In dieser Arbeit beschäftigt sich die Autorin mit menschlicher auditiver Wahrnehmung und dem, diese Wahrnehmung umgebenden emotionalen Umfeld in der face-to-face-Kommunikation1.
Auditive Wahrnehmung meint dabei nicht das physiologische Hören, „[…] sondern die Prozesse des Zentralnervensystems, das Gehörte zu erfassen und zu verarbeiten“.
Die auditive Wahrnehmung medial vermittelter Kommunikation wird nicht behandelt, da sich sowohl die Hörereignisse, als auch die emotionalen Reaktionen hierbei entscheidend von denen in der persönlichen Kommunikation unterscheiden.
Beim Verfassen dieser Arbeit sah sich die Autorin mit einem Problem konfrontiert: Hören und Zuhören, die innere Haltung der Hörer2, Emotionen beim Hören – all das sind Themenbereiche, die schwer objektiv zu beschreiben sind. Emotionales Verhalten ist zwar extern beobachtbar, emotionale Reaktionen und Verfassungen der Hörer jedoch nicht. Daraus folgt, dass viele Thesen und Erkenntnisse dieser Arbeit sich auf subjektive Einschätzungen beziehen, da diese – streng betrachtet – die einzige Forschungsgrundlage bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Eingrenzung des Themas
1.2 Forschungsinteresse
2. Hören
2.1 Das Ohr
2.2 Anatomie und Physiologie des Ohres
2.2.1 Das äußere Ohr
2.2.2 Das Mittelohr
2.2.3 Das Innenohr
2.2.4 Der Hörnerv und die zentrale Hörbahn
2.3 Sehen vs. Hören
2.4 Reizüberflutung
2.5 Hören in der Sprachwissenschaft
3. Emotionen
3.1 Wissenschaft und Emotionen
3.2 Emotionen in der Sprachwissenschaft
4. Kommunikation
5. Zuhören
5.1 Definition Zuhören
5.2 Zuhören als Kulturtechnik
5.3 Aktives Zuhören
5.4 Gründe, zuzuhören
6. Hörerhaltung
6.1 Inhalt vs. Prosodie
6.2 Hören – Emotionen – Verstehen
6.3 Hörer vs. Sprecher
7. Schlussworte
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die menschliche auditive Wahrnehmung und das damit verknüpfte emotionale Umfeld in der direkten zwischenmenschlichen Kommunikation. Die zentrale Forschungsfrage liegt darin, welche Rolle Emotionen bei der Wahrnehmung, Interpretation und dem Verstehen von sprachlichen Hörereignissen spielen und wie die emotionale Haltung des Hörenden das Kommunikationsgeschehen beeinflusst.
- Grundlagen der auditiven Wahrnehmung und Physiologie
- Die Abgrenzung von visuellem Sehen und auditivem Hören
- Zuhören als erlernbare Kulturtechnik und aktiver Prozess
- Wechselwirkung zwischen Emotionen, Hören und Verstehen
- Die Dynamik der Beziehung zwischen Sprecher und Hörer
Auszug aus dem Buch
6.2 Hören – Emotionen – Verstehen
Wenn Menschen miteinander kommunizieren, dann ist diese Kommunikation nicht automatisch erfolgreich, wenn sie aus abwechselndem Sprechen besteht. Ohne ein beidseitiges Bemühen um Verstehen kommt man zu keinem Ergebnis (vgl. Nichols 1995: Seite 151) – Kommunikation ist mehr, als die Summe der Sprechakte.
In diesem Kapitel soll beschrieben werden, dass das Verstehen von Sprache nicht – wie in der Wissenschaft oft vorausgesetzt – in erster Linie ein rationaler Prozess ist, sondern dass Verstehen auch immer „eine Art Gefühlsverstehen“ ist (vgl. Wilk 2005: Seite 129).
Selbstverständlich gibt es im Rahmen interpersoneller Kommunikation auch rationales Verstehen, beispielsweise in Lehrsituationen. In der alltäglichen face-to-face-Kommunikation, mit der sich diese Arbeit beschäftigt, spielt das emotionale, das empathische Verstehen aber eine wesentlich größere Rolle. Somit bedeutet Verstehen eine „komplexe psychische Gefühls- und Kommunikationserfahrung“ (vgl. Wilk 2005: Seite 131), in deren Rahmen der Hörer Bedeutung in das Gehörte legt.
„Aber was heißt das: die Bedeutung finden? Bedeutung ist ja nichts ein fürallemal Feststehendes, das abgelesen oder abgehakt wird; Bedeutung wird vom Hörer geschaffen, erzeugt, konstruiert. Das sprachliche Input ist ein Angebot ans Verstehen; der Hörer, die Hörerin wählt nicht nur aus, sondern schafft für sich einen Sinnzusammenhang.“ (Bausinger 1996: Seite 12)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin führt in die Thematik der auditiven Wahrnehmung und das sie umgebende emotionale Umfeld ein und legt die subjektive Herangehensweise der Arbeit dar.
2. Hören: Dieses Kapitel skizziert die anatomischen und physiologischen Grundlagen des Gehörs sowie die Unterschiede zwischen auditivem und visuellem Wahrnehmen.
3. Emotionen: Hier werden Emotionen als komplexes, inneres Phänomen beleuchtet und ihr Stellenwert sowie die wissenschaftliche Perspektive darauf in der Sprachwissenschaft diskutiert.
4. Kommunikation: Das Kapitel verortet das Hörereignis innerhalb des Rahmens interpersoneller Kommunikation und betont die Bedeutung von Stimme, Mimik und Gestik.
5. Zuhören: Der Fokus liegt auf der Kulturtechnik des Zuhörens, wobei besonders aktives und empathisches Zuhören als bewusste Entscheidungen hervorgehoben werden.
6. Hörerhaltung: Dieser Abschnitt analysiert die Wechselwirkung von Inhalt und Prosodie sowie die Rolle des Hörers bei der Konstruktion von Sinn und Wirklichkeit während des Verstehens.
7. Schlussworte: Die Arbeit fasst zusammen, dass kein endgültiges Fazit möglich ist, unterstreicht aber die Notwendigkeit, den Zusammenhang zwischen Hören und Emotionen weiter zu erforschen.
Schlüsselwörter
Hören, Zuhören, Emotionen, interpersonelle Kommunikation, auditive Wahrnehmung, Sprachverarbeitung, aktives Zuhören, Empathie, Verstehen, Kulturtechnik, Kommunikationswissenschaft, Hörereignis, Gefühlsverstehen, Subjektivität, soziale Signale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der menschlichen auditiven Wahrnehmung und der zentralen Rolle, die Emotionen in der direkten Kommunikation zwischen Menschen spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Physiologie des Gehörs, die Abgrenzung von Hören und Sehen, die Definition von Zuhören als Kulturtechnik sowie die psychologischen Aspekte des Verstehens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf den engen Zusammenhang zwischen Hören und Emotionen hinzuweisen, wichtige Grundannahmen hierzu darzustellen und die wissenschaftliche Forschung in diesem vernachlässigten Bereich anzuregen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist ein fachwissenschaftlicher Überblick, der auf einer Literaturanalyse verschiedener Disziplinen (Linguistik, Kommunikationswissenschaft, Psychologie) basiert und durch eigene Reflexionen der Autorin ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die anatomischen Voraussetzungen des Hörens, die Dynamik von Sprecher-Hörer-Beziehungen sowie die Bedeutung von aktivem und empathischem Zuhören für eine erfolgreiche zwischenmenschliche Interaktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hören, Zuhören, Emotionen, auditive Wahrnehmung, interpersonelle Kommunikation und Empathie charakterisiert.
Wie unterscheidet sich "Hören" von "Zuhören" laut der Autorin?
Während Hören als ein komplexer anatomischer und physiologischer Prozess der Signalverarbeitung verstanden wird, definiert die Arbeit das Zuhören als eine aktive, bewusste Kulturtechnik und eine komplexe psychische Kommunikationserfahrung.
Welchen Einfluss haben Emotionen auf das Verstehen?
Die Autorin argumentiert, dass Verstehen immer auch ein "Gefühlsverstehen" beinhaltet. Der Hörer konstruiert aktiv Sinn, wobei seine eigene emotionale Verfasstheit und Vorerfahrung massiv beeinflussen, wie eine Botschaft interpretiert wird.
- Quote paper
- Magistra Artium Mirjam Wagner (Author), 2005, Hören und Emotion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74305