Im Rahmen einer Proseminararbeit ist es leider nicht möglich die Gesamtheit aller in Ungarn lebenden Deutschen differenziert zu untersuchen. Aus diesem Grunde muss eine Auswahl getroffen werden. Aufgrund persönlicher Kontakte zu Mitgliedern der sathmarschwäbischen Volksgruppe, bot es sich an diese Minderheit, bzw. ihre Mundart als Untersuchungsgegen-stand zu wählen. Auf diese Weise ließen sich direkte Informationen über die gegenwärtige sprachliche Situation einholen, die jedoch selbstverständlich nicht stellvertretend für die ganze Minderheit sein können. Dennoch lassen sich einige Gesetzmäßigkeiten ableiten, die auch bei anderen deutschen Minderheiten zu beobachten sind.
Die vorliegende Proseminararbeit gliedert sich in drei Kapitel.
Im ersten Kapitel wird die Volksgruppe der Sathmarschwaben vorgestellt, indem sie in einen historischen Kontext eingebettet wird. Dabei wird über die Herkunft der Sathmarschwaben berichtet und nach Beweggründen gesucht, die die Volksgruppe veranlasste, ihre Heimat zu verlassen und in den fernen Osten zu ziehen.
Im nächsten Kapitel wird der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit, die Mundart der Sathmarschwaben fokussiert. Aus soziolinguistischer Perspektive werden die Faktoren untersucht, die den Erhalt, bzw. den Verlust der Sprache bedingen. Dabei wird zunächst die Lage im Sathmarer Land, dem Siedlungsgebiet der Sathmarschwaben erörtert, indem z.B. die beiden sich stark auf die Sprache auswirkenden Domänen „Schule“ und „Kirche“ durchleuchtet werden. Schließlich werden weitere Faktoren, nun aber in Bezug auf eine kleine, in Mannheim lebende Sprechergruppe, auf der Basis von Befragungen, erarbeitet.
Damit der Untersuchungsgegenstand der Proseminararbeit, die sathmarschwäbische Mundart, in der Fantasie der LeserInnen kein rein theoretisches Konstrukt bleibt, wird im dritten Kapitel ein Interview, das mit einem Mundartsprecher durchgeführt wurde, vorgestellt. Die LeserInnen können sich somit einen Eindruck von der sathmarschwäbischen Mundart verschaffen und inhaltliche Bezüge zu den vorausgehenden Teilen der Proseminararbeit entdecken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Geschichtlicher Überblick
2. Der Sprachwandel der sathmarschwäbischen Mundart
2.1. Die Entwicklung des Sathmarschwäbischen seit der Ansiedlung im Sathmarer Gebiet
2.2. Die gegenwärtige Situation einer Mannheimer Sprechergruppe
3. Interview mit einem Dialektsprecher
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Herkunft sowie den gegenwärtigen soziolinguistischen Status der Sathmarschwaben mit einem besonderen Fokus auf den Sprachwandel und die Erhaltung der Mundart in einer Mannheimer Sprechergruppe.
- Historische Hintergründe der Auswanderung aus Oberschwaben
- Soziolinguistische Analyse des Sprachverlusts und -erhalts
- Untersuchung der Sprachkompetenz über drei Generationen
- Bedeutung von Identität und Dialektvitalität
- Qualitative Auswertung von Zeitzeugengesprächen
Auszug aus dem Buch
2.2. Die gegenwärtige Situation einer Mannheimer Sprechergruppe
a. Der sathmarschwäbische Dialekt durchläuft einen Abbauprozess. Meist verfügt nur noch die ältere Generation über eine einigermaßen stabile Dialektkompetenz. Außer dem Dialekt spricht die ältere Generation ungarisch und etwas standarddeutsch.
In der mittleren Generation sind gravierende Unterschiede in Bezug auf die Dialektkompetenz vorhanden: die Skala reicht von „recht gut“ bis „keine Kompetenz vorhanden“. Als erste Sprache wird meist das Ungarische gesprochen, Kenntnisse in Standarddeutsch wurden später angeeignet – ein ungarischer Akzent ist meist zu hören. Die junge Generation hat meist nur noch passive Dialektkenntnisse durch die Großeltern. Da die junge Generation meist in der BRD geboren wurde und den deutschen Kindergarten und die Schule besucht, hat sie eine gute Kompetenz des Standarddeutschen.
Da die mittlere Generation meist ungarisch spricht, wird diese Sprache häufig als Familiensprache verwendet und der jungen Generation weitergegeben.
Allen drei Generationen ist gemeinsam, dass sie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, die rumänische Sprache nicht beherrschen.
b. Die ältere Generation spricht den Dialekt im engeren Familienkreis, meistens aber eher nur mit Ehepartnern und Geschwistern, d.h. mit Gleichaltrigen. Es gibt jedoch auch ältere Leute, die im Umgang mit ihren Kindern und Enkeln sathmarschwäbisch sprechen. Welche unterschiedlichen Sprachgebräuche innerhalb einer Familie existieren können, soll am Beispiel der Familie des Herrn S. dargestellt werden. Das Interview im dritten Kapitel dieser Proseminararbeit wurde ebenfalls mit Herrn S. geführt. Damit keine allzu große Verwirrung entsteht, werden die Generationen mit in Klammer gesetzten Buchstaben gekennzeichnet (ä = ältere Generation, m = mittlere Generation, j =junge Generation).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung bettet die Sathmarschwaben in den historischen Kontext der deutschen Minderheiten in Ungarn ein und begründet das methodische Vorgehen.
1. Geschichtlicher Überblick: Dieser Abschnitt beschreibt die Ursprünge der Siedler aus Oberschwaben und die sozioökonomischen Gründe für ihre Auswanderung in das Komitat Sathmar.
2. Der Sprachwandel der sathmarschwäbischen Mundart: Hier werden die Faktoren analysiert, die den Erhalt oder Verlust der Sprache beeinflussen, sowie die Situation der Mannheimer Sprechergruppe näher beleuchtet.
3. Interview mit einem Dialektsprecher: Ein transkribiertes Gespräch mit einem Zeitzeugen veranschaulicht den Sprachgebrauch und die Identitätssuche der älteren Generation.
Fazit: Das Fazit fasst den Assimilationsprozess zusammen und diskutiert die schwierige Zukunftsprognose für die sathmarschwäbische Mundart im europäischen Kontext.
Schlüsselwörter
Sathmarschwaben, Sprachinseln, Soziolinguistik, Dialekt, Sprachwandel, Assimilation, Identität, Zweisprachigkeit, Standarddeutsch, Ungarn, Rumänien, Minderheiten, Sprachverlust, Mehrgenerationenvergleich, Sprachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuelle soziolinguistische Situation der Volksgruppe der Sathmarschwaben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Ansiedlungsgeschichte, die soziolinguistischen Bedingungen des Spracherhalts sowie der Sprachwandel über verschiedene Generationen hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Interesse für die Sathmarschwaben zu wecken und zu verdeutlichen, dass deren Mundart ein schützenswertes kulturelles Erbe darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus historischer Quellenanalyse und einer qualitativen Fallstudie, basierend auf Befragungen und einem ausführlichen Interview.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Siedlungsgebiete und eine detaillierte Untersuchung der sprachlichen Kompetenz und Einstellung innerhalb einer in Mannheim lebenden Familie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachinseln, Assimilation, Dialektkompetenz, Identitätswandel und die Rolle der Mehrheitssprachen wie Ungarisch und Standarddeutsch.
Warum spielt die Mannheimer Sprechergruppe eine besondere Rolle?
Sie dient als konkretes Fallbeispiel, um die Auswirkungen von Migration und das Aufeinandertreffen verschiedener Sprachen in einem neuen gesellschaftlichen Umfeld zu verdeutlichen.
Welche Erkenntnis ergibt sich aus dem Interview mit Herrn Stotz?
Das Interview zeigt deutlich die sprachliche Unsicherheit und den Übergang vom Dialekt zum Standarddeutschen sowie das Gefühl des kulturellen Verlusts durch die politische Vergangenheit.
- Arbeit zitieren
- Nicole Gelencser (Autor:in), 2006, Die Sathmarschwaben - Ein Abriss aus historischer und soziolinguistischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73286