Die Digitalisierung der deutschen Wohnzimmer

Entwicklungstand und Vor- und Nachteile der neuen digitalen Unterhaltungsdienste für den Nutzer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Neue digitale Übertragungswege
2.1 Digitalisierung von Kabel, Satellit und Terrestrik
2.1.1 Die Ausgangssituation: analoge Übertragung auf drei Wegen
2.1.2 Übergang in das digitale Fernsehzeitalter
2.2 IPTV

3 Die schöne neue digitale Welt
3.1 „Schärfer als die Realität“: HDTV
3.2 Komfortabel, interaktiv und zeitsouverän: neue digitale Dienste
3.2.1 Übersicht im Dschungel der Programmvielfalt: der EPG
3.2.2 Der Weg zur Videothek wird überflüssig: VoD
3.2.3 Die Ablösung der guten alten Videokassette: der PVR
3.2.4 Im Dialog mit dem Fernseher: iTV

4 Fazit

5 Quellen und Literaturangaben

1 Einleitung

Seit einigen Jahren schreitet in Deutschland die Digitalisierung des Fernsehens langsam aber stetig voran. Dadurch ergeben sich auf den traditionellen Übertragungswegen Terrestrik, Kabel und Satellit ganz neue Möglichkeiten: Bessere Bildqualität, größere Programmvielfalt und verschiedene neue Dienste werden neben dem herkömmlichen einfachen Konsum des linearen Programmangebotes möglich. Elektronische Programmführer vereinfachen das Zurechtfinden in der steigenden Zahl der Fernsehsender, HDTV verspricht ungeahnte Bildschärfe und Farbbrillanz, Video-on-Demand-Dienste und Personal Video Recorder machen den Zuschauer unabhängig von traditionellen Programmstrukturen, und interaktive Dienste sorgen für mehr Informationen und Spaß beim Fernsehen.

Diese neuen Dienste sind allerdings oft mit der teilweise kostspieligen Anschaffung neuer Geräte verbunden, ohne die der Genuss der digitalen Möglichkeiten dem Zuschauer verschlossen bleibt. Und auch die Bereitschaft, sich mit den neuen Technologien und deren Bedienung auseinanderzusetzen, muss vorhanden sein.

Bei einigen Angeboten wird es jedem Nutzer selbst überlassen bleiben, ob er sie in Anspruch nimmt. Andere Angebote jedoch, wie die grundsätzliche Umstellung von analogem auf digitalen Empfang, wird in den nächsten Jahren jeder wahrnehmen müssen, der verhindern möchte, dass eines Tages die Mattscheibe schwarz bleibt.

So stehen in erster Linie höhere Qualität und größere Programmvielfalt, Personalisierung und Zeitsouveränität den Anschaffungskosten für neue notwendige Geräte, monatlichen Gebühren, und der Auseinandersetzung mit neuen Techniken und neuen Entscheidungsmöglichkeiten gegenüber.

Diese Arbeit will den derzeitigen Stand der Entwicklung der einzelnen Dienste vorstellen und der Frage nachgehen, welche Vor- und Nachteile für die deutschen Zuschauer durch die Digitalisierung entstehen.

2 Neue digitale Übertragungswege

2.1 Digitalisierung von Kabel, Satellit und Terrestrik

2.1.1 Die Ausgangssituation: analoge Übertragung auf drei Wegen

Bis vor nicht allzu langer Zeit wurde Fernsehen in Deutschland auf analogem Weg auf drei Arten ausgestrahlt: terrestrisch, also über eine Zimmer- bzw. Hausantenne, über Kabel oder über Satellit.[1]

Unabhängig von analoger oder digitaler Übertragung empfingen und empfangen auch heute noch die meisten Kunden ihr TV-Signal über das Kabel, das kaum störanfällig oder wetterabhängig, dafür aber mit monatlichen Gebühren von derzeit durchschnittlich 16,- € verbunden ist.

Viele Zuschauer empfangen Fernsehen auch über Satellit, wodurch derzeit keine monatlichen Kosten entstehen, es müssen jedoch zum Empfang eine Settop-Box sowie eine Satelliten-Schüssel angeschafft und installiert werden, was nicht in jedem Mietshaus erlaubt ist. Zudem kann bei dieser Übertragungsart das Wetter ein schlechtes Bild verursachen.

Ein recht geringer Prozentsatz empfängt das analoge Fernsehsignal noch terrestrisch. Die Nutzung dieses Übertragungsweges ist weder mit monatlichen, noch mit hohen einmaligen Kosten verbunden. Jedoch variiert die Zahl der empfangbaren Sender je nach Wohnort und Lage und kann in manchen Gebieten sehr begrenzt und zudem störanfällig sein.

2.1.2 Übergang in das digitale Fernsehzeitalter

Seit einigen Jahren werden alle drei Übertragungswege zunehmend digitalisiert. Das digitale Fernsehen (DVB) bringt dem Zuschauer unabhängig vom Übertragungsweg Vorteile wie ein klareres Bild, eine größere Programmvielfalt, und auch diverse Zusatzdienste[2] wie die bei DVB bereits zum Standard gewordene Übertragung von aktuellen Programminformationen. Geplant ist, bis 2010 alle Programme nur noch digital zu verbreiten und die analoge Ausstrahlung komplett einzustellen. (Vgl. ALM1)

Durch die Digitalisierung hat sich die grundsätzliche Verteilung der verschiedenen Verbreitungswege in den letzten Jahren nicht gravierend verändert, doch insgesamt nimmt der Digitalisierungsgrad in allen drei Übertragungswegen immer weiter zu, auch wenn er beim Kabelfernsehen noch deutlich hinter dem Antennen- und Satellitenfernsehen zurückliegt (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verteilung der Übertragungswege, analog und digital (Digi 06)

Beim digitalen Antennenfernsehen (DVB-T) überwiegt der Anteil der digitalen Haushalte gegenüber den analogen inzwischen leicht.[3]

Neben einer geringeren Störanfälligkeit und der Übertragung aktueller Programminformationen bietet gerade das „Überall-Fernsehen“, wie DVB-T auch genannt wird, wesentlich mehr Sender als die analoge Alternative. Allerdings ist zum Empfang von DVB-T eine Settop-Box notwendig, die mit entsprechenden Anschaffungskosten für den Nutzer verbunden ist.

Da DVB-T sich in immer mehr Gebieten verbreitet und die Ausstrahlung des analogen terrestrischen Signals aufgrund der Frequenzknappheit dort komplett eingestellt wird, haben Nutzer von Antennenfernsehen, die nicht ganz auf Fernsehen verzichten oder auf einen anderen Übertragungsweg umsteigen möchten, keine andere Wahl, als eine Settop-Box zu kaufen. (Vgl. Digi 06, S. 56-57)

Auch bei der digitalen Satelliten-Übertragung (DVB-S) ist die Zahl der digitalen Haushalte schon recht groß und hat die Zahl der analogen Haushalte fast erreicht.[4] Da schon seit einigen Jahren die Zahl digitaler DVB-S-Settop-Boxen „im Zuge des normalen Erneuerungszyklus“ (Digi 06, S. 58) stetig steigt, ist der Digitalisierungsgrad auch hier schon recht weit fortgeschritten. ( Vgl. Digi 06, S. 56)

Es ist jedoch fraglich, ob dieser Trend anhalten wird, denn die RTL Group und die ProSiebenSat.1 Media Group planen gemeinsam mit dem Satellitenbetreiber Astra eine Grundverschlüsselung ihrer Programmangebote. Das hätte zur Folge, dass auf Kunden, die weiterhin diese Sender über Satellit empfangen möchten, eine monatliche Gebühr von ca. 3,50 € zukommen würde. Zudem müssten sich all jene, deren Settop-Box nicht für die notwendige Smartcard ausgelegt ist, eine neue anschaffen. (Vgl. Digi 06, S. 34)

Bei den Haushalten, die Fernsehen über das Kabel empfangen, ist der Digitalisierungsgrad noch deutlich am schwächsten,[5] weil die Kabelnetze umgerüstet werden müssen, um das digitale Signal übertragen zu können. Diese Umrüstung geschieht derzeit in Deutschland, bzw. ist vielfach schon abgeschlossen (Vgl. ALM2).

Nachdem sich Anfang 2006 die Kabelnetzbetreiber mit den großen privaten Senderfamilien über deren digitale Verbreitung einigen konnten[6] und es seitdem strukturell keine gravierenden Veränderungen mehr im Kabelnetzmarkt gibt, können sich die Betreiber nun gezielt der Vermarktung des digitalen Kabelfernsehens (DVB-C) zuwenden und damit dessen Verbreitung in Schwung bringen. (Vgl. Digi 06, S. 56-58)

Bisher gab es für Kabelkunden wenig Anreiz, auf DVB-C umzusteigen, da das analoge Signal auch weiterhin neben dem digitalen Signal im Simulcast-Betrieb ausgestrahlt wird, und sich die Anzahl der Sender im Free-TV lediglich um einige kleine Spartenkanäle ständig erweitert. Zudem müssen sich Kunden, die auf DVB-C umsteigen möchten, in der Regel für 12-24 Monate vertraglich fest binden, was einen deutlichen Flexibilitätsnachteil darstellt.

Gegenüber DVB-T, bei dem das analoge Signal nach Einführung des digitalen Antennenfernsehens im entsprechenden Gebiet ganz abgeschaltet wurde, und gegenüber DVB-S, bei dem die Nutzer den Gebrauch einer Settop-Box schon lange gewohnt sind und diese „im Zuge des normalen Erneuerungszyklus“ (Digi 06, S. 58) einfach gegen die digitale Variante ersetzen, steht der Kabelmarkt daher noch am Anfang der Digitalisierung. (Vgl. Digi 06, S. 56-58)

Zwar haben die Kunden beim Kabelfernsehen noch die Wahl zwischen der ihnen vertrauten analogen Empfangsart und dem Umstieg auf das neue digitale Fernsehen. Da die Betreiber auf Dauer nicht beide Signale aussenden wollen, diskutieren sie über die langfristige Abschaltung des analogen Fernsehsignals, den so genannten „Switch-Off“.

Es zeigt sich also, dass bei der Digitalisierung des Fernsehens sich auf der einen Seite bessere Bildqualität, größere Programmvielfalt und mögliche Zusatzdienste, und auf der anderen Seite höhere Kosten für die Anschaffung von neuen Geräten und ggf. monatlichen Gebühren sowie die Notwendigkeit, sich mit einer neuen Technik auseinanderzusetzen, gegenüberstehen.

Derzeit stellt DVB (abgesehen von DVB-T) noch eine Option dar, für die sich all jene Zuschauer frei entscheiden können, die für sich einen Mehrwert in diesem Angebot erkennen. Ob der geplante vollständige analoge „Switch-Off“ tatsächlich bis 2010 auf allen Übertragungswegen erfolgen wird, sei dahin gestellt. Dass er erfolgt, steht jedoch außer Frage, da auf Dauer die Ausstrahlung analoger und digitaler Signale im Simulcast-Betrieb für die Anbieter unwirtschaftlich ist.

2.2 IPTV

Zu den drei soeben vorgestellten herkömmlichen Übertragungswegen kommt derzeit in Deutschland noch ein vierter: IPTV. Diese Abkürzung steht für „Internet Protocol Televison“ und bedeutet, dass Fernsehen in Form von Video-on-Demand-Diensten oder linearen Programminhalten über das „Internet Protocol“ auf den Fernseher übertragen werden. (Vgl. Gold 06/2; vgl. auch Digi 06, S. 74)

Dabei darf IPTV nicht mit „WebTV“ oder „Internet-TV“ verwechselt werden. Letzteres bezieht sich auf Inhalte, die über einen Computer im Internet als Stream empfangen werden. IPTV wird dagegen über eine Settop-Box auf den Fernseher übertragen und nicht am Computer konsumiert. Dahinter steckt der Gedanke der „Lean back“-Rezeption: Beim Fernsehen über IPTV soll sich der Zuschauer ganz entspannt auf dem Sofa zurücklehnen und die dargebotenen Inhalte konsumieren können (Vgl. Jurr 06, S. 225).

Zudem bietet IPTV im Gegensatz zum Stream im Internet durch garantierte Bandbreiten eine wesentlich höhere Qualität und wird nur in ein begrenztes Gebiet übertragen[7], während Internet-TV prinzipiell weltweit empfangen werden kann. (Vgl. Digi 06, S. 41)

Zudem „sieht das Medienrecht Technologieneutralität vor“ (Digi 06, S. 42) sodass IPTV damit im Gegensatz zu Inhalten im Internet den gleichen Regeln wie das Kabel- und Satellitenfernsehen unterliegt (Vgl. Digi 06, S. 42).

Um IPTV in hoher Qualität übertragen zu können, müssen die Bandbreiten entsprechend groß sein, sodass bei der Übertragung über das Telefonnetz mindestens eine ADSL2-Leitung mit 16 Mbit notwendig ist. Noch besser wäre eine VDSL-Leitung, die mit bis zu 50 Mbit derzeit die größtmögliche Bandbreite bietet (Vgl. Digi 06, S. 41). Durch Komprimierungsverfahren wie MPEG-4 können über entsprechend schnelle Breitbandverbindungen so sogar bis zu mehrere Programme in HDTV-Qualtität[8] in die einzelnen Haushalte transportiert werden (s. Abb. 2). (Vgl. Digi 06, S. 41; vgl. auch Kars 06, S. 189)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Verteilung der Übertragungswege: 51,8% Kabel, 42% Satellit und 9,2% Terrestrik; Stand Oktober 2006; Basis: 33,904 Mio. TV-HH in Deutschland (Vgl. Digi 06)

[2] Siehe Kapitel 3.2: Komfortabel, interaktiv und zeitsouverän: neue digitale Dienste

[3] DVB-T.: 57,1% digital bei 33,904 Mio. TV-HH in Deutschland, Stand: 10/2006 (Vgl. Digi 06, S. 58)

[4] DVB-S.: 47,2% digital bei 33,904 Mio. TV-HH in Deutschland, Stand: 10/2006 (Vgl. Digi 06, S. 58)

[5] DVB-C.: 15,2% digital bei 33,904 Mio. TV-HH in Deutschland, Stand: 10/2006 (Vgl. Digi 06, S. 58)

[6] Bisher wurden seit 1999 lediglich das Programm des PayTV-Senders Premiere, sowie ARD und ZDF digital über Kabel ausgestrahlt (Vgl. Hans 06, S. 72)

[7] Dabei kann die Übertragung auf ein Land oder auch einzelne Bundesländer oder Regionen begrenzt sein.

[8] S. auch Kapitel 3.1: HDTV – Schärfer als die Realität

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Digitalisierung der deutschen Wohnzimmer
Untertitel
Entwicklungstand und Vor- und Nachteile der neuen digitalen Unterhaltungsdienste für den Nutzer
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V74374
ISBN (eBook)
9783638681483
Dateigröße
730 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitalisierung, Wohnzimmer
Arbeit zitieren
Mareike Brans (Autor), 2007, Die Digitalisierung der deutschen Wohnzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74374

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