktrin der DDR mit dem westdeutschen Fokus auf Währungsreform und Wirtschaftswunder.

3. Justitielle Aufarbeitung: Es wird die juristische Verfolgung von NS-Verbrechern dargestellt, wobei die Unterschiede in den Besatzungszonen, die westdeutsche Justizentwicklung zwischen Amnestien und Prozessen sowie die politisch motivierte Säuberung in der DDR beleuchtet werden.

4. Wiedergutmachung: Dieses Kapitel behandelt die komplexen politischen Strukturen und internationalen Abkommen zur Entschädigung von NS-Verfolgten sowie die divergierenden Ansätze in Ost und West, die von Sühne bis hin zur außenpolitischen Instrumentalisierung reichten.

5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass die DDR die Aufarbeitung als Randthema vernachlässigte und ideologisch instrumentalisierte, während die BRD den Prozess offener, wenn auch unter dem Einfluss politischer Zielsetzungen wie der Westintegration, führte.

Schlüsselwörter

NS-Vergangenheit, Vergangenheitsbewältigung, BRD, DDR, Gründungsmythen, Antifaschismus, Justitielle Aufarbeitung, Nürnberger Prozesse, Entnazifizierung, Wiedergutmachung, Entschädigung, Antisemitismus, Westintegration, NS-Verbrechen, Kalter Krieg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sich die beiden deutschen Staaten (BRD und DDR) nach 1945 mit der NS-Vergangenheit auseinandergesetzt haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Gründungsmythen, die justitielle Aufarbeitung von NS-Verbrechen sowie die Praxis der finanziellen Wiedergutmachung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im staatlichen Umgang mit dem NS-Erbe in Ost- und Westdeutschland differenziert darzustellen und die zugrunde liegenden politischen Motivationen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer umfassenden Auswertung von Literatur und zeithistorischen Quellen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Gründungsmythen, den Vergleich der justitiellen Aufarbeitung und die Untersuchung der verschiedenen Ansätze zur Wiedergutmachung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind: Vergangenheitsbewältigung, Gründungsmythen, Justitielle Aufarbeitung, Entnazifizierung und Wiedergutmachung.

Wie unterschied sich die Haltung zur Wiedergutmachung zwischen der BRD und der DDR?

Während die BRD Wiedergutmachung nutzte, um außenpolitische Reputation zu gewinnen und den Westen zu integrieren, instrumentalisierte die DDR die Nicht-Wiedergutmachung, um außenpolitische Isolation zu überwinden und ideologische Ziele zu verfolgen.

Welchen Einfluss hatte der Kalte Krieg auf die Entnazifizierung?

Der Kalte Krieg führte sowohl in der BRD als auch in der DDR dazu, dass die Entnazifizierung zugunsten machtpolitischer Interessen und der Stabilisierung der jeweiligen neuen Systeme in den Hintergrund trat oder politisch instrumentalisiert wurde.

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Details

Title
“Divided Memory”: Die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR
College
University of Passau
Grade
1,0
Author
Christina Schmalz (Author)
Publication Year
2004
Pages
35
Catalog Number
V73200
ISBN (eBook)
9783638734073
ISBN (Book)
9783638735223
Language
German
Tags
Memory” NS-Vergangenheit Bundesrepublik Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Schmalz (Author), 2004, “Divided Memory”: Die NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73200
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