Gabriel García Márquez "Cien anos de soledad" - Die Suche nach dem Meer


Seminararbeit, 2007
24 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gabriel García Márquez’ Biographie

3 Inhalt des Romans „Cien años de soledad“

4 Inhalt der Episode „Die Suche nach dem Meer“

5 Analyse und Interpretation der Episode
5.1 Inhaltliche Analyse anhand des Themas „Einsamkeit“
5.2 Sprachliche Analyse
5.2.1 Magischer Realismus
5.2.2 Sprachstil und Stilfiguren
5.2.2.1 Gigantismus
5.2.2.2 Sinnbilder und Vergleiche

6 Vergleich der Episode mit der „Odyssee“ und der „Divina Commedia“
6.1 Parallelen zu Homers „Odyssee“
6.2 Parallelen zu Dantes „Divina Commedia“

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang

1 Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit stellt die Episode von der „Suche nach dem Meer“ aus Gabriel García Márquez’ Roman „Cien años de soledad“ dar. Nachdem ich anfangs auf dessen Biographie sowie den Inhalt des Romans eingehe, gebe ich anschließend einen Überblick über die genannte Episode. Den größten Teil dieser Arbeit bildet die inhaltliche und sprachliche Analyse dieser Episode. Dabei werde ich sowohl das Thema „Einsamkeit“ als auch Aspekte des magischen Realismus sowie den sprachlichen Aufbau anhand von Stilfiguren behandeln. Schließlich vergleiche ich die Episode mit Auszügen aus Homers „Odyssee“. Die Arbeit wird durch eine kurze Zusammenfassung des Gesamtthemas abgerundet.

2 Gabriel García Márquez’ Biographie

Gabriel García Márquez wurde am 6. März 1927 in Aracataca, einem 1885 gegründeten und im Departamento de Magdalena im Norden Kolumbiens gelegenen Ort, geboren. Nachdem seine Eltern 1929 wegen finanzieller Probleme nach Baranquilla zogen, wuchs Gabriel García Márquez bei seinen Großeltern in Aracataca auf. Auf Wunsch seiner Eltern begann er nach seiner Schulausbildung ein Jurastudium an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá, welches er allerdings 1960 abbrach.

Zu dieser Zeit begann er, sich intensiv mit Poesie und Literatur zu beschäftigen Ab 1954 arbeitete er als Reporter für die Zeitung „El Espectator“, wo er zunächst kleinere Geschichten und Filmrezensionen verfasste. Seine Arbeit als Journalist führte ihn in den folgenden Jahren in verschiedene europäische Länder. 1958 kehrte er nach Kolumbien zurück und heiratete Mercedes Barcha Pardo, mit der er 1959 und 1962 seine beiden Söhne Rodrigo und Gonzalo bekam. Im selben Jahr entstand seine bis heute anhaltende Freundschaft zu Fidel Castro, da Gabriel García Márquez mithalf, in La Habana eine Zweigstelle von Castros „Prensa Latina“ zu eröffnen.

Nach einer fünfjährigen Schaffenskrise als Schriftsteller kam 1965 mit einer Inspiration, das Leben in Aracataca darzustellen, die Wende. Während der darauffolgenden eineinhalb Jahre schrieb er den Roman „Cien años de soledad“, welcher im Juni 1967 veröffentlicht wurde. Mit diesem Werk, das zu einem großen Erfolg auf der ganzen Welt wurde, gelang Gabriel García Márquez der Durchbruch als Schriftsteller. 1982 wurde er dafür mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.[1]

3 Inhalt des Romans „Cien años de soledad“

„Cien años de soledad“ handelt vom Aufstieg und Niedergang der Familie Buendía und des kolumbianischen Dorfes Macondo, welches von José Arcadio Buendía zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet wird. Vom Rest der Welt durch die „Launen“ der Natur abgeschnitten, ist es der Ort, an dem sich alle geschichtlichen Ereignisse, alle Entdeckungen des Menschen noch einmal zu wiederholen scheinen. Anhand von „Cien años de soledad“ erzählt Gabriel García Márquez auf fantastische Weise die gesamte Tragödie Lateinamerikas.[2]

Während eines Jahrhunderts durchläuft die Familie Buendía sämtliche Höhen und Tiefen des Lebens und der gesellschaftlichen Entwicklung. Zunächst von der Außenwelt isoliert, schafft Ursúla Iguarán, José Arcadio Buendías Ehefrau, den Zugang zu jener, womit die herrschende soziale und wirtschaftliche Gleichheit Macondos zunichte gemacht wird. Den Höhepunkt der Kolonialisierung stellt die Übernahme durch ein nordamerikanisches Bananenunternehmen dar, was gewaltige soziale Konflikte zur Folge hat. Wie zu Beginn wird das Dorf nun wieder zu einem Ort der Abgeschiedenheit. Der Zigeuner Melquíades hat all diese Geschehnisse einst in einer Schrift vorausgesagt, doch erst der letzte Buendía versteht diese Ankündigungen. Dennoch es ist zu spät, das Dorf aus seiner immerwährenden Einsamkeit zu befreien, denn es wird „vom Wind vernichtet und aus dem Gedächtnis der Menschen [...] getilgt“.[3]

„Cien años de soledad“ bietet mit seiner Vielschichtigkeit ein breites Spektrum für Interpretationen, kaum können alle Facetten des Werkes erschlossen werden.

4 Inhalt der Episode „Die Suche nach dem Meer“

Das Thema meiner Hausarbeit stellt die Episode der „Suche nach dem Meer“ dar, welche ausführlich im Anhang zu finden ist. Hierbei handelt es sich um José Arcadio Buendías Suche nach Zivilisation. Nachdem er bereits in seiner Jugend auf der Suche nach einem Zugang zum Meer war, dieses jedoch nicht gefunden hatte und daher Macondo gründete, macht er sich erneut mit seinen Männern auf, eine Verbindung zur Zivilisation zu suchen. Auf dieser Expedition ist die Gruppe gezwungen, den gefahrenreichen Urwald zu durchqueren, dessen eigene „Welt“ für sie ein einziger Alptraum zu sein scheint. Doch nach wochenlangem Marsch zeigt sich die Wende dieser Unternehmung: Unerwartet stoßen José Arcadio Buendía und seine Männer auf eine spanische Galeone, eingebettet in die weite Landschaft. Dieses Anzeichen für die Nähe des Meeres, das sie zwölf Kilometer entfernt finden sollten, brachte der Expedition neuen Schwung. Jedoch stellte das Meer keineswegs einen Zugang zur Zivilisation dar, sodass José Arcadios Träume, sowie die Suche an sich, ein jähes Ende fanden. Enttäuscht und erbittert über dieses „Schicksal“ fasst er den Plan, Macondo an einen geeigneteren Ort zu pflanzen, welcher allerdings durch das Eingreifen Úrsulas scheitert, da sie – als bewahrender Teil der Familie – José Arcadio aufgrund seiner Kinder an Macondo bindet.[4]

5 Analyse und Interpretation der Episode

5.1 Inhaltliche Analyse anhand des Themas „Einsamkeit“

Es steht fest, dass Einsamkeit eines der zentralen Themen in „Cien años de soledad“ ist, was allein schon durch den Titel des Werkes verdeutlicht wird. Der Begriff „Einsamkeit“ als solcher begleitet den Leser durch den gesamten Roman hindurch.

Unter „Einsamkeit“ verstehen wir allgemein die subjektive Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein. Mit Bezug auf „Cien años de soledad“ stellt Einsamkeit einen unüberwindbaren Faktor dar, der jedem Buendía obliegt. So gehört die Einsamkeit zum Leben der Buendías dazu – und jeder, der der Familie „zu nahe kommt“, bekommt ebenfalls diese Einsamkeit zu spüren. Dabei gibt es verschiedene Muster von Einsamkeit: Zum einen ist jeder der Hauptcharaktere für sich einsam, jeder lebt sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen bzw. besitzt eigene Denkweisen, die er jeweils mehr oder weniger in die Realität umsetzt, denn nicht immer entsprechen diese Vorstellungen denen anderer. Zum anderen ist die Einsamkeit nicht ausschließlich auf die Personen bezogen, denn auch der Ort, Macondo, in dem diese leben, ist von Einsamkeit geprägt, was an dieser Stelle mit der oben genannten Abgeschiedenheit zu vergleichen ist. Die Einsamkeit bestimmt somit grundlegend das Leben in Macondo als auch das Leben der Familie Buendía.

Diese Einsamkeit, diese Abgeschiedenheit des Dorfes, die José Arcadio Buendía verzweifelt versucht zu überwinden, ist der Anlass für ihn, sich auf die Suche nach Zivilisation zu machen. Aufgrund seiner Neugier nach wissenschaftlicher Erkenntnis, verkraftet er es nicht, jenseits jeglicher Zivilisation zu leben. Galt seine erste Unternehmung der tatsächlichen Suche nach dem Meer, so steht die zweite „Expedition“ vor dem Vordergrund, einen Zugang zur Zivilisation und somit zur Wissenschaft zu suchen und zu finden. Jedoch ist diese Suche, dieses ersehnenswerte Verlassen der Einsamkeit tragischerweise wiederum mit Einsamkeit behaftet. So weist die Episode zahlreiche Beispiele dafür auf:

„De acuerdo con los cálculos de José Arcadio Buendía, la única posibilidad de contacto con la civilización era la ruta del norte.”[5]

Allein die Annahme José Arcadio Buendías, dass es nur eine einzige Möglichkeit gab, mit der Zivilisation in Verbindung zu kommen, zeigt, wie verlassen bzw. abgeschieden Macondo ist.

Vor allem während der Unternehmung wird deutlich, dass sich José Arcadio Buendía und seine Männer weiterhin in einem Raum aus Einsamkeit befinden. Neben der langen Zeitspanne, die ihr Marsch in Anspruch nimmt, was zeigt, dass zwischen Macondo und der Zivilisation eine große Entfernung liegen muss, kommt die Einsamkeit am Beispiel des Urwaldes zum Vorschein, durch den sich die Männer wochenlang kämpfen müssen:

„Luego, durante más de diez días, no volvieron a ver el sol. (…), se hicieron cada vez más lejanos los gritos de los pájaros y la bullaranga de los monos, y el mundo se volvió triste para siempre.”[6]

Diese Textpassage könnte dementsprechend interpretiert werden, dass die Männer, statt die Zivilisation zu erreichen, immer weiter in die Einsamkeit vorstoßen. Kein Sonnenstrahl, keine Geräusche, die Welt für immer trostlos – hier kommt die Hoffnungslosigkeit dieser Unternehmung deutlich zum Ausdruck.

Das Schweigen der Männer, die „fast wortlos wie Schlafwandler durch ein Weltall des Alptraums“[7] ziehen, verstärkt diese Einsamkeit zunehmend. Auch die Wortwahl „Weltall des Alptraums“ verdeutlicht, dass die Situation ausweglos ist, so wie bei manchen Menschen Einsamkeit das Gefühl der Ausweglosigkeit und Verzweiflung auslösen kann. Anstatt aus ihr – egal ob der Situation oder der Einsamkeit – auszubrechen oder das Beste daraus zu machen, versinken sie ungewollt immer mehr darin. Doch sieht der Roman nicht vorher, dass José Aracdio Buendía diese Einsamkeit überwindet.

Der Höhepunkt an Einsamkeit findet sich anhand der spanischen Galeone wieder:

„Toda la estructura parecía ocupar un ámbito propio, un espacio de soledad y de olvido, vedado a los vicios del tiempo y a las costumbres de los pájaros.“[8]

Hier wird direkt ausgesagt, dass sie nicht auf eine Zivilisation, die auf Fortschritt hoffen lässt, sondern auf Einsamkeit und Stagnation gestoßen sind. Übertragen gesehen, ist die Galeone nichts anders als ein Sinnbild Macondos. So wie die Galeone einsam und vergessen im Steinboden festsitzt, so ist Macondo einsam und vergessen mitten ins vermeintliche Nichts gepflanzt. Die Männer bewegen sich somit in einem Kreislauf der Isolation.

Weitere Andeutungen für Einsamkeit finden sich in dem Abschnitt, als José Arcadio Buendía den Plan schmiedet, Macondo an einem anderen Ort zu errichten, er jedoch mit dieser Absicht alleine dasteht, ebenso wie an der Stelle, als er zum ersten Mal seine Kinder wahrzunehmen scheint, was auf die Einsamkeit innerhalb der Familie hindeutet.

[...]


[1] Vgl. Autor unbekannt, 2007, http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Garc%C3%ADa_

M%C3%A1rquez; Autor unbekannt, 2007, http://es.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Garc%C3%ADa_ M%C3%A1rquez; Autor unbekannt, 2002-2007, http://cvc.cervantes.es/ACTCULT/garcia_marquez.

[2] Vgl. García Márquez 2005, S. 2.

[3] García Márquez 2005, S. 468; vgl. Autor, Jahr unbekannt, http://www.hu-berlin.de/rs/show. php4?NT=8&L=1&G=48.

[4] Vgl. García Márquez 2005, S. 17-22.

[5] García Márquez 20035, S. 20.

[6] García Márquez 20035, S. 21.

[7] García Márquez 2005, S. 18.

[8] Ebd., S. 22.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gabriel García Márquez "Cien anos de soledad" - Die Suche nach dem Meer
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
PS: Gabriel García Márquez: "Cien años de soledad"
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V73769
ISBN (eBook)
9783638743785
ISBN (Buch)
9783638744362
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gabriel, García, Márquez, Cien, Suche, Meer
Arbeit zitieren
Anja Hofmann (Autor), 2007, Gabriel García Márquez "Cien anos de soledad" - Die Suche nach dem Meer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73769

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