Das illustrierte Flugblatt war in der Frühen Neuzeit ein weit verbreitetes Massen-medium. In der vorliegenden Arbeit wird mit den Kometenflugblättern eine Gat-tung aus dem vielfältigen Themenspektrum der Flugblätter jener Zeit vorgestellt. Die Untersuchung beschränkt sich zwar, bis auf eine Ausnahme, auf Flugblätter aus dem deutschen Sprachraum, jedoch lassen sich viele der an deutschen Flug-blättern gewonnen Ergebnisse auch auf die Nachbarländer übertragen. Bei der Betrachtung der Kometendrucke wird der Frage nachgegangen, ob die Kometen-flugblätter als ein Symptom einer Krise des 17. Jahrhunderts betrachtet werden können. Wenn dem so ist, müsste die Kometenfurcht im 17. Jahrhundert beson-ders groß gewesen sein und sich der Prodigienglaube in dieser Zeit verstärkt ha-ben. Im Folgenden soll dagegen gezeigt werden, dass die Furcht vor Kometen zu allen Zeiten und bis in die Gegenwart ein Teil der menschlichen Gesellschaft war und die Flugblätter selber zum Krisenbewusstsein im 17. Jahrhundert beitrugen, indem sie Ängste schürten und als Instrument der Sozialdisziplinierung und Pro-paganda benutzt wurden.
Die Prodigieneigenschaft von Kometen steht also im Mittelpunkt dieser Untersuchung, was dazu führt, dass eine Eingrenzung bei den zu behandelnden Flugblät-tern vorgenommen werden muss. Behandelt werden ausschließlich Kometenblät-ter, welche die Kometen als göttliche Vorzeichen betrachten.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
A. Thema und Aufbau der Arbeit
B. Literatur
C. Quellen
II. DER KOMET ALS PRODIGIUM IM 17. JAHRHUNDERT
A. Prodigenliteratur bei Protestanten und Katholiken
B. Der Komet als Prodigium
C. Kometen als Instrument der Sozialdisziplinierung
III.DER KOMET ALS VORZEICHEN VON KRIEG
A. Der Dreißigjährige Krieg
B. Die Furcht vor den Türken
IV.DIE KOMETENFURCHT ALS INDIKATOR EINER KRISE DES 17. JAHRHUNDERTS
A. Prodigienliteratur und Krise
B. Der Komet als positives Vorzeichen
V. DER WANDEL DES KOMETENBILDES
A. Vom Wunderzeichen zum erklärbaren Phänomen
B. Die neue Kometenfurcht
VI.FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion von Kometenflugblättern im 17. Jahrhundert als Instrument der Sozialdisziplinierung und Propaganda. Sie geht der Forschungsfrage nach, inwiefern diese Flugschriften als Symptom für das Krisenbewusstsein der Frühen Neuzeit dienen konnten und wie sich das Bild des Kometen über die Zeit wandelte.
- Kometen als religiöse Prodigien (göttliche Vorzeichen)
- Die Rolle der Publizistik in der Frühen Neuzeit
- Politische und militärische Instrumentalisierung der Kometenfurcht
- Wandel von der Endzeiterwartung zur modernen Kometenangst
Auszug aus dem Buch
C. Kometen als Instrument der Sozialdisziplinierung
Dieser Kanon von Heimsuchungen taucht immer wieder auf den Flugblättern in verkürzter Form auf (vgl. Abb. 2) und gibt die Schrecknisse wieder, welche die Menschen in der Frühen Neuzeit zu fürchten hatten. Die Auswirkungen der Kometen mussten aber nicht zwangsläufig eintreten, sondern der Himmelskörper fungierte als eine Warnung Gottes an die Menschheit, ihr sündiges Leben hinter sich zu lassen und sich wieder Gott zuzuwenden. Die Kometenfurcht wurde so zu einem wirksamen Mittel zur Sozialdisziplinierung des Volkes und auch als solches genutzt. Selbst auf kleinen Flugblättern wurde der Leser an die Wirkung der Kometen erinnert. Auf einem kleinen Flugblatt zu einer Kometensichtung über Regensburg aus dem Jahr 1665 (Abb. 5) steht zum Beispiel folgendes geschrieben:
Nuhn lest sich widerum
ein COMETH sehen zu
Regensburg, […]
die Wirkung ist Gott bekannt A0 1665.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Kometenflugblätter und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellung zur Rolle dieser Medien für das Krisenbewusstsein des 17. Jahrhunderts.
II. DER KOMET ALS PRODIGIUM IM 17. JAHRHUNDERT: Beleuchtung des Prodigienglaubens bei Protestanten und Katholiken sowie Analyse des Kometen als Instrument zur Sozialdisziplinierung.
III.DER KOMET ALS VORZEICHEN VON KRIEG: Untersuchung der Verbindung von Kometenerscheinungen mit historischen Konflikten, speziell dem Dreißigjährigen Krieg und der Türkenbedrohung.
IV.DIE KOMETENFURCHT ALS INDIKATOR EINER KRISE DES 17. JAHRHUNDERTS: Erörterung der Frage, ob Flugblätter Kometenfurcht und ein allgemeines Krisenempfinden verstärkten, unter Berücksichtigung verschiedener Deutungsmuster.
V. DER WANDEL DES KOMETENBILDES: Darstellung der Entmythologisierung der Kometen durch die Astronomie und die Entwicklung hin zu einer neuen, apokalyptischen Kometenfurcht.
VI.FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur zentralen Rolle des Kometen als Prodigium und der propagandistischen Nutzung der Flugblätter.
Schlüsselwörter
Kometenflugblätter, Frühe Neuzeit, Prodigien, Sozialdisziplinierung, Dreißigjähriger Krieg, Türkengefahr, Krisenbewusstsein, Endzeiterwartung, Bildpublizistik, Himmelsphänomene, Kometenfurcht, Gotteszeichen, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Bedeutung von Kometenflugblättern im 17. Jahrhundert, die als religiöse und politische Warnzeichen (Prodigien) gedeutet wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen religiöse Deutungsmuster, die Rolle von Druckmedien als Propagandainstrumente, den Zusammenhang zwischen Himmelszeichen und Kriegen sowie die Wandlung des Kometenbildes von der Antike bis in die Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Kometenflugblätter lediglich Symptome einer Krise des 17. Jahrhunderts waren oder ob sie aktiv dazu beitrugen, Krisenbewusstsein durch die Schürung von Ängsten zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Kometenflugblätter und vergleicht diese mit zeitgenössischer Forschungsliteratur, um den Wandel in der Wahrnehmung und Instrumentalisierung dieser Phänomene aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kometen als göttliche Warnzeichen, deren spezifische Verknüpfung mit dem Dreißigjährigen Krieg und der Osmanengefahr sowie die spätere wissenschaftliche Entzauberung der Kometen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Prodigien, Flugblätter, Sozialdisziplinierung, 17. Jahrhundert und Kometenfurcht.
Wie wurde der Komet im 17. Jahrhundert von den Zeitgenossen gedeutet?
Der Komet wurde primär als göttliches Zornzeichen ("Zornrute" oder "Gottesrute") wahrgenommen, das zur Buße mahnte und als Warnung vor drohenden Katastrophen wie Krieg, Pest oder Missernten fungierte.
Warum wurde der Glaube an Kometen als Warnzeichen instrumentalisiert?
Geistliche und Obrigkeiten nutzten die Kometenfurcht, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, die Moral der Bevölkerung zu beeinflussen und die Menschen enger an die Kirche zu binden.
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- Christian Koch (Author), 2007, Der Komet als Prodigium im Spiegel von Kometenflugblättern des 17. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74270