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Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr - Zur Selbstdarstellung einer totalen Institution

Titre: Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr - Zur Selbstdarstellung einer  totalen Institution

Mémoire d'Examen Intermédiaire , 2001 , 39 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Dr. phil. Jürgen Schäfer (Auteur)

Sociologie - Travail, Education, Organisation
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die vorliegende Arbeit gründet auf Recherchearbeiten zur Organisation der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr sowie auf der Vorstellung der von der Bundeswehr dafür eingesetzten unterschiedlichen Methoden und Medien. Das zur Verfügung stehende Material für den Zeitraum ca. von 1990 bis 2000 ermöglicht es, sowohl den fundamentalen Wandel der Rolle der Bundeswehr seit dem Ende des kalten Krieges als auch die Auswirkungen äußerer Einflüsse in ihrer inhaltlichen Widerspiegelung in der Öffentlichkeitsarbeit darzustellen. Die ausführlichen Ergebnisse sowie Anmerkungen zu Recherche und Methoden der Beobachtung finden sich in Kapitel 3.
Als theoretische Grundlage dieser Arbeit dient die Theorie Erving Goffmans (1922 – 1982) über die Merkmale totaler Institutionen. Diese werden in Kapitel 2 vorgestellt und in Bezug gesetzt zur totalen Institution des Militärs dazu verwandt, die Strukturen der Bundeswehr herauszuarbeiten und das Spannungsfeld der Kommunikation einer totalen Institution mit der Öffentlichkeit darzustellen. Die Reflexion der empirisch zu beobachtenden Wirklichkeit durch Abstraktion auf die Theorie ermöglicht im Falle der vorliegenden Untersuchung, die Besonderheiten, Motivationen und Mechanismen der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr besser zu verstehen. Entsprechend widmet sich Kapitel 4 der Analyse der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr in Form von Fallbeispielen, an denen die Theorie überprüft, bzw. die Praxis analysiert werden soll. Aspekte des politisch-gesellschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren stehen hier im Vordergrund. Exemplarisch werden zwei wichtige Ereignisse des Jahres 1997 aufgegriffen: Das Hochwasser an der Oder und die rechtsradikalen Vorkommnisse in der Bundeswehr. An ihnen soll sich die Frage klären, ob sich Besonderheiten für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr als totale Institution ergeben durch Reaktionen auf Ereignisse, der offensichtlich nur totale Institutionen gewachsen sind, bzw. für die eine totale Institution besonders anfällig ist.
Abschließend werden die Transparenz der Kommunikation und damit der Wahrheitsgehalt der öffentlichen Darstellung der deutschen Streitkräfte vor dem Hintergrund der Theorie Goffmans und unter den Bedingungen des gesellschaftlichen Wandels kritisch hinterfragt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die "totale Institution" und das öffentliche Interesse

2.1. Besonderheiten der "totalen Institution"

2.2. Totale Institution Militär

2.3. Interessen und Bedürfnisse eines kollektiven Akteurs

2.4. Spannungsfeld öffentliches Interesse

3. Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr

3.1. Bemerkungen zur Recherche

3.2. Struktur und Organisation

3.3. Richtlinien und Zielgruppen

3.3.1. Auftrag der Information: Grundlagen, Ziele, Aufgaben

3.3.2. Zielgruppen der Öffentlichkeitsarbeit

3.4. Medieneinsatz und Präsentation

3.4.1. Printmedien

3.4.2. Hörfunk

3.4.3. Werbespots in TV und Kino

3.4.4. Neue Medien / Internet

3.4.5. Tage der offenen Tür, Ausstellungen, Flugblätter

4. Theorie und Praxis – Analyse

4.1. Oderbruch und Hammelburg – Reaktionen

4.2. Transparenz durch Kommunikation?

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr unter Rückgriff auf Erving Goffmans Theorie der "totalen Institution". Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Bundeswehr als totale Institution versucht, durch gezielte Selbstdarstellung und Medienarbeit ihre Partikularinteressen mit dem öffentlichen Interesse in Einklang zu bringen und dabei ihr Bild autonom zu steuern.

  • Analyse der Bundeswehr als "totale Institution" nach Goffman.
  • Untersuchung der strukturellen Kommunikationsbedingungen und der Medienstrategien der Bundeswehr.
  • Überprüfung der Öffentlichkeitsarbeit anhand von Fallbeispielen (Oder-Hochwasser, rechtsextremistische Vorfälle).
  • Kritische Reflexion der Transparenz und des Wahrheitsgehalts der öffentlichen Darstellung.

Auszug aus dem Buch

4.1. Oderbruch und Hammelburg – Reaktionen

Die Katastrophe an der Oder 1997 war ein Glücksfall für die Öffentlichkeitsarbeiter der Bundeswehr. Andauernde Regenfälle ließen den Pegel der Oder so stark ansteigen, dass die Dämme des Flusses zu brechen drohten und große Landstriche von der Überflutung bedroht waren. Durch den Einsatz u. a. der Bundeswehr jedoch gelang es, das Brechen der Deiche zu verhindern. Die Flutwelle war ein mediales Großereignis und teilweise mit Live-Berichterstattung omnipräsent in den Medien. „Der Einsatz an der Oder fand in der Bevölkerung hohe Anerkennung und es lässt sich zeigen, daß die Bundeswehr durch diesen Einsatz einige Sympathien gewonnen hat.“ Entsprechend wurde das Oder-Hochwasser von der Bundeswehr medial optimal verwertet. Die Szenen aus dem Sommer 1997 schlugen sich nieder in Broschüren, Videoclips und selbst zwei Jahre später noch in der CD-Rom „Auftrag Frieden“.

Die totale Institution erfüllte hier ihren Zweck, die Gemeinschaft vor Gefahren zu schützen, und behauptete so ihre Existenzberechtigung. Das Oder-Hochwasser stellte offensichtlich eine Bedrohung dar, die organisatorisch nur durch den Einsatz einer totalen Institution abzuwenden war. Die Chance der positiven PR bestand für die totale Institution darin, ihre subjektiven Interessen zur Grundlage der öffentlichen Wahrnehmung zu machen mit der Folge, dass die darauf beruhenden Betrachtungen der Bundeswehr „– im positiven wie im negativen – das Wesen der Streitkräfte, das sich in Auftrag, Organisation, demokratischer Kontrolle und gesellschaftlicher Einbindung dokumentiert, [...]“ teilweise aus den Augen verloren wurde. Das Wesen der Streitkräfte als Ganzes war beim Oder-Hochwasser nicht die Grundlage der öffentlichen Wahrnehmung. Die Hilfe bei der Katastrophe prägte das Bild von nur einem Teil der BW und ermöglichte so eine positive Identifikation mit der BW als solcher. Die Nutzung des positiven Identifikationspotenzials solcher Teilaspekte, die auf die ganze Institution ausstrahlen, kann u. U. aber auch von (strukturellen) Problemen der ganzen Organisation ablenken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit erläutert den Entstehungsprozess, die theoretische Fundierung auf Goffmans Konzept der totalen Institution sowie das methodische Vorgehen der Untersuchung.

2. Die "totale Institution" und das öffentliche Interesse: Dieses Kapitel definiert den soziologischen Begriff der totalen Institution und setzt ihn in Bezug zum Militär, um die Besonderheiten und den Konflikt zwischen organisatorischen Aufgaben und individuellen Interessen aufzuzeigen.

3. Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr: Hier werden Struktur, Organisation, Richtlinien, Zielgruppen und der vielfältige Medieneinsatz der Bundeswehr für die externe Öffentlichkeitsarbeit detailliert dargestellt.

4. Theorie und Praxis – Analyse: Anhand von Fallbeispielen wie dem Oder-Hochwasser und rechtsextremistischen Vorfällen wird analysiert, wie die Theorie der totalen Institution in der Praxis der Öffentlichkeitsarbeit zur Steuerung der Wahrnehmung angewendet wird.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz, die verdeutlicht, dass die Bundeswehr durch ihre Öffentlichkeitsarbeit weitgehend autonom ihr öffentliches Bild bestimmen kann, wobei der eigentliche militärische Zweck oft in den Hintergrund tritt.

Schlüsselwörter

Bundeswehr, totale Institution, Erving Goffman, Öffentlichkeitsarbeit, PR, Selbstdarstellung, Militärsoziologie, Kommunikation, Identifikation, Medienarbeit, Oder-Hochwasser, Rechtsextremismus, Soldaten, Wehrpflicht, Organisationsfunktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr aus soziologischer Perspektive, insbesondere unter der Annahme, dass die Bundeswehr als "totale Institution" spezifische Mechanismen einsetzt, um ihr Image zu steuern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Organisationssoziologie des Militärs, die Kommunikationsstrategien nach außen sowie das Spannungsfeld zwischen militärischem Zweck, politischer Instrumentalisierung und demokratischer Transparenz.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Analyse, inwieweit die Bundeswehr durch ihre Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich eine positive Identifikation der Öffentlichkeit mit der Organisation erreicht und dabei problematische Aspekte des institutionellen Alltags ausblendet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine qualitative Analyse, die den Theorie-Praxis-Vergleich nutzt, indem Goffmans soziologische Konzepte auf die beobachtete Praxis der PR-Arbeit und aktuelle Fallbeispiele der Bundeswehr angewendet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die interne Struktur der PR-Abteilungen der Bundeswehr, die eingesetzten Medien (Print, TV, Internet, Ausstellungen) sowie die tatsächliche Wahrnehmung in der Öffentlichkeit anhand konkreter Ereignisse aus den späten 1990er Jahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Bundeswehr, totale Institution, Öffentlichkeitsarbeit, Image-Steuerung, Identifikationsanlässe und militärische Sozialisation.

Wie unterscheidet sich die PR beim Oder-Hochwasser von anderen Themen?

Das Hochwasser bot einen "Glücksfall" für die PR, da die Hilfeleistung perfekt zum Bild der Institution als Schutzmacht passte, wodurch die öffentliche Aufmerksamkeit positiv besetzt und von strukturellen Problemen der Armee abgelenkt wurde.

Welche Rolle spielt das "Potemkinsche Dorf" bei der Öffentlichkeitsarbeit?

Der Begriff, entlehnt von Goffman, beschreibt die Tendenz der Bundeswehr, bei Veranstaltungen wie "Tagen der offenen Tür" eine Fassade von Normalität und Harmonie aufzubauen, die die tatsächliche, oft rigide Wirklichkeit des kasernierten Lebens verbirgt.

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Résumé des informations

Titre
Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr - Zur Selbstdarstellung einer totalen Institution
Université
University of Duisburg-Essen  (Fachbereich Soziologie)
Cours
Seminar: Zivilgesellschaft und Militär im Wandel
Note
1,0
Auteur
Dr. phil. Jürgen Schäfer (Auteur)
Année de publication
2001
Pages
39
N° de catalogue
V7472
ISBN (ebook)
9783638147323
ISBN (Livre)
9783638639996
Langue
allemand
mots-clé
Zivilgesellschaft Militär Öffentlichkeit totale Institution Organisation
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Dr. phil. Jürgen Schäfer (Auteur), 2001, Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr - Zur Selbstdarstellung einer totalen Institution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7472
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Extrait de  39  pages
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