Mit welcher Begründung kann jemand „von Amts wegen“ zum Sporttreiben gezwungen werden, was macht den Sport an der Schule von heute rechtens, wenn er in den Augen vieler Schüler Zwang und Gängelei ist? Viele Schüler und Schülerinnen sind heute mehr den je der Meinung Spiel und Sport sollte Spaß machen und nicht Zwang, sondern freiwillig sein. Ein enormes Problem des heutigen schulischen Sports ist, dass er zumeist nicht im geringsten diese Anforderung erfüllt. Weitere Argumente, die gegen den Sport an der Schule, so wie er im Moment durchgeführt wird, sprechen sind, dass die Schule von heute mit Fächern und mit Inhalten schon genug überladen ist. So stellt sich bei Schü-lern und auch Eltern oft die Frage, gibt es in der heutigen Zeit nicht Wichtigeres in der Schule zu lernen als Sport!
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Begründungsnot des Faches
2.1 Bildung und Erziehung als Aufgaben der Schule
2.1.1 Erziehung
2.1.2 Bildung
2.2 Weitere schulische Aufgaben
3 Begründungsversuch aus anthropologischer Sicht
3.1 Anthropologische Grundannahmen
3.2 Anwendung auf menschliche Bewegung
3.2.1 Die instrumentelle Bedeutung der Bewegung
3.2.2 Die wahrnehmend-erfahrende Bedeutung
3.2.3 Die soziale Bedeutung
3.2.4 Die personale Bedeutung der Bewegung
3.3 Grundmotive für das Sporttreiben
3.3.1 Gesundheit
3.3.2 Wohlbefinden
3.3.3 Spielen
3.3.4 Leistung
3.3.5 Ästhetik
3.4 Anwendungen auf den Schulsport
3.5 Der Sinn des schulischen Sports
3.5.1 Sporttreiben lernen
3.5.2 Unmittelbare Erfahrungen im Sport
3.5.3 Gewohnheit und Einstellung im Sport
3.5.4 Wissen über Sport
3.6 Zusammenfassung
3.6.1 Anwendung auf den schulischen Sport
4 Ziele der schulischen Ausbildung
4.1 Allgemeine Ziele
4.2 Spezifische Funktionen des schulischen Sports
4.2.1 Handlungsfähigkeit
4.2.2 Die Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung
4.2.3 Soziale Verhaltensweisen
4.2.4 Erfahrungen sammeln
4.2.5 Lebenslanges Sporttreiben
4.2.6 Fitness
4.2.7 Ausgleich schaffen
4.3 Auftauchende Kritik
4.4 Fazit
5 Mehrperspektivität als Begründung für Sportunterricht
5.1 Entwicklungsbezogene Perspektive
5.2 Gesellschaftsbezogene Perspektive
5.3 Sportbezogene Perspektive
5.4 Schulbezogene Perspektive
5.5 Zusammenfassung
6 Gesellschaftliche Vorteile als Begründung
6.1 Zur innerschulischen Begründung
6.2 Zur außerschulischen Begründung
6.2.1 Zur innersportlichen Begründung: Erziehung zum Sport
6.2.2 Zur außersportlichen Begründung: Erziehung durch Sport
6.3 Zusammenfassung
7 Instrumentalisieren als Legitimation?
7.1 Sportpädagogische Sichtweise
7.2 Tendenzen in der Sportpädagogik
7.2.1 Bilanz
7.3 Sport ein Bildungsgut?
7.3.1 Bildungswert
7.3.2 Bildungswert und Wirklichkeitsbereich des Sports
7.3.3 Stellungnahme
7.4 Sport doch ein Mittel zum Zweck?
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Legitimation des Sportunterrichts an Schulen. Angesichts von Kritik an der Verbindlichkeit und Relevanz des Faches wird analysiert, wie Sport zur allgemeinen Bildung und Erziehung beitragen kann, welche Rolle anthropologische Grundannahmen dabei spielen und wie das Fach sinnvoll begründet und strukturiert werden kann.
- Anthropologische Fundierung von Körper, Bewegung und Sport
- Bedeutung von Bildung und Erziehung im Kontext des Sportunterrichts
- Mehrperspektivität als Begründungsansatz für Sport
- Die Problematik der Instrumentalisierung des Sports
- Sport als Mittel für Persönlichkeitsentwicklung und soziale Kompetenz
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die instrumentelle Bedeutung der Bewegung
Die instrumentelle Bedeutsamkeit des Körpers bezieht sich darauf, dass der Körper hinsichtlich der Bewegung als eine Art Werkzeug gehandhabt werden kann: Rad fahren, Laufen, Hüpfen und vieles mehr. Dieser instrumentelle Umgang mit dem Körper geschieht zumeist unmerklich oder unbewusst und wird erst dann bemerkt, wenn Bewegungen auf Grund von Verletzung oder anderer Gebrechen eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sind. Die Entdeckung der einzelnen Funktionen des Körpers, das Ausdifferenzieren der individuellen Motorik ermöglichen die Erschließung und Bezwingung der Welt. „Die Objektivierung des eigenen Körpers wird zu jener entscheidenden und größten Entdeckung, die den Menschen als Menschen konstituiert“ (Grupe, 1982, S. 86).
Instrumentalität bedeutet jedoch auch eine gewisse Abhängigkeit und Beschränkung durch den Unterschied zwischen dem Wollen und Können der einzelnen Person. Dies drückt sich zumeist im Gelingen oder Misslingen einer Tätigkeit aus. Ungeachtet dessen hat dieser Kontrast eine bedeutende Funktion für die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Identität. Daher kann die instrumentelle Bedeutung des Körpers als eine elementar wichtige Bedeutung betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit einer pädagogischen Begründung des Schulsports angesichts zunehmender Kritik und der Rolle des Sports als Teil des Bildungsauftrags.
2 Die Begründungsnot des Faches: Dieses Kapitel erläutert, warum Sport als Schulfach unter einem besonderen Legitimationsdruck steht und welche Rolle Bildung und Erziehung dabei spielen.
3 Begründungsversuch aus anthropologischer Sicht: Es wird dargelegt, wie sportliches Handeln aus anthropologischer Perspektive zur Identitätsfindung und Weltentdeckung des Menschen beiträgt.
4 Ziele der schulischen Ausbildung: Hier werden spezifische sportpädagogische Ziele, wie Handlungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung, analysiert und kritisch hinterfragt.
5 Mehrperspektivität als Begründung für Sportunterricht: Dieses Kapitel stellt das Konzept der Mehrperspektivität vor, um die Vielschichtigkeit und Wichtigkeit des Sportunterrichts durch verschiedene Zugangsweisen zu legitimieren.
6 Gesellschaftliche Vorteile als Begründung: Es wird analysiert, inwieweit der Sport durch seine gesellschaftlichen Folgen (innerschulisch wie außerschulisch) begründet werden kann.
7 Instrumentalisieren als Legitimation?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, ob und inwieweit Sport instrumentalisiert werden darf oder soll, um pädagogische Ziele zu erreichen.
8 Fazit: Die abschließenden Überlegungen fassen zusammen, dass Sport bei Berücksichtigung pädagogischer Perspektiven einen unverzichtbaren Beitrag zur ganzheitlichen Erziehung leistet.
Schlüsselwörter
Schulsport, Sportpädagogik, Allgemeinbildung, Erziehung, Anthropologie, Bewegung, Handlungsfähigkeit, Sportdidaktik, Persönlichkeitsentwicklung, Instrumentalisierung, Mehrperspektivität, Bildungswert, Körperlichkeit, Sozialisation, Lebenslanges Sporttreiben
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage nach der Daseinsberechtigung und dem Bildungsauftrag des Faches Sport an Schulen in der heutigen Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die anthropologischen Grundlagen der menschlichen Bewegung, der Erziehungsauftrag der Schule, die Bedeutung von Mehrperspektivität sowie die kritische Debatte um die Instrumentalisierung des Sports.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, eine schulsportorientierte theoretische Fundierung aufzuzeigen, die Sport als unverzichtbaren Bestandteil der allgemeinen schulischen Bildung legitimiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse sportpädagogischer und anthropologischer Ansätze sowie einer kritischen Reflexion aktueller didaktischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begründungsversuche (anthropologisch), die Analyse spezifischer Funktionen (z.B. Fitness, Handlungsfähigkeit) und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Vorteilen und kritischen Positionen zur Instrumentalisierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildung, Erziehung, Handlungsfähigkeit, anthropologische Grundannahmen und Mehrperspektivität charakterisiert.
Was bedeutet das Konzept der „Handlungsfähigkeit“ in diesem Kontext?
Handlungsfähigkeit beschreibt im Kontext des Schulsports die Befähigung des Schülers, Sport als einen Teil seiner Lebenseinstellung zu verstehen und Sporttreiben eigenverantwortlich sowie kompetent zu gestalten.
Warum wird die Instrumentalisierung des Sports kontrovers diskutiert?
Die Diskussion dreht sich darum, ob Sport lediglich als Mittel für pädagogische oder gesundheitliche Zwecke missbraucht wird (Verzweckung) oder ob er einen eigenen, unverwechselbaren Bildungswert besitzt, der nicht rein funktionalen Zielen untergeordnet werden sollte.
- Quote paper
- Anja Möller (Author), 2003, Sport an der Schule - wozu?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74555