Die 10-Stundenbewegung am Beispiel der amerikanischen Textilindustrie, 1840 - 1860. Von der Arbeiterinnenbewegung zum Workingmen's Reform Movement


Hausarbeit, 2001

21 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entstehung des „Ten Hour Movement“ in den 1840er Jahren

3. Die Rolle der Mill-Arbeiterinnen in der 10-Stunden-Bewegung

4. Die 10-Stunden-Bewegung in den 1850er Jahren

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist die Entstehung und (Weiter-)Entwicklung der Amerikanischen 10-Stunden-Bewegung (des sogenannten „Ten Hour Movement“) in den Jahren von 1840 bis ca. 1860.

Da das Hauptaugenmerk auf der Rolle der Arbeiterinnen innerhalb der Bewegung liegen soll, habe ich als Beispiel die amerikanische Textilindustrie ausgewählt. Dieser Industriezweig war nicht nur der am weitesten entwickelte Bereich des frühen industriellen Kapitalismus, sondern auch einer der Hauptbeschäftigungssektoren für Frauen zu dieser Zeit. Die meisten Textilfabriken, die sogenannten mills, waren in den Neuengland Staaten angesiedelt und hatten eines ihrer Hauptzentren in Lowell, Massachusetts. Ich werde aus diesem Grund des öfteren auf die in Lowell angesiedelten Textilfabriken und die dortige 10-Stunden-Bewegung Bezug nehmen.

Im Verlauf der Arbeit sollen insbesondere die folgenden Fragen behandelt werden:

Was machte die 10-Stunden-Bewegung in den 1840er Jahren aus und wie hat sie sich im Laufe der Zeit verändert? Wie kam es dazu, dass der Einfluss der Arbeiterinnen innerhalb der 10-Stunden-Bewegung in den 1840er Jahren so stark zugenommen und später wieder an Bedeutung verloren hat? Warum traten ab den 1850er Jahren wieder vermehrt Männer in den Vordergrund der Bewegung? Die eben genannten Fragen beschreiben zugleich die Kapitel, in die ich meine Arbeit unterteile.

2. Die Entstehung des „Ten Hour Movement“ in den 1840er Jahren

Bereits in den Jahren von 1835 bis 1837 gab es eine aktive Bewegung, die sich für die Einführung des 10 Stunden Tages einsetzte. Schon 1835 erzielten gelernte Handwerker erste Erfolge bezüglich des „Ten-Hour Day“. Im selben Jahr wurde der 10 Stunden Tag für Angestellte in öffentlichen Einrichtungen in Philadelphia gesetzlich festgelegt. Der krönende Erfolg der früheren Bemühungen kam allerdings erst im Jahr 1840, als Präsident Van Buren 10 Stunden als gesetzlich festgelegte tägliche Arbeitszeit für Angestellte in Bundes- und Regierungsbehörden erklärte. Frauen, insbesondere Fabrikarbeiterinnen, spielten in der Zeit vor den 1840er Jahren noch keine bedeutende Rolle in der 10-Stunden-Bewegung. Wie das folgende Zitat zeigt, beschränkte sich das „Ten Hour Movement“ in der Regel auf (gelernte) männliche Arbeitskräfte: „In 1836 ten-hour offensives took place among day laborers, ship carpenters, and cotton spinners in Philadelphia; spinners and weavers in Rockdale, Pennsylvania; factory operatives in Pittsburgh; building tradesmen in Lockport, New York; and mechanics in Waterford, New York.“ (Roediger und Foner, 36)

Es kam zwar auch in den 1830er Jahren schon zu vereinzelten Streiks von Fabrikarbeiterinnen für bessere Arbeitsbedingungen in den mills, diese waren jedoch meist spontan und relativ „unorganisiert“. Bis ca. 1837 führten diese Aufstände nicht zu einem Zusammenschluss der „mill girls“ mit den gelernten Arbeitern zu einer gemeinsamen Arbeiter(innen)bewegung.

In Lowell, einem der Hauptzentren der Textilindustrie, zeichnete sich im Anschluss an die schwere Depression im Jahre 1837 zunächst sogar ein Ende der früheren Streiks ab. Zwischen 1837 und 1842 liefen die mills mit verminderter Stundenzahl und Hunderte Arbeiterinnen wurden entlassen. Nachdem sowohl 1837 als auch 1840 die Löhne gekürzt wurden, kam es zunächst zu keinerlei Protest seitens der Arbeiterinnen. Bereits zwischen 1843 und 1848 bildete sich jedoch eine neue Arbeiterbewegung heraus, die in einigen wichtigen Punkten über die früheren Anstrengungen und Arbeitskämpfe hinausging. Entscheidend war vor allem, dass Arbeiterinnen eine viel größere Rolle in der neu bzw. wieder entstandenen Bewegung spielten, als je zuvor.

Die 10-Stunden-Bewegung in den 1840er Jahren entwickelte sich unter anderem als Antwort auf die ständige Intensivierung der Arbeit in den Textilfabriken.

Diese Intensivierung der Arbeit hatte ihre Gründe im Rückgang der Preise für Stoffe (als Folge von Überproduktion), der sich gleichzeitig verstärkenden Konkurrenz der mills untereinander, sowie im allgemeinen Rückgang der Nachfrage als Folge der Depression von 1837. Aufgrund der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage versuchten die Vertreter der mills die Produktionskosten zu senken, um so ihre Profite zu steigern. Sie wandten hierzu drei Methoden an, mit deren Hilfe die Arbeitsproduktivität gesteigert werden sollte: das speedup, das stretch-out und das premium system.

Unter dem Begriff speedup wird das Beschleunigen der Betriebsgeschwindigkeit der Maschinen verstanden, während der Begriff stretch-out die Erweiterung der Arbeitsaufgabe, d.h. die Zuweisung zusätzlicher Maschinen(teile) an die einzelnen Arbeiter(innen) beinhaltet. Die Methoden des speedups und des stretch-outs wurden untereinander abgestimmt, um die Arbeitsleistung der Arbeiter(innen) zu steigern.

Den größten Gewinn, der durch den Einsatz dieser beiden Techniken entstand, machten die mills und nicht etwa die Arbeiter(innen). Das heißt, es wurde weder die zusätzlich verrichtete Arbeit vergütet, noch wurden höhere Löhne gezahlt. Ganz im Gegenteil: Zwischen 1840 und 1854 wurde die Arbeitsmenge der Spinner und Weber in der Hamilton Company in Lowell mehr als verdoppelt. Die Löhne blieben während dieser Periode allerdings nahezu unverändert. (vgl. Dublin, 1979 a; 111)

Die Dritte Methode zur Steigerung des Ertrags war das sogenannte Prämien System. Hierbei zahlten die Manager der mills Zuschläge oder Bargeldprämien an die Aufseher, deren Arbeiterinnen die größte Menge an Produkten herstellte. Unter den Aufsehern herrschte, verständlicherweise, ein großer Konkurrenzdruck um diese Preise.

So konnten die Besitzer der mills über die Aufseher Druck auf die Arbeiterinnen ausüben. Alleiniges Ziel des Prämien Systems war es, die Produktion und die Profite zu steigern. Dass dabei die menschlichen Beziehungen zwischen den Aufsehern und den Arbeiter(innen) auf der Strecke blieben, war für die Manager der mills unerheblich bzw. kam ihnen letztlich sogar gelegen. Denn so kam es wenigstens nicht dazu, dass sich Arbeiterinnen und Aufseher zu einer Gruppe zusammenschlossen und sich gegen die Besitzer der mills verbündeten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die 10-Stundenbewegung am Beispiel der amerikanischen Textilindustrie, 1840 - 1860. Von der Arbeiterinnenbewegung zum Workingmen's Reform Movement
Hochschule
Universität Bremen  (Amerikanistik)
Veranstaltung
Industrie und Arbeit in den USA, 1820 - 1860
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V7336
ISBN (eBook)
9783638146272
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beispiel, Textilindustrie, Arbeiterinnenbewegung, Workingmen, Reform, Movement, Industrie, Arbeit
Arbeit zitieren
Silke Puls (Autor), 2001, Die 10-Stundenbewegung am Beispiel der amerikanischen Textilindustrie, 1840 - 1860. Von der Arbeiterinnenbewegung zum Workingmen's Reform Movement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7336

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