Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternehmen werden, die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere das Innovationsverhalten im geteilten Deutschland anhand von zwei Beispielen zu verdeutlichen. Zum Vergleich sollen die Uhrenfabriken Gebrüder Junghans AG (Schramberg/Baden-Württemberg, BRD) sowie der VEB Glashütter Uhrenbetriebe GUB später VEB Uhrenwerk Glashütte (Glashütte/Sachsen, DDR) dienen.
Die Branche der Uhrenhersteller ist besonders betrachtenswert, da gerade auf dem Sektor der Uhren in der Zeit von 1945 bis 1990 nicht nur ein technischer Wandel sondern auch ein Wertewandel der Verbraucher vollzogen wurde. Besonders das starke Trendbewusstein in der Gesellschaft hat die Uhrenhersteller zu immer neuen technischen Innovationen gezwungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der BRD und DDR
2.1 BRD
2.2 DDR
2.3 Soziale Marktwirtschaft (BRD) vs. zentrale Planwirtschaft (DDR)
3 Innovationen
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.2 Zum Innovationsverhalten der beiden deutschen Staaten
3.3 Theorien über den Innovationsrückstand der DDR zur BRD
4 Betrachtung von Junghans und Glashütte vor 1945 und nach 1990
4.1 Junghans
4.2 Glashütte
5 Vergleich von Junghans und Glashütte in der Zeit zwischen 1945 und 1990
5.1 Nachkriegszeit
5.2 1950er Jahre
5.3 1960er Jahre
5.4 1970er und 1980er Jahre bis zur Wiedervereinigung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung sowie das Innovationsverhalten zweier deutscher Unternehmen, Junghans (BRD) und Glashütte (DDR), im geteilten Deutschland zwischen 1945 und 1990. Ziel ist es, die Auswirkungen unterschiedlicher Wirtschaftssysteme auf die Innovationsfähigkeit der Firmen herauszuarbeiten und zu analysieren, warum ein Vergleich der technologischen Fortschritte trotz statistischer Hürden aufschlussreich für die systembedingten Unterschiede ist.
- Wirtschaftssysteme in BRD und DDR (Soziale Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft)
- Theoretische Grundlagen von Innovation und Innovationsverhalten
- Unternehmenshistorie von Junghans und Glashütte im Vergleich
- Analyse des Innovationsrückstands der DDR anhand technischer Patente
- Einordnung der Entwicklungen nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
5.1 Nachkriegszeit
Junghans und die Uhrenhersteller in Glashütte spiegeln kaum die allgemeine Statistik über Kriegsschäden und Verluste durch Bomben oder Demontagen in den ost- und westdeutschen Gebieten wieder (vgl. Kapitel 2.1 und 2.2). Die „Uhrenfabriken Gebrüder Junghans AG“ wurden nicht von Bombenangriffen getroffen, aber kurz nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Schramberg am 20. April 1945 demontierten diese die Hälfte aller Maschinen in der Fabrik.
Im Gegensatz dazu bombardierten die Alliierten am 8. Mai 1945 die Stadt Glashütte, wodurch einige Uhrenfabriken, insbesondere aber das Werk von Lange, völlig zerstört worden waren. Jene Gebäude zur Uhrenherstellung, die unversehrt blieben, fielen der Demontage durch die sowjetische Besatzung zum Opfer. Walter Lange beschreibt dieses Szenario eindringlich: „Am 9. Mai rückten dann hier die Russen ein. Da musste ich ständig mit in die Fabrik, bekam die Pistole auf die Brust gesetzt [...] man hatte keine Angst [...] das Sterben war so an der Tagesordnung“ (Walter Lange in Lebensläufe, MDR 2004).
Einzig die Urofa und die Ufag waren zunächst nicht von der Demontage betroffen und konnten schon einen Monat später die Produktion mit 100 Beschäftigten aufnehmen. Doch nur einen Monat lang – am 1. Juli 1945 wurde auch die Demontage dieser beiden Betriebe begonnen. Kurz darauf waren die Betriebsräume vollkommen ausgeräumt. Hinzu kam, dass die sowjetische Besatzungsmacht alle technischen Unterlagen zu den Flieger- und Marineuhren einzog und für die eigene Produktion nutzte. Angeblich sollen noch heute Chronometer in Russland nach diesen Plänen hergestellt werden (vgl. Braun 2004, S. 21). Allein bei den Kriegsfolgen lassen sich also schon Unterschiede zwischen Junghans und Glashütte feststellen. In Glashütte dürfte der Wiederaufbau der Produktionsanlagen schwerer gefallen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der wirtschaftshistorischen Forschung zum Innovationsvergleich zwischen BRD und DDR anhand der Beispiele Junghans und Glashütte.
2 Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der BRD und DDR: Darstellung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Phasen und Unterschiede zwischen sozialer Marktwirtschaft und zentraler Planwirtschaft.
3 Innovationen: Definition von Innovation sowie Analyse des Innovationsverhaltens und der theoretischen Gründe für den Innovationsrückstand der DDR.
4 Betrachtung von Junghans und Glashütte vor 1945 und nach 1990: Historischer Abriss der beiden Unternehmen vor der deutschen Teilung und nach der Wiedervereinigung.
5 Vergleich von Junghans und Glashütte in der Zeit zwischen 1945 und 1990: Detaillierte Gegenüberstellung der Entwicklung beider Uhrenhersteller in vier Zeitabschnitten unter Berücksichtigung technischer Innovationen.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der unterschiedlichen Unternehmensentwicklungen und des deutlichen Innovationsgefälles aufgrund der verschiedenen Wirtschaftssysteme.
Schlüsselwörter
Innovation, Uhrenhersteller, Junghans, Glashütte, Soziale Marktwirtschaft, Zentrale Planwirtschaft, Technologischer Fortschritt, Patentanmeldungen, DDR, BRD, Wirtschaftshistorie, Nachkriegszeit, Wirtschaftsvergleich, Industrielle Fertigung, Systemforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung und das Innovationsverhalten zweier Uhrenmanufakturen, Junghans in der BRD und Glashütte in der DDR, über den Zeitraum von 1945 bis 1990.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Systemvergleich zwischen der sozialen Marktwirtschaft und der zentralen Planwirtschaft, die Unternehmensgeschichte der beiden Marken sowie die Analyse des technischen Innovationsverhaltens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand von Fallbeispielen aufzuzeigen, wie unterschiedliche politische und wirtschaftliche Systeme die Innovationskraft von Betrieben beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende wirtschaftshistorische Analyse, die auf Literaturrecherche, statistischen Daten und einer Auswertung von Patentanmeldungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Innovationen, die historische Einordnung der Unternehmen sowie einen detaillierten chronologischen Vergleich der industriellen Entwicklung von 1945 bis 1990.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Innovation, Systemvergleich, Uhrenindustrie, Planwirtschaft, soziale Marktwirtschaft, Patente und Technologiewandel.
Warum wird Glashütte als Manufaktur und Junghans als High-Tech-Marke bezeichnet?
Dies bezieht sich auf die aktuelle Positionierung beider Marken nach 1990; während Junghans stärker auf industrielle Effizienz und Technologie setzt, fokussiert sich Glashütte auf die Tradition manueller Uhrenherstellung.
Welche Rolle spielten Patente für den Vergleich?
Die Anzahl der angemeldeten Patente diente als messbarer Indikator für den Innovationsrückstand der DDR-Wirtschaft im Vergleich zur westdeutschen Entwicklung.
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- Heike Ulbrich (Author), 2005, Wirtschaftliche Entwicklung und Innovationsverhalten im geteilten Deutschland am Beispiel der Uhrenhersteller Junghans und Glashütte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74732