Staatliches Handeln, insbesondere der Verwaltung, bedarf immer einer Kontrollinstanz. Der Bundesrechnungshof spielt in diesem Kontrollgefüge, auch wenn er wenig Aufmerksamkeit durch der Öffentlichkeit genießt, eine große Rolle und war in der Vergangenheit Änderungen unterworfen, die seine Arbeit beeinflusst haben. Zu den gesetzlich vorgeschrieben Aufgaben der Kontrolle der Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit entwickelte sich ein weiteres Interesse an Erfolgskontrollen. Diese erweitern die Leerformel der Wirtschaftlichkeit um eine Wirksamkeitsanalyse, die besonders bei Subventionen eine wichtige Rolle spielt. Subventionen müssen, da sie aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, auch einem gemeinwohlorientiertem Zweck dienen und gegebenenfalls einer Änderung unterzogen werden, falls die beabsichtigten Ziele nicht erreicht wurden. Gerade Subventionen sind ein brisantes Thema, dass immer Gewinner und Verlierer hervorbringt. Eine unemotionale Kontrolle dieses Instruments, abseits politischen Kalküls und Funktionslogiken, ist unerlässlich um Akzeptanz und Wirkung der Subventionen sicherzustellen.
Diese Arbeit wird sich nach Klärung der Stellung des BRH im politischen System der BRD mit dem Prüfungsmaßstab der Wirtschaftlichkeit befassen. Weiterführend werden die Erweiterung dieses Maßstabes durch die Erfolgskontrolle und die damit verbunden Probleme im Kontext von Subventionen dargestellt werden. Den aufgezeigten Problemen werden im Anschluss daran Problemlösungsansätze dargelegt werden, die innerhalb wissenschaftlicher Debatten diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Bundesrechnungshof im politischen System der BRD
2.1. Verfassungsrechtliche Stellung des Bundesrechnungshofes
2.2. Aufgaben und Funktion
3. Wirtschaftlichkeit
3.1. Wirtschaftlichkeit als Prinzip von Verwaltungshandeln
3.2. Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzip im staatlichen Sektor
4. Erfolgskontrolle von Subventionen
4.1. Begriff der Subvention
4.2. Begriff der Erfolgskontrolle
4.3. Probleme der Erfolgskontrolle von Subventionen
4.4. Problemlösungsansätze
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Bundesrechnungshofes (BRH) bei der Prüfung von Wirtschaftlichkeit, mit einem besonderen Fokus auf die Erweiterung des Prüfungsmaßstabs durch Erfolgskontrollen im Bereich der staatlichen Subventionen.
- Verfassungsrechtliche Stellung des Bundesrechnungshofes
- Grundlagen des Wirtschaftlichkeitsprinzips in der Verwaltung
- Definition und Herausforderungen der Erfolgskontrolle
- Konfliktpotenzial zwischen politischem Ermessen und fachlicher Kontrolle
- Strategien zur Verbesserung der Wirksamkeitsanalyse von Subventionen
Auszug aus dem Buch
4.3. Probleme der Erfolgskontrolle von Subventionen
Je weiter sich der BRH von seiner Tätigkeit als Rechnungsprüfer entfernt und zum Berater und Erfolgskontrolleur wird, desto mehr wird er Gegenstand von Kritik, die eine Kompetenzübertretung und illegales Hineindrängen in politische Entscheidungen konstatiert. Die These, der BRH dürfe politische Entscheidungen nicht zum Gegenstand seiner Prüfungstätigkeit machen, ist weit verbreitet.52 Der BRH habe sich auf Ordnungsmäßigkeit, Rechtmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu konzentrieren, während die Bewertung politischer Entscheidungen Aufgabe der demokratisch legitimierten Verfassungsorgane sei.53 Die Bewilligung einer Subvention ist jedoch immer das Ergebnis einer politischen Entscheidung. Welche Betriebe, Wirtschaftszweige oder Regionen subventioniert werden sollen ist eine Wertung politischer Entscheidungsträger. Der BRH sieht seine primäre Aufgabe auch nicht in der Kontrolle politischer Entscheidungen selbst, hält es aber für gerechtfertigt, Prüfungsergebnisse, die die „Voraussetzungen oder Auswirkungen derartiger Entscheidungen betreffen“ zu veröffentlichen.54
Ungenaue Zielformulierungen innerhalb des Haushaltes drängen den BRH jedoch in eine wertende, politische Position. Gründe für unkonkrete Zweckformulierungen seitens des Gesetzgebers sind zahlreich. Es kann Teil einer politischen Strategie sein, da für eindeutige Zielsetzungen oftmals politische Unterstützung fehlt. Desweiteren gibt es Defizite im Personal und in der Organisation. „Schutz von Landschaft und Natur“, „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes“ und „Verringerung der Umweltbeeinträchtigung“ sind Oberziele, die sich vom Personal der Verwaltung kaum operationalisieren lassen.55
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Bundesrechnungshofes als Kontrollinstanz und führt in die Notwendigkeit der Erfolgskontrolle bei Subventionen als Ergänzung zur klassischen Wirtschaftlichkeitsprüfung ein.
2. Der Bundesrechnungshof im politischen System der BRD: Dieses Kapitel erörtert die verfassungsrechtliche Position des BRH sowie dessen Aufgaben, Funktionen und seine Einordnung innerhalb der Gewaltenteilung.
3. Wirtschaftlichkeit: Hier wird das Prinzip der Wirtschaftlichkeit als maßgebliche Handlungsanweisung der Verwaltung definiert und dessen komplexe Anwendung im staatlichen Sektor analysiert.
4. Erfolgskontrolle von Subventionen: Das Kapitel definiert den Subventions- und Erfolgskontrollbegriff, identifiziert zentrale Umsetzungsprobleme und diskutiert mögliche Lösungsansätze für eine effektivere Prüfung.
5. Zusammenfassung: Der abschließende Teil fasst die wissenschaftliche Debatte zusammen und betont die Bedeutung einer stärkeren Qualifizierung des Personals für wirtschaftswissenschaftliche Themenfelder.
Schlüsselwörter
Bundesrechnungshof, Erfolgskontrolle, Wirtschaftlichkeitsprinzip, Subventionen, Verwaltungskontrolle, Haushaltsrecht, Finanzkontrolle, Wirksamkeitsanalyse, Zielformulierung, Verwaltungshandeln, staatliche Mittel, politische Entscheidungen, Ressourcenallokation, Personalqualifikation, Zweckorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Prüftätigkeit des Bundesrechnungshofes (BRH) und die Herausforderungen, die sich durch die Erweiterung der klassischen Ordnungsmäßigkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfung um die Erfolgskontrolle ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der verfassungsrechtlichen Stellung des BRH, dem ökonomischen Wirtschaftlichkeitsbegriff sowie den spezifischen Schwierigkeiten bei der Erfolgskontrolle von Subventionsprogrammen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Bundesrechnungshof durch die notwendige Wirksamkeitsanalyse von Subventionen in politische Entscheidungsspielräume gerät und wie dieser Problematik begegnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Untersuchung basiert auf einer theoretischen Analyse verwaltungsrechtlicher Grundlagen, der Auswertung bestehender Haushaltsvorschriften sowie der Betrachtung wissenschaftlicher Debatten zur Effektivität staatlicher Finanzkontrolle.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Subventionen und Erfolgskontrollen, den Informationsproblemen bei der Ziel-Output-Relation sowie der Kritik an unkonkreten Zielvorgaben durch den Gesetzgeber.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Bundesrechnungshof, Erfolgskontrolle, Wirtschaftlichkeit, Subventionswesen und die politische Legitimation der Kontrolltätigkeit.
Inwiefern beeinflusst der Mangel an Personalkapazitäten die Arbeit des BRH?
Die Arbeit zeigt auf, dass trotz massiv gestiegener Haushaltsvolumina das Personal kaum gewachsen ist, was die Kapazitäten für komplexe Erfolgskontrollen stark begrenzt und den Fokus auf die klassische Rechnungsprüfung zwingt.
Warum wird die Erfolgskontrolle von Subventionen als brisant eingestuft?
Da Subventionen oft in Preismechanismen eingreifen und Partikularinteressen von Lobbygruppen bedienen, ist eine unemotionale, fachliche Kontrolle durch den BRH entscheidend, um die Verzerrung des Wettbewerbs zu verhindern.
Welcher Lösungsansatz wird zur Verbesserung der Erfolgskontrolle vorgeschlagen?
Es wird eine Reform des Subventionsrechts angeregt, die eine klarere Definition von Förderzwecken in Rechtsverordnungen vorsieht, kombiniert mit einer verstärkten wirtschaftswissenschaftlichen Qualifizierung des Personals beim Rechnungshof.
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- Thomas Danken (Author), 2007, Der Bundesrechnungshof - Die Erweiterung des Prüfungsmaßstabs der Wirtschaftlichkeit um die Erfolgskontrolle am Beispiel von Subventionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73277