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Wechselnde Relevanzen - Zur Rezeption der Exilromane von Anna Seghers

Titel: Wechselnde Relevanzen - Zur Rezeption der Exilromane von Anna Seghers

Magisterarbeit , 2006 , 91 Seiten , Note: 2,1

Autor:in: M.A. Baghira Karlos (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Leser trägt einen hohen Anteil an der Bedeutungskonstitution von Texten. Dadurch, dass der direkten Kommunikation das Medium Text zwischengeschaltet ist, identifiziert sich der Leser mit Ideen und Handlungskonstruktionen, die der Autor über diesen transportiert. Nur, wenn ein solcher Prozess stattfindet, der Leser also Bezüge zu seiner aktuellen, individuellen und gesellschaftlichen Realität herstellt und diese dokumentiert, wird von produktiver Rezeption gesprochen. Als Analysegrundlage der vorliegenden Arbeit dienen verschiedene Ausdrucksformen der Identifikation des Lesers mit den Primärquellen, Das siebte Kreuz und Transit. Sekundärliteratur, Verfilmungen und auch ge- oder missglückte Theaterinszenierungen sind empirisch überprüfbar und bilden so in ihrer Vollständigkeit ein stabiles Gerüst, das Anna Seghers` Werkauszug in den Augen ihrer Leser spiegelt.

Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen mit der Wirkung der Romane und einer großen Bewunderung für eine starke Frau, möchte ich wissen, inwieweit Anna Seghers` Exilromane Einfluss auf die Welten anderer üben. So kann die nachfolgenden Untersuchungen als eine Art Fortsetzung des Leseerlebnisses verstanden werden, habe ich doch zumindest die publizierte produktive Rezeption bezüglich der Exilromane gelesen und durfte so durch verschiedene Augen auf die Welt der Romane schauen, die dadurch weiter geworden ist. Welche Realwelten sind verändert worden, welche Aspekte werden wann und zu welchen Zweck besonders hervorgehoben? Auf diese und andere Fragen soll die Rezeptionsgeschichte von Das siebte Kreuz und Transit Antwort geben. Folgende Schwerpunkte sind, auch hinsichtlich ihrer Angemessenheit überprüft, gesetzt: Auf der Grundlage theoretischer Überlegungen, werden die Primärquellen in ihre Entstehungszeit eingegliedert, um auf dieser Grundlage den methodisch rezeptionsgeschichtlichen Teil zu begründen. Die komplementäre Rezeption in Ost- und Westdeutschland bildet dessen Kern und ist heute noch politisch aktuell. Den Medien: Schulbuch und Bibliothekbestand wird ein besonderer Platz eingeräumt werden, da hier der breite Zugang zum Rezipienten vorbestimmt ist. Durch die chronologische Vorgehensweise gelingt das Bild des Perspektivenwandels auf Zentralmotive der Romane.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Vorbemerkung

3 Relationen von Rezeptionsprozessen

3.1 Die epochalen Besonderheiten von Exilliteratur

3.2 Die wechselseitige Verantwortung des Rezeptionsprozesses

4 Kritische Entstehungs- und Druckgeschichte der Romane

4.1 Das siebte Kreuz

4.1.1 Entstehung – Flucht vor den Nationalsozialisten

4.1.2 Druckgeschichte – vom Kriegskind zum Bestseller

4.2 Transit

4.2.1 Entstehung – Bleiben im dritten Raum

4.2.2 Druckgeschichte – als Fortsetzung missverstanden

4.3 Zusammenfassung – Rückschlüsse auf das Wirkungspotential

5 Rezeption bis zum Zusammenbruch des Deutschen Reichs 1945

5.1 Das siebte Kreuz

5.2 Transit

6 Probleme der Verbreitung von Exilliteratur nach 1945 in Deutschland

6.1 Überblick – Reduktion in Ost- und Westdeutschland

6.2 Die DDR zwischen Solidarität, Ästhetik und Ignoranz

6.3 BRD – Der Feind des kommunistischen Gedanken

6.3.1 Das siebte Kreuz

6.3.2 Transit

6.3.3 Zusammenfassung

7 Analyse zu Bibliotheksbeständen

8 Der Fall Walter Janka und dessen Auswirkung auf die Seghers - Rezeption

9 Präsenz der Romane in Lesebüchern Ost- und Westdeutschlandes

9.1 Analyse von Lesebüchern der sechziger Jahre

9.2 Antipathie seitens der Literaturdidaktik in den siebziger Jahren

9.3 Auffällige Starre der Präsenz in den achtziger und neunziger Jahren

9.4 Resümee

10 Rezeption nach 1968

10.1 Mainz und seine ungeliebte Tochter

11 Kreative Rezeption im Wiedervereinten Deutschland ab 1990

11.1 Schwerpunkt: Mythen, Märchen- und Sagenmotive

11.1.1 Religiös motivierte Elemente

11.1.2 Zwischenfazit

11.2 Schwerpunkt: Die Zentralmotive Imstichlassen versus Solidarität

11.2.1 Die dialektische Wechselwirkung von Zufall und Notwendigkeit

11.2.2 Warten auf das Bleiben – Identitätsfindung im Zwischenraum

11.3 Zu Anna Seghers´ hundertsten Geburtstag

11.4 Zwischenfazit

11.5 Kommentar zur Werkausgabe des Romans Das siebte Kreuz

11.6 Kommentar zur Werkausgabe von Transit 2001

12 Faktisches und Fiktionalisierung in Das siebte Kreuz am Beispiel Westhofen

13 Adaptionen der Romane

13.1 Das siebte Kreuz im Kino

13.2 Transit im Fernsehen

14.3 Das siebte Kreuz als Hörspiel

13.4 Das siebte Kreuz auf der Bühne

14 Zum Schluss – Die Frage nach der Aktualität

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Rezeptionsgeschichte der Exilromane "Das siebte Kreuz" und "Transit" von Anna Seghers zu untersuchen und dabei die wechselseitige Verantwortung von Autor und Leser sowie die Rolle gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen im Nachkriegsdeutschland zu analysieren.

  • Rezeptionsgeschichte der Romane von 1945 bis zum wiedervereinigten Deutschland.
  • Einfluss politischer Ideologien und des Kalten Krieges auf die Wahrnehmung der Autorin.
  • Analyse der Entstehungs- und Druckgeschichte sowie deren Auswirkungen auf die Rezeption.
  • Untersuchung der Präsenz in Lesebüchern und Bibliotheksbeständen.
  • Kreative Rezeption und mythische Motive in den Werken.

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Druckgeschichte – vom Kriegskind zum Bestseller

Die Bemühungen einen Verleger für Das siebte Kreuz zu finden fallen in das erste Jahr des zweiten Weltkrieges. Dieser Zeit entsprechend stellt es sich als sehr schwierig heraus den Roman, der Anna Seghers sehr am Herzen liegt, veröffentlichen zu lassen. Fast fällt der Roman den Wirren des Krieges zum Opfer. Als Anna Seghers die Odyssee von Marseille nach Mexiko antritt hat sie kein Exemplar mehr im Gepäck. Die folgende Aufzählung der Stationen von Verlegern und Verlagsorten ist verschiedensten Quellen entnommen, die sich gegenseitig ergänzen. Widersprüchliche Aussagen sind nicht getroffen worden, also kann davon ausgegangen werden, dass die Rezeption mit den folgenden Stationen der Veröffentlichung beginnt.

Schon ein Jahr nach dem Beginn der Arbeit an dem Roman werden ab Juni 1939 erste Kapitel in der in Moskau erscheinenden Internationalen Literatur gedruckt. Zu diesem Zeitpunkt kann Anna Seghers nicht wissen, dass der Druck nach den ersten beiden Kapiteln eingestellt wird. Nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffpaktes erwartet sie keine weitere Veröffentlichung in der Sowjetunion. Die politischen Umstände, dass Polen von Deutschland erobert ist, Hitler durch Verträge mit Stalin absichert keinen Angriff über die Ostfront befürchten zu muss und der Kriegsausbruch an der deutschen Westfront bevor steht, macht eine Veröffentlichung in Europa erst einmal unwahrscheinlich bis unmöglich. Umso dringlicher wendet sich Anna Seghers an ihre Freunde in New York, dort einen Übersetzer und Verleger für sie zu finden.

1941 erscheint eine russische Übersetzung in der Zeitschrift Oktjabr, die den Roman bis zum vierten Kapitel, Abschnitt V wiedergibt. Die Erfolgsgeschichte der Rezeption des Romans Das siebte Kreuz beginnt aber mit dessen Vermarktung im amerikanischen Buchgeschäft. 1942 erscheint die Erstausgabe im Bostoner Verlag Little Brown & Company, es verkaufen sich innerhalb von vier Wochen ca. 340.000 Exemplare, und auf Empfehlung von Erich Maria Remarque wird das Buch noch im selben Jahr in dem 300.000 Mitglieder zählenden Book-of-the-Month-Club als Buch des Monats herausgebracht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Lesers bei der Bedeutungskonstitution von Texten und definiert das Ziel der Arbeit, die Rezeptionsgeschichte von "Das siebte Kreuz" und "Transit" zu analysieren.

2 Theoretische Vorbemerkung: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeiten bei der Bestimmung des Rezeptionsbegriffs und führt in die Grundlagen der Rezeptionsforschung ein, wobei die Bedeutung des Erwartungshorizonts hervorgehoben wird.

3 Relationen von Rezeptionsprozessen: Es werden die epochenspezifischen Faktoren der Exilliteratur und die wechselseitige Verantwortung im Rezeptionsprozess diskutiert, die bestimmen, wie ein Werk vom Leser aufgenommen wird.

4 Kritische Entstehungs- und Druckgeschichte der Romane: Dieses Kapitel beschreibt die komplexen Umstände der Entstehung und Erstveröffentlichung beider Romane vor dem Hintergrund des Exils und der Kriegsereignisse.

5 Rezeption bis zum Zusammenbruch des Deutschen Reichs 1945: Hier wird die Rezeption der Werke im Ausland während der NS-Zeit sowie die unterschiedliche Aufnahme der beiden Romane in den USA analysiert.

6 Probleme der Verbreitung von Exilliteratur nach 1945 in Deutschland: Das Kapitel analysiert die politische Instrumentalisierung der Exilliteratur in Ost- und Westdeutschland und die daraus resultierenden Unterschiede in der Aufnahme der Werke.

7 Analyse zu Bibliotheksbeständen: Hier wird untersucht, wie Bibliotheks-Referenten die Werke von Anna Seghers in den Regalen platzierten, wobei der Fokus stärker auf der literarischen Qualität als auf politischer Denunziation lag.

8 Der Fall Walter Janka und dessen Auswirkung auf die Seghers - Rezeption: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss des Schauprozesses gegen den Verleger Walter Janka auf die öffentliche Wahrnehmung von Anna Seghers.

9 Präsenz der Romane in Lesebüchern Ost- und Westdeutschlandes: Es wird analysiert, wie die Romane in Schulbüchern vertreten waren und welche didaktischen Strategien dabei zur Anwendung kamen.

10 Rezeption nach 1968: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel in der politischen und kulturellen Situation nach 1968 und dessen Auswirkungen auf das Interesse an Anna Seghers' Werk.

11 Kreative Rezeption im Wiedervereinten Deutschland ab 1990: Hier werden die neuen Schwerpunkte in der Rezeption, wie mythische Motive und Identitätsfragen, nach der Wiedervereinigung untersucht.

12 Faktisches und Fiktionalisierung in Das siebte Kreuz am Beispiel Westhofen: Das Kapitel setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit das fiktive Lager Westhofen auf realen Orten und Geschehnissen basiert.

13 Adaptionen der Romane: Es werden verschiedene Adaptionen in Kino, Fernsehen, Hörspiel und auf der Bühne betrachtet.

14 Zum Schluss – Die Frage nach der Aktualität: Das abschließende Kapitel reflektiert die bleibende Bedeutung von Anna Seghers' Werk und die Möglichkeiten, ihre Texte einer neuen Generation zu vermitteln.

15 Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Zeitungsartikel.

Schlüsselwörter

Anna Seghers, Das siebte Kreuz, Transit, Rezeptionsgeschichte, Exilliteratur, DDR, BRD, Walter Janka, literarische Qualität, Antifaschismus, Lesebücher, Mythos, Solidarität, Literaturdidaktik, Identitätsfindung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die historische Rezeptionsgeschichte der beiden Exilromane "Das siebte Kreuz" und "Transit" von Anna Seghers in Deutschland über verschiedene Epochen hinweg.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen der Einfluss politischer Systeme auf die literarische Wahrnehmung, die Rezeption im Schulunterricht sowie die mythischen und strukturellen Qualitäten der Romane.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Rezeption der Werke Anna Seghers' in Ost- und Westdeutschland aufgrund ideologischer Unterschiede historisch entwickelte und veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf eine rezeptionsgeschichtliche Untersuchung, die quantitative und qualitative Daten wie Auflagenzahlen, Literaturkritiken und Lehrpläne auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Entstehungsgeschichte, den politischen Problemen der Verbreitung nach 1945, dem Einfluss des Falls Walter Janka und verschiedenen medialen Adaptionen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Rezeptionsästhetik, Exilliteratur, politische Instrumentalisierung, Identitätsfindung und die ästhetische Qualität der Seghers'schen Prosa.

Welche Rolle spielte der Fall Walter Janka für das Bild der Autorin?

Der Fall Janka führte zu einer anhaltenden kritischen Debatte, da Seghers' Zurückhaltung während des Schauprozesses oft gegen ihre politische Integrität als Schriftstellerin ausgelegt wurde.

Warum wird "Das siebte Kreuz" in der westdeutschen Rezeption oft anders bewertet als "Transit"?

Während "Das siebte Kreuz" als Fluchtgeschichte und Antifaschismus-Roman eine breitere, wenn auch oft ideologisch gefärbte Anerkennung fand, galt "Transit" aufgrund seiner komplexen Struktur und der diffusen Identität des Protagonisten lange als enttäuschend.

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wechselnde Relevanzen - Zur Rezeption der Exilromane von Anna Seghers
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistisches Institut)
Note
2,1
Autor
M.A. Baghira Karlos (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
91
Katalognummer
V73216
ISBN (eBook)
9783638635776
ISBN (Buch)
9783638675680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselnde Relevanzen Rezeption Exilromane Anna Seghers
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Baghira Karlos (Autor:in), 2006, Wechselnde Relevanzen - Zur Rezeption der Exilromane von Anna Seghers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73216
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Leseprobe aus  91  Seiten
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