Was bedeutet übersetzen? Bezüglich der literarischen Übersetzung bringt es Wuneng Yang auf den Punkt:
"Denn das literarische Übersetzen ist kein Handwerk, keine einfache Inhaltswiedergabe des Originaltextes, es bedeutet auch keinesfalls allein 'den Transfer von Wörtern aus einer Sprache in die andere'. Es stellt vielmehr eine geistige, schöpferische Arbeit, einen komplexen interkulturellen Transfer dar und ist im Grund genommen auch eine literarisch-künstlerische Schöpfung. Das literarische Übersetzen soll nämlich alle Werte des Originals – inhaltliche wie informative, emotionelle wie geistige, stilistische wie ästhetische – mit der Zielsprache möglichst adäquat wiederherstellen. Es ist dem Wesen nach eine Kunst der Wiederschöpfung, nichts als Wiederschöpfung. Die Eigenart des literarischen Übersetzens als Kunst liegt eben in dem Wörtchen 'Wieder'." (Wuneng Yang 2003 in: http://www.humboldt-foundation.de/kosmos/titel/2002_001.htm).
Aufgrund der vielen unterschiedlichen Übersetzungsarten und Textsorten (Rede, Werbung, literarische Übersetzung usw.) bleibt allerdings die Frage offen, ob diese Aussage verallgemeinert werden kann.
Mittels der Darstellung einiger Übersetzungstheorien/-modelle und deren Anwendung an einem Praxisbeispiel soll gezeigt werden, welche Faktoren bei einer Übersetzung beachtet werden müssen und über welche Kompetenz(en) der Übersetzer verfügen sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übersetzen
2.1 Was bedeutet übersetzen?
2.2 Der Text
2.3 Übersetzungstheorien und -modelle
2.3.1 Sprechakt und Übersetzen
2.3.2 Die Skopostheorie
2.3.2.1 Die Skoposwahl
2.3.2.2 Scenes and frames
2.3.3 Die transformationelle Theorie
2.3.4 Das denotative Modell
2.4 Übersetzungstypen
2.5 Übersetzungsprobleme
2.5.1 Probleme mit der denotativen Äquivalenz
2.5.2 Lakunen
2.5.2.1 Linguistische Lakunen
2.5.2.2 Textlakunen
2.5.2.3 Kulturelle Lakunen
2.5.2.4 Die Kompensation von lexikalischen Lücken
3 Zusammenfassung – Übersetzen
4 Ein Praxisbeispiel - die Geschichte Helsinkis
5 Zusammenfassung - Übersetzungsvergleich
6 Abschließende Zusammenfassung
7 Zakończenie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompetenzanforderungen an Übersetzer unter Berücksichtigung verschiedener Übersetzungstheorien und -modelle. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Übersetzer durch die Anwendung theoretischer Ansätze und unter Beachtung kultureller Faktoren eine adäquate Übertragung von Inhalten zwischen unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen gewährleisten kann.
- Analyse zentraler Übersetzungstheorien (u.a. Skopostheorie, transformationelle Theorie, denotatives Modell)
- Untersuchung von Übersetzungsproblemen, insbesondere im Bereich kultureller und sprachlicher Lakunen
- Kriterien für die professionelle kulturelle Kompetenz von Übersetzern
- Praktische Fallstudie zum Übersetzungsvergleich der Stadtgeschichte Helsinkis in verschiedenen Sprachen
Auszug aus dem Buch
2.3.2.2 Scenes and frames
Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich aus den Erfahrungen des Sprechers und ist nicht ein Hinzufügen von Merkmalen. Eine linguistische Form (frame) wird mit einer erlebten Situation (scene) verbunden. Durch Abstrahierung kann die erfahrene Bedeutung auf neue Situationen angewandt werden.
"Der Übersetzer muß die hinter den frames stehenden scenes in der Ausgangssprache erfassen und verstehen und dazu die passenden frames in der Zielsprache suchen, die wiederum die gewünschten scenes beim Adressaten hervorrufen. Als kreativer Textgestalter braucht er das nötige Welt- und Sachwissen, um die scenes im Text aktivieren zu können." (Holzer 1998 in: Feyrer/Holzer 1998: 165).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Wesen des literarischen Übersetzens als schöpferischen Prozess und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2 Übersetzen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, behandelt Übersetzungstypen sowie spezifische Probleme wie Lakunen und denotative Äquivalenz.
3 Zusammenfassung – Übersetzen: Dieses Kapitel resümiert die Bedeutung theoretischer Ansätze und der kulturellen Kompetenz für eine gelungene Übersetzung.
4 Ein Praxisbeispiel - die Geschichte Helsinkis: Anhand der Stadtgeschichte Helsinkis werden angewandte Übersetzungsstrategien in verschiedenen Sprachversionen analysiert.
5 Zusammenfassung - Übersetzungsvergleich: Die Ergebnisse des Vergleichs werden ausgewertet und die Wichtigkeit der funktionsgerechten Übersetzung unterstrichen.
6 Abschließende Zusammenfassung: Ein abschließendes Fazit hinterfragt die allgemeine Übertragbarkeit von Übersetzungstheorien auf praktische Anwendungsfälle.
7 Zakończenie: Ein polnisches Schlusskapitel, das die Notwendigkeit kultureller Kompetenz für den Übersetzer zusammenfassend hervorhebt.
Schlüsselwörter
Übersetzungstheorie, Skopostheorie, kulturelle Kompetenz, Lakunen, interkultureller Transfer, Übersetzungsprobleme, denotative Äquivalenz, Textlakunen, Translationswissenschaft, Sprachbarriere, Originaltext, Praxisbeispiel, Helsinki, Kulturvergleich, Sprechakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kompetenzen, die ein Übersetzer benötigt, um komplexe Texte adäquat zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Anwendung von Übersetzungstheorien, das Verständnis von Übersetzungsproblemen durch kulturelle oder sprachliche Lücken (Lakunen) sowie die Bedeutung des kulturellen Hintergrunds.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Faktoren bei einer Übersetzung beachtet werden müssen, um den Anforderungen von Ausgangsautor und Zieltextempfänger gleichermaßen gerecht zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie einen praktischen Übersetzungsvergleich verschiedener Sprachversionen der Geschichte Helsinkis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert verschiedene theoretische Modelle, untersucht das Phänomen der Lakunen und analysiert das Fallbeispiel der Homepage von Helsinki hinsichtlich seiner Übersetzungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Übersetzungstheorie, kulturelle Kompetenz, Lakunen, Skopostheorie und interkultureller Transfer.
Wie definiert der Autor die Bedeutung von Lakunen?
Lakunen sind Lücken jedweder Art, also Sachverhalte, die in einer Kultur existieren, in der anderen jedoch fehlen; sie stellen eine besondere Herausforderung für Übersetzer dar.
Warum wird im Praxisbeispiel die französische Sprachversion gesondert hervorgehoben?
Die französische Version enthält detailliertere Hintergrundinformationen, was mit dem spezifischen Interesse der Franzosen an ihrem eigenen Kulturraum erklärt wird.
Was bedeutet die "doppelte Loyalität" des Übersetzers?
Der Übersetzer steht in der Pflicht, sowohl die Intention des Ausgangsautors zu respektieren als auch die Bedürfnisse des Zielpublikums zu berücksichtigen.
- Citation du texte
- Master of Arts (Kulturwissenschaften) Sascha Miller (Auteur), 2003, Die Kompetenz des Übersetzers – Übersetzungstheorien und ihre Anwendung in der Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74179