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Geschichten im Religionsunterricht

Nacherzählen oder Miterzählen?

Title: Geschichten im Religionsunterricht

Seminar Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Asmus Green (Author)

Didactics - Theology, Religion Pedagogy
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Der Religionsunterricht in der Sekundarstufe I soll Orientierungshilfe bei essentiellen Fragen sein:Probleme wie der Ursprung der Dinge, der Sinn des Lebens und der Tod als das Ende des Lebens werden vom evangelischen Religionsunterricht, zusammen mit dem katholischen Religionsunterricht und dem Philosophieunterricht als Unterrichtsthemen wahrgenommen und behandelt. Dabei wird der evangelische Religionsunterricht den im Grundgesetz verankerten Ansprüchen auf freie Persönlichkeitsentfaltung1 (Art. 2,1 GG) und Religionsfreiheit2 (Art. 4,1 GG) insofern gerecht, als dass er sich mit den Grundlagen, Bedingungen und Möglichkeiten menschlicher Existenz in Ansehung von christlich-evangelischen Traditionen beschäftigt, sie aber bewußt nur als möglichen und nicht einzigen Zugang zu den behandelten Problemen versteht. Der evangelische Religionsunterricht sieht sich also als Angebot, sich grundlegenden Fragen des Lebens auf christlich-evangelischen Bahnen zu nähern – als Angebot, das für alle SchülerInnen frei und ohne Verpflichtung, inhaltlich aber klar definiert ist.
Diese dem Lehrplan für die Sekundarstufe 1 entnommene Charakterisierung macht deutlich, dass biblische Texte als Träger christlicher Traditionen als Unterrichtsgegenstand unumgänglich sind.
Der evangelische Zugang zu grundlegenden Lebensfragen und damit die christlich-evangelische Tradition tritt in Form von biblischen Texten vor die SchülerInnen – und vom Verständnis dieser Texte hängt wiederum der Zugang zum Verständnis des Christentums ab.
Bei der Behandlung biblischer Literatur im Religionsunterricht ist die Hinwendung zur Methode der Nacherzählung aus Scheu, in die biblischen Texte einzugreifen und sie zu verändern ein naheliegender Reflex, bedenkt man das Alter der Texte, ihre Entstehungsgeschichte und ihren Status als heilige Schrift.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Methode des Nacherzählens, ihrem Sitz im Schulunterricht und ihrer Eignung für das oben formulierte Ziel des Religionsunterrichts. Grundlage soll ein 1980 von B.Hurrelmann veröffentlichter Aufsatz mit dem Titel „Erzähltextverarbeitung im schulischen Handlungskontext“ sein, dessen Inhalt im Folgenden umrissen wird. Nach kurzer Kritik soll anschließend unter Zuhilfenahme anderer religionspädagogischer&didaktischer Literatur die Methode des Nacherzählens bewertet werden um schließlich einen Ausblick auf methodische Neuorientierung bei der Behandlung biblischer Texte im Religionsunterricht zu ermöglichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. B. Hurrelmann: Erzählen im schulischen Handlungskontext

1. Textverarbeitungsoperationen nach Hurrelmann

1.1.1 Rekapitulation

1.1.2 Evaluation

1.1.3 Metanarration

1.2 Ergebnis

2. Kritik

III. Neubewertung des Nacherzählens

IV. Ich-Erzählung oder Er-Erzählung – Erzählperspektiven in theologischer Hinsicht

V. Konkretisation in Form von verschiedenen Methoden im Unterricht

1. Das vorgestaltende Erzählen

2. Das umgestaltende Erzählen

3. Die erzählte Welt als Spiel-Raum

4. Erzählen als komplexe Sprech- und Schreibsituation

5. Visuelle Abbildung der erzählten Welt

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung der Methode des Nacherzählens im Religionsunterricht der Sekundarstufe I. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob das reine Nacherzählen als schulspezifische Leistung der geforderten Orientierung an biblischen Texten gerecht wird oder ob alternative, auf Konkretisation basierende Ansätze eine tiefere Auseinandersetzung ermöglichen.

  • Analyse der Textverarbeitungsoperationen nach Bettina Hurrelmann.
  • Kritische Bewertung der Methode des Nacherzählens im schulischen Kontext.
  • Einführung des Konkretisationsbegriffs nach Harald Frommer.
  • Praktische Erprobung alternativer didaktischer Methoden am Beispiel der Parabel vom verlorenen Sohn.
  • Erläuterung der Bedeutung von Schülerphantasie und Subjektorientierung für das Textverständnis.

Auszug aus dem Buch

3. Die erzählte Welt als Spiel-Raum

Frommer bezeichnet einen erzählenden Text als Spielraum im Sinne einer Bühne, auf der die Konkretisation, die beim Lesen des Textes nur im Kopf stattfindet, auch optisch und akustisch sichtbar gemacht werden kann. Diese Methode eignet sich für die ausgewählte “Zielgruppe” ausgesprochen gut, setzt allerdings die Bereitschaft zum Schauspiel bei den Kindern voraus.

Das Nachspielen des Textes ist auf viele verschiedene Arten denkbar. Zunächst können Passagen “wörtlich”, also ohne Veränderung nachgespielt werden. Schon durch die Rolleninterpretationen der “Schauspieler” können neue Eindrücke entstehen, die der Text beim Lesen so nicht hergibt. Darüber hinaus können neue Szenen zur Geschichte hinzugedichtet werden, die zum Beispiel die Verhältnisse zwischen den auftretenden Figuren erläutern. Am Beispiel der Geschichte vom verlorenen Sohn wäre ein klärendes Gespräch zwischen dem Vater und dem heimgebliebenen Sohn denkbar, das bei Lukas nicht zu finden ist oder eine Auseinandersetzung zwischen letzterem und dem Knecht, der beauftragt ist, Schmuck und Gewänder für den Heimgekehrten zu holen.

Es ist auch denkbar, die Schülerinnen und Schüler in textexterne Rollen schlüpfen zu lassen, sie also Charaktere spielen zu lassen, die in der eigentlichen Geschichte nicht vorkommen, aber im Umfeld der Geschehnisse trotzdem denkbar sind. So könnte sich zum Beispiel der heimgebliebene Sohn mit dem Richter des Dorfes über die Entscheidung seines Vaters unterhalten oder sich bei einem seiner Freunde darüber beschweren. Es könnten Dorfbewohner oder Nachbarn gespielt werden, die bei Lukas überhaupt keine Erwähnung finden, aber dennoch im Dunstkreis der Geschichte denkbar wären, die das Geschehen kommentieren. Dem Spielraum sind hier kaum Grenzen gesetzt. Das Potential des Konkretisationsprinzips ist dann vollständig entfaltet, wenn die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, sich als bestimmte Figuren in der Welt der Geschichte souverän und ohne große Vorbereitungen zu bewegen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Religionsunterrichts als Orientierungshilfe und identifiziert das Nacherzählen biblischer Texte als fragwürdige, aber weit verbreitete Unterrichtspraxis.

II. B. Hurrelmann: Erzählen im schulischen Handlungskontext: In diesem Kapitel wird Hurrelmanns Forschung über die schulspezifische Prägung von Textverarbeitungsoperationen wie Rekapitulation, Evaluation und Metanarration dargestellt.

III. Neubewertung des Nacherzählens: Hier wird der Begriff des Nacherzählens durch Harald Frommers Konkretisationsansatz erweitert, um dem Leser mehr Raum für individuelle Lesarten zu geben.

IV. Ich-Erzählung oder Er-Erzählung – Erzählperspektiven in theologischer Hinsicht: Dieser Abschnitt thematisiert den theologischen Konflikt zwischen der Scheu vor Eingriffen in heilige Texte und der Notwendigkeit einer persönlichen Aneignung durch das Subjekt.

V. Konkretisation in Form von verschiedenen Methoden im Unterricht: Dieses Hauptkapitel stellt verschiedene didaktische Ansätze wie vorgestaltendes und umgestaltendes Erzählen sowie das szenische Spiel vor und erprobt diese an der Parabel vom verlorenen Sohn.

VI. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine methodische Abkehr vom rein reproduktiven Nacherzählen zugunsten handlungsorientierter Konkretisation die nachhaltige Auseinandersetzung mit biblischen Texten fördert.

Schlüsselwörter

Religionsunterricht, Nacherzählen, Bettina Hurrelmann, Harald Frommer, Konkretisation, biblische Texte, Schulpraxis, Textverarbeitung, Subjektorientierung, Literaturunterricht, Erzählperspektive, verlorener Sohn, Didaktik, Lernziele, Unterrichtsmethoden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Didaktik der Textverarbeitung im schulischen Kontext, speziell fokussiert auf die Methode des Nacherzählens im Religionsunterricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Analyse schulspezifischer Textverarbeitung nach Hurrelmann, das Konzept der Konkretisation nach Frommer sowie die methodische Umsetzung im Religionsunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass das traditionelle Nacherzählen oft nur eine reproduktive Leistung darstellt und durch kreativere, konkretisierende Methoden ersetzt werden sollte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse didaktischer Theorien und deren kritischer Überprüfung anhand eines Fallbeispiels (Parabel vom verlorenen Sohn).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil evaluiert zunächst Hurrelmanns Kritik am Nacherzählen, führt Frommers Konkretisationskonzept ein und stellt praktische Anwendungsmethoden wie szenisches Spiel und kreatives Schreiben vor.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konkretisation, Nacherzählen, Religionsunterricht und Subjektorientierung bestimmt.

Warum ist das Nacherzählen biblischer Geschichten aus Sicht der Autorin problematisch?

Es führt oft zu einem bloßen Auswendiglernen der Ereignisfolge, wobei die eigentliche Erlebnisgestalt des Textes und die persönliche Identifikation der Schüler verloren gehen.

Inwieweit eignet sich das szenische Spiel für die Zielgruppe?

Das szenische Spiel als Form der Konkretisation eignet sich für 10- bis 12-jährige Schüler sehr gut, da es den Text als Spielraum auf einer Bühne begreifbar macht und handlungsorientiertes Lernen ermöglicht.

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Details

Title
Geschichten im Religionsunterricht
Subtitle
Nacherzählen oder Miterzählen?
College
Christian-Albrechts-University of Kiel
Course
Erzählen im Religionsunterricht
Grade
1-
Author
Asmus Green (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V74387
ISBN (eBook)
9783638741606
ISBN (Book)
9783638756853
Language
German
Tags
Geschichten Religionsunterricht Erzählen Religionsunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Asmus Green (Author), 2007, Geschichten im Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74387
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