Der internationale Calvinismus zur Zeit des Johannes Althusius - Politik und politische Kultur


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: 16,0 Punkte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I.: Johannes Althusius - Leben und Werk
1.: Leben
2.: Werk

II.: Calvinismus in Deutschland

III: Der Begriff der Internationalität um 1600
B: Der internationale Calvinismus, Politik und politische Kultur
I. Der Calvinismus und internationale Verbindungen
II: Außenpolitische Unionsversuche
III: Außenpolitische Konzepte
IV: Radikalisierung der Calvinisten
V: Emden als Model des internationalen Calvinismus
C.: Schlusswort

I.: Johannes Althusius - Leben und Werk

1.: Leben

Johannes Althusius wurde 1557 als Sohn eines Hofpredigers in Diedenshausen (Wittgenstein-Berleburg) geboren[1]. Diedenshausen gehörte zu dieser Zeit zu einem reformiert calvinistischen Gebiet. Außer einer vermutlich bäuerlichen Abstammung ist über seine Herkunft nicht viel bekannt. Da er jedoch möglicherweise auch das uneheliche Kind eines Fürsten sein konnte, bekam Johannes Althusius eine intensive Förderung durch den Grafen von Sayn und Wittgenstein.

Nach Besuch der Kölner Artistenfakultät studierte Althusius Rechtswissenschaft in Genf und Basel, wo er auch promovierte. Aufgrund seiner Leistungen übernahm er 1586 den Lehrstuhl an der juristischen Fakultät an der bis dahin rein theologischen gräflich nassauischen Akademie in Herborn. 1601 wurde er Lehrer am Gymnasium illustre Arnoldinum in Steinfurt, dann rechtskundiges Mitglied der gräflichen Kanzlei in Dillenburg. Während dieser Zeit erschien auch seine Schrift Politica, auf die später eingegangen wird.

Im Jahr 1604 wurde Althusius schließlich Syndikus der Stadt Emden, was er - trotz lukrativer Angebote aus anderen Städten – bis zu seinem Lebensende im Jahre 1638 blieb und wo er weiterhin sowohl politisch als auch wissenschaftlich tätig war[2].

2.: Werk

Das Lebenswerk des Johannes Althusius ist von vielen Seiten her bemerkenswert, worauf im Folgenden eingegangen werden soll.

Johannes Althusius hat durch seine Lehre von dem Widerstandsrecht des Volkes und der Souveränität des Volkes gegenüber dem Staat für die Entwicklung der Staatsrechtslehre und der Staatsverfassung in Westeuropa und Amerika große Bedeutung erlangt.

Als politischer Theoretiker des Calvinismus forderte er den genossenschaftlichen Staatsaufbau von unten her, und übertrug diesen Grundsatz auf alle Gebiete staatlichen Lebens[3].

Seine Forderungen und Thesen veröffentlichte Althusius 1602 in seinem Buch "Politica methodice digesta et exemplis sacris et profanis illustrata". Aufbau und Argumentation seiner Politica orientieren sich an Aristoteles, wobei er allerdings seiner Vorstellung des Politischen von Anfang an eine konfessionalistische Grundierung gibt. Jede politische Einheit ist eine konfessionelle Verbundenheit, indem sie als Bund eines auserwählten Volkes mit Gott verstanden wird. Glaubensgemeinschaft und Bürgergemeinschaft fallen zusammen[4].

Grundeinheit aller politischen Ordnung ist nach Althusius die Gemeinschaft (consociatio), welche das gemeinsame Ziel des Handelns aus dem „gemeinen Nutzen“ definiert[5]. Verwirklicht werde, so Althusius, der gemeine Nutzen durch Herrschaft, die sich auf eine Gemeinschaft bezieht.

Das Volk solle demnach durch Ephoren (Volksvertreter, die ursprünglich im Sparta gewählt und zur Entlastung des Königs im Gerichtswesen bestellt wurden[6] ) vertreten sein. Die Verwaltung sollte durch den Magistrat erfolgen, welcher durch die Ephoren überwacht wird, und der von den Ephoren abgesetzt werden kann, falls dieser die Bestimmungen der Gemeinschaft bricht[7].

Im Streit zwischen dem Landesherrn und der Stadt Emden verteidigte Althusius die Rechte und Freiheiten des Volkes gegen den gräflichen Absolutismus, wobei Althusius unablässig bemüht war, seine staatsrechtlichen und seine sozialphilosophisch genossenschaftsrechtlichen Forderungen in die Praxis umzusetzen, und in Emden eine Modellrepublik der Volkssouveränität zu verwirklichen.

Im Jahre 1617 veröffentlichte er mit den "Dicaeologicae libri tres totum et universum ius" ein umfassendes Kompendium der Rechtslehre seiner Zeit.

Seine Grundgedanken - Beschränkung der Staatsgewalt durch Kontrolle genossenschaftlicher Organe und der Vorrang staatlichen Denkens vor individuellen Machtansprüchen Einzelner –

wurden in Deutschland jedoch erst in der Weimarer Verfassung von 1919 verwirklicht.

II.: Calvinismus in Deutschland

Für einen Einstieg in die Thematik des Calvinismus und die Rolle des Althusius soll zunächst ein Einblick in die Entwicklung des Calvinismus in Deutschland gegeben werden.

Die ersten calvinistischen Gemeinden auf deutschen Boden waren bereits 1544 durch wallonische und flämische Emigranten aus den Niederlanden am Niederrhein entstanden. Ab 1553 kamen weitere Asyl suchende Calvinisten aus dem durch die katholische Restauration geprägten England, und besiedelten u.a. ihre späteren Zentren, die Handelsstädte Wesel, Frankfurt M. und Althusius Wirkungsstätte Emden[8].

Durch die Gewaltmaßnahmen des Herzogs von Alba gegen die Calvinisten kam es 1567 zu einem weiteren Strom von Glaubensflüchtlingen in besagte calvinistische Zentren, wodurch gerade das ostfriesische Emden als das „Genf des Nordens“ einer der bedeutensten Mittelpunkte der Calvinisten in Deutschland wurde – worauf später noch eingegangen wird.

Emden war wie erwähnt nicht alleiniges Zentrum der Calvinisten in Deutschland. Vielmehr war auch Nassau durch den Calvinismus und seine Lehre geprägt.

Die Geschichte des Calvinismus in Deutschland ist aber vor allem von einzelnen Personen beeinflusst worden.

Beispielsweise Graf Johann VI von Nassau, der Bruder Wilhelms von Oraniens, war sehr stark mit der niederländischen Reformation verbunden. Daher gründete Graf Johann VI von Nassau 1578 (oder 1581, die Angaben in den Büchern sind unterschiedlich) die hohe Schule zu Herborn. Diese wurde nach Genfer Vorbild aufgebaut. Bald nach der Gründung erhielt die Hohe Schule zu Herborn durch Gelehrte, wie beispielweise Althusius, den Ruf eines Zentrums reformierter Theologie und Lehre, vergleichbar mit ihrem großen Vorbild Genf[9].

[...]


[1] Bad Berleburger Archiv – Althusius Quelle : www.badberleburg.de

[2] Stadtarchiv Emden - Johannes Althusius Staatsrechtslehrer und Syndikus der Stadt Emden.

[3] Stadtarchiv Emden - Johannes Althusius Staatsrechtslehrer und Syndikus der Stadt Emden.

[4] Kommunalismus und Vertragstheorie: Wie ist soziale Ordnung möglich?.

Quelle: www. Uni-konstanz.de/FuF/Philo

[5] Kommunalismus und Vertragstheorie: Wie ist soziale Ordnung möglich?.

Quelle: www. Uni-konstanz.de/FuF/Philo

[6] Brockhaus Enzyklopädie Band 5 S. 600

[7] Kommunalismus und Vertragstheorie: Wie ist soziale Ordnung möglich?

Quelle: www. Uni-konstanz.de/FuF/Philo

[8] Propyläen Band 4 S. 337.

[9] Propyläen Band 4 S. 338.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der internationale Calvinismus zur Zeit des Johannes Althusius - Politik und politische Kultur
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Seminar
Note
16,0 Punkte
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V74400
ISBN (eBook)
9783638713023
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Calvinismus, Zeit, Johannes, Althusius, Politik, Kultur, Seminar
Arbeit zitieren
Carsten Siebert (Autor), 2004, Der internationale Calvinismus zur Zeit des Johannes Althusius - Politik und politische Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74400

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