Besucht man die Webseiten deutscher und internationaler Aktiengesellschaften, stößt man fast immer auf den Begriff Corporate Governance. Um klären zu können, warum Aktiengesellschaften diesen Begriff so häufig gebrauchen und welche Ziele sie damit verfolgen, soll zunächst dessen genaue Bedeutung geklärt werden.
Die Literatur ist bei der Klärung aufgrund differierender Definitionen wenig hilfreich. Dabei reicht die genaue Bestimmung des Begriffs von einer reinen Übersetzung als „Unternehmensführung“ bis hin zu umfangreichen Beschreibungen über den Geltungs- und Zweckumfang. Diese Nichtexistenz eines einheitlichen Verständnisses von Corporate Governance resultiert aufgrund unterschiedlicher geschichtlicher, theoretischer und sozialer Kontexte aus denen der Begriff heraus betrachtet wird. Erschreckend ist dieser Umstand insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Begriff seit Juli 2002 im Aktiengesetzt benutzt wird und eine Regierungskommission mit diesem Namen existiert.
Um das Themengebiet möglichst ganzheitlich zu betrachten, wird in dieser Arbeit stärker der Stakeholder-Ansatz betrachtet, da in der Praxis Entscheidungen häufig gegenüber mehreren Interessengruppen begründet werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1 Corporate Governance
1.1 Einleitung und Definitorische Abgrenzung
1.2 Prinzipal-Agent-Theorie als theoretischer Hintergrund der Corporate Governance-Bewegung
1.3 Geschichtliche Entwicklung
1.4 Unternehmensführung in unterschiedlichen Umgebungen
1.5 Praxisbeispiele – Umsetzung von Corporate Governance
1.6 Aussichten im Hinblick auf eine weiter Globalisierung
2. Fazit: Corporate Governance
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung von Corporate Governance in einer globalisierten Arbeitswelt. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Stakeholder-Ansatz sowie den Herausforderungen, die sich aus unterschiedlichen rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen für international agierende Unternehmen ergeben.
- Definition und theoretische Fundierung von Corporate Governance
- Analyse des Shareholder- gegenüber dem Stakeholder-Ansatz
- Die Rolle der Prinzipal-Agent-Theorie in der Unternehmensführung
- Praktische Untersuchung der Umsetzung am Beispiel der Fraport AG
- Vergleichende Betrachtung internationaler Corporate Governance-Systeme (Deutschland, USA, China)
Auszug aus dem Buch
1.3 Geschichtliche Entwicklung
Die Corporate Governance-Bewegung ist keine deutsche Erscheinung, sondern erfreut sich international großer Beliebtheit. Initiativen nationaler Institutionen und Gesetzgeber versuchen die jeweiligen Corporate Governance-Richtlinien permanent weiter zu verbessern. Zu nennen sei hier der Sarbanes-Oxley Act (SOA) des amerikanischen Gesetzgebers oder der Aktionsplan der Europäischen Union. Vor allem zeigt sich die Internationale Relevanz durch die Corporate Governance Grundsätze der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche einen Leitfaden für die nationalen Gesetzgeber darstellen soll (vgl. BDI 2005, S. 9 ff).
Ausgangspunkt der Corporate Governance-Bewegung stellt der Interessenkonflikt zwischen den Anteilseignern und dem Management dar. Während der sechziger und siebziger Jahre lag der Schwerpunkt der Betrachtung auf der wissenschaftlichen und legislativen Ebene der Bewältigung dieses Interessenkonfliktes. In den achtziger Jahren lag das Hauptaugenmerk auf einer Reduktion der staatlichen Einflussnahme und Begrenzung dieser auf eine Bereitstellung des rechtlichen Rahmens. Schlecht gemanagte Unternehmen würden von den Aktionären durch eine dementsprechend schlechte Aktiennotierung „gestraft“ (vgl. Radke 2004, S. 21 f).
In den neunziger Jahren und vor allem am Anfang dieses Jahrtausends bekam die Diskussion um Corporate Governance neuen Aufwind, und der Druck des Regelungebedarfes wuchs. Begründet wird dies durch zahlreiche Unternehmenskrisen und Skandale um die Veruntreuung von Eignerkapital. Der Prozess der Entwicklung einer neuen Corporate Governance findet ihren Anfang vor allem in der Vermeidung dieser negativen Effekte und somit in der Schaffung von mehr Investitionssicherheit für nationale und internationale Geldgeber durch Richtlinien für ein gutes Management. Eine Annäherung an internationale Strukturen soll aber auch deutschen Aktiengesellschaften den Weg auf das internationale Parkett ermöglichen. Dadurch wird auch die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen auf einem immer stärker globalisierten Markt verbessert (vgl. Dörner 2003, S. 3 ff, Radgke 2004, S. 21 f und Hucke/ Ammann, S. 3 ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Corporate Governance: Dieses Kapitel führt in die Begrifflichkeit ein, definiert die Ziele von Corporate Governance und beleuchtet die theoretischen Grundlagen sowie die geschichtliche Entwicklung der Bewegung.
1.1 Einleitung und Definitorische Abgrenzung: Der Abschnitt klärt das Begriffsverständnis im Kontext der Unternehmensführung und grenzt den Shareholder- vom Stakeholder-Ansatz ab.
1.2 Prinzipal-Agent-Theorie als theoretischer Hintergrund der Corporate Governance-Bewegung: Hier wird die Prinzipal-Agent-Theorie als Basis für Interessenkonflikte zwischen Management und Anteilseignern erläutert.
1.3 Geschichtliche Entwicklung: Das Kapitel zeichnet den historischen Weg der Corporate Governance-Bewegung von den 1960er Jahren bis zur heutigen internationalen Relevanz nach.
1.4 Unternehmensführung in unterschiedlichen Umgebungen: Dieser Teil untersucht die strukturellen Unterschiede in der Unternehmensführung bei Familienunternehmen sowie bei öffentlichen und gemischt-öffentlichen Unternehmen.
1.5 Praxisbeispiele – Umsetzung von Corporate Governance: Anhand des Fallbeispiels der Fraport AG wird die praktische Umsetzung sowie die Relevanz von Corporate Governance-Kodizes demonstriert.
1.6 Aussichten im Hinblick auf eine weiter Globalisierung: Das Kapitel analysiert die Herausforderungen bei der internationalen Expansion und vergleicht die Systeme in Deutschland, den USA und China.
2. Fazit: Corporate Governance: Das Fazit fasst die Bedeutung des Konzepts für den Vertrauensaufbau zusammen und verweist auf bestehendes Verbesserungspotenzial durch aktuelle unternehmerische Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmensführung, Prinzipal-Agent-Theorie, Stakeholder-Ansatz, Aktiengesellschaft, Transparenz, Investitionssicherheit, Fraport AG, Kodex, Globalisierung, Kapitalmarkt, Risikomanagement, Compliance, Wirtschaftsstandort, Interessenkonflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt das Konzept des Wertemanagements und der Corporate Governance und untersucht deren zentrale Bedeutung für die Unternehmensführung in einer globalisierten Wirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen (insb. Prinzipal-Agent-Theorie), die Entwicklung nationaler und internationaler Standards (Kodizes) sowie die praktische Umsetzung bei spezifischen Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeit von Corporate Governance zur Sicherung von Vertrauen und Investitionssicherheit sowie zur Vermeidung von Unternehmenskrisen darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und führt eine Fallstudienbetrachtung am Beispiel der Fraport AG sowie einen internationalen Systemvergleich durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die historische Entwicklung, die Erläuterung der Prinzipal-Agent-Problematik, die Differenzierung von Unternehmensformen sowie den Vergleich der Systeme in Deutschland, den USA und China.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Corporate Governance, Stakeholder-Ansatz, Transparenz, Unternehmenskontrolle und Investitionssicherheit.
Warum wird die Fraport AG als Fallbeispiel herangezogen?
Die Fraport AG dient als Beispiel für ein gemischt-öffentliches Unternehmen, das sich durch seine besondere Eigentümerstruktur sowohl privaten als auch öffentlichen Interessen gegenüber sieht.
Welche Unterschiede bestehen zwischen den Systemen in Deutschland und den USA?
Während in Deutschland ein dualistisches System (Vorstand/Aufsichtsrat) dominiert, arbeiten US-Unternehmen häufig mit einem One-Tier-Modell, wobei der Sarbanes-Oxley Act dort eine zentrale Rolle einnimmt.
Welchen Stellenwert nimmt der chinesische Corporate Governance Kodex ein?
Der chinesische Kodex muss vor dem Hintergrund der jungen Kapitalmarkthistorie und der starken staatlichen Präsenz (staatseigene Aktien) bewertet werden, wobei der Fokus auf dem Vorstand liegt.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Michael Flöter (Author), 2006, Wertemanagement und Corporate Governance. Die Bedeutung von Grundwerten in einer globalisierten Arbeitswelt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74192