"Der Besitz der Sprache unterscheidet den Menschen vom Tier" (HÖRMANN, 1967, S. 1).
Tiere können untereinander kommunizieren, aber auch mit dem Menschen. Sie tun dieses mit einer begrenzten Zahl isolierter Laute oder mimischer und gestischer Ausdrucksweisen. Den höchsten Tierarten fehlt es auch an den Voraussetzungen für die Ausbildung eines Verständigungssystems, daß mit der menschlichen Sprache vergleichbar wäre.
Der Mensch entwickelt im Laufe weniger Jahre aus einer geringen Anzahl für sich bedeutungsloser Laute Tausende von bedeutungshaltigen Lautmustern (Silben, Wörter). Diese werden nach den grammatischen Regeln der jeweils erlernten Sprache so kombiniert, daß aus ihnen eine unendliche Zahl von Aussagen gebildet werden kann. Von Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, können diese Aussagen dann problemlos verstanden werden.
Die Sprachentwicklungspsychologie untersucht, aufgrund welcher Voraussetzungen und in welcher Weise Menschen Sprache erwerben und wie sie ihre Sprache gebrauchen. Dabei kann sie von folgenden Beobachtungen ausgehen: Beginnend mit Schreien und Vokalisieren des Säuglings über das Lallen entstehen bald feste Beziehungen zwischen Lautkomplexen (Worten) und Gegenständen oder Handlungen, bis dann im Anschluß die sehr speziellen Regeln der jeweils erworbenen Sprache verwendet und angewandt werden.
Kinder unterscheiden sich zwar in der Geschwindigkeit mit der sie die Sprache erwerben, die Abfolge der Entwicklungsschritte ist aber weitgehend gleich (Trautner, 1991 u. 1997, S.233).
Inhaltsverzeichnis
1. Drei Aspekte der Sprache
2. Die Entwicklung der Grammatik
2.1. Einwortäußerungen
2.2. Zweiwortäußerungen
2.2.1. semantische Funktionen von Zweiwortäußerungen
2.2.2. Pivot-Grammatik
2.3. Drei- und Mehrwortäußerungen
3. Erwerb von Wortbedeutung
4. Entwicklung von kommunikativen Fähigkeiten
5. Sprachentwicklungstheorien
6. Grundlagen des Spracherwerbs
6.1. Biologische Grundlagen des Spracherwerbs
6.2. Psychoanalytische Sichtweise des Spracherwerbs
6.3. Soziale Lerntheorie der Sprachentwicklung
6.4. Kognitive Theorien der Sprachentwicklung
7. Zusammenfassung
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Spracherwerb von Kindern unter verschiedenen theoretischen und psychologischen Aspekten, um zu verstehen, wie Kleinkinder von ersten Lauten zu komplexen grammatikalischen Strukturen gelangen und kommunikative Kompetenz entwickeln.
- Die drei Grundpfeiler der Sprache: Form, Inhalt und Mitteilungsfunktion.
- Phasen des Grammatikerwerbs von Einwort- bis Mehrwortsätzen.
- Die Entwicklung des Bedeutungsverständnisses und die Rolle des Kontexts.
- Kommunikative Kompetenz und die soziale Einbettung der Sprachentwicklung.
- Vergleich verschiedener Spracherwerbstheorien (biologisch, psychoanalytisch, lerntheoretisch und kognitiv).
Auszug aus dem Buch
2.2. Zweiwortäußerungen:
In den Zweiwortäußerungen ist es erstmals möglich, Regelhaftigkeiten der Aneinanderreihung von Wörtern zu analysieren.
Am Anfang werden einfach zwei Wörter nebeneinander gestellt, bis schließlich Regelmäßigkeiten der Kombination von Wörtern erkennbar sind.
Es wurden auch im großen und ganzen die semantischen Funktionen in den Zweiwortäußerungen deutschsprachiger Kinder gefunden, die in anderen Sprachen auch gefunden wurden. Der Begriff „semantische Funktion“ bezieht sich auf Bedeutungskategorien. Zu diesen gehören die grammatischen Bedeutungen, die Wörter in Sätzen haben können, z.B. kann ein Wort in der Funktion des Handlungsträgers, des Objekts usw. sein. Auch gehören dazu Kategorien des Vorhandenseins/Nicht–Vorhandenseins von Objekten/Personen, deren Lokalisierung und nähere Bestimmung.
Es lassen sich folgende semantische Funktionen von Zweiwortäußerungen charakterisieren (Beispiele z.B. aus Miller, 1976; Clahsen, 1982):
Vorhandensein: Das Kind will ausdrücken, daß ein Objekt/ eine Person da ist:
Nicht-Vorhandensein: Das Kind will ausdrücken, daß ein Objekt/ eine Person nicht (mehr) da ist:
Wieder-Vorhandensein: Das Kind will sagen, daß ein Objekt/eine Person wieder auftaucht, oder daß eine Handlung wiederholt wird:
Handlungsträger und Handlung:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Drei Aspekte der Sprache: Die Sprache wird in die drei Dimensionen Form (Grammatik), Inhalt (Semantik) und Mitteilungsfunktion (Pragmatik) unterteilt.
2. Die Entwicklung der Grammatik: Dieses Kapitel erläutert den Übergang von Einwort- zu komplexen Mehrwortsätzen und beschreibt die Regelbildungen bei Kindern.
3. Erwerb von Wortbedeutung: Hier wird analysiert, wie Kinder Wortbedeutungen erlernen und warum sie diese oft anfangs überdehnen oder kontextabhängig verwenden.
4. Entwicklung von kommunikativen Fähigkeiten: Das Kapitel behandelt den Erwerb sozialer Regeln beim Sprechen und die Bedeutung des situativen Kontextes.
5. Sprachentwicklungstheorien: Ein Überblick über die Aufgaben einer Theorie der Sprachentwicklung und die Vielfalt der Ansätze.
6. Grundlagen des Spracherwerbs: Untersuchung der biologischen, psychoanalytischen, lerntheoretischen und kognitiven Erklärungsmodelle für den kindlichen Spracherwerb.
7. Zusammenfassung: Eine synoptische Betrachtung der zentralen Erkenntnisse über die drei Aspekte der Sprache und die verschiedenen Erwerbstheorien.
8. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen zur Sprachentwicklung.
Schlüsselwörter
Sprachentwicklung, Spracherwerb, Grammatik, Semantik, Pragmatik, Zweiwortäußerungen, Pivot-Grammatik, Wortbedeutung, kommunikative Kompetenz, Lerntheorie, kognitive Entwicklung, biologische Grundlagen, Sprachpsychologie, kindliche Sprache, Sprachproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Untersuchung der Sprachentwicklung von Kindern, angefangen bei den ersten Lauten bis hin zur komplexen Beherrschung der Muttersprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die grammatikalische Entwicklung, der Erwerb von Wortbedeutungen, die Entstehung kommunikativer Fähigkeiten sowie die kritische Gegenüberstellung verschiedener Spracherwerbstheorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu beschreiben und zu erklären, durch welche Prozesse Kinder die formale Struktur, Bedeutung und Funktion von Sprache erlernen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Aufarbeitung bestehender entwicklungspsychologischer Forschungsliteratur und einschlägiger Studien zum Spracherwerb.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Aspekte der Sprache (Form, Inhalt, Funktion), die Phasen des Grammatikerwerbs, die Wortbedeutungsentwicklung und eine detaillierte Diskussion biologischer, sozialer und kognitiver Erklärungsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sprachentwicklung, Grammatik, semantische Funktionen, Pivot-Grammatik, kommunikative Kompetenz und die verschiedenen kognitiven sowie lerntheoretischen Ansätze.
Was besagt die Pivot-Grammatik nach Braine?
Die Pivot-Grammatik postuliert, dass Kinder frühzeitig Wörter in zwei Klassen unterteilen: häufige "Pivot-Wörter" in fester Position und eine größere Klasse "offener Wörter", die variabel kombiniert werden.
Wie bewerten die kognitiven Theorien den Spracherwerb?
Kognitive Theorien betrachten den Spracherwerb als Teil der allgemeinen geistigen Entwicklung; sie gehen davon aus, dass kognitive Leistungen (wie das Verständnis von Raum- und Zeitbegriffen) notwendige Voraussetzungen für sprachliche Fortschritte sind.
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- Ariane Struck (Autor), 1999, Sprachentwicklung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7326