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Wirtschaft und Moral: Über Ciceros "De Officiis"

Title: Wirtschaft und Moral: Über Ciceros "De Officiis"

Seminar Paper , 2007 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Johannes Schulz (Author)

World History - Early and Ancient History
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In dieser Arbeit soll die philosophische Schrift De Officiis von Marcus Tullius Cicero vor dem Hintergrund der römischen Wirklichkeit betrachtet werden. Wie sind Ciceros moralische Vorschriften an den Einwohner des Staates vereinbar mit den soziopolitischen Begebenheiten der späten Republik? Diese Fragen gilt es zu erhellen, indem der Autor in den Kontext der administrativen Führungsschicht, der politischen Kulisse Ciceros letzter Lebensjahre und seines idealtypischen Menschenbildes erfasst wird.

Ciceros Werk De Officiis ist in drei Bücher gegliedert und Orientiert sich wie Cicero eigens betont zumindest in den ersten beiden nah an dem griechischem Philosophen und politischen Berater Panaitios, welcher schon etwa 90 Jahre zuvor eine Abhandlung über die Pflichten schrieb.
Cicero schreibt in erster Linie als Vater zu seinem Sohn, der in Athen einem Studium der Philosophie nachgeht. Er folgt hier dem großen Vorbild Cato, welcher prominent die tugendhafte Lehre für den Sohn verfasste. Strittig in der Literatur ist, inwiefern Cicero nicht doch eine breitere Masse aus der römischen Elite ansprechen wollte, wie es aus einem Brief an Atticus hervorgehe . Allerdings besagen die über das Buch verstreuten persönlichen Anreden in Dialogform, dass sich der Vater seine Rolle durchaus immer wieder bewusst gemacht hat. Die äußere Form der „Pflichten“ stellt einen Brief an den Sohn dar, ist aber ein mit pädagogischer Systematik und der entsprechenden Autorität bis hin zur Dogmatik angelegter Lehrbrief, der den jungen Cicero in den Tagen, als die Republik 44 v. Chr. im „Todeskampf“ lag, auf den rechten Weg bringen sollte, damit dieser den angesehenen Stand des homo novus erreiche, wie es schon Cicero geschafft hat, als Bürger in die höchsten Kreise aufzusteigen. Diese Bemühungen waren nicht sehr Fruchtbar, wie der weitere Werdegang des Adressaten noch zeigen sollte aber der postalische Erhalt ist auch nicht an die Nachwelt überliefert. Johann schreibt Cicero die Rolle des politischen Erziehers zu, die meiner Einschätzung nach auch auf De Officiis anwendbar ist.
Pohlenz versieht den Autor andererseits mit dem Motiv, seinem Philosophischen Gesamtwerk einen krönenden Abschluss zu geben, das den Römern eine eigene schriftliche Ethik schenkt. Ich will an dieser Stelle nicht für eine einzelne Intuition eintreten. Viel wahrscheinlicher ist ein Zusammenspiel aus mehreren Ursachen, die sich gegenseitig nicht ausschließen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philosophische Grundlagen

3. honestum, decorum und utile

4. Das Umfeld von Cicero – Die späte Republik

5. Die wirtschaftliche Praxis

5.1. Händler

5.2. Andere Berufe

5.3. Zinswirtschaft

6. Reichtum als Voraussetzung für würdiges Leben

7. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Ciceros philosophische Schrift "De Officiis" im soziopolitischen Kontext der späten Römischen Republik, um den Widerspruch zwischen seinen moralischen Pflichtenlehren und der damaligen ökonomischen Realität der römischen Elite zu analysieren.

  • Philosophische Grundannahmen und stoische Einflüsse bei Cicero
  • Moralische Dilemmata zwischen "honestum" (das Sittliche) und "utile" (das Nützliche)
  • Strukturelle wirtschaftliche Probleme und Krisenerscheinungen der späten Republik
  • Die Rolle der sozialen Elite und deren Verhältnis zu Landbesitz und Wirtschaft
  • Kritik an der römischen Praxis im Vergleich zu theoretischen Idealen

Auszug aus dem Buch

5.1. Händler

Ich möchte auf eines von vielen Beispielen zur Privatwirtschaft eingehen, da es gut geeignet ist, die ethische Zielvorstellung und die schwierige Rechtslage im Bereich des Handels eingehen. Auf ein kurzes Wort kann man vom Konflikt zwischen Ethik und Ökonomie sprechen.

In dem fiktiven Exempel segeln mehrere Händler zeitversetzt mit Weizen beladen von Alexandria nach Rhodos. In Rhodos herrscht eine Hungersnot, die die Getreidepreise entsprechend hoch hält. Der erste Händler hat einen komfortablen Vorsprung, so dass sich die Angebots- Nachfragesituation durch sein Eintreffen nicht verschieben würde, wohl aber durch das Erreichen aller unterwegs befindlichen Schiffe.

Die Frage, die Cicero aufwirft ist folgende. Darf der Getreidehändler die weiteren Schiffe verschweigen, um so den Preis zu seinem eigenen Nutzen hoch zu halten?

Bevor die Frage beantwortet wird, lässt der Autor zunächst Diogenes von Babylon und Antipater von Tarsos erörtern. Antipater befürwortet eine Umfassende Aufklärung des Käufers und damit umfassenden Käuferschutz indessen ersterer die Auskunft nur so weit als zwingend ersieht, wie es das jeweilige Gesetz vorschreibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Cicero als politischen Erzieher in der krisenhaften späten Republik zu betrachten.

2. Philosophische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die stoischen Vorstellungen des "vir bonus" und das Primat des Gemeinnutzes gegenüber dem Eigennutz.

3. honestum, decorum und utile: Hier wird der Konflikt zwischen sittlichem Handeln und materiellem Nutzen analysiert, den Cicero im dritten Buch zu lösen versucht.

4. Das Umfeld von Cicero – Die späte Republik: Es wird der politische und soziale Kontext der späten Republik als Hintergrund für Ciceros philosophische Arbeit dargestellt.

5. Die wirtschaftliche Praxis: Dieses Kapitel verknüpft die politischen Interessen der römischen Oberschicht mit den wirtschaftlichen Fehlentwicklungen der damaligen Zeit.

5.1. Händler: Anhand des Beispiels der Getreidehändler auf Rhodos wird die moralische Diskrepanz zwischen Gesetz und ethischem Anspruch erörtert.

5.2. Andere Berufe: Es erfolgt eine Analyse der gesellschaftlichen Bewertung verschiedener Erwerbszweige durch die römische Elite.

5.3. Zinswirtschaft: Hier wird die Rolle der Zinswirtschaft und die Problematik der Kreditvergabe in der späten Republik kritisch beleuchtet.

6. Reichtum als Voraussetzung für würdiges Leben: Das Kapitel untersucht die Bedeutung von Reichtum für den politischen Status und die damit verbundenen moralischen Rechtfertigungsversuche.

7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Tragik in Ciceros Leben, resultierend aus der Unvereinbarkeit von philosophischem Ideal und politischer Realität.

Schlüsselwörter

Cicero, De Officiis, späte römische Republik, Philosophie, Stoa, Wirtschaftsethik, Pflichtenlehre, vir bonus, Gemeinnutz, Politik, Reichtum, soziale Elite, Moral, römisches Recht, Handelskonflikte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophische Schrift "De Officiis" von Cicero und setzt sie in den historischen Kontext der wirtschaftlichen und politischen Krisen der späten Römischen Republik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die stoische Pflichtenlehre, das Spannungsverhältnis zwischen moralischem Ideal und wirtschaftlichem Nutzen sowie die soziale Stellung der römischen Elite.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu erhellen, wie Ciceros moralische Vorschriften an den Bürger mit den soziopolitischen Bedingungen der ausgehenden Republik vereinbar waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die philosophische Texte Ciceros unter Einbeziehung zeitgenössischer Literatur und historischer Kontextualisierung auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den philosophischen Grundlagen, dem Konflikt zwischen "honestum" und "utile", dem politischen Umfeld Roms, verschiedenen Berufen sowie der Zinswirtschaft und dem Stellenwert von Reichtum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind Cicero, Pflichtenlehre, römische Republik, Ethik, Wirtschaftsethik, Stoa, Gemeinwohl und politische Realität.

Wie bewertet der Autor Ciceros Haltung zum Handel?

Der Autor zeigt auf, dass Cicero einerseits ethische Maßstäbe für Händler einfordert, andererseits jedoch ein elitäres Verständnis vertritt, das körperliche Arbeit und Handel gegenüber der Landwirtschaft abwertet.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit über Ciceros politisches Ideal?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Ciceros Ideale angesichts der korrupten und krisengeschüttelten Realität seiner Zeit in einer "tragischen Unmöglichkeit" endeten.

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Details

Title
Wirtschaft und Moral: Über Ciceros "De Officiis"
College
Dresden Technical University  (Geschichte)
Course
Die wirtschaftlichen Aktivitäten der republikanischen Eliten Roms
Grade
2,0
Author
Johannes Schulz (Author)
Publication Year
2007
Pages
19
Catalog Number
V74455
ISBN (eBook)
9783638715317
ISBN (Book)
9783638827065
Language
German
Tags
Wirtschaft Moral Ciceros Officiis Aktivitäten Eliten Roms Pflichten Cicero de Officiis Cicero Moral Cicero Philosop Cicero Philosophie Cicero Cicero Wirtschaft Cicero Rom Cicero Leben Cicero Werk Cicero Werke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Schulz (Author), 2007, Wirtschaft und Moral: Über Ciceros "De Officiis" , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74455
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