1. Einleitung
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Das Jugendalter ist genau das Alter, in dem Kinder anfangen erwachsen zu werden. Diese Entwicklung ist geprägt von wichtigen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Dabei unterliegen die Jugendlichen einer Spannung zwischen eigenen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Erwartungen. Ganz zu schweigen von den körperlichen Veränderungen, die der eine oder die andere mit Verwunderung bei sich feststellt. In dieser Phase des Heranwachsens, des Erwachsenwerdens organisieren sich immer mehr Jugendliche in eigenständigen Subkulturen, die sich von der allgemein anerkannten Kultur unterscheidet. Sei es in Form einer Peer-group mit latent subkulturellem Charakter oder im Rahmen radikaler Subkulturen. Was sie dort zu finden hoffen und welche Rolle diese Jugendkulturen bei der Identitätskonstruktion und der Erfüllung der Entwicklungsaufgaben des Jugendalters spielen, soll in dieser Arbeit beleuchtet werden.
Dazu werden in einem theoretischen Teil die Identitätskonzepte von Erikson und Marcia betrachtet. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf Marcias Modell der Identitätsdiffusion gelegt werden, denn es stellt sich die Frage, ob und wenn ja welchen Einfluss Jugendkulturen auf eine Identitätsdiffusion haben.
Im zweiten Teil soll untersucht werden, welchen Einfluss Jugendkulturen auf die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters haben. Als Grundlage dafür werden zu Beginn des zweiten Teils die Hauptcharakteristika von Peer-groups und Jugendkulturen dargestellt, um in einem kurzen Exkurs zu sehen, wie sich Jugendkulturen in den letzten Jahren gewandelt haben. Denn es ist zu vermuten, dass ein möglicher Wandel der Jugendkulturen Einfluss auf die Identitätsentwicklung des Individuums hat. Daran anschließend soll in einem Ausblick dargestellt werden, wie stark oder schwach die Mitgliedschaft in Jugendkulturen die weitere Biographie des Einzelnen prägt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identitätskonstruktion als Entwicklungsaufgabe
2.1 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
2.2 Das tiefenpsychologische Modell Eriksons
2.3 Marcias Identity-Status-Modell
2.3 Identitätsdiffussion
3. Identitätskonstruktion durch Jugendkulturen
3.1 Jugendkulturen und Peer-groups
3.1.1 Charakteristika von Peer-groups
3.1.2 Jugendkulturen oder jugendliche Subkulturen
3.1.3 Die Bedeutung des Stils innerhalb von Jugendkulturen
3.2 Zum Verhältnis von Jugendkulturen und Entwicklungsaufgaben
3.2.1 Abgrenzung gegenüber anderen
3.2.2 Entwicklung von Normen und Werten durch Jugendkultur
3.2.3 Jugendkulturen als Wegbereiter für Identitiätsdiffusion?
3.3 Jugendkulturen im Wandel der Zeit
4. Fazit
4.1 Ausblick: Einfluss von Jugendkulturen auf Biographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Jugendkulturen auf die Identitätsentwicklung und die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben im Jugendalter. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, inwieweit Jugendkulturen zur Identitätsdiffusion beitragen oder als soziale Stütze für Heranwachsende fungieren können.
- Theoretische Fundierung der Identitätsentwicklung nach Erikson und Marcia.
- Analyse der Bedeutung von Peer-groups als soziale Freiräume.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Jugendkulturen, Werten und Normen.
- Diskussion der Auswirkungen von Kommerzialisierung und Individualisierung auf Jugendkulturen.
- Betrachtung der langfristigen biografischen Prägung durch jugendkulturelle Mitgliedschaften.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Jugendkulturen oder jugendliche Subkulturen
Schäfers spricht davon, dass es seit der Jugendbewegung eine eigenständige Jugendkultur gab. Farin dagegen sieht die Anfänge der Jugendkultur schon bei den Wandervögeln Anfang des 20.Jahrhunderts. Wann auch immer ihre Entstehung verortet wird, gemein ist allen Beschreibungen, dass Jugendkultur auch immer Gegenkultur zur offiziellen Kultur ist. Dieses Abweichen von der offiziellen Kultur zeigt sich nach Schäfer vor allem hinsichtlich der Inhalte und Stile, die sich durch Sprache, Kleidung und Körpersprache ausdrücken, der Größe der Gruppe mit ihren alters- und schichtspezifischen Besonderheiten und der Aktionsbereitschaft, die bei Jugendkulturen ausgeprägter ist, als bei der offiziellen Kultur.
Baacke differenziert diesen Begriff der Jugendkultur ein wenig stärker, in dem er die Kultur der Peer-group als latente Subkultur bezeichnet, aus der sich gegebenenfalls eine Gegenkultur entwickelt. Letztendlich bilden nach Baacke nur radikale Subkulturen wirklich eine Gegenkultur.
Farin grenzt sich von diesen theoretischen Sichtweisen ab und plädiert dafür, diese zwar als eine mögliche Sichtweise anzunehmen, sich der Jugend jedoch weniger theoretisch, sondern lieber durch direkte Beobachtungen zu nähern. Farin selbst beobachtet Jugend sehr intensiv durch die Sammlung und Analyse von Materialien über und aus Jugendkulturen, die er im von ihm geleiteten Archiv der Jugendkulturen der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Aus dieser anderen Herangehensweise erklärt sich auch Farins differenzierte Beschreibung von Jugendkulturen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Jugendkulturen als Ausdruck von Rebellion gegen gesellschaftliche Langeweile und stellt die Forschungsfrage nach deren Funktion bei der Identitätsbildung.
2. Identitätskonstruktion als Entwicklungsaufgabe: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle der Identitätsentwicklung (Erikson, Marcia) und deren Bedeutung für das Jugendalter.
3. Identitätskonstruktion durch Jugendkulturen: Hier wird der Zusammenhang zwischen Peer-groups, Stilen, Normen und dem Potenzial für Identitätsdiffusion analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Jugendkulturen zwar eine soziale Stütze bieten, aber unter bestimmten Bedingungen auch Identitätsdiffusion verstärken können.
Schlüsselwörter
Jugendkulturen, Identitätsentwicklung, Identitätsdiffusion, Peer-groups, Subkultur, Entwicklungsaufgaben, Adoleszenz, Normen, Werte, Individualisierung, Patchwork-Identität, Sozialisation, Gegenkultur, Identitätsstatus-Modell, Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich Jugendliche in Subkulturen organisieren und welche Rolle diese Gemeinschaften für die persönliche Entwicklung und Identitätskonstruktion spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Identitätstheorien von Erikson und Marcia, die Soziologie von Peer-groups sowie die Bedeutung von Stil und Werten in verschiedenen jugendlichen Szenen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Jugendkulturen auf die Identitätsbildung zu untersuchen und insbesondere zu klären, ob diese Kulturen eine Identitätsdiffusion begünstigen oder verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und psychologischer Ansätze zur Jugendforschung, ergänzt durch die Auswertung existierender Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Untersuchung der Funktionen von Jugendkulturen und eine kritische Auseinandersetzung mit Identitätsdiffusion sowie dem Wandel der Kulturen durch Kommerzialisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hauptbegriffe sind Jugendkulturen, Identitätsdiffusion, Peer-groups, Sozialisation und der Wandel der Lebensstile in der Spätmoderne.
Welche Rolle spielt das "Szene-Modell" nach Zentner?
Das Modell wird genutzt, um die unterschiedlichen Bindungsgrade von Mitgliedern innerhalb einer Szene zu erklären – von der intensiven Kernszene bis hin zum gelegentlichen Sympathisanten.
Wie beeinflusst der "Stil" laut Arbeit die Identitätskonstruktion?
Der Stil dient als Symbol und Selektionsinstrument; er konstituiert die Identität der Kultur und bietet dem Jugendlichen gleichzeitig ein Mittel zur bewussten Abgrenzung von der Elterngeneration.
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- Hana Gunkel (Author), 2006, Jugendkulturen und ihr Einfluss auf die Identitätsentwicklung im Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73661