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Hauptrolle Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film

Title: Hauptrolle Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film

Thesis (M.A.) , 2004 , 96 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Axel Degenhardt (Author)

Communications - Movies and Television
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Mit der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft rücken Themen, die das Alter(n) betreffen, immer stärker in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Die Politik nimmt sich endlich dieser Problematik an, die schon seit Jahren in den Sozialwissenschaften und der Gerontologie diskutiert und analysiert wurde. Auch die Medien reagieren auf diese Entwicklung, allen voran die Werbung: Ältere Menschen wurden schon vor Jahren als lukrative Zielgruppe für bestimmte Produkte entdeckt und dieser Sektor wird zusehends ausgebaut. Im Fernsehen tauchten bereits in den Achtzigerjahren neue Formate mit und über alte Menschen auf, so zum Beispiel die Serien "Jakob und Adele" oder "Golden Girls". Seit kürzester Zeit erobern Altersthematiken den vergleichsweise jungen Comedymarkt, so brachte Sat.1 2003 die Sketchshow "Alt & durchgeknallt" heraus. Auch das Kino scheint in den vergangenen Jahren mit Filmen über die ältere Generation den Vorsprung zu wagen, denkt man nur an "About Schmidt", "Kalender Girls" oder "Was das Herz begehrt".
Im Zuge dieser Entwicklung ist es interessant, einen näheren Blick auf die Darstellung des Alter(n)s im Erzählkino zu werfen. Doch wer denkt, die Literatur der Filmwissenschaft würde erste Antworten liefern, irrt sich: Innerhalb der Medienwissenschaft ist das Thema der Inszenierung von Alter extrem mangelhaft bearbeitet worden. Dieses Defizit ist umso bemerkenswerter, als sich anverwandte Wissenschaften wie die Psychologie und die Soziologie bereits seit Langem mit gerontologischen Themen beschäftigen. Die wenigen wegweisenden wissenschaftlichen Studien, die sich interdisziplinär mit der Darstellung der Alten bzw. des Alterns beschäftigen, beschränken sich zudem fast ausschließlich auf Fernsehen, Werbung oder Printmedien. Ihr einstimmiges Urteil: Missrepräsentation und Stereotypisierung der Älteren, Vermittlung eines negativen Altersbildes und zudem eine Unterrepräsentation weiblicher Figuren. Aber lassen sich diese Erkenntnisse eins zu eins auf das Medium Film übertragen?
Die Untersuchung "Hauptrolle: Alte(r) – Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film" hat sich die Beantwortung dieser Frage zum Ziel gemacht. Sie basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse von 24 Langspielfilmen aus den Jahren 1967 bis 2003, die einen hinreichenden Bezug zum Thema Alter haben und für den Kinoverleih produziert wurden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Thematische Einführung

2 Hauptrolle: Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film

2.1 Forschungsmethodik und Analysematerial

2.1.1 Die interdisziplinäre Kontexterschließung

2.1.2 Filmauswahl zum Thema Alter

2.2 Filmische Inszenierungen des Alter(n)s

2.2.1 Erzählerfiguren, Erinnerungen und Erfahrungen: life review

2.2.2 Inszenierung des Sterbensbewusstseins

2.2.3 Alte Menschen als Sex(anti)symbole

2.2.4 Konfliktbeziehungen und -situationen

2.2.5 Rebellion gegen Homogenität und Stereotypisierung

3 Ausgangsbasis Alte(r) und Film: Interdisziplinäre Ageing Studies

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine filmwissenschaftliche Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex "Alter im Film" zu schaffen. Dabei wird untersucht, ob Kinofilme – im Gegensatz zu den oft stereotypen Darstellungen im Fernsehen – eine differenzierte und facettenreiche Inszenierung alternder Protagonisten ermöglichen und welche Konfliktlösungen auf der fiktionalen Ebene angeboten werden.

  • Analyse der Darstellung von alternden Protagonisten in fiktionalen Kinofilmen
  • Kritische Gegenüberstellung von filmischen Inszenierungen und soziologisch-psychologischen Altersstereotypen
  • Untersuchung von narrativen Elementen wie "life review" und dem Sterbensbewusstsein im Alter
  • Diskussion des Potenzials interdisziplinärer "Ageing Studies" in der Medienwissenschaft
  • Betrachtung von Generationenkonflikten und der Rebellion gegen Homogenisierung

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Erzählerfiguren, Erinnerungen und Erfahrungen: life review

"Die Uhr tickt, Bob. Und ich werde nur älter." (Clint Eastwood in SPACE COWBOYS)

Ein des Öfteren genutztes narratives Element ist der Erzähler bzw. die Erzählerin, der/die meistens auch Hauptfigur des Films ist. Durch dieses Element erhalten die Zuschauer Einblick in die innerste Gedankenwelt des Protagonisten bzw. der Protagonistin. So können Dinge ausgesprochen und benannt werden, wie es innerhalb der Handlung oft nur schwer möglich ist. Denn Personen und ihr Verhalten, auch das eigene, erfahren durch diesen Vorgang eine Bewertung. Eine rückblickende und damit auch wertende Sicht auf das eigene Leben wird in der Gerontopsychologie mit dem Begriff life review bezeichnet. Daher fasse ich auch alle Elemente, die eine subjektive Aussage über die eigene Vergangenheit beinhalten unter diesen Punkt. Dazu zählen insbesondere die Verarbeitung von Lebensentscheidungen im Hinblick auf die gesamte Lebensbilanz. Hierfür ist aber nicht immer eine Erzählerfigur notwendig. Solche Wertungen schlagen sich nicht nur in inneren Monologen sondern auch oft in Erinnerungen, Handlungsweisen und ganzen Charakterzügen nieder. In der Regel werden sie einfach von den Protagonisten als Selbstreflexion oder Erfahrungswissen verbalisiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Thematische Einführung: Dieses Kapitel verortet das Thema Alter in der gesellschaftlichen Debatte und kritisiert das bisherige Fehlen einer tiefgehenden filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Darstellung des Alterns im fiktionalen Film.

2 Hauptrolle: Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film: Das Hauptkapitel bildet das Zentrum der Arbeit, in dem durch qualitative Inhaltsanalyse an 24 Filmen verschiedene Inszenierungsweisen wie Lebensbilanz, Sterbensbewusstsein, Sexualität und Generationenkonflikte differenziert analysiert werden.

3 Ausgangsbasis Alte(r) und Film: Interdisziplinäre Ageing Studies: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für die Etablierung interdisziplinärer "Ageing Studies", um das bisherige Forschungsdefizit nachhaltig zu beheben.

Schlüsselwörter

Alter, Altern, Filmwissenschaft, Qualitative Inhaltsanalyse, Ageing Studies, Stereotypisierung, Life Review, Sterbensbewusstsein, Generationenkonflikt, Kinofilm, Lebensbilanz, Medienrepräsentation, Altersbild, Identität, Selbstbestimmung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Darstellung von alten Menschen und dem Prozess des Alterns in fiktionalen Kinofilmen unter Berücksichtigung verschiedener thematischer Facetten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die fünf Komplexe: Lebensbilanz (life review), Sterbensbewusstsein, Sexualität im Alter, Generationenkonflikte sowie den Bruch mit stereotypen Altersbildern.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Es soll nachgewiesen werden, dass das Medium Film alte Menschen deutlich differenzierter und individueller darstellt, als es oft in der allgemeinen medienwissenschaftlichen Diskussion über mediale Altersbilder angenommen wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor nutzt die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse, um 24 ausgewählte fiktionale Langspielfilme hinsichtlich ihrer Altersdarstellung zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden fünf thematische Kategorien definiert und anhand von Filmbeispielen analysiert, wobei gezeigt wird, wie Filme zur Identitätsbildung und zur Kompensation von Verlusten im Alter beitragen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Altersstereotype, Interdisziplinarität, Kinofilm, Selbstbestimmung, Lebensbilanz und die Forderung nach "Ageing Studies".

Wie unterscheidet sich die Altersdarstellung im Film von der im Fernsehen?

Der Autor stellt fest, dass Filme – im Gegensatz zu vielen Fernsehproduktionen – weniger pauschalisiert sind und bei entsprechender filmischer Fokussierung eher eine dreidimensionale Charakterisierung der alten Protagonisten zulassen.

Welche Rolle spielt der Tod in der Analyse?

Der Tod wird nicht nur als Ereignis, sondern als bewusste Inszenierung des "Sterbensbewusstseins" analysiert, die oft eng mit der persönlichen Lebensbilanz und der Akzeptanz der eigenen Endlichkeit verknüpft ist.

Warum wurde der Begriff "Ageing Studies" eingeführt?

Der Begriff dient als Vorschlag für eine notwendige interdisziplinäre Forschungsrichtung, die Filmwissenschaft, Psychologie und Soziologie vereint, um die bisher isolierte Betrachtung des Alters in den Medien zu überwinden.

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Details

Title
Hauptrolle Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
1,3
Author
Axel Degenhardt (Author)
Publication Year
2004
Pages
96
Catalog Number
V74056
ISBN (eBook)
9783638686242
ISBN (Book)
9783638867054
Language
German
Tags
Hauptrolle Alte(r) Darstellung Alters Film
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Degenhardt (Author), 2004, Hauptrolle Alte(r). Die Darstellung des Alters im fiktionalen Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74056
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