Am Beispiel des Murmelspiels werden zwei verschiedene Erscheinungen von Regeln untersucht: Die Praxis der Regel und das Regelbewusstsein.
Inhaltsverzeichnis
I. Die Spielregeln
Die vier Stufen der Praxis der Regel
Die Drei Stufen des Regelbewusstseins
2. Zwang der Erwachsenen und moralischer Realismus
Charakterzüge des moralischen Realismus
Objektive und subjektive Verantwortlichkeit
Heteronomie und Autonomie
Vortrag
I. Die Methode
II.: Ergebnisse:
Allgemeine Schlussfolgerungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage von Jean Piagets Theorie die moralische Entwicklung des Kindes, wobei insbesondere der Übergang von einer fremdbestimmten, zwangsgeprägten Moral zur eigenverantwortlichen Autonomie analysiert wird.
- Stufenmodell der Spielregeln und des Regelbewusstseins
- Charakteristika des moralischen Realismus
- Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Verantwortlichkeit
- Einfluss der einseitigen Achtung gegenüber Erwachsenen
- Bedeutung von Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit für die Autonomie
Auszug aus dem Buch
Charakterzüge des moralischen Realismus
- Die Pflicht ist heteronom: Jede Handlung ist gut, welche vom Gehorsam der Regeln/der Erwachsenen gegenüber zeugt, jede nicht den Regeln entsprechende Handlung ist schlecht. Es kommt nicht auf den Inhalt der Regeln an, sie werden nicht durch das Bewusstsein beurteilt oder ausgelegt. Sie sind statt dessen „in fertiger Form von außen her ins Bewusstsein getragen“ und werden als durch den Erwachsenen offenbart und von ihm aufgezwungen betrachtet. Das Gute wird demnach ausschließlich durch den Gehorsam definiert.
- Die Regel muss wörtlich und nicht dem Geiste nach befolgt werden. Diese Eigenschaft ist Folge der vorigen.
- Der Moralische Realismus bringt eine objektive Auffassung der Verantwortung mit sich und ist besonders an diesem Merkmal zu erkennen. Indem das Kind die Regel wörtlich versteht und das Gute nur durch den Gehorsam definiert, wird es anfänglich die Handlungen nicht aufgrund der Absicht, sondern auf Grund ihrer materiellen Übereinstimmung mit den vorgeschriebenen Regeln einschätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die Spielregeln: Dieses Kapitel erläutert anhand des Murmelspiels die stufenweise Entwicklung von der rein motorischen Regelanwendung hin zur kodifizierten Zusammenarbeit.
2. Zwang der Erwachsenen und moralischer Realismus: Hier werden die Merkmale des moralischen Realismus definiert, insbesondere die Orientierung an objektiven Ergebnissen statt an der zugrunde liegenden Absicht.
Vortrag: Eine methodische Reflexion über die Schwierigkeiten der Untersuchung kindlicher Moral und die Begründung der indirekten Befragungsmethode.
I. Die Methode: Erörtert, warum moralische Urteile als Indikator für das moralische Denken dienen und wie durch Geschichten die Entwicklung nachvollzogen wird.
II.: Ergebnisse: Führt die empirische Bestätigung an, dass kindliches Pflichtbewusstsein primär heteronom geprägt ist und sich schrittweise durch Erfahrung entwickelt.
Allgemeine Schlussfolgerungen: Synthetisiert den Übergang vom Zwang der Erwachsenen zur Autonomie durch kooperative Beziehungen zwischen Kindern.
Schlüsselwörter
Moralisches Urteil, Jean Piaget, moralischer Realismus, Heteronomie, Autonomie, objektive Verantwortlichkeit, subjektive Verantwortlichkeit, Zwang der Erwachsenen, Regelbewusstsein, moralische Entwicklung, einseitige Achtung, Gegenseitigkeit, Zusammenarbeit, kindlicher Egozentrismus, Pflichtbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des moralischen Urteils beim Kind gemäß Piagets Theorie, mit Fokus auf dem Einfluss von Erwachsenenzwang und kindlicher Kooperation.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen den moralischen Realismus, die Unterscheidung zwischen fremdbestimmter (heteronomer) und selbstbestimmter (autonomer) Moral sowie die Entwicklung des Regelverständnisses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich Kinder von einer durch äußeren Zwang geprägten, objektiven Verantwortlichkeit hin zu einer durch gegenseitige Achtung und Einsicht geprägten subjektiven Moral entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine indirekte Befragungsmethode genutzt, bei der Kindern moralische Dilemmata in Form von Geschichten präsentiert wurden, um ihr moralisches Urteilsvermögen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stadien der Spielregeln, den moralischen Realismus, die Untersuchung zur Lüge und den Übergang von Gehorsam zu Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heteronomie, Autonomie, moralischer Realismus, objektive vs. subjektive Verantwortlichkeit und der Zwang der Erwachsenen.
Warum neigen jüngere Kinder zu einem moralischen Realismus?
Aufgrund des einseitigen Gehorsams gegenüber Erwachsenen und des kindlichen Egozentrismus bewerten sie Handlungen eher nach materiellen Folgen als nach den damit verbundenen Absichten.
Welche Rolle spielt die "gegenseitige Achtung" für die Autonomie?
Gegenseitige Achtung ermöglicht den Übergang zur Autonomie, da sie das Bedürfnis weckt, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, was zu einer Verinnerlichung moralischer Werte führt.
- Citation du texte
- Florian Beer (Auteur), 2005, Das moralische Urteil beim Kinde nach Piaget: Zwang der Erwachsenen und moralischer Realismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74328