Der medienintegrative Unterricht

Ein Unterrichtsentwurf zum Arbeiten an und mit Zeitungsberichten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der medienintegrative Ansatz

3. Ein Stundenentwurf zur Arbeit an und mit Zeitungsberichten
3.1 Stundenbeschreibung
3.2 Vorüberlegungen – Was sagt der Lehrplan? Was wissen die Schüler?
3.3 Was sagt die Deutschdidaktik?

4. Schlussbetrachtung/ Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Stundenentwurf

1. Einleitung

Wir leben mit und in Medien, wir lernen den Umgang mit ihnen von frühester Kindheit an. In diesem Umgang mit Medien lernen wir uns und die Welt kennen, wir stellen uns und die Welt mit ihnen dar, nehmen teil an der Medienkultur, erwerben ein „Repertoire an kulturellen Handlungsmöglichkeiten ““[1] .

Mit diesen sehr treffenden Worten schildert Ulf Abraham die täglich wachsende Bedeutung der Medien in unserer Gesellschaft, unserer Kultur und unserer Kommunikation. Jeden Tag scheinen die bereits vorhandenen Technologien komplexer zu werden; alte und neue Medien vernetzen sich miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Sei es die Zusammenarbeit zwischen Fernsehen und Internet, indem von Moderatoren außerhalb einer Reportage auf zusätzliches Informationsmaterial im Netz hingewiesen wird, sei es die Verfilmung von Kinderbüchern, wie beispielsweise „Harry Potter“ von J.K. Rowling.

Doch mit der ständigen Verbesserung und Neuerfindung von Medien wächst auch das Maß an Kompetenzen, um sie zu verstehen und sie für sich nutzbar zu machen. Zudem sind Medien zwar gesellschaftliche Realität[2], stellen aber doch nicht immer zwangsweise die Realität dar. Einerseits liegt dies an der Form der Darstellung oder Mediengattung, andererseits spielt die Rezeptionskompetenz der einzelnen Rezipienten eine entscheidende Rolle. Wir leben in einer informationstechnischen und mediatisierten Gesellschaft. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, Medien-kompetenz zu erwerben, wenn wir weiterhin handlungsfähig bleiben wollen. Diese Einsicht soll natürlich auch nicht vor der Schulbildung halt machen.

Daher wird sich die vorliegende Arbeit, auf Basis eines Stundenentwurfs für eine 11. Klasse des Gymnasiums, mit dem medienintegrativen Unterricht auseinandersetzen. Sie soll die Wichtigkeit der medienpädogischen Bildung unterstreichen und dies am Beispiel der Arbeit mit und an Printmedien verdeutlichen.

Im weiteren Verlauf sollen auch die Positionen der Deutschdidaktik sowie der Inhalt des derzeitigen Lehrplans für das Bundesland Thüringen mit in die Überlegungen einbezogen werden.

2. Der medienintegrative Ansatz

Zunächst lassen sich nach Wermke[3] zwei Arten der Integration unterscheiden. Ein möglicher Weg kann im Ausgang von der Medienpädagogik liegen und richtet sich auf eine Medienerziehung aus, der andere führt über die fachspezifische Position, und die Frage, in wieweit sich die Medien thematisch und praktisch in den Unterrichtszusammenhang einbetten lassen. Für die vorliegende Arbeit wird der zweite Weg richtungsweisend sein und dementsprechend argumentiert werden.

Wieso Medienintegration? Da sich Medienpädagogik als eigenständiges Fach nicht hat herausbilden können, ist sie Teil und Sache der Unterrichtsfächer geworden. Leider polarisieren sich die Meinungen der Lehrkräfte hinsichtlich des Einsatzes und der Thematisierung der Medien. Somit werden sie vorwiegend in musischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fächern eingesetzt und behandelt[4], während man sich in Unterrichtsfächern naturwissenschaftlicher Ausrichtung, deren Orientierung also mehr auf Präzision, Nachprüfbarkeit und Richtigkeit des Unterrichtsstoffes als auf Betrachtung und Reflexion im gesellschaftlichen Kontext liegt, eher von ihnen distanziert und eine Bewahrposition eingeht.

Medienintegration richtet sich auf ein Ziel aus: die Medienkompetenz. Dabei sollen natürlich Aspekte wie Medienkultur, Mediengestaltung, Medienkunde, Medienwir-kung und Mediennutzung[5] berücksichtigt werden. Doch was bezeichnet Medien-kompetenz? Wir leben in einer audiovisuellen Sendungs-und Vermittlungskultur[6], in der Medien wie beispielsweise das Fernsehen, die Print- oder die informations-technischen Medien ein wichtiges Instrumentarium zur Informationsgewinnung darstellen. Mit dem zunehmenden Konsum dieser Medien rücken Kinder und Jugendliche verstärkt ins Zentrum mannigfaltiger Debatten. Dabei ist es unsere Aufgabe, den Schülern eine angemessene Lernumgebung zu schaffen, sie anzuleiten, eine bewusst kritische Beziehung zum medialen Angebot aufzubauen und sie im produktiven Umgang mit ihm zu befähigen. Die Medienkompetenz weist 3 verschiedene Dimensionen auf: die kognitiv- reflexive, die affektiv- emotionale und die sozial- normative Dimension[7]. Während sich die erste Dimension auf deklaratives Wissen um Medieninstitutionen, -angebote und -geräte handelt, bezieht sich die zweite darauf, Wahrnehmungen über Medien kritisch zu beleuchten, zu verarbeiten und für sich produktiv nutzen zu können. Die letztgenannte Dimension geht nahezu in die sozial-normative Dimension über, indem Medien bewusst - nun allerdings zur Kommunikation- genutzt und eingesetzt werden.

Gesamt betrachtet ist es allerdings notwendig, beim Vorgehen sowie Ausführen medienbildender und medienkritischer Tätigkeitskeitformen im Unterricht nie den Bezug zum Schüler außer acht zu lassen. Eine Überforderung oder Belehrung des Schülers hinsichtlich seiner freizeitlichen Medieniennutzung in Bezug auf Angemessenheit und Niveau ist zu vermeiden. Vorwissen, Eignung medialer Inhalte oder Unterrichtsmittel aber auch die betreffende Schulform oder die Klassenstufe der Schüler müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollte die Lehrkraft selbst Medienkompetenz besitzen, um die Schüler kompetent beim Arbeiten an und mit Medien zu unterstützen und ihnen zu helfen, ihr bereits vorhandenes Wissen und ihre Fähigkeiten ausbauen zu können. Nach Barsch ist die Schule nur eine der Mediensozialisationsinstanzen. Aus diesem Grund sollte die Erziehung nicht allein von der Schule ausgehen, sondern „Eine Zusammenarbeit mit Eltern und außerschulischen Institutionen ist [daher] anzustreben.“[8]

Bisher steckt der medienintegrierte Unterricht noch „in den Kinderschuhen“ und einige Unsicherheiten des Konzepts, wie zum Beispiel, ob es um Lerninhalte oder Wissensvermittlung gehen sollte oder welche Position zur Fach- bzw. Schüler-orientierung einzunehmen ist[9], müssen noch geklärt werden, ehe sich der medienintegrierte Ansatz vollständig im Unterricht etablieren kann.

3. Ein Stundenentwurf zur Arbeit an und mit Zeitungsberichten

Der vorliegende Stundenentwurf folgt dem medientintegrierten Ansatz. Er verbindet die Funktion der Medien als Unterrichtsmittel und auch als Unterrichtsgegenstand. Als Unterrichtsmittel lassen sich einerseits der Overheadprojektor, Tafel, Arbeitszettel und Artikel sowie die einzelnen Überschriften finden, andererseits bilden Überschriften und Zeitungsberichte auch den Unterrichtsgegenstand. Die Schüler sollen sich im Verlauf der Stunde durch analytische Verfahren auf Basis eines Unterrichtsgesprächs mit dem formalen, inhaltlichen und stilistischen Aufbau von Zeitungsberichten auseinandersetzen. Sie lernen auf diese Art und Weise das journalistische Arbeiten kennen und entdecken die Schichtigkeit und Konstruiertheit von Zeitungsartikeln, hierbei werden auch die kognitiv- reflexive und die affektiv- emotionale Dimension der Medienkompetenz angesprochen. Desweiteren stellen sie Unterschiede zwischen Boulevardpresse und Tageszeitung heraus und können diese an Beispielen belegen. Anschließend erproben sie ihre neuen Erkenntnisse in einem produktiven Verfahren:

sie werden selbst tätig und schreiben auf Basis einer Überschrift einen Zeitungs-artikel. Hierfür eignet sich meiner Meinung nach die Gruppenarbeit. Die Schüler üben sich in sozialer Kompetenz, sie können sich gegenseitig helfen und über Ideen austauschen oder sich durch ihre individuellen Ausdrucksfähigkeiten gegenseitig zum Schreiben inspirieren. Die somit entstandenen Arbeiten werden nachfolgend von einem der Schüler aus den jeweiligen Gruppen präsentiert und stellen zugleich den Ausgangspunkt für die Hausaufgabe dar: Je nachdem, ob der Text als Boulevardartikel oder Tageszeitungsbericht verfasst wurde, soll der er in selb-ständiger Arbeit in das jeweils andere Format transferiert werden. Dabei können die Schüler auf die im Unterricht zusammengetragenen Erkenntnisse zurückgreifen und sich im gestalterischen Umsetzen des Artikels mit einem Textverarbeitungs-programm üben. Das Unterrichtsziel mündet also im Medienhandeln und versucht, dem Schüler eine bewusst kritische Haltung zum Printmedium, zur Berichterstattung zu lehren und durch schöpferisches Arbeiten selbst Medien zu gestalten. Anschlussmöglichkeiten für folgende Unterrichtsstunden fänden sich beispielsweise im Gestalten einer Zeitungsseite. Somit wäre auch ein fächerübergreifender Bezug zur Kunst und grafischen Darstellung geschaffen.

In Verbindung mit dem Analysieren von Boulevardmagazinen wie zum Beispiel RTL Exclusiv und der Tagesschau ließe sich allerdings auch der Sprachgebrauch in den öffentlichen Medien diskutieren. Hierbei ist natürlich die Einbringung der verschiedenen Medien interessant, sie erfordert allerdings, aufgrund ihrer Komplexität, unbedingt die Kompetenz der Lehrperson auf diesem Gebiet.

[...]


[1] Abraham, Ulf u.a.: Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden. Donauwörth: Auer Verlag 2005, S.93. Ab sofort zitiert als 'Abraham'

[2] Abraham, S. 93

[3] Wermke, : Integrierte Medienerziehung im Fachunterricht. München: KoPäd Verlag, 1997, S. 17

[4] Josting, Petra: Medienkompetenz im Literaturunterricht. In: Rösch, Heidi (Hrsg.): Kompetenzen im Deutschunterricht. Beiträge zur Literatur-, Sprach- und Mediendidaktik. Band 9. Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wisenschaften, 2005, S. 82

[5] Zitiert nach Baacke, Dieter, in: Barsch, Achim: Mediendidaktik Deutsch. Paderborn: Schöningh, 2006, S. 104-105. Ab sofott zitiert als Barsch.

[6] Koppfeldt, Thomas/ Reise, Nils: Erweiterter Sprachgebrauch-erweitertes Weltbild. In : Kahrmann, Klaus-Ove/ Reise, Nils (Hrsg.): Kamera läuft...! Handlungsorientierte Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Frankfurt am Main: 1993, S.49

[7] Hierzu Barsch, S. 133

[8] ebd., S.130

[9] ebd., S.140

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der medienintegrative Unterricht
Untertitel
Ein Unterrichtsentwurf zum Arbeiten an und mit Zeitungsberichten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Planung-Durchführung-Auswertung von Unterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V74523
ISBN (eBook)
9783638783774
ISBN (Buch)
9783640315574
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Planung-Durchführung-Auswertung, Entwurf, Unterrichtsentwurf, Planung, Deutschdidaktik, Medien, Umgang mit Medien, medienintegrativ, Zeitungsbericht, Textarbeit
Arbeit zitieren
Anja Vitting (Autor), 2007, Der medienintegrative Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74523

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