Seit den 70er Jahren gewann Umweltschutz zunehmend an politischer Bedeutung. Heute sind ökologische Interessen in Form grüner Parteien in den westlichen Parteiensystemen fest verankert. Nach der Parteienherrschaftstheorie bestimmen Regierungsparteien die Staatstätigkeit. Die Hausarbeit zielt auf den Einfluss grüner Regierungsparteien auf die Agrar-Umweltperformanz. Dafür werden 15 OECD Staaten in einem Zeitraum von 1991 bis 2001 am Agrar-Umweltperformanzindex miteinander verglichen. Der Index, definiert als Agrar-Umweltperformanz und deren jährliche Veränderung, setzt sich aus den Einsatz-Variablen Methanemissionen, Maschineneinsatz, Düngemittel- und Pestizidverbrauch zusammen. Quellen der Rohdaten sind OECD, FAO und FNCCC. Die Ergebnisse zeigen keinen signifikanten Einfluss ökologischer Parteien auf die Agrar-Umweltperformanz. In fast allen Ländern, mit und ohne grüne Regierungsbeteiligung, wurde das Belastungsniveau gesenkt.
Gliederung
1 Einleitung
2 Das Forschungsprojekt
2.1 Forschungsanstoß
2.1.1 Parteienherrschaftstheorie
2.1.2 Die Institutionalisierung ökologischer Interessen
2.2 Forschungsstand
2.3 Arbeitshypothese
3 Forschungsdesign
3.1 Methode
3.2 Fallauswahl
3.3 Untersuchungszeitraum
4 Operationalisierung
4.1 Unabhängige Variable
4.2 Abhängige Variable
4.2.1 Indikator Methanausstoß
4.2.2 Indikator Maschineneinsatz
4.2.3 Indikator Düngemitteleinsatz
4.2.4 Indikator Pestizideinsatz
4.3 Indexkonstruktion
4.3.1 Probleme bei der Indexbildung
4.3.2 Der Agrar- Umweltperformanzindex
5 Datenauswertung
5.1 Verlauf des Agrar-Umweltbelastungsniveaus
5.1.1 Methanemissionen
5.1.2 Maschineneinsatz
5.1.3 Düngemittelverbrauch
5.1.4 Pestizideinsatz
6 Ergebnisse
6.1 Agrar-Umweltperformanzindex
6.1.1 Länder mit grüner Regierungsbeteiligung
6.1.2 Länder ohne grüne Regierungsbeteiligung
6.2 Fazit
7 Interpretation
7.1 Bisher unbeachtete Einflussfaktoren
7.2 Kritik an der Parteienherrschaftstheorie und „sekundäre Umweltparteien“
7.3 Defizite quantitativer Forschung
8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss grüner Regierungsparteien auf die Agrar-Umweltperformanz in OECD-Staaten, um zu prüfen, ob die Parteienherrschaftstheorie eine direkte Verbesserung der Umweltstandards durch diese Akteure belegen kann.
- Analyse des Einflusses grüner Parteien auf die Agrarpolitik
- Operationalisierung der Agrar-Umweltperformanz durch vier Indikatoren (Methan, Maschinen, Dünger, Pestizide)
- Vergleichende Untersuchung von 15 OECD-Staaten im Zeitraum 1991–2001
- Kritische Diskussion der Parteienherrschaftstheorie im Kontext ökologischer Interessen
- Methodische Auseinandersetzung mit der quantitativen Indexkonstruktion
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Parteienherrschaftstheorie
Nach Hibbs Parteienherrschaftstheorie („Parties-do-matter“-These) sind die Parteien zentrale Akteure des politischen Systems. Die Staatstätigkeit wird durch die regierenden Parteien geprägt, ist also davon abhängig ob es sich um konservative, liberale, sozialdemokratische oder ökologische Parteien handelt.
Die Parteien versuchen die Politikpräferenzen ihrer sozialen Milieus, mit dem sie verankert sind, durchzusetzen. So erwarten die Wähler konservativer Parteien vor allem Geldwertstabilität, während Anhänger der Linksparteien Arbeitsplatzsicherheit fordern (Schmidt 1993:374). Die Wählerschaft der ökologischen Parteien erwartet demnach eine nachhaltige Umweltpolitik mit Reduzierung des Umweltbelastungsniveaus, statt expansionistischen Wirtschaftswachstums. Ob sich die Parteienherrschaftstheorie bewahrheitet kann nur an Indikatoren bewertet werden, für deren positive bzw. reduzierende Veränderung die Parteien stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die ökologischen Probleme der Landwirtschaft und Formulierung der Forschungsfrage zum Einfluss grüner Parteien.
2 Das Forschungsprojekt: Theoretische Herleitung der Parteienherrschaftstheorie und Diskussion der Institutionalisierung ökologischer Interessen.
3 Forschungsdesign: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, der Fallauswahlkriterien und der zeitlichen Abgrenzung der Untersuchung.
4 Operationalisierung: Detaillierte Beschreibung der Variablen und Konstruktion des Agrar-Umweltperformanzindex zur Messung der Umweltbelastung.
5 Datenauswertung: Deskriptive Analyse der Indikatoren und des Verlaufs der Umweltbelastung in den betrachteten Ländern.
6 Ergebnisse: Präsentation der Index-Werte und Gegenüberstellung der Länder mit und ohne grüne Regierungsbeteiligung.
7 Interpretation: Diskussion der Ergebnisse unter Berücksichtigung struktureller Faktoren und Kritik an den angewandten Theorien und Methoden.
8 Ausblick: Reflexion über die zukünftige Rolle grüner Parteien und die Bedeutung von EU-Richtlinien für den Agrarsektor.
Schlüsselwörter
Agrar-Umweltperformanz, Grüne Parteien, OECD-Staaten, Parteienherrschaftstheorie, Methanemissionen, Maschineneinsatz, Düngemittelverbrauch, Pestizideinsatz, Agrarpolitik, Umweltbelastung, Umweltperformanzindex, Regierungsbeteiligung, Quantitative Forschung, Politische Steuerung, Nachhaltigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Beteiligung grüner Parteien an nationalen Regierungen in OECD-Staaten zu einer messbaren Verbesserung der Agrar-Umweltperformanz führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Einfluss politischer Akteure auf die Landwirtschaft, die Operationalisierung ökologischer Auswirkungen und der Vergleich von Agrar-Umweltindikatoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung der Parteienherrschaftstheorie im Hinblick darauf, ob grüne Parteien tatsächlich als „Umweltschützer“ in der Agrarpolitik fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende, quantitative Studie nach dem „Most-Similar-System-Design“ durchgeführt, die auf einer diachronen Analyse von 15 OECD-Ländern basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Operationalisierung der Umweltvariablen, die Konstruktion eines Agrar-Umweltperformanzindex sowie die statistische Auswertung und Interpretation der Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Agrar-Umweltperformanz, Grüne Parteien, OECD, Parteienherrschaftstheorie und ökologische Indikatoren.
Warum wurden gerade diese vier Indikatoren (Methan, Maschinen, Dünger, Pestizide) gewählt?
Diese Indikatoren decken wesentliche ökologische Belastungsfaktoren der modernen Landwirtschaft ab und boten für den Untersuchungszeitraum die vergleichbarste Datenlage.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich grüner Parteien?
Die Autorin stellt fest, dass sich der Einfluss grüner Parteien statistisch nicht signifikant von der Entwicklung in Ländern ohne grüne Regierungsbeteiligung unterscheidet, betont jedoch, dass dies nicht mit einem kompletten Wirkungslosigkeitsnachweis gleichzusetzen ist.
- Quote paper
- Claudia Loehle (Author), 2006, Der Einfluss grüner Regierungsparteien auf die Agrar-Umweltperformanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73377