Immer wieder kann man in den Nachrichten von den Konflikten zwischen prorussischen Separatisten und dem ukrainischen Militär hören oder lesen. Seit geraumer Zeit ist der Konflikt im sogenannten Schwellenland zwischen dem „Westen“ und dem „Osten“ Bestandteil von Berichterstattungen und Diskussionsrunden. Wird dabei zumeist lediglich auf die gespaltene Bevölkerung eingegangen, welche sich in prowestlicher Seite und prorussischer Seite aufteilen lässt, so wird doch oft der geschichtliche Aspekt vernachlässigt.
Dieser spielt jedoch im Hinblick auf die Spaltung der Bevölkerung in der Ukraine durchaus eine entscheidende Rolle. Auch sind sich Experten immer wieder uneinig darüber, ob denn die Ukraine nun als demokratisch konsolidiertes Land bezeichnet werden kann oder sich nach wie vor in einer Grauzone inmitten zweier verschiedener Systeme, namentlich der Demokratie und dem Autoritarismus, befindet. Die Meinung tendiert jedoch eher zu einer „defekten“ Demokratie bzw. einem Grauzonenregime. Auch das damit erklärte Scheitern der Transformation in der Ukraine hat verschiedenste Gründe, welche sich unter anderem auf geschichtsträchtige Aspekte, aber auch das politische Elitenhandeln in der Vergangenheit zurückführen lassen.
In der hier vorliegenden Hausarbeit soll nun erläutert werden, welche Ursachen für die gescheiterte Transformation in der Ukraine angeführt werden können. Als Zeitraum hierfür stehen die Jahre ab der Unabhängigkeit, 1991, bis zum Ende von Leonid Kutschmas erster Amtszeit, 1999, im Mittelpunkt der Untersuchung. Das Ende eines Transformationsprozesses ist zumeist äußerst schwer zu definieren bzw. lässt sich oftmals nicht mit einem exakten Datum wiedergeben, da es sich in der Regel um fließende und zum Teil nicht „sichtbare“ Übergänge handelt.
Jedoch ist zu erwähnen, dass spätestens in Kutschmas erster Amtszeit, welche sich von 1994 – 1999 erstreckte, die Transformation als abgeschlossen angesehen werden kann. Die Arbeit soll auf die wissenschaftliche Theorie von Jerzy Maćków gründen sowie dem Demokratiekonzept nach Wolfgang Merkel. Dabei werden die beiden Theorien, dass der Transformationsprozess vom Handeln der ersten politischen Machthaber nach dem Kommunismus sowie von der vorkommunistischen Tradition im jeweiligen Land abhingen, als Grundlage dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursachen für das Scheitern einer postkommunistischen Transformation
2.1 Handeln der ersten politischen Machthaber nach dem Kommunismus
2.2 Vorkommunistische Tradition
3. Ursachen für das Scheitern der postkommunistischen Transformation in der Ukraine
3.1 Handeln der postkommunistischen Machthaber in der Ukraine
3.2 Vorkommunistische Tradition in der Ukraine
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für das Scheitern der postkommunistischen Transformation in der Ukraine im Zeitraum von 1991 bis 1999, wobei der Fokus auf dem Elitenhandeln und historischen Prägungen liegt.
- Analyse des Einflusses der ersten nachkommunistischen politischen Eliten auf den Transformationsprozess.
- Untersuchung der Bedeutung der vorkommunistischen Tradition für die staatliche Entwicklung.
- Theoretische Fundierung durch das Konzept von Jerzy Maćków und Wolfgang Merkel.
- Bewertung von Machtkämpfen und Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der ukrainischen Führung.
- Historische Einordnung der fehlenden staatlichen Kontinuität und ethnischen Spaltung.
Auszug aus dem Buch
Handeln der ersten politischen Machthaber nach dem Kommunismus
Nach dem Zerfall der Sowjetunion war es für die verschiedenen Republiken, welche bisher unter sowjetischer Führung standen, möglich eigenständig zu handeln. Dies führte in allen Nationen dazu, dass die Regierungen die Transformation, weg vom totalitären, kommunistischen System, hin zum marktwirtschaftlichen-demokratischen System, als Hauptziel verkündeten. Durch diese Ankündigung wurden die politischen Führungen bereits im Vorfeld legitimiert, unabhängig davon, ob denn diese Führung aus neuem Personal bestand oder von einer kommunistischen Vergangenheit geprägt war. Es war jedoch von immenser Bedeutung für den Verlauf der Transformation wie diese ersten nachkommunistischen Machthaber handeln würden.
Für den Erfolg der Transformation hin zu einer Demokratie war es von Wichtigkeit, dass die neuen Machthaber demokratisch gesinnt und reformfreudig eingestellt waren. Diese Eigenschaft sei durchaus als wichtiger zu betrachten, als dass das Volk im Gesamten Demokratie befürwortet und diese fordert. Als Schwierigkeit hierbei zu nennen ist, dass es für die neuen Führungspersonen vor allem darum ging, ihren eigenen Machtbereich nicht auszunutzen und auszudehnen, sondern diesen sorgfältig zu beschränken wussten, da die institutionellen Rahmenbedingungen es nach wie vor gestatteten sich einen sehr umfangreichen Machtbereich annehmen zu können. So heißt es „wo die Machthaber nicht willens waren, den demokratischen Verfahrenskonsens zu respektieren, sanken die Chancen eines erfolgreichen Übergangs zur pluralistischen Demokratie erheblich“ (Maćków 1999: 1375) Es ist nachweislich gerade in den Nationen, in denen die Machthaber erneut aus dem kommunistischen Spektrum stammten, zu einer häufigen Verletzung von demokratischen Verfahrens- und Verhaltensregeln gekommen, welche einer zügigen Transformation im Wege standen und schädlich waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Forschungsproblem dar, definiert den Untersuchungszeitraum von 1991 bis 1999 und führt in die theoretischen Grundlagen ein.
2. Ursachen für das Scheitern einer postkommunistischen Transformation: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze zum Elitenhandeln nach dem Kommunismus und die Relevanz der vorkommunistischen Tradition für Transformationsprozesse.
3. Ursachen für das Scheitern der postkommunistischen Transformation in der Ukraine: Die Autorin wendet die theoretischen Konzepte auf die ukrainische Geschichte und die konkreten politischen Ereignisse der 90er Jahre an.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sowohl das Handeln der Eliten als auch die historische Vorbelastung die demokratische Transformation in der Ukraine maßgeblich behindert haben.
Schlüsselwörter
Transformation, Ukraine, Kommunismus, Demokratisierung, Elitenhandeln, Vorkommunistische Tradition, Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma, Machtkämpfe, Institutionen, Systemwechsel, Totalitarismus, Politische Kultur, Postkommunismus, Reformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe, warum der Transformationsprozess der Ukraine von einem kommunistischen zu einem demokratischen System in den 1990er Jahren gescheitert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhalten der politischen Eliten nach 1991 und die Auswirkungen der historischen, vorkommunistischen Tradition auf die heutige staatliche Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Misserfolg der Transformation im Zeitraum von 1991 bis 1999 theoretisch fundiert zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, basierend auf den Transformationskonzepten von Jerzy Maćków und Wolfgang Merkel, die auf die historischen Ereignisse in der Ukraine angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Transformationskriterien und deren anschließende empirische Untersuchung anhand der ukrainischen Akteure und historischen Gegebenheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Transformation, Elitenhandeln, Demokratisierung, Postkommunismus und historische Kontinuität.
Welche Rolle spielte Leonid Krawtschuk für den Transformationsprozess?
Krawtschuk wird als Beispiel für Machthaber aus dem alten kommunistischen System angeführt, denen der politische Wille für rigide demokratische Reformen fehlte und die primär an der Sicherung der eigenen Autonomie interessiert waren.
Warum war die vorkommunistische Geschichte für die Transformation ein Hindernis?
Laut der Arbeit verhinderte die fehlende staatliche Kontinuität und die ständige Fremdherrschaft die Entwicklung einer einheitlichen nationalen Identität und einer stabilen Zivilgesellschaft, was eine demokratische Mobilisierung erschwerte.
- Citar trabajo
- Dominik Götz (Autor), 2017, Das Scheitern der Transformation in der Ukraine im Zeitraum von 1991-1999, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/742013