Das Problem der dramatischen Gattung bei Molières Dom Juan


Hausarbeit, 2002

16 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 La Formation de la Doctrine classique

3 Molière und das volkstümliche Theater

4 Bibliographie

1. Einleitung

Innerhalb von Molières Gesamtwerk nimmt Dom Juan in doppelter Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es ist die einzige Komödie im Gesamtwerk Molières, die der Dichter wegen ihrer schockierenden Wirkung definitiv vom Spielplan absetzen musste, während er sich im Falle des Tartuffe schließlich mit Hilfe des Königs gegen die dévots durchsetzen konnte. Außerdem ist Dom Juan diejenige seiner großen Komödien, die dem Regelkanon der französischen Klassiker heftig widersprach. In mancher Hinsicht stellt Dom Juan Molières unkonventionellstes Werk dar und ist in formaler und inhaltlicher Hinsicht ein literarischen Sonderfall im Zeitalter Ludwig XIV.

2. La Formation de la Doctrine classique

Die große Zeit der aristotelischen Poetik und mit ihr des dichtungstheoretischen Aristotelismus war der europäische Klassizismus. Sie begann während der italienischen Hochrenaissance und erreichte im klassischen Frankreich unter Ludwig XIV ihren Höhepunkt. Das Ende der Klassik markiert in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die aufkommende Geniebewegung, die eine gänzlich andere Betrachtungsweise der Dichtung durchsetzte.

Aus dem Vorbildcharakter der antiken Kunst und Literatur für die italienische Renaissance, erwuchs das Bedürfnis, sich auch auf den Regelkanon der antiken, literarischen Vorbilder zu stützen. Somit wurde Aristoteles zum obersten Gesetzgeber der damaligen literarischen Produktion und durch seine Poetik erhielt die europäische Literatur der frühen Neuzeit einen inneren Zusammenhang.

Der Höhepunkt des französischen Aristotelismus fällt in die Frühklassik, in die Jahre von etwa 1620 bis 1660. Chapelain eröffnete die Auseinandersetzung mit den klassischen Idealen mit seiner Einleitung zu Marinos Adonis. Die Diskussion der aristotelischen Poetik in Frankreich unterschied sich deutlich von der, die ein Jahrhundert zuvor in Italien stattgefunden hatte. Es entstand nicht nur eine unüberschaubare Zahl von Abhandlungen, sondern eine umgreifende Diskussion an der sich die ganze führende Schicht beteiligte. Nicht bei den Dichtern, aber durchaus bei den Theoretikern erstarrt die Dichtungstheorie immer mehr zu einer dogmatischen Regelpoetik. Dies beweist zum Beispiel die Lehre der drei Einheiten (Handlung, Zeit, Ort), die zu dieser Zeit zum ersten Mal aus Aristoteles' Poetik herausgelöst wurde und sich von nun an in ganz Europa durchsetzte.

Aus den antiken Vorbildern Aristoteles und Horaz entwickelten französische Theoretiker die Doctrine classique. Obwohl die Doctrine classique weder im Roman der Klassik, noch in der Komödie oder in den Fabeln La Fontaines eine große Rolle spielt, erregt Molière mit seinen Komödien den Unwillen vieler Zeitgenossen, die ihm unter anderem die Nichteinhaltung der poetischen Regeln vorwerfen. Die scharfe Kritik, die von Geistlichen an Molières Werk geübt wird, nutzt die Ignoranz des Dichters gegenüber der strengen Regelpoetik, um gegen die Inhalte seiner Komödien vorzugehen.

In Frankreich zählt Jean Chapelin zu den bedeutendsten Begründern der klassischen Dichtungslehre. Chapelin erhielt von Kardinal Richelieu den Auftrag, die verschiedenen Lehrschriften zu verfassen und somit der Doctrine classique zu Durchsetzung zu verhelfen. Strenggenommen entspricht allerdings nur das Werk des französischen Dichters Racine diesem Regelwerk. Für die Dichter der Klassik wie Molière, aber auch Racine war die Einhaltung der aristotelischen Regeln kein alleingültiges Maß. Sie strebten ebenso nach dem Anklang ihrer Werke beim zeitgenössischen Publikum.

3. Molière und das volkstümliche Theater

Molières Dom Juan wird in der Literatur allgemein in die Gattung der 'großen' Komödie eingeordnet. Dennoch bricht dieses Außergewöhnlichste seiner Stücke in vielen Details mit den Traditionen der Komödie. Viele Szenen, die Zeichnung der Figuren des Stücks und die Sprache sind eindeutig von 'niederen' Theatertraditionen geprägt worden.

Die unterschiedlichen Einflüsse, die Molière und sein Werk prägten, gehen aus der Biographie des Dichters hervor.

Molière wurde am Collège de Clermont, einem der bedeutendsten Gymnasien seiner Zeit, in Logik, Mathematik, Physik und Latein unterrichtet und erhielt so eine anspruchsvolle Ausbildung. Über die Zeit nach dem Collège gibt es nur Vermutungen. Dass er Jurisprudenz und Philosophie in Orléans studiert hat ist nicht erwiesen, ebenso wenig, ob er sich als Advokat in Paris einschreiben ließ. Während dieser Zeit macht er jedoch die Bekanntschaft mit der Schauspielerin Madeleine Béjart, deren Privatbühne "Illustre Théàtre" er sich anschließt und sich den Künstlernamen Moliere anlegt.

Die Theatertruppe bleibt in ihrer ersten Spielzeit in Paris erfolglos und sieht sich durch Schulden gezwungen die Stadt zu verlassen. Somit beginnt im Jahr 1645 Molières dreizehnjährige Wanderzeit. In der darauffolgenden Periode am Hof Ludwig XIV wird sich herausstellen, dass die Wanderjahre eine wichtige Basis seines Werkes darstellen. Molière lernte nicht nur andere Theatertraditionen kennen, sondern auch die Sprache und Dialekte des Volkes, die er später als Stilmittel einsetzen wird.

In den Provinzen hat die Truppe große Erfolge mit Farcen, die zum Teil von Molière selbst geschrieben wurden. Nach einer als geheim bezeichneten Reise Molières dürfen sich die Komödianten "Truppe des einzigen Bruder des Königs" nennen und werden zu einer Vorstellung im Louvre vor dem König und dem versammelten Hof eingeladen. Dort überzeugen sie mit Le docteur amoureux und erhalten die Erlaubnis sich mit den Italienern das Theater "Petit Bourbon" zu teilen.

Der künstlerische Ertrag der Wanderjahre von dem Molières weitere Schaffenszeit inspiriert ist, liegt in den Traditionen der volkstümlichen Farce und der italienischen Commedia dell' arte, die der Dichter in den Provinzen kennen lernte

Die Bezeichnung Farce als literarischer Gattungsbegriff existiert in Frankreich seit dem 14. Jahrhundert. In dramaturgischer Hinsicht ist die Farce eine kurze, einaktige komische Einlage. Sie wurde traditionell in Achtsilbern verfasst und zwischen den Akten eines ernsteren Stückes mit meist geistlichem Inhalt aufgeführt. Die Handlung der Farce besteht im allgemeinem in einem Streich, der einer lächerlichen Figur gespielt wird. Das bevorzugte Thema der Farce ist die possenhafte Darstellung von Ehekonflikten. Dementsprechend sind ihre Figuren auf wenige Typen beschränkt. Dazu zählt der tyrannische Vater, der betrogene Ehemann, der verliebte, impotente Alte und die in der Ehe vernachlässigte Frau.

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Details

Titel
Das Problem der dramatischen Gattung bei Molières Dom Juan
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Romanistik)
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V7380
ISBN (eBook)
9783638146616
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Molière dramatische Gattung Komödie Dom Don Juan
Arbeit zitieren
Valerie Schmidt (Autor), 2002, Das Problem der dramatischen Gattung bei Molières Dom Juan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7380

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