Der Marschall von Bassompierre ist eine wahre Gestalt, die im 17. Jahrhundert gelebt hat. Sein Leben hat er im Journal de ma vie im Jahre 1663 niedergeschrieben. Aus dieser Quelle übernahmen sowohl Johann Wolfgang Goethe als auch Hugo von Hofmannsthal den Stoff für ihre Werke. Die Anekdote, die in Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten von Goethe zu lesen ist, ist eine Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchen, ob die Erzählung von Hofmannsthal nun nur eine Nachdichtung des Textes von Goethe ist oder aber ein neues, selbstständiges Werk.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichte des Marschalls von Bassompierre und der schönen Krämerin
3 Der Vergleich der Texte von Goethe und von Hofmannsthal
3.1 Die erste Begegnung
3.2 Die erste Liebesnacht der schönen Krämerin und des Marschalls
3.3 Das Haus der Krämerin und ihr Mann
3.4 Samstag
3.5 Die zweite Nacht
3.6 Schluss
4 Verteidigung gegen Plagiatsvorwürfe
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Erzählung von Hugo von Hofmannsthal und dem zugrunde liegenden Text von Johann Wolfgang Goethe, um zu analysieren, ob es sich bei dem Werk um eine bloße Nachdichtung oder ein eigenständiges künstlerisches Werk handelt.
- Literarischer Vergleich der Texte von Goethe und Hofmannsthal
- Analyse der sprachlichen Gestaltung und Metaphorik
- Untersuchung der inhaltlichen Erweiterungen und Motivik (Pest, Feuer, Symbole)
- Erläuterung der Rolle der Nebenfiguren
- Aufarbeitung der historischen Plagiatsvorwürfe
Auszug aus dem Buch
Die erste Liebesnacht der schönen Krämerin und des Marschalls
Die Beschreibung der ersten Liebesnacht lässt sich in zwei inhaltliche Teile unterteilen: das eigentliche Liebesgeschehen und das Gespräch zwischen der schönen Krämerin und dem Marschall von Bassompierre. Als Erstes fällt auf, dass Goethe dem eigentlichen Liebesgeschehen nur ein paar Zeilen gewidmet hat, während Hofmannsthal die Liebesnacht auf über drei Seiten beschreibt.
Bei beiden Schriftstellern fängt die Beschreibung der Liebesnacht mit dem Satz: „Den Abend ging ich hin und fand eine sehr schöne Frau von ungefähr zwanzig Jahren“ an. Dies ist aber zunächst die einzige Ähnlichkeit der beiden Texte. Goethe setzt mit der Beschreibung der Kleider der Krämerin fort, während Hofmannsthal zuerst die Eindrücke von dem Zimmer wiedergibt und das Symbol des Feuers einführt, dessen er sich später in seiner Beschreibung des Liebesgeschehens bedienen wird. Bei Hofmannsthal heißt es also: „Im Kamin lohten große frische Scheiter geräuschvoll auf. […] Die Junge sah mit großen Augen ruhig in die Flamme.“ Hofmannsthals Bassompierre bemerkt auch die alte Kupplerin und deutet aus den Gesten der Krämerin das Verhältnis zwischen den beiden Frauen. Er fühlt die Verachtung der schönen Frau, die diese der Alten gegenüber empfindet, und beschreibt dies mit den Worten:
„Mit einer Bewegung ihres Kopfes hatte sie sich wie auf Meilen von der widerwärtigen Alten entfernt.“ Dadurch bewirkt Hofmannsthal, dass der Leser schon an dieser Stelle spürt, dass die Krämerin eigentlich in diese Szenerie nicht passt und dass für sie die Nacht mit Bassompierre nicht einfach ein Liebesabenteuer ist. Der historische Bassompierre hat der Kupplerin dagegen keine Beachtung geschenkt. Erst jetzt folgt bei Hofmannsthal die Beschreibung der Frau, wobei er sich nicht nur auf ihr Äußeres konzentriert, sondern Bassompierre auch in ihrem Gesicht „die übermäßige Anspannung der Züge“ und „die strahlende Hingebung, die aus den weit aufgerissenen Augen strömte und aus dem sprachlosen Mund wie eine unsichtbare Flamme herausschlug“ sehen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird der historische Kontext der Bassompierre-Anekdote umrissen und das Ziel formuliert, Hofmannsthals Werk auf seine Eigenständigkeit hin zu prüfen.
2 Die Geschichte des Marschalls von Bassompierre und der schönen Krämerin: Dieses Kapitel fasst die inhaltliche Essenz des überlieferten Stoffes zusammen, wie er sowohl in Goethes als auch in Hofmannsthals Text vorkommt.
3 Der Vergleich der Texte von Goethe und von Hofmannsthal: Es folgt eine detaillierte Gegenüberstellung der beiden Erzählungen, in der insbesondere die poetische Ausgestaltung und die symbolische Tiefe bei Hofmannsthal herausgearbeitet werden.
4 Verteidigung gegen Plagiatsvorwürfe: Dieses Kapitel thematisiert die zeitgenössische Kritik an Hofmannsthal und führt Argumente sowie Quellen an, die seine individuelle literarische Leistung unterstreichen.
5 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass Hofmannsthals Arbeit durch eine neue Atmosphäre, starke Metaphorik und inhaltliche Anreicherung als eigenständiges Kunstwerk zu bewerten ist.
Schlüsselwörter
Hugo von Hofmannsthal, Johann Wolfgang Goethe, Marschall von Bassompierre, Die schöne Krämerin, Literaturvergleich, Erzähltechnik, Plagiat, Pestmotiv, Metaphorik, Symbolik, Literaturwissenschaft, Epochenvergleich, Liebesabenteuer, Erzählstruktur, Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den literarischen Stoff um den Marschall von Bassompierre in den Fassungen von Goethe und Hofmannsthal.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum steht der Vergleich von Erzählstilen, der Umgang mit Vorlagen und die poetische Ausgestaltung von Liebesgeschichten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Hofmannsthals Text lediglich eine Nacherzählung von Goethes Werk oder ein eigenständiges Werk mit neuem künstlerischem Anspruch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei einzelne Textabschnitte und Motive gegenübergestellt und hinsichtlich ihrer Wirkung interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Zusammenfassung, einen systematischen Vergleich der Erzählweise und eine Verteidigung gegen Plagiatsvorwürfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind literarischer Vergleich, Erzählstruktur, Symbolik (wie das Feuer oder der Apfel) und die individuelle poetische Freiheit des Autors.
Wie unterscheidet sich Hofmannsthals Krämerin von der bei Goethe?
Hofmannsthals Figur wirkt bei ihm stolzer, geheimnisvoller und bewusster, wobei ihre Gefühle stärker über Mimik und Gestik statt über direkte Rede transportiert werden.
Warum wird das Pestmotiv in der Arbeit so stark betont?
Das Pestmotiv fungiert als atmosphärischer Hintergrund, der bei Hofmannsthal das Grauen verstärkt und einen stärkeren Kontrast zur leidenschaftlichen Liebesnacht bildet.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des Plagiatsvorwurfs?
Die Autorin argumentiert, dass Hofmannsthal zwar die Vorlage nutzte, diese jedoch so maßgeblich durch eigene Zutaten, Atmosphäre und psychologische Tiefe erweiterte, dass der Vorwurf eines Plagiats nicht haltbar ist.
- Quote paper
- Katarzyna Paluba (Author), 2004, Vergleich der Texte "Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre" von Hugo von Hofmannsthal und "Die schöne Krämerin" von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73532