Die Fragen, die der Arbeit zu Grunde liegen, sind folgende: Welche Rolle spielt die Asociación de Academias de la Lengua Española in Bezug auf die spanische Sprachkultur und Sprachpflege? Welche Rolle fällt der Real Academia Española innerhalb der Asociación zu? Handelt es sich beim Spanischen um eine monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur? Dabei ist zu klären, ob es sich tatsächlich um eine Zusammenarbeit zwischen den Akademien handelt oder nur um den Versuch der RAE, die eigenen sprachlichen Vorstellungen durchzusetzen. Der Einfluss der RAE auf die übrigen Sprachakademien bzw. ihre Rolle innerhalb der Asociación ist somit zentraler Gegenstand der Analyse bzgl. der Frage, inwiefern man von monozentrischer oder plurizentrischer Sprachkultur sprechen kann.
Nach der Einleitung wird im Hauptteil zum allgemeinen Verständnis zunächst in kurzer Form erklärt, was in der Hispanistik unter Sprachkultur und Sprachpflege zu verstehen ist. Nachfolgend wird die Geschichte der spanischen Sprachkultivierung behandelt. Nach einer Einführung in die Problematik dieses Themas wird die Bedeutung des Spanischen als Gemeinsprache (lengua común) in Spanien und die Rolle des Spanischen im Ausland dargelegt. Danach erfolgt eine ausführliche Behandlung der Real Academia Española und der Asociación de Academias de la Lengua Española. Dabei werden die Geschichte der RAE, die Kodifikationen und die heutige Sprachpflege durch die RAE gesondert behandelt.
In Bezug auf die Asociación werden nach einer Abhandlung der Entstehungsgeschichte, für die lateinamerikanischen Sprachakademien stellvertretend die Academia Mexicana de la Lengua und die Academia Argentina de Letras dargestellt und mit der Academia Filipina de la Lengua Española und der Academia Norteamericana de la Lengua Española die einzigen der Akademien, die sich in Ländern befinden in denen Spanisch nicht offizielle Amtssprache ist. Neben der jeweiligen Akademie wird auch auf die allgemeine Situation der spanischen Sprache im Land eingegangen. Schließlich wird der Frage nach Monozentrismus oder Plurizentrismus bzgl. der spanischen Sprachkultur nachgegangen. Dabei wird nach der theoretischen Einführung in einem zweiten Schritt analysiert, welchen Teil die Sprachakademien, allen voran die RAE, zur Beantwortung dieser Frage beitragen. Der Schlussteil beinhaltet schließlich eine Zusammenfassung der Ergebnisse und damit verbunden die Antworten auf die oben genannten Fragen sowie einen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Spanische Sprachkultur und Sprachpflege
2.1 Die Begriffe Sprachkultur und Sprachpflege
2.2 Geschichte der spanischen Sprachkultivierung
2.2.1 Spanisch als lengua común in Spanien
2.2.2 Die Rolle des Spanischen im Ausland
2.3 Die Real Academia Española (RAE)
2.3.1 Geschichte der RAE
2.3.2 Kodifikationen durch die RAE
2.3.3 Heutige Sprachpflege durch die RAE
2.4 Die Asociación de Academias de la Lengua Española
2.4.1 Geschichte der Asociación
2.4.2 Die Akademien in Lateinamerika
2.4.2.1 Die Academia Mexicana de la Lengua
2.4.2.2 Die Academia Argentina de Letras
2.4.3 Die Akademien in anderen Ländern
2.4.3.1 Die Academia Filipina de la Lengua Española
2.4.3.2 Die Academia Norteamericana de la Lengua Española
2.5 Monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur?
III. Abschließende Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Real Academia Española (RAE) und der Asociación de Academias de la Lengua Española im Kontext der spanischen Sprachkultur. Ziel ist es, zu analysieren, ob sich das Spanische als monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur entwickelt hat und inwieweit die verschiedenen Akademien zur Harmonisierung oder Normierung beitragen.
- Die Funktion und der Einfluss der Real Academia Española (RAE)
- Struktur und Aufgaben der Asociación de Academias de la Lengua Española
- Die Entwicklung des Spanischen in Lateinamerika, auf den Philippinen und in den USA
- Theoretische Abgrenzung zwischen Sprachkultur und Sprachpflege
- Analyse der Dynamik zwischen monozentrischer Norm und plurizentrischer Vielfalt
Auszug aus dem Buch
2.2 Geschichte der spanischen Sprachkultivierung
Mit ca. 435 Mio. Sprechern (Schätzung 2000) ist Spanisch neben Englisch, Chinesisch und Hindi eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt, außerdem die am stärksten expandierende romanische Sprache. Die von der Real Academia erstellte und auf dem Kastilischen beruhende Kodifizierung bildet die Grundlage der spanischen Sprachkultur. Durch die kontinuierliche Modernisierung der Kodifikation ist der kastilische Sprachgebrauch bis heute der Garant für die unidad del idioma, also die Möglichkeit, sich innerhalb der gesamten Hispanophonie problemlos zu verständigen, geblieben. Der gute Sprachgebrauch aller unterschiedlichen kulturellen Zentren Spaniens und vor allem Amerikas findet allerdings nicht ausreichend Berücksichtigung. Dabei zeichnet sich das Spanische durch sehr viele Varianten aus;
es gibt also kein einheitliches Spanisch. Regionalsprachen in Spanien sowie indigene Sprachen in Lateinamerika beeinflussen das Spanische stark und führen dazu, dass in unterschiedlichen Regionen auch unterschiedliches Spanisch gesprochen wird. Diese Tatsache gewinnt an Bedeutung, wenn man bedenkt dass nur etwa 10 Prozent der Muttersprachler in Spanien leben. Deshalb werden Stimmen immer lauter, die eine Umgestaltung der kastilischen zu einer panhispanischen Sprachkultur fordern. Grundlage für dieses Konzept der Sprachsystem- und Sprachgebrauchskultivierung müssten nationale/regionale Kodifikationen als Normen für die Sprachproduktion sein und anschließend die Förderung dieser bei der Sprachrezeption. Die praktische Umsetzung weist jedoch erhebliche Schwierigkeiten auf. Die Orthographie bleibt weitgehend nur auf der Grundlage des kastilischen Phonemsystems, also monozentrisch, gewahrt. Eine plurizentrische Kodifizierung von Grammatik und Lexik ist zwar denkbar, aufgrund mangelnder Initiativen außerhalb Spaniens ist sie jedoch noch nicht über bloße Ansätze hinausgekommen. Der Real Academia wird jedoch am ehesten zugetraut, eine plurizentrische Sprachkultur verwirklichen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die sich mit der Rolle der RAE und der Asociación sowie der Frage nach einer mono- oder plurizentrischen Sprachkultur befasst.
II. Spanische Sprachkultur und Sprachpflege: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe der Sprachlenkung, Sprachplanung und Sprachpflege und analysiert die historische Entwicklung der kastilischen Norm.
2.1 Die Begriffe Sprachkultur und Sprachpflege: Theoretische Herleitung der Begriffe in Anlehnung an Lebsanft und die Prager Linguisten zur Differenzierung von Sprache und Rede.
2.2 Geschichte der spanischen Sprachkultivierung: Überblick über die weltweite Ausbreitung des Spanischen und die Problematik der kastilischen Basis angesichts einer global wachsenden Sprecherzahl.
2.2.1 Spanisch als lengua común in Spanien: Historischer Rückblick auf die Entwicklung des Kastilischen vom Mittelalter über das klassische Spanisch bis zur dauerhaften Kodifikation im 18. Jahrhundert.
2.2.2 Die Rolle des Spanischen im Ausland: Analyse der Bedeutung des Spanischen als Welt- und Minderheitensprache in verschiedenen Regionen und dessen Einfluss auf den internationalen Wettbewerb.
2.3 Die Real Academia Española (RAE): Untersuchung der Geschichte, der normgebenden Funktion und der Modernisierungsbestrebungen der wichtigsten Institution spanischer Sprachkultur.
2.3.1 Geschichte der RAE: Gründungsgeschichte unter Philipp V. und die Entwicklung zur einflussreichsten Sprachakademie mit der Devise "Limpia, fija y da esplendor".
2.3.2 Kodifikationen durch die RAE: Darstellung der normativen Werke wie Wörterbücher und Grammatiken, die zur Festigung des kastilischen Standards beitrugen.
2.3.3 Heutige Sprachpflege durch die RAE: Analyse aktueller Projekte wie digitaler Korpora und der Herausforderung, neben der Sprache auch die tatsächliche Sprachverwendung (Rede) zu berücksichtigen.
2.4 Die Asociación de Academias de la Lengua Española: Untersuchung des Zusammenschlusses aller Sprachakademien zur Wahrung der sprachlichen Einheit unter Berücksichtigung postkolonialer Einflüsse.
2.4.1 Geschichte der Asociación: Entstehung des organisatorischen Netzwerks ab 1951 zur Sicherung der unidad del idioma und der Kooperation zwischen Spanien und den Schwesterakademien.
2.4.2 Die Akademien in Lateinamerika: Überblick über die Integration lateinamerikanischer Akademien in den normativen Prozess trotz unterschiedlicher nationaler Ausgangslagen.
2.4.2.1 Die Academia Mexicana de la Lengua: Fallbeispiel einer modernen Akademie, die durch Technologie und Zusammenarbeit mit Medien effiziente Sprachpflege betreibt.
2.4.2.2 Die Academia Argentina de Letras: Analyse der schwierigen Gründungsphase und des speziellen Fokus der argentinischen Akademie auf Literatur und nationale Identität.
2.4.3 Die Akademien in anderen Ländern: Untersuchung der Ausnahmefälle Philippinen und USA, in denen Spanisch keine offizielle Amtssprache ist.
2.4.3.1 Die Academia Filipina de la Lengua Española: Darstellung der Herausforderungen der Sprache auf den Philippinen angesichts einer langen kolonialen Geschichte und sinkender Sprecherzahlen.
2.4.3.2 Die Academia Norteamericana de la Lengua Española: Analyse der Rolle des Spanischen als schnell wachsende Minderheitensprache in den USA und der Arbeit der nordamerikanischen Akademie.
2.5 Monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur?: Diskussion der zentralen Forschungsfrage, ob die spanische Sprachkultur eher ein monozentrisches Modell verfolgt oder sich in Richtung Plurizentrismus öffnet.
III. Abschließende Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass eine produktive Zusammenarbeit der Akademien stattfindet und die Vorstellung einer reinen Sprachspaltung überholt ist.
Schlüsselwörter
Real Academia Española, Asociación de Academias, Spanische Sprachkultur, Sprachpflege, Plurizentrismus, Monozentrismus, Einheit der Sprache, Kastilisch, Hispanophonie, Sprachnormierung, Lexikographie, Sprachplanung, USA, Lateinamerika, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die spanische Sprachkultur durch die Real Academia Española und die Asociación de Academias de la Lengua Española gepflegt und normiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Sprachkodifizierung, die institutionelle Zusammenarbeit der Akademien weltweit sowie den Status des Spanischen in verschiedenen globalen Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob das Spanische heute als monozentrische oder plurizentrische Sprachkultur zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Internetquellen sowie Statuten der Akademien basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der RAE, der Asociación sowie spezifischer Länderakademien in Lateinamerika, auf den Philippinen und in den USA.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachkultur, Sprachpflege, Plurizentrismus, unidad del idioma und die verschiedenen Kodifikationen der Sprachakademien.
Welche Rolle spielt die RAE innerhalb des akademischen Netzwerks?
Die RAE nimmt eine führende Rolle als Koordinatorin ein, wird jedoch zunehmend in ein plurizentrisches Modell integriert, um die Vielfalt des Spanischen in den 22 Ländern zu wahren.
Warum ist die Situation auf den Philippinen und in den USA besonders?
Diese beiden Länder sind die einzigen, in denen Akademien existieren, obwohl dort Spanisch nicht offizielle Amtssprache ist, was die institutionelle Arbeit vor besondere Herausforderungen stellt.
- Citation du texte
- Diplom-Kaufmann, M.A. Marco Alexander Caiza Andresen (Auteur), 2004, Spanische Sprachkultur und Sprachpflege. Die Rolle der Real Academia Española und der Asociación de Academias de la Lengua Española, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73333