Der Marquis de Sade ist berühmt und berüchtigt. Er steht für die Glorifizierung der Immoralität, die Abkehr von der Tugend, eine Vielzahl von Texten, die selbst den abgebrühtesten Leser noch erröten lassen, und eine ganz eigene Spielart der Sexualität.
Selbst heute noch, fast 200 Jahre nach seinem Tod, lässt diese Person die Menschen nicht unberührt und auch wenn seine Werke mittlerweile in die kulturgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Forschung eingegangen sind, so polarisiert D.A.F Marquis de Sade wie kaum ein anderer.
Diese Arbeit untersucht vor dem Hintergrund der "Ästhetik des Häßlichen" den Einfluss des Marquis de Sade auf die europäische Décadence und die satanistischen Tendenzen seiner Werke.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: D.A.F. Marquis de Sade
2 Fin de siècle und Décadence: Begrifflichkeiten
2.1 Die Décadence und Sade: der Mythos
2.2 Die Décadence und Sade: die Ästhetisierung des Bösen
2.3 Die Décadence und Sade: der Marquis als Bildgeber
3 Karl Rosenkranz: Ästhetik des Hässlichen
3.1 Das Hässliche als Negierung des Schönen
3.2 Formen des Hässlichen
4 Formen des Hässlichen bei Sade
5 Überwindung des Hässlichen durch die Komik
6 Sadismus oder Satanismus?
6.1 Marquis de Sade und Gilles de Rais
6.2 Diabolisch nach Karl Rosenkranz
6.3 Die „Religiosität“ Sades
6.4 Satanismus als höchste Form der Perversion
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen Faszination und Abscheu gegenüber dem Marquis de Sade. Dabei wird analysiert, wie seine Literatur in der Epoche der Décadence rezipiert wurde und inwieweit sein Werk als eine Ästhetisierung des Bösen sowie als Ausdruck satanistischer Tendenzen interpretiert werden kann.
- Die literarische Wirkung des Marquis de Sade auf die Strömung der Décadence.
- Die Anwendung der Ästhetik des Hässlichen nach Karl Rosenkranz auf das Werk Sades.
- Die systematische Analyse von Grenzüberschreitungen und Immoralität.
- Die Debatte um den diabolischen bzw. satanistischen Charakter des Sadismus.
Auszug aus dem Buch
4 Formen des Hässlichen bei Sade
Es ist unbestreitbar, das der Marquis de Sade die von Rosenkranz aufgestellten Kategorien der Hässlichkeit erreicht, er ist sogar einer jener seltenen Fälle, in denen das Naturhässliche mit dem Geisteshässlichen kombiniert wird.
In seinen Schriften finden sich viele Formen des Naturhässlichen wieder. Seine pervertierten sexuellen Phantasien beinhalten oft Elemente des Ekelhaften, wie die mannigfache Erwähnung von Körpersäften wie Blut, Sperma und Fäkalien. Auch das Naturwidrige ist in de Sades zahlreichen sodomitischen Phantasien sowie Orgien voller Völlerei und Wollust wiederzufinden: Die jungen Mädchen wurden nun von mir beauftragt, die Glieder der Knaben wieder zum Stehen zu bringen. Sobald sie wieder in die Luft ragten, steckte ich zwei davon in meine Scheide und eines in meinen Popo, eines leckte ich, zwei steckte ich mir unter die Achselhöhlen, ein anderes in meine Haare, zwei kitzelte ich mit den Händen und das zehnte ließ ich an meinen Augen reiben.
Das höchste Maß der Hässlichkeit erreicht die Literatur des Marquis jedoch erst durch ihre absolute Geisteshässlichkeit. Die Protagonisten sind getrieben von Boshaftigkeit und ausschließlich auf sexuelle Erfüllung aus. Hierbei erreichen sie ganz besondere Befriedigung durch Verbrechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: D.A.F. Marquis de Sade: Einführung in die ambivalente Wahrnehmung des Autors und die Fragestellung zur Ästhetisierung des Bösen.
2 Fin de siècle und Décadence: Begrifflichkeiten: Definition der historischen Epoche und Untersuchung des Mythos de Sade als Bildgeber für dekadente Autoren.
3 Karl Rosenkranz: Ästhetik des Hässlichen: Theoretische Herleitung des Hässlichen als ästhetische Kategorie und dessen Dualität aus Faszination und Abscheu.
4 Formen des Hässlichen bei Sade: Konkrete Anwendung der Rosenkranz'schen Kriterien auf Sades Texte unter Berücksichtigung von Natur- und Geisteshässlichkeit.
5 Überwindung des Hässlichen durch die Komik: Analyse der Funktion von Parodien als Mittel zur Neutralisierung und Überwindung des Grausamen.
6 Sadismus oder Satanismus?: Erörterung der Frage, ob Sades Nihilismus als bewusster Satanismus zu interpretieren ist.
7 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung des Marquis als Grenzüberschreiter, dessen Werk die moralische Verfallsgesellschaft der Zeit prägte.
Schlüsselwörter
Marquis de Sade, Décadence, Fin de Siècle, Ästhetik des Hässlichen, Karl Rosenkranz, Satanismus, Sadismus, Immoralität, Grenzüberschreitung, Geisteshässlichkeit, Naturhässlichkeit, Diabolisch, Literaturwissenschaft, Provokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und kulturgeschichtlichen Einordnung des Marquis de Sade im Kontext der französischen Décadence des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Ästhetisierung des Bösen, die Philosophie der Immoralität, das Verhältnis von Hässlichkeit und Kunst sowie die Abgrenzung von Sadismus und Satanismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum das Werk Sades trotz seiner Grausamkeiten eine solche Faszination ausübte und ob man bei ihm von einem bewussten satanistischen Charakter sprechen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf theoretische Konzepte (insbesondere Karl Rosenkranz) und den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Werken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Dekadenz, Ästhetik des Hässlichen) und die angewandte Analyse, in der Sades Schriften mit diesen Kriterien gespiegelt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Marquis de Sade, Décadence, Ästhetisierung des Bösen, Geisteshässlichkeit und Satanismus.
Wie unterscheidet Rosenkranz das Naturhässliche vom Geisteshässlichen?
Das Naturhässliche umfasst eher äußere, physische Mängel oder Ekelhaftes, während das Geisteshässliche das moralisch und ethisch Böse, Verbrecherische und Diabolische bezeichnet, welches eine bewusste Willensentscheidung voraussetzt.
Warum wurden Parodien über Sade verfasst?
Parodien dienten dazu, das für den damaligen Zeitgeist oftmals schwer erträgliche Grausame durch Komik zu neutralisieren oder als Anprangerung der bestehenden moralischen Grenzüberschreitungen zu fungieren.
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- MA Annika Wakup (Author), 2004, Die Ästhetisierung des Bösen: Marquis de Sade, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73330