Wir wandten uns im Laufe des Semesters dem Expressionismus in bildender Kunst, Architektur & Film zu.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem großartigen, expressionistischen Bauwerk: dem Einsteinturm, Potsdam von Erich Mendelsohn, der von 1920-1924 gebaut wurde.
Es handelt sich um die Ausarbeitung eines Referates, welches im Seminar vorgetragen wurde. Die Hausarbeit behandelt die Themen des Referats. Allerdings sind die Schwerpunkte der schriftlichen Ausarbeitung anders gesetzt, da das Referat von Diaprojektionen begleitet wurde. Da die Beschreibung des Grundrisses ohne Diamaterial unanschaulich ist, haben wir von diesem Thema in der Hausarbeit abgesehen. Die Hausarbeit beginnt wie auch das Referat mit der Biographie des Architekten, um den Künstler zu präsentieren und seine Vielfältigkeit und internationalen Werke vorzustellen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Erich Mendelsohns Biographie (1887-1953)
III. Die Idee und die Problematik der Bauarbeiten
IV. Expressionismus - ein Definitionsversuch
V. Der Umbruch in der Architektur
VI. Architektur im Expressionismus
VII. Mendelsohns Dynamik
VIII. Skizzen zur Sternenwarte
IX. Der Einsteinturm als Stahlbetonkonstruktion oder "Liebes Kind, nie wieder!"
X. Der Einsteinturm als expressionistisches Bauwerk
XI. Die technische Konstruktion
XII. Schlusswort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die architektonische Bedeutung des Einsteinturms in Potsdam als herausragendes Beispiel expressionistischer Baukunst, wobei sie den Prozess von der theoretischen Vision des Architekten Erich Mendelsohn bis hin zur praktischen Umsetzung und den damit verbundenen technischen Herausforderungen beleuchtet.
- Biografische Hintergründe von Erich Mendelsohn
- Definitionsansätze und Merkmale des Expressionismus in der Architektur
- Mendelsohns Konzept der Dynamik und seine architektonische Vision
- Analyse des Einsteinturms hinsichtlich seiner Formensprache und Konstruktion
Auszug aus dem Buch
IX. Der Einsteinturm als Stahlbetonkonstruktion oder "Liebes Kind, nie wieder!"
1925 reagierte Mendelsohn mit dem Ausspruch "Liebes Kind, nie wieder" auf die Aussage eines Studenten, der den Einsteinturm als sein bestes Bauwerk lobte. Allein diese Aussage läßt darauf schließen, daß der Bau mit dieser neuartigen Konstruktion Probleme mit sich führte. Er hatte Spielraum bei der architektonischen Umsetzung, und auch wenn sein Freund Finlay-Freundlich die Aufgabe nicht für eine sehr lohnende Arbeit hielt, hatte Mendelsohn schon genaue Vorstellungen, sein Formdenken anzuwenden.
Der Einsteinturm sollte eine frei geformte Plastik ergeben, eine frei organische Skulptur. Durch den Füllbaustoff Stahlbeton erreichte man eine Geschlossenheit der Flächen, die auch mit einer greifbaren Körperhaut zu vergleichen ist. Der Einsteinturm wirkte wie eine Skulptur: gerundete Kanten, Einbuchtungen der Fenster, sanfte Hervorhebungen, eingeschnittene Öffnungen. Jedoch alles wie aus einem Stück Beton "geknetet". Eine Verschmelzung zu einer Einheit zwischen Turm und unterirdischem Labor. Das war seine Vision.
Die Verkörperung einer Einheit konnte praktisch nicht mit dem vermeidlichen Stahlbetonguss umgesetzt werden. Der Einsteinturm als bekannteste expressionistische Stahlbetonkonstruktion war ein Irrtum. Eine unausführbare Grundidee. Er scheiterte als Betonbau, da Mendelsohn windschiefe Flächen entwarf, die man nicht einschalen konnte. Obwohl dies prinzipiell möglich ist, war es damals schwer herstellbar. Scheinbar hat er die Möglichkeiten des Stahlbetons überschätzt und die Schwierigkeit der Einschalung nicht bedacht.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Expressionismus ein und beschreibt den Aufbau der Hausarbeit, die den Einsteinturm von Erich Mendelsohn fokussiert.
II. Erich Mendelsohns Biographie (1887-1953): Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg und die Karriere von Erich Mendelsohn von seiner Geburt bis zu seinem Wirken in den USA nach.
III. Die Idee und die Problematik der Bauarbeiten: Hier wird die Entstehungsgeschichte des Einsteinturms im Kontext der Relativitätstheorie Einsteins und der damit verbundenen Planungsschwierigkeiten erläutert.
IV. Expressionismus - ein Definitionsversuch: Das Kapitel versucht, den Begriff Expressionismus in der Kunst und Architektur durch zeitgenössische Zitate und historische Kontextualisierung zu charakterisieren.
V. Der Umbruch in der Architektur: Der Fokus liegt auf der Entwicklung moderner Konstruktionsweisen, insbesondere dem Übergang von traditionellen Prinzipien hin zur Dynamik der Eisenbetonkonstruktion.
VI. Architektur im Expressionismus: Dieses Kapitel thematisiert den architektonischen Ausdruck der Nachkriegsgeneration und die Verschmelzung von Architektur mit anderen künstlerischen Gattungen.
VII. Mendelsohns Dynamik: Der Autor beschreibt Mendelsohns Verständnis von Dynamik als eine durch Naturphänomene inspirierte Spannung in der architektonischen Formgestaltung.
VIII. Skizzen zur Sternenwarte: In diesem Kapitel wird analysiert, wie Mendelsohns zeichnerisches Frühwerk die Vision für den späteren Einsteinturm maßgeblich beeinflusste.
IX. Der Einsteinturm als Stahlbetonkonstruktion oder "Liebes Kind, nie wieder!": Dieses Kapitel beleuchtet die Diskrepanz zwischen der visionären Entwurfsplanung und den praktischen Schwierigkeiten bei der Ausführung des Bauwerks als Betonplastik.
X. Der Einsteinturm als expressionistisches Bauwerk: Hier wird der Einsteinturm als eine Synthese von Turm und Höhle sowie als Ausdrucksmittel seiner Zeit betrachtet.
XI. Die technische Konstruktion: Das Kapitel erläutert die bauliche Kernstruktur des Gebäudes, die zur Erfüllung der wissenschaftlichen Funktion eines astrophysikalischen Instituts notwendig war.
XII. Schlusswort: Die abschließende Betrachtung würdigt den Einsteinturm trotz seiner praktischen Umsetzungsprobleme als architektonisch bedeutendes und einzigartiges Werk.
Schlüsselwörter
Erich Mendelsohn, Einsteinturm, Expressionismus, Architektur, Stahlbeton, Dynamik, Potsdamer Observatorium, Relativitätstheorie, Formensprache, Architekturgeschichte, Konstruktion, Skulptur, Moderne, Bauwerk, 20er Jahre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entstehung, Gestaltung und Bedeutung des von Erich Mendelsohn entworfenen Einsteinturms in Potsdam zwischen 1920 und 1924.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die biografische Prägung des Architekten, die Definition und Einordnung des Expressionismus sowie die technische und formale Realisierung des Bauwerks.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einsteinturm sowohl als architektonisches Kunstwerk des Expressionismus zu würdigen als auch die Problematik bei der baulichen Umsetzung der visionären Entwürfe aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine kunstgeschichtliche Analyse, die auf Literaturrecherche, der Untersuchung zeitgenössischer Entwurfsskizzen und dem Vergleich mit anderen Werken der Epoche basiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Biographie Mendelsohns, der architektonischen Bedeutung der Dynamik, der Rolle des Stahlbetons und der technischen Funktion des Observatoriums.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erich Mendelsohn, Einsteinturm, Expressionismus, Architektur, Dynamik und Stahlbeton.
Warum wird der Einsteinturm als "Liebes Kind, nie wieder!" bezeichnet?
Dieser Ausspruch von Mendelsohn bezieht sich auf die großen Schwierigkeiten bei der handwerklichen Umsetzung seines visionären Entwurfs mittels Stahlbeton-Einschalungen.
Wie unterscheidet sich der Einsteinturm von anderen expressionistischen Bauten?
Im Gegensatz zu kristallinen oder prismatischen Formen vieler Zeitgenossen zeichnet sich der Einsteinturm durch eine organische, an eine Plastik erinnernde Formensprache aus.
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- Valerie Schmidt (Author), Lucy Rychlewicz (Author), 2001, Mendelsohns Einsteinturm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7382