Der Mensch musste sich in seiner Evolution über Millionen Jahre sehr viel bewegen. Erst durch den technologischen Fortschritt ist es ihm in den letzten Jahrzehnten gelungen diese Bewegung aus seinem Alltag zu verdrängen. Wie viele Vorteile der technologische Fortschritt auch bringen mag, er birgt dennoch erhebliche Konsequenzen in sich. Die Bewegungszeit, die früher fest im Alltag verankert war, muss der Mensch heute sich über andere Wege wieder beschaffen.
Insbesondere bei Kindern und Jugendliche haben Technisierungen der Lebenswelt, enge Wohnverhältnisse, fehlende Spielgefährten und Geschwister, zeitlich überlastete Eltern und zunehmender Medienkonsum zu einer zivilisationsbedingten Immobilität geführt. Das heißt Kinder sitzen zu viel und erfahren zu wenig Ausgleich durch Sport, Spiel und Bewegung. In zunehmendem Maße weisen daher Kinder und Jugendliche Gesundheitsdefizite auf (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2003, S. 138).
Vor diesem Hintergrund ist es eine ganz wichtige Aufgabe der Schule, dieser Entwicklung durch gezielte und motivierende Bewegungsangebote entgegenzuwirken. Da Bewegungsangebote sehr vielschichtig und auf unterschiedlichen Ebenen angelegt werden können, bezog ich mich in dieser Arbeit auf den Bereich der körperlichen Ausdauerleistungsfähigkeit. Zum einen weil man in diesem Bereich sehr viel Gutes für die Gesundheit leisten kann, zum anderen weil ich durch meine eigenen Lauferfahrungen gute Möglichkeiten sehe um Schüler zu längerem Laufen anzuregen.
Die Arbeit wurde in drei Abschnitte eingeteilt.
In Kapitel III „Gesundheit“ werden zunächst Definitionen und wissenschaftliche Ansätze rund um das Thema Gesundheit erarbeitet. Dabei werden unter dem Aspekt des Ausdauersports die psychischen und physischen Auswirkungen genauer beschrieben.
In Kapitel IV „Gesundheit in der Schule“ sollen fachdidaktische Ansätze und schulische Programme zur Gesundheitsentwicklung einige aktuelle Positionen ans Tageslicht bringen.
Im dritten Kapitel V „Praktischer Teil“ soll nach einer Einführung in das Ausdauertraining anhand einer Unterrichtseinheit eine Möglichkeit zur praktischen Umsetzung vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
II. VORWORT
III. GESUNDHEIT:
1. Geschichtliche Entwicklung des Gesundheitssports
2. Definitionen des Begriffes „Gesundheit“
2.1. Der Gesundheitsbegriff
2.2. Verschiedene Definitionen
3. Wissenschaftliche Ansätze der Gesundheit
3.1. Naturwissenschaftlich-medizinischer Ansatz
3.2. Psychologischer Ansatz
3.3. Soziologischer Ansatz
3.4. Integratives Gesundheitsverständnis
4. Zusammenhang zwischen Sport und Gesundheit
5. Gesundheits-Modelle und die Rolle des Sports
5.1. Risikofaktorenmodell
5.2. Salutogenesemodell
6. Epidemiologische Grundlagen
7. Auswirkungen des Sports auf die Gesundheit
7.1. Hat Sport generell eine Wirkung auf die Gesundheit
7.2. Physiologische Auswirkungen des Ausdauersports
7.2.1. Kardiovaskuläre Wirkung (Herz und Gefäße)
7.2.2. Metabolische Wirkung (Stoffwechsel)
7.2.3. Endokrinologische Wirkung (Hormonsystem)
7.2.4. Hämodynamische Wirkung (Blut)
7.3. Psychologische Auswirkung des Ausdauersports
7.4. Resümee
8. Zusammenfassung
IV. GESUNDHEIT IN DER SCHULE:
9. Begriffsklärung: Schulsport – Sportunterricht
10. Das Fach Sport in der Schule (Legitimation)
11. Gesundheitserziehung im Schulsport
11.1. Lohaus
11.2. Balz
11.3. Kapustin
12. Bezug zum Bildungsplan
12.1. Fazit
13. Fachdidaktische Ansätze und Schulische Programme zur Gesundheitsentwicklung
13.1. Fachdidaktische Ansätze
13.1.1. Objektivierende Position
13.1.2. Subjektivierende Position
13.2. Bewegte Schule
13.2.1. Bewegte Schule nach Illi
13.2.2. Bewegte Schule als fachliches Leitbild der Schulentwicklung
13.2.3. Bewegte Schule an weiterführenden Schulen
13.3. Bewegter Unterricht
13.4. Empirische Untersuchungen
13.4.1. Erwartungen von der bewegten Schule
13.4.2. Verbesserung der motorischen Leistungsfähigkeit?
14. Zusammenfassung
V. PRAKTISCHER TEIL
15. Ausdauertraining im Sportunterricht
16. Begriffsdefinitionen
16.1. Ausdauer
16.2. Strukturierung der Ausdauer
16.2.1. Lokale und allgemeine Ausdauer
16.2.2. Aerobe und anaerobe Ausdauer
16.2.3. Kurzzeit-, Mittelzeit- und Langzeitausdauer
16.2.4. Grundlagenausdauer und spezielle Ausdauer
16.3. Methodik des Ausdauertrainings
16.4. Trainingsmethoden der Ausdauer
16.4.1. Die Dauermethode
16.4.2. Die Intervallmethode
16.4.3. Die Wiederholungsmethode
17. Ausdauertraining im Kindesalter
17.1. Trainier- und Belastbarkeit im Kindesalter
18. Kriterien zur Belastungsgestaltung
18.1. Objektive Parameter
18.2. Subjektive Parameter
19. Unterrichtsmodell
19.1. Einführung (Einheit 1)
19.1.1. Stunde 1: Wie fit bin ich eigentlich?
19.1.2. Stunde 2: Wie reagiert mein Körper auf Belastung
19.1.3. Stunde 3: Wie beansprucht fühle ich mich beim Trainieren?
19.1.4. Stunde 4: Wie trainiere ich mich richtig?
19.1.5. Fazit
19.2. Training (Einheit 2)
19.2.1. Motivation
19.3. Abschluß (Einheit 3)
19.4. Fächerübergreifende Stunden
VI. SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Gesundheit als Ziel im Sportunterricht an Realschulen, wobei der Fokus auf einer exemplarischen Analyse mittels Ausdauertraining liegt. Ziel ist es, den gesundheitspädagogischen Wert des Sportunterrichts wissenschaftlich zu fundieren und praktische Unterrichtsmodelle zu entwickeln, die Schüler zu lebenslangem Sporttreiben motivieren.
- Wissenschaftliche Grundlagen und Modelle der Gesundheit (z.B. Salutogenese)
- Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und physischen/psychischen Gesundheitseffekten
- Fachdidaktische Ansätze zur Gesundheitserziehung in der Schule
- Integration von Bewegungsangeboten in den Schulalltag ("Bewegte Schule")
- Konzeption eines praktischen Unterrichtsmodells zum Ausdauertraining
Auszug aus dem Buch
1. Geschichtliche Entwicklung des Gesundheitssports
Seit Jahrtausenden und in den unterschiedlichen historischen Epochen ist körperlich-sportliche Aktivität ein Phänomen, das viele gesellschaftliche Funktionen erfüllt hat und noch immer erfüllt. Die Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit ist dabei als eine wesentliche Funktion zu nennen. Bereits vor 4000 Jahren in China oder 1600 Jahren in Indien waren Verfahren zur Heilgymnastik bekannt. Auch im antiken Griechenland wurde die körperliche Bewegung zur Verbesserung des Gesundheitszustandes systematisch eingesetzt. Dass das psychosomatische Wohlbefinden insbesondere durch Bewegung zu beeinflussen ist, war Bestandteil der griechischen Medizin, der Diätetik.
Große Denker und Erziehungstheoretiker der Aufklärung (17. und 18. Jhd.) sahen die körperliche Erziehung als unverzichtbaren Teil einer ganzheitlichen und aufgeklärten Erziehung (vgl. Krüger, 1998, S. 71). Eine gesunde Lebensführung kann dazu beitragen, das „Gleichmaß der Körpervermögen“ zu erhalten und wiederherzustellen (vgl. Krüger, 1998, S. 71). Insbesondere bei Hippokrates spielte der Begriff des Gleichgewichts eine entscheidende Rolle (vgl. Gadamer, 1994, S. 55f). Ebenso argumentierte Rousseau in seinem Erziehungsroman Emile, dass eine gesunde Erziehung, d.h. auch eine Erziehung zur Gesundheit, natürlich sein und deshalb zunächst am Körper ansetzen müsse. Er argumentiert damit, dass Krankheit nicht mehr als natürliches Schicksal (z.B. Strafe Gottes) gesehen wird, sondern als von den Menschen selbst geschaffen (vgl. Schulz, 1991, S. 71). In der Schrift des italienischen Mediziners Mercuralis „De Arte Gymnastica“ setzten sich 1573 diese Einschätzungen in wissenschaftlichen Theorien über die Prinzipien der Bewegung fort. Er betonte nicht nur die präventive und aufbauende Wirkungen von Gesundheit, sondern auch die Bedeutung von körperlicher Aktivität für die Behandlung von Krankheiten.
Zusammenfassung der Kapitel
Geschichtliche Entwicklung des Gesundheitssports: Das Kapitel beleuchtet die historische Bedeutung von Bewegung für die menschliche Gesundheit von der Antike bis zur modernen Trimm-Dich-Bewegung.
Definitionen des Begriffes „Gesundheit“: Hier werden unterschiedliche theoretische und gesellschaftliche Gesundheitsverständnisse diskutiert, unter anderem die klassische WHO-Definition.
Wissenschaftliche Ansätze der Gesundheit: Das Kapitel analysiert naturwissenschaftliche, psychologische und soziologische Perspektiven und führt in ein integratives Gesundheitsverständnis ein.
Zusammenhang zwischen Sport und Gesundheit: Hier wird der Stellenwert des Schulsports als Instrument zur Förderung der persönlichen Gesundheit kritisch hinterfragt und legitimiert.
Gesundheits-Modelle und die Rolle des Sports: Es werden zentrale Modelle wie das Risikofaktoren- und das Salutogenesemodell im Kontext sportlicher Aktivität vorgestellt.
Epidemiologische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die statistische Verbreitung von Krankheiten und die Relevanz moderner Zivilisationskrankheiten.
Auswirkungen des Sports auf die Gesundheit: Ein detaillierter Überblick über die physiologischen Anpassungsprozesse (Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Hormone) sowie psychologische Wohlbefindenseffekte durch Ausdauersport.
Zusammenfassung: Das Kapitel resümiert, dass Sport keine universelle „Arznei“ ist, aber als integraler Bestandteil einer gesundheitsorientierten Lebensführung im Schulsport dienen kann.
Schlüsselwörter
Gesundheit, Schulsport, Sportunterricht, Ausdauertraining, Salutogenese, Gesundheitserziehung, Bewegte Schule, Herzfrequenz, Belastungsempfinden, Prävention, Lebensqualität, Bewegungsarmut, Motorikschule, Trainingsmethoden, Wohlbefinden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Gesundheit als zentralem Ziel des Sportunterrichts an Schulen und nutzt das Ausdauertraining als konkretes Beispiel für eine praktische Implementierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen wissenschaftliche Gesundheitsmodelle, die physiologischen und psychologischen Wirkungen von Sport sowie didaktische Ansätze wie die "Bewegte Schule".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sportunterricht gesundheitsorientiert gestaltet werden kann, um Schüler nachhaltig zu einem lebenslangen Sporttreiben zu motivieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Fachliteratur, wissenschaftliche Studien, Bildungspläne und pädagogische Konzepte auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Gesundheitsbegriffe, Modelle, Wirkungen) und einen praktischen Teil zur Umsetzung eines Ausdauertrainingsmodells im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesundheitsförderung, Ausdauer, Schulsport, Salutogenese und Bewegte Schule geprägt.
Warum ist das Ausdauertraining für die Arbeit besonders relevant?
Ausdauertraining dient als exemplarisches Beispiel, da es als Basiskomponente sportlicher Fitness gilt und durch die Dokumentation des eigenen Leistungsfortschritts besonders gut zur pädagogischen Selbstreflexion der Schüler geeignet ist.
Wie unterscheidet sich die "Bewegte Schule" vom klassischen Sportunterricht?
Die "Bewegte Schule" begreift den gesamten Schulalltag als Bewegungsraum und setzt Bewegung als Unterrichtsprinzip ein, während der Sportunterricht ein abgrenzbares Fach in der Stundentafel bleibt.
- Quote paper
- Timo Heißel (Author), 2006, Gesundheit als Ziel des Sportunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74424