In der vorliegenden Arbeit gilt es sich mit dem Thema „Das Medium Aufsatz“ auseinanderzusetzen. Die Arbeit ist in zwei Teile geteilt. Im ersten Teil, mit dem Titel „Zur Geschichte des Aufsatzunterrichts“, wird sich Sabine Ostrowitzki, trotz einer fehlenden historischen Perspektive des Aufsatzunterrichts, mit markanten Einschnitten innerhalb des historischen Gesamtablaufs beschäftigen. Im Vordergrund stehen somit Ausatzformen wie der „gebundene Aufsatz“, „freie Aufsatz“, „sprachschaffende Aufsatz“, „kommunikative Aufsatz“, „heuristische Aufsatz“ sowie neue Impulse aus der Schreibforschung. Ziel des ersten Teils ist es, eine grobe Entwicklungslinie dieser Thematik aufzuzeigen.
In einem zweiten Teil dieser Arbeit wird sich Katharina Mewes mit neuen Entwicklungen der Aufatzdidaktik auseinandersetzen.
Das Schreiben von Aufsätzen bereitet vielen an der Schulen Beteiligten wie kaum in einem anderen Bereich des muttersprachlichen Unterrichts Unzufriedenheit und Sorgen: den Schülern, die sich zuweilen mit Misserfolgserlebnissen auseinandersetzen müssen, den Eltern, die über schlechte Zensuren klagen und dem Phänomen Aufsatz meist ratlos gegenüberstehen, du schließlich den Lehrern, die keine ausreichenden Konzepte zur Konsolidierung ihrer Notlage im Aufsatzunterricht zur Hand haben.
In unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist es unabdingbar notwenig, dass die Schüler und Schülerinnen eine ausreichende Schreibkompetenz erwerben. „Die Schüler und Schülerinnen sollen schreiben lernen, nicht nach Mustern Texte aufsetzen, und zum Schreiben gehört ganz wesentlich auch die Überarbeitung des Geschriebenen.“ Kaum ein Lehrbereich ist so negativ besetzt wie der des Aufsatzunterrichts.
In dieser Arbeit möchte ich zuerst auf das „Freie Schreiben“ eingehen, das später zur Entwicklung des kreativen Schreibens beigetragen hat. Im Hauptteil wende ich mich im nächsten Schritt dem kreativen Schreiben als Alternative und Ergänzung zum traditionellen Aufsatzunterricht zu. Hierzu werde ich die Grundlagen des kreativen Schreibens und einige kreative Schreibverfahren vorstellen, um die Bedeutung dieser neuen Schreibdidaktik für den Unterricht zu klären.
Gliederung
1. Einleitung
2. Zur Geschichte des Aufsatzunterrichts
2.1 Der „gebundene“ Aufsatz
2.2 Der „freie“ Aufsatz
2.3 Der „sprachschaffende“ und „sprachgestaltende“ Aufsatz
2.4 Der „kommunikative“ Aufsatz
2.5 Der „heuristische“ oder „emanzipatorische“ Aufsatz
2.6 Neue Impulse aus der Schreibforschung der 80er und 90er Jahre
2.7 Ausblick
3. Neuere Entwicklung in der Aufsatzdidaktik
4. Freies Schreiben: „Das Kind als Schriftsteller“ und „künstlerische Produktivität von Nicht-Künstlern“
5. Das personal-kreative Schreiben
5.1 Kreatives Schreiben: Definition, Geschichte, Ziele und Kritik
5.2 Kreative Schreibverfahren und konkrete Schreibmöglichkeiten: Methoden der Themenfindung
5.2.1 Die Cluster-Methode
5.2.2 Mind-Mapping
5.2.3 Aktivierung von Körpergefühlen: Tasten, Riechen, Hören, Sehen, Schmecken
5.2.4 Die Fantasiereise
5.4 Kreatives Schreiben in der Gruppe: Die Schreibwerkstatt
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung sowie neuere Ansätze des Aufsatzunterrichts und beleuchtet das kreative Schreiben als Alternative und Ergänzung zur traditionellen Schreibdidaktik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die verschiedenen Schreibkonzepte die Entwicklung der Schreibkompetenz beeinflussen und welche Methoden zur Förderung der Schreibmotivation und -kreativität in der Schule Anwendung finden können.
- Historischer Überblick der Aufsatzdidaktik (vom gebundenen zum kreativen Aufsatz)
- Kritische Analyse traditioneller Schreibmodelle
- Grundlagen und Definition des kreativen Schreibens
- Methoden zur Themenfindung und Schreibförderung (Cluster, Mind-Mapping, Fantasiereise)
- Die Schreibwerkstatt als Prozessorientierter Ansatz
Auszug aus dem Buch
2.1 Der „gebundene“ Aufsatz
Bis in das 18. Jahrhundert hinein stand der Schulaufsatz in der rhetorischen Tradition der Antike. Demnach war er anfangs auch nur in den höheren Schulen, wie Lateinschulen oder Gymnasien, zu finden und somit in den Volksschulen gänzlich unbekannt. Unter „Aufsatz“ verstand man damals „das schriftliche „Aufsetzen“ einer gerichtlichen oder politischen Rede; es diente nur der Vorbereitung des mündlichen Vortrags.“ Im Gefolge der humanistischen Tradition, wurden die öffentliche Rede und die antike Literatur zum Bildungswissen in schriftlicher Form. Die Schüler sollten sich durch Schreibübungen den Stil und Inhalt der antiken Schriftsteller aneignen. Neben Reden verfasste man in der Folgezeit auch Gedichte, welche jedoch eher einen rhetorischen als poetischen Charakter aufwiesen. Im 18. Jahrhundert wird allerdings eine neue Zielbestimmung des Schreibens deutlich. Mit dem Argument, dass die Wirkung einer Rede nicht von der sprachlichen Vollkommenheit, sondern von der Überzeugungskraft der Gedanken abhinge, schaffte es Gottsched, dass nicht mehr nur fremde Gedanken geschickt angeordnet wurden, sondern dass sich der Schreiber den Stoff innerlich aneignen und sich schließlich über die Sache „vernünftig“ äußern musste. „Der Schreibunterricht hatte hier nicht mehr zum Ziel, direkt auf eine außerschulische Praxis vorzubereiten, sondern den Schüler ein Erkenntnismedium zu vermitteln und ganz allgemein ihre geistige Entwicklung zu fördern. Gegenüber der lebenspraktischen Funktion trat also die Funktion der psychischen Entwicklung in den Vordergrund.“
Wie schon erwähnt, galt dies nicht für allen Unterricht, sondern nur für den der Gymnasien und Lateinschulen. Elementarschulen und Volksschulen beschränkten sich vielmehr auf das Schönschreiben, das Rechtschreiben nach Diktat, das Abschreiben von Vorlagen und auf das Auswendig-Schreiben von Mustertexten. Inhaltlich waren sie an christlich-moralische Lebensweisen gebunden, mit dem Ziel: die religiöse und bürgerliche Gesinnung sowie elementares Sachwissen zu fördern und zu festigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Thema der Aufsatzdidaktik und unterteilt die Arbeit in einen historischen Abriss sowie einen praktischen Teil zur kreativen Schreibdidaktik.
2. Zur Geschichte des Aufsatzunterrichts: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von Aufsatzformen nach, angefangen vom gebundenen Musteraufsatz über den freien, sprachgestaltenden und kommunikativen Aufsatz bis hin zum heuristischen Ansatz.
3. Neuere Entwicklung in der Aufsatzdidaktik: Hier werden die Kritikpunkte am traditionellen Aufsatzunterricht thematisiert und neue Impulse durch Textlinguistik und Kreativitätsforschung diskutiert.
4. Freies Schreiben: „Das Kind als Schriftsteller“ und „künstlerische Produktivität von Nicht-Künstlern“: Dieses Kapitel behandelt den Einfluss der Reformpädagogik auf das freie Schreiben und den Anspruch, das Kind als Bezugspunkt des Schreibens in den Mittelpunkt zu stellen.
5. Das personal-kreative Schreiben: Dieser Abschnitt definiert das kreative Schreiben, analysiert seine Ziele und stellt konkrete Methoden wie Cluster-Methode, Mind-Mapping und Fantasiereisen für den Unterricht vor.
Schlüsselwörter
Aufsatzunterricht, Schreibdidaktik, Kreatives Schreiben, Freies Schreiben, Schreibkompetenz, Schreibprozess, Reformpädagogik, Kommunikative Didaktik, Schreibwerkstatt, Cluster-Methode, Mind-Mapping, Fantasiereise, Sprachgestaltung, Identitätsfindung, Textproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Veränderung des Aufsatzunterrichts vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit und untersucht, wie neue Ansätze des kreativen Schreibens den klassischen Unterricht bereichern können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Genese verschiedener Aufsatztypen, die Kritik am traditionellen Aufsatzunterricht sowie die theoretische Fundierung und methodische Umsetzung des personal-kreativen Schreibens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklungslinie des Aufsatzunterrichts aufzuzeigen und zu klären, wie kreative Schreibdidaktik als Alternative oder Ergänzung zu traditionellen Mustern zur Förderung der Schüler beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten fachdidaktischen Literaturanalyse, die verschiedene schreibpädagogische Ansätze, historische Strömungen und aktuelle Forschungsergebnisse zusammenführt und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte historische Darstellung verschiedener Aufsatzkonzepte und eine umfassende Einführung in die Theorie und Praxis des kreativen Schreibens inklusive konkreter methodischer Verfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Schreibdidaktik, Aufsatzunterricht, kreatives Schreiben, Schreibkompetenz und Prozessorientierung charakterisieren.
Wie definiert das Dokument das „kreative Schreiben“?
Es wird als kreativ-sprachlicher Prozess beschrieben, der die individuelle Persönlichkeit des Schreibenden betont, Normen durchbricht und der Entfaltung von Fantasie sowie der Identitätsfindung dient.
Was ist die „Schreibwerkstatt“?
Die Schreibwerkstatt ist eine kreative Gruppe, die in Phasen (Inspiration, Inkubation, Illumination, Verifikation) gemeinsam Texte produziert, bearbeitet und deutet, um soziale Hemmungen abzubauen und den Schreibprozess zu stimulieren.
- Citar trabajo
- Katharina Mewes (Autor), Sabine Ostrowitzki (Autor), 2007, Das Medium Aufsatz - Von den Anfängen bis zur Gegenwart , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73760