Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Hennemanschen Prinzip der Muskelrekrutierung, und weiterführend mit zwei Studien, die sich zum einen mit der funktionellen Wichtigkeit der Zellgröße von Motoneuronen und zum anderen mit der Entladungsrate motorischer Einheiten im vastus lateralis Muskel beschäftigen. Um das Hennemansche Prinzip darzustellen, werden zuerst die Funktionsweise von Muskeln in Form der motorischen Einheit erläutert. Danach folgt eine kurze Darstellung des Alles oder Nichts Prinzips, der Muskelfaserrekrutierung und schließlich das eigentliche Hennemansche Prinzip.
Im Hauptteil dieser Ausarbeitung werden zwei Studien behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Henneman Prinzip
1a) Motorische Einheit
1b) Alles oder Nichts Prinzip
1c) Muskelrekrutierung
1d) Henneman Prinzip
2. Studie zur Entladungsrate motorischer Einheiten während isometrischer Kontraktionen
2a) Erkenntnisse früherer Studien
2b) Experimentdurchführung
2c) Aufnahme des Oberflächen und intramuskulären EMG
2d) Elektrische Erregung des Muskels
2e) Analyse
2f) Ergebnisse
2g) Entladungsmuster motorischer Einheiten während Ermüdung
2h) Höchstentladungsrate
2i) Verhalten der Entladungsrate während des Plateaus
2j) Interaktion zwischen Rekrutierungsschwelle und Entladungsrate
2k) Änderung der Muskelmechanik durch Ermüdung
3. Studie zur funktionellen Wichtigkeit der Zellgröße der zum Rückenmark gehörenden Motoneuronen
3a) Studiendurchführung
3b) Ergebnisse: Größe der Motoneuronen und ihre Schwelle
3c) Analyse der Rekrutierungsfolge und relativen Amplitude von Aktionspotentialen
3d) Phasische und tonische Einheiten
3e) Verteilung der Motoneuronendehnschwelle
3f) Tonischer Dehnreflex des Tricepspools an Motoneuronen
3g) Effekt der Unterbrechung der Gammaschleife in Rekrutierungs- und Entladungsmustern von Motoneuronen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Hennemansche Prinzip der Muskelrekrutierung detailliert darzustellen und durch die Analyse zweier wegweisender Studien – eine zur Entladungsrate bei isometrischen Kontraktionen und eine zur Bedeutung der Motoneuron-Zellgröße – physiologisch zu fundieren.
- Grundlagen der motorischen Einheit und des Alles-oder-Nichts-Prinzips
- Hennemans Größenprinzip der Muskelrekrutierung
- Verhalten motorischer Einheiten unter Ermüdungsbedingungen
- Zusammenhang zwischen Zellgröße der Motoneuronen und Rekrutierungsschwelle
- Mechanische Konsequenzen der Muskelaktivierung und neuronale Steuerung
Auszug aus dem Buch
Motorische Einheit
Die motorische Einheit ist für das Zustandekommen von Muskelkontraktionen zuständig. Eine motorische Einheit ist der Komplex aus motorischer Nervenzelle (α-Motoneuron) und aller von ihr innervierten Muskelfasern. Von den sensorischen Fasern (afferente Fasern) des Zentralen Nervensystems werden Bewegungsimpulse über die efferenten Fasern zu den motorischen Vorderhornzellen (α-Motoneurone) geschickt. Die α-Motoneurone befinden sich in der grauen Substanz des Rückenmarks und leiten den Reiz zum Effektor weiter. Der motorische Nerv teilt sich an der Muskelzelle nochmals in einzelne Nervenfasern, den so genannten Neuriten. Dieser Komplex wird als motorische Endplatte bezeichnet.
(vgl. Weineck 2002, S. 64)
Es werden kleine und große motorische Einheiten unterschieden. Die Benutzung der jeweiligen motorischen Einheit richtet sich nach der Bewegungsqualität die ein Muskel ausführen muss. Generell besteht ein Muskel immer aus mehreren motorischen Einheiten. Eine kleine motorische Einheit besitzt wenige Muskelfasern pro α-Motoneuron und ist deshalb in der Lage feinmotorische Bewegungen ohne große Kraftentwicklung auszuführen. Als Beispiel für feinmotorische Bewegungen nennt Markworth die Fingermuskulatur. Bei dieser innerviert ein Motoneuron 5-10 Muskelzellen. Größere motorische Einheiten sind für die Grobmotorik zuständig und können mehr Kraft aufbauen. Hier innerviert ein α-Motoneuron viele Muskelfasern. Markworth führt die Rückenstreckmuskulatur als Beispiel an. Bei dieser aktiviert ein α-Motoneuron zeitgleich bis zu 2000 Muskelzellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Henneman Prinzip: Einführung in die neurophysiologischen Grundlagen, einschließlich motorischer Einheiten, des Alles-oder-Nichts-Prinzips und der Definition des Hennemanschen Größenprinzips.
2. Studie zur Entladungsrate motorischer Einheiten während isometrischer Kontraktionen: Untersuchung von Entladungsmustern bei ermüdenden Kontraktionen im Musculus vastus lateralis sowie die Analyse der Rekrutierungsreihenfolge unter Ermüdung.
3. Studie zur funktionellen Wichtigkeit der Zellgröße der zum Rückenmark gehörenden Motoneuronen: Detaillierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Zellkörpergröße, Rekrutierungsschwelle und Entladungseigenschaften anhand von Dehnreflexexperimenten bei Katzen.
Schlüsselwörter
Henneman Prinzip, Motorische Einheit, Muskelrekrutierung, α-Motoneurone, Isometrische Kontraktion, Entladungsrate, Rekrutierungsschwelle, Vastus lateralis, Dehnreflex, Elektromyographie, Aktionspotentiale, Muskelermüdung, Neurophysiologie, Größenprinzip, Muskelfasertypen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die neurophysiologischen Steuerungsmechanismen von Muskelkontraktionen, insbesondere wie das Zentralnervensystem die Rekrutierung motorischer Einheiten unter variierenden Anforderungen und Ermüdungszuständen organisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die funktionelle Anatomie der motorischen Einheit, das Hennemansche Größenprinzip, der Einfluss von Muskelermüdung auf die Entladungsraten und die Bedeutung der Zellgröße für die neuronale Rekrutierungsschwelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Hennemansche Prinzip der Muskelrekrutierung durch eine Kombination aus theoretischen Grundlagen und der detaillierten Auswertung wissenschaftlicher Studien aus der Sportmedizin und Physiologie wissenschaftlich zu erklären.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse publizierter physiologischer Studien, in denen elektromyographische (EMG) Messungen und elektrische Muskelstimulation eingesetzt wurden, um Entladungsmuster und Rekrutierungsvorgänge zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Studien detailliert analysiert: eine moderne Untersuchung zur Entladungsrate bei ermüdenden isometrischen Kontraktionen und eine grundlegende historische Studie zur funktionellen Bedeutung der Motoneuron-Zellgröße.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Henneman Prinzip, Muskelrekrutierung, α-Motoneurone, Entladungsrate und Rekrutierungsschwelle charakterisiert.
Was passiert laut der Studie mit der Entladungsrate bei zunehmender Muskelermüdung?
Die Untersuchung von Adam und De Luca zeigt, dass die Entladungsrate im vastus lateralis zunächst abnimmt, um dann bei gleichzeitigem Anstieg der Anzahl rekrutierter motorischer Einheiten wieder zuzunehmen, um die Kraftproduktion konstant zu halten.
Wie korrelieren Zellgröße und Rekrutierungsschwelle im Rückenmark?
Die Studie von Henneman et al. belegt, dass eine umgekehrte Beziehung besteht: Kleine Motoneuronen haben eine niedrigere Rekrutierungsschwelle und werden daher bei geringer Belastung zuerst aktiviert, während große Motoneuronen eine höhere Schwelle besitzen.
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- Nadine Ratajczak (Author), 2005, Hennemans Prinzip der Größeninnervierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73750