Den „Roman eines Schicksallosen“ habe ich im Herbst 2003 erstmals gelesen. Dabei ging es mir, wie vermutlich den meisten anderen Lesern auch. Ich war erschüttert ob der abgeklärten, nüchternen, fast schon flapsigen Sprache des Jungen Györgys, der seine Erfahrungen bei der Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz und seine Erlebnisse in diesem und anderen Konzentrationslagern (Buchenwald und Zeitz) beschreibt. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, begann ich, mich verstärkt über den Autor Imre Kertesz zu informieren und stellte dabei fest, dass dieser keinen fiktiven Roman geschrieben hat, sondern im „Roman eines Schicksallosen“ seine eigene Geschichte erzählt.
Diese Arbeit geht zunächst der Frage nach, inwiefern der „Roman eines Schicksallosen“, obwohl ihn der Titel als Roman (und somit als fiktiv) zu entlarven scheint, einen autobiographischen Hintergrund hat.
Darüber hinaus soll untersucht werden, warum der „Roman eines Schicksallosen“ viele seiner Leser zunächst erschüttert und mit Unverständnis reagieren lässt und warum er von Kritikern häufig als "skandalös" bezeichnet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Der Autor: Imre Kertesz
3.1. Zur Entstehung des Romans
3.2. Der autobiographische Hintergrund des Romans
3.2.1. Was kennzeichnet eine Autobiographie?
3.2.2. „Roman eines Schicksallosen“ - eine Autobiographie?
4. „Roman eines Schicksallosen“ - ein skandalöses Buch?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den autobiographischen Gehalt sowie die literarische Rezeption von Imre Kertesz' Werk „Roman eines Schicksallosen“. Die zentrale Fragestellung befasst sich damit, inwieweit das Werk trotz seiner Romanform als autobiographisches Zeugnis verstanden werden kann und welche narrativen Strategien die ambivalente, teils schockierende Wirkung auf den Leser erzeugen.
- Biographische Einordnung von Imre Kertesz
- Analyse der Autobiographie-Definition nach Philippe Lejeune
- Die literarische Verarbeitung des Holocaust aus der Perspektive eines Kindes
- Konflikt zwischen fiktiver Romanform und autobiographischem Hintergrund
- Die Wahrnehmung des „Skandalösen“ und die Relativität des Glücksbegriffs
Auszug aus dem Buch
3.2.2. „Roman eines Schicksallosen“ - eine Autobiographie?
Wie in meiner Einleitung bereits erwähnt, habe ich mich mit dem Autor Imre Kertesz erst beschäftigt, nachdem ich den „Roman eines Schicksallosen“ gelesen hatte. Daher bin ich, auch verleitet durch den Titel des Buches, zunächst davon ausgegangen, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt. Erst als ich begonnen hatte, Informationen über den Autor zu sammeln, wurde mir bewusst, dass dieser „Roman“ autobiographische Elemente zu haben scheint.
Obwohl es nicht viele verlässliche Quellen über das Leben von Imre Kertesz gibt, lassen sich mühelos Parallelen zwischen Imre Kertesz und seiner Romanfigur György Köves ziehen, die deutlich machen, dass Imre Kertesz im „Roman eines Schicksallosen“ seine Geschichte erzählt.
György wird im Frühsommer 1944 aus einem Autobus geholt und festgehalten. Nach dem vorübergehenden Aufenthalt in einer Gendarmerie wird er, gemeinsam mit Freunden, schließlich nach Auschwitz verschleppt. Das Datum stimmt mit der Deportation Kertesz’ überein (siehe Kapitel 2). Auch die Aufenthalte in den verschiedenen Konzentrationslagern lassen sich biographisch belegen. 1945 wird Kertesz, wie auch György, mit anderen Häftlingen zusammen in Buchenwald befreit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation zur Beschäftigung mit dem Werk und formuliert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich des autobiographischen Hintergrunds sowie der Rezeptionswirkung des Buches.
2. Der Autor: Imre Kertesz: Ein Überblick über das Leben des Autors, seine Deportation in Konzentrationslager und seine spätere Tätigkeit als freier Schriftsteller und Übersetzer.
3. „Roman eines Schicksallosen“: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des Werks und der methodischen Untersuchung des autobiographischen Charakters anhand literaturwissenschaftlicher Kriterien.
4. „Roman eines Schicksallosen“ - ein skandalöses Buch?: Eine Analyse, warum das Buch aufgrund der kindlich-naiven Perspektive des Protagonisten und der ungewöhnlichen Darstellung von „Glücksmomenten“ in der Gefangenschaft als provozierend oder skandalös wahrgenommen wird.
Schlüsselwörter
Imre Kertesz, Roman eines Schicksallosen, Autobiographie, Holocaust, Literatur, Konzentrationslager, György Köves, Philippe Lejeune, Holocaust-Literatur, Autobiographischer Pakt, Erinnerungskultur, Zeugenschaft, Schicksallosigkeit, Literatur-Nobelpreis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht das Werk „Roman eines Schicksallosen“ von Imre Kertesz im Hinblick auf seinen autobiographischen Wahrheitsgehalt und die spezifische erzählerische Wirkung auf den Leser.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Autorenschaft Kertesz', die Gattungsbestimmung der Autobiographie sowie die ethischen und ästhetischen Fragen bei der Darstellung des Holocaust in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, warum das Werk trotz seines fiktiven Titels als autobiographisch gewertet werden kann und warum die gewählte Erzählperspektive eine ambivalente Reaktion beim Leser hervorruft.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den Theorien von Philippe Lejeune zur Autobiographie basiert, ergänzt durch biografische Informationen über den Autor.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Einordnung des Autors, die theoretische Definition der Autobiographie und eine kritische Auseinandersetzung mit der Erzählweise im „Roman eines Schicksallosen“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Holocaust, Autobiographie, Imre Kertesz, Erzählperspektive und Rezeptionsästhetik charakterisieren.
Warum wird der Roman von manchen Kritikern als skandalös bezeichnet?
Der Roman wird als skandalös wahrgenommen, weil er den Holocaust nicht aus der retrospektiven Sicht eines leidenden Erwachsenen, sondern aus der naiven, mitunter bejahenden Perspektive eines Jugendlichen schildert.
Wie definiert der Autor den Begriff der „Schicksallosigkeit“?
Der Autor verwendet den Begriff ironisch, um zu verdeutlichen, dass der Mensch seinem Schicksal nicht entkommen kann, selbst wenn er versucht, es als „schicksalslos“ zu beschreiben.
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- Alexander Maus (Author), 2004, Zu: Imre Kertesz, "Roman eines Schicksallosen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74058