Die Diskussion über die Auswirkungen einer guten Corporate Governance auf den Unternehmenswert beschäftigt Wissenschaft und Praxis seit einigen Jahren. Institutionelle Investoren sind nach einer Studie von McKinsey& Company bereit, einen Aufpreis für Unternehmen mit einer guten Corporate Governance zu zahlen. Im vorliegenden Beitrag soll daher untersucht werden, ob eine bessere Corporate Governance tatsächlich mit einer höheren Börsenbewertung einher geht. Dazu wird zunächst auf den Begriff und die ökonomischen Grundlagen der Corporate Governance eingegangen. Auf die Analyse der verschiedenen Corporate Governance Mechanismen und deren Ausgestaltung in Europa und den USA folgt dann die Vorstellung zweier empirischer Studien, die den Einfluss der Corporate Governance auf den Unternehmenswert untersuchen. Schließlich
werden spezielle Probleme solcher Studien erläutert und wesentliche Untersuchungsergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Grundlagen der Corporate Governance
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Ökonomische Grundlagen
3 Gestaltungsmöglichkeiten der Corporate Governance
3.1 Corporate Governance Mechanismen
3.1.1 Interne Mechanismen
3.1.1.1 Zusammensetzung des Aufsichtsorgans
3.1.1.2 Konzentration des Eigentums
3.1.1.3 Vergütung der Führungskräfte
3.1.2 Externe Mechanismen
3.1.2.1 Markt für Unternehmenskontrolle
3.1.2.2 Arbeitsmarkt für Manager
3.2 Corporate Governance Systeme
3.2.1 Angelsächsisches Modell
3.2.2 Kontinentaleuropäisches Modell
3.2.3 Ausblick: Internationale Konvergenz der Systeme?
4 Corporate Governance und Unternehmenswert
4.1 Besserer Anlegerschutz steigert den Unternehmenswert
4.1.1 Modell von La Porta et al. (2002)
4.1.2 Datengrundlage und Empirische Ergebnisse
4.2 Unternehmenswerte deutscher Firmen und Corporate Governance
4.2.1 Deutscher Corporate Governance Kodex
4.2.2 Corporate Governance Rating von Drobetz et al. (2004)
4.2.3 Einfluss auf den Unternehmenswert
4.3 Problematik empirischer Corporate Governance Studien
4.3.1 Stichprobenauswahl
4.3.2 Endogenität und ausgelassene Variablen
4.3.3 Wertmaßstäbe
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Corporate Governance auf den Unternehmenswert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Kapitalmärkte eine gute Corporate Governance durch eine höhere Börsenbewertung honorieren und inwiefern verschiedene Mechanismen zur Lösung von Agency-Problemen beitragen.
- Grundlegende Definition und ökonomische Einordnung von Corporate Governance
- Analyse interner und externer Governance-Mechanismen
- Gegenüberstellung unterschiedlicher nationaler Governance-Systeme
- Empirische Evidenz zum Zusammenhang zwischen Anlegerschutz und Unternehmenswert
- Untersuchung deutscher Unternehmenswerte mittels Corporate Governance Ratings
- Methodische Herausforderungen bei der Durchführung empirischer Studien
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Zusammensetzung des Aufsichtsorgans
Ein Gremium zur Kontrolle der Unternehmensleitung wird eingesetzt, um zu verhindern, dass Manager opportunistisches Verhalten an den Tag legen. Im Interesse der Eigentümer bzw. Aktionäre haben die Mitglieder eines solchen Aufsichtsorgans die Aufgabe, die Unternehmensleitung zu überwachen. Ob ein solches Aufsichtsgremium in der Realität tatsächlich eine effektive Kontrolle gewährleisten kann, wird in der Literatur und in der öffentlichen Diskussion häufig bezweifelt. So wird in Deutschland kritisiert, dass 2004 in 16 der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (DAX) ehemalige Vorstandschefs den Posten des Aufsichtsratschefs bekleiden und somit keine für diese Kontrollfunktion angemessene Distanz zur Unternehmensführung besteht.
Dabei wird im Hinblick auf die Zusammensetzung des Aufsichtsorgans bzw. Board hauptsächlich externen unabhängigen Mitgliedern die Kontrollfunktion der Unternehmensleitung zugesprochen. Eine große Anzahl externer Board-Mitglieder wird also gemeinhin als Zeichen guter Corporate Governance interpretiert. Fraglich ist jedoch, ob Outsider über ausreichend unternehmensspezifische Kenntnisse verfügen, vor allem, wenn sie zudem eine Vielzahl anderer Board-Mandate inne haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in das Thema, Motivation durch Unternehmensskandale und gesetzliche Änderungen sowie Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Grundlagen der Corporate Governance: Erläuterung des Begriffs aus Stakeholder- und Shareholder-Perspektive sowie ökonomische Fundierung durch das Principal-Agent-Problem.
3 Gestaltungsmöglichkeiten der Corporate Governance: Detaillierte Analyse interner und externer Kontrollmechanismen sowie Einordnung in angelsächsische und kontinentaleuropäische Systeme.
4 Corporate Governance und Unternehmenswert: Empirische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Anlegerschutz, firmenspezifischer Governance-Qualität und Unternehmenswert sowie Diskussion methodischer Probleme.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung hinsichtlich der positiven Korrelation zwischen guter Corporate Governance und Unternehmenswert.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmenswert, Anlegerschutz, Principal-Agent-Problem, Unternehmensverfassung, Aufsichtsorgan, Tobin’s q, Kapitalmarkt, Eigentümerstruktur, Agenturtheorie, Corporate Governance Rating, Empirische Studien, Stakeholder, Shareholder, Vorstandsvergütung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen Corporate Governance und dem Marktwert von Unternehmen, insbesondere wie Kontrollmechanismen Interessenkonflikte zwischen Managern und Aktionären mindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition von Governance-Strukturen, den Vergleich internationaler Systeme, den Einfluss von Anlegerschutz auf den Wert und die methodischen Grenzen empirischer Forschung in diesem Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob der Kapitalmarkt eine gute Corporate Governance durch eine höhere Börsenbewertung entschädigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung und Diskussion bestehender empirischer Studien, wie z.B. Regressionsanalysen von La Porta et al. (2002) und Drobetz et al. (2004).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomischen Grundlagen, die Analyse von Governance-Mechanismen, den Vergleich der US-amerikanischen und kontinentaleuropäischen Systeme sowie eine detaillierte Auswertung von Studien zum Zusammenhang zwischen Governance und Unternehmenswert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Corporate Governance, Unternehmenswert, Anlegerschutz, Principal-Agent-Problem und das Tobin’s q Modell.
Warum wird im Rahmen der Governance-Studien die Stichprobenauswahl kritisiert?
Die Kritik richtet sich auf einen sogenannten "Sample Selection Bias", da Studien oft nur börsennotierte Unternehmen untersuchen, die nicht repräsentativ für die gesamte Unternehmenslandschaft (wie z.B. GmbHs) sind.
Welche Rolle spielt das "Corporate Governance Rating" bei Drobetz et al.?
Das Rating dient als quantitatives Maß, um die firmenspezifische Governance-Qualität deutscher Unternehmen operationalisierbar zu machen und statistisch auf ihren Einfluss auf den Unternehmenswert zu prüfen.
Wie wird die "Scheinkausalität" im Kontext der Governance-Forschung erklärt?
Scheinkausalität beschreibt den Fall, dass eine beobachtete Korrelation zwischen Governance-Merkmalen und Performance nicht kausal ist, sondern beide Variablen durch einen dritten, unbeobachteten Faktor gleichzeitig beeinflusst werden.
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- Lena Lindlar (Author), 2005, Höhere Unternehmenswerte durch Corporate Governance?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74258