Durch die steigende Globalisierung der Märkte, unter anderem verstärkt durch die Entwicklung des EU-Binnenmarktes und veränderte Strukturen im Ostblock, ergeben sich für Unternehmen vielfältige Chancen, aber auch veränderte Wettbewerbsanforderungen. Um dem steigendem Wettbewerbsdruck Stand zu halten und den immer turbulenter, schnellebiger und unsicherer werdenden Umfeldbedingungen gerecht zu werden, zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Dezentralisierung bzw. Enthierarchisierung der Unternehmen ab. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist eine „neue“, auf dem Prinzip der Netzwerkstruktur beruhende Form der Unternehmensorganisation. Damit „lösen“ die Unternehmensnetzwerke die bisherigen zentralen und komplexen Organisationsformen ab, die ihre Daseinsberechtigung auf Grund veränderter unternehmerischer Umfeldbedingungen nach und nach verlieren, und werden so zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor der neunziger Jahre.
Im Rahmen dieser Arbeit wird eine Typologie existierender Unternehmensnetzwerke dargestellt, wobei zu Beginn ein kurzer Überblick bzgl. des in der Literatur verwendeten Netzwerkbegriffs gegeben wird (2.1). Anschließend wird der zuvor definierte Netzwerkbegriff zu ähnlichen Kooperationsformen wie strategischen Allianzen (2.2.1), strategischen Familien (2.2.2) und japanischen Keiretsu (2.2.3) „abgegrenzt“.
Hauptaugenmerk dieser Arbeit bildet jedoch die Systematisierung verschiedener Unternehmensnetzwerke. Dabei wird insbesondere nach der Art der Kooperationsrichtung innerhalb der Netzwerkstruktur differenziert (3.1). Diesem von Wildemann gewählten Ansatz wird eine aus logistischer Sicht relevanten Systematik von Pfohl und Buse gegenübergestellt (3.2), die sich eher an der „Funktionsweise“ des jeweiligen Unternehmensnetzwerkes orientiert. Dabei wird deutlich, daß eine Typologisierung durch eine in der Literatur nicht immer konsistente Verwendung der Begriffe erschwert wird.
Schließlich ergibt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Netzwerktypen, die mitunter fließend ineinander übergehen können und gerade für Klein- und Mittelbetriebe neue Perspektiven eröffnen (4.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung und Abgrenzung
2.1 Charakterisierung von Unternehmensnetzwerken
2.2 Abgrenzung zu anderen Kooperationsformen
2.2.1 Strategischen Allianzen
2.2.2 Strategische Familie
2.2.3 Keiretsu
3. Typologien von Unternehmensnetzwerken
3.2 Differenzierung nach der Kooperationsrichtung
3.2.1 Horizontale Netzwerke
3.2.2 Vertikale Netzwerke
3.2.3 Laterale Netzwerke
3.2 Differenzierung nach der Organisationsstruktur
3.2.1 Strategische Netzwerke
3.2.2 Regionale Netzwerke
3.2.3 Operative Netzwerke
3.2.4 Virtuelle Unternehmen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der Entwicklung einer Typologie existierender Unternehmensnetzwerke, um die komplexen Organisationsformen zu systematisieren, die als Antwort auf einen steigenden Wettbewerbsdruck und zunehmend turbulente Umfeldbedingungen entstanden sind. Dabei wird eine forschungsbasierte Abgrenzung gegenüber anderen Kooperationsformen vorgenommen sowie unterschiedliche Ansätze zur Kategorisierung (nach Kooperationsrichtung und Organisationsstruktur) gegenübergestellt.
- Charakterisierung von Unternehmensnetzwerken
- Abgrenzung zu strategischen Allianzen und Keiretsu
- Differenzierung nach Kooperationsrichtungen (horizontal, vertikal, lateral)
- Systematik nach Organisationsstrukturen (strategisch, regional, operativ, virtuell)
- Bedeutung der Netzwerkorganisation für Klein- und Mittelbetriebe
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Horizontale Netzwerke
Gemäß Wildemann ergeben sich in Abhängigkeit von der Kooperationsrichtung drei Netzwerktypen. Im folgenden soll zuerst auf die horizontalen Netzwerktypen eingegangen werden. Diese sind durch die Verknüpfung von Unternehmen auf der gleichen Wertschöpfungsstufe gekennzeichnet. Sie können dabei regional beschränkt oder international orientiert sein und stellen vor allem auf die Ausnutzung von Skalen- und Multiplikationseffekten ab. Die Zusammenarbeit kann sich dabei sowohl auf einen gemeinsamen Einkauf, auf Transport und - Verkehrswesen, auf die gemeinsame Nutzung von Lagern oder Test- und Prüflaboratorien als auch auf die koordinierte kooperative Forschung und Entwicklung und Markterschließung beziehen.
Beispiele für internationale Netzwerke finden sich im Bereich der Automobilindustrie. Aufgrund günstiger Standortfaktoren und zur Erschließung neuer Märkte haben eine Reihe von Automobilherstellern Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert bzw. neue Standorte gegründet. Dabei bietet sich beim Aufbau internationaler Netzwerke die Gründung von Tochtergesellschaften durch Lizenzvergabe oder die Gründung von Joint Ventures an; insbesondere unter dem Aspekt des Investitionsvolumens und des Risikos stellen die genannten Kooperationsformen mit lokal ansässigen Unternehmen eine geeignete Internationalisierungsstrategie dar. Diese Unternehmensnetzwerke verbinden markt- und produktionsökonomische Forderungen nach größerer Flexibilität und Effizienz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende Globalisierung und den steigenden Wettbewerbsdruck als Auslöser für die Entstehung von Netzwerkstrukturen als neue Organisationsform.
2. Begriffsklärung und Abgrenzung: Dieses Kapitel definiert Unternehmensnetzwerke auf Basis verschiedener wissenschaftlicher Auffassungen und grenzt sie von anderen Formen wie Allianzen oder Keiretsu ab.
3. Typologien von Unternehmensnetzwerken: Hier erfolgt die systematische Differenzierung von Netzwerken nach ihrer Kooperationsrichtung und ihrer internen Organisationsstruktur.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Netzwerke durch Spezialisierung und Flexibilität eine entscheidende Organisationsform zur Bewältigung komplexer Umweltanforderungen darstellen.
Schlüsselwörter
Unternehmensnetzwerke, Kooperationsformen, strategische Allianzen, horizontale Netzwerke, vertikale Netzwerke, laterale Netzwerke, virtuelle Unternehmen, Spezialisierung, Flexibilität, Wertschöpfungsstufe, Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsteilung, Organisationsstruktur, Markterschließung, Hub Firm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Unternehmensnetzwerke als Antwort auf globale Wettbewerbsanforderungen und entwickelt eine Typologie zur Systematisierung dieser Organisationsform.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Begriffsdefinition, die Abgrenzung zu ähnlichen Kooperationsformen sowie die Typisierung nach Richtungen und Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine systematische Ordnung der verschiedenen Netzwerktypen vorzunehmen, um die unterschiedlichen Ausprägungen und deren Vorteile besser verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, die verschiedene Forschungsansätze (u.a. von Wildemann sowie Pfohl und Buse) einander gegenüberstellt und kritisch würdigt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Differenzierung nach Kooperationsrichtungen und Organisationsstrukturen sowie der Analyse spezifischer Netzwerkausprägungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unternehmensnetzwerke, Spezialisierung, Flexibilität, Kooperationsrichtung und Organisationsstruktur.
Was kennzeichnet ein virtuelles Unternehmen?
Ein virtuelles Unternehmen zeichnet sich durch zeitlich befristete Kooperationen rechtlich selbstständiger Partner aus, die ihre Kernkompetenzen kombinieren, um gemeinsam komplexe Leistungen zu erbringen.
Warum sind horizontale Netzwerke für die Automobilindustrie relevant?
Sie ermöglichen es Unternehmen, durch internationale Standorte und Kooperationen neue Märkte zu erschließen und Größenvorteile zu nutzen, ohne dabei an Flexibilität einzubüßen.
Worin besteht der Unterschied zwischen horizontalen und vertikalen Netzwerken?
Horizontale Netzwerke verbinden Unternehmen derselben Wertschöpfungsstufe zur Skalierung, während vertikale Netzwerke Kunden-Lieferanten-Beziehungen über verschiedene Stufen hinweg zur Transaktionskostenoptimierung adressieren.
- Quote paper
- Dr.rer.pol. Mark-Ken Erdmann (Author), 1997, Typologien von Unternehmensnetzwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73783