Das Leben eines Menschen besteht aus verschiedenen Verhaltensweisen in unterschiedlichen Situationen. Dabei wird häufig die Frage gestellt, ,,warum […] sich ein Mensch so [verhält], wie er sich verhält’’. Es geht in diesem Sinne um den konkreten Beweggrund, der eine Handlung beziehungsweise eine bestimmte Verhaltensweise eines Individuums hervorbringt. Das heißt, es ist fraglich, wie und warum bestimmte Handlungen motiviert sind.
So kostet zum Beispiel das Ausüben eines Hobbys viel Zeit und Mühen; dennoch sind unzählige Menschen dazu bereit, diese auf sich zu nehmen. Sie gehen zum Reiten, Bergsteigen, spielen Schach und vieles mehr. Die Motivation, die hinter diesen Handlungen steckt, interessiert Psychologen und Pädagogen gleichermaßen. Während die Ersteren vermehrt versuchen, zu entschlüsseln, wie Motivation entsteht, nutzen die Pädagogen deren Erkenntnisse, um herauszufinden, wie Motivation gefördert werden kann. Gerade der Bildungssektor profitiert von den Forschungsergebnissen, sodass Motivationstechniken zur Förderung von Lernmotivation eingesetzt werden können. Eine zunehmende Lernmotivation geht mit der Besserung schulischer Ergebnisse und der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Lehrern, Schülern und Lernzielen einher. Daher ist die Motivationsforschung für den schulischen Alltag als Zulieferer von Motivationstechniken von entscheidender Bedeutung.
Wegen dieser enormen Bedeutsamkeit für die Pädagogik beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Thematik Motivation. Um klären zu können, wie diese entsteht, ist zunächst eine Begriffsbestimmung von Motivation und, damit im Zusammenhang stehend, Motiv vorzunehmen. Darauf folgend werden verschiedene Theorien von Heckhausen, Deci und Ryan und Csikszentmihalyi vorgestellt, die erklären sollen, wie es zu Motivation und dadurch zu menschlichen Handlungen kommt. Es existiert eine enorme Anzahl verschiedener Modelle zu diesem Thema. Die hier vorgestellte Auswahl wurde aufgrund deren Bedeutung für die Pädagogik getroffen. Weiterhin werden Faktoren aufgezeigt, die ebenfalls die Beweggründe des menschlichen Handelns beeinflussen können. Schlussendlich werden die Folgen der Motivationsforschung für den Unterricht an Schulen kenntlich gemacht und Lösungsversuche zur Motivationsförderung im schulischen Alltag vorgestellt
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Motiv
2.1. Triebe und Instinkte
2.2. Motiv - Begriffsbestimmung
2.3. Motiventwicklung
3 Motivation
3.1. Von der Spannungsreduktion zur Motivation – ein Abriss
3.2. Motivation - Begriffsbestimmung
3.3. Intrinsische und extrinsische Motivation
4.0. Motivationstheorien
4.1. Der Motivationsprozess nach Heckhausen
4.1.1. Das Leistungshandeln
4.1.2. Das Motivationsmodell Heckhausens
4.2. Allgemeinpsychologische Konzeptionen
4.2.1. Die Flow-Theorie
4.2.2. Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan
5.0. Motivation und ihre praktische Umsetzung
5.1. Die Lernmotivation
5.1.1. Erkenntnisse über die intrinsische und extrinsische Lernmotivation
5.2. Zielkonflikte
5.3. Motivation und Unterricht
5.3.1. Einfluss des Lehrenden durch Fremd- oder Selbstbekräftigung
5.3.2. Das Umfeld und die Lehrerpersönlichkeit
5.3.3. Die Einführungs- und die Verlaufsmotivation
5.4. Methodische Motivationsmöglichkeiten
5.4.1. Motivation durch Wettkämpfe
5.4.2. Motivation durch Medien
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychologischen Grundlagen von Motiv und Motivation sowie deren Bedeutung und praktische Anwendung im schulischen Unterricht, mit dem Ziel, Ansätze für eine effektive Motivationsförderung bei Schülern aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen von Motiven und Motivation (Trieb- und Motivationsmodelle)
- Differenzierung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation
- Analyse wichtiger Motivationstheorien (Heckhausen, Flow-Theorie, Selbstbestimmungstheorie)
- Praktische Umsetzung der Motivationsforschung im schulischen Alltag
- Einflussfaktoren wie Lehrerpersönlichkeit, Lernumfeld und methodische Gestaltung
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Das Leistungshandeln
Da sich Heckhausens Modell auf das Leistungshandeln bezieht, ist es sinnvoll die Klärung dieses Begriffes vorwegzunehmen. Das Leistungshandeln ist eng mit dem Leistungsmotiv verknüpft. Leistungsmotiv ist ,,das unterstellte grundlegende menschliche Bedürfnis, nach der Erreichung von Zielen zu streben, welches eine große Brandbreite von Verhalten und Denkprozessen motiviert’’.55 Bestimmte Situationen führen gemeinsam mit diesem zu Leistungsmotivation. Dabei handelt es sich um Leistungshandeln, wenn ein Tüchtigkeitsgrad vorliegt, an dem individuelle Handlungen gemessen werden können. Es beruht auf fünf Voraussetzungen:
Das Handeln kann (1) zu einem objektivierbaren Ergebnis führen, das (2) nach Maßstäben der Güte oder der Menge (kurz, nach Tüchtigkeitsmaßstäben) beurteilbar ist; der Handlende kann (3) Erfolg oder Mißerfolg haben, d.h. die Handlung ist für ihn weder zu schwer noch zu leicht; der Handelnde verlangt (4) seinem Handlungsergebnis einen bestimmten Tüchtigkeitsgrad ab, für dessen Realisierung (5) er sich selbst, seine Fähigkeit und Anstrengung für verantwortlich hält.56
Weiterhin ist Leistungsmotivation von den gültigen Werten und Verhaltensnormen der Gesellschaft abhängig. Es kommt durch erzieherische Sanktionen und Vorbildern zu einer erzieherischen Fremdsteuerung, die von einer Selbststeuerung abgelöst wird, sobald Verhaltensdispositionen zugrunde liegen, die mit den Werten ihrer Kultur übereinstimmen.57 Zu Leistungshandeln kommt es nur, wenn sowohl bestimmte Voraussetzungen auf Seiten der Person als auch auf Seiten der Umwelt vorliegen, die dazu führen, dass eine Situation als leistungsthematisch aufgefasst wird.58
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in die Thematik der menschlichen Verhaltensweisen und die Bedeutung der Motivationsforschung für den schulischen Kontext.
2 Motiv: Theoretische Abgrenzung von Trieben und Instinkten sowie Begriffsbestimmung und Entwicklung von Motiven als überdauernde Persönlichkeitsdispositionen.
3 Motivation: Historischer Abriss der Motivationspsychologie von der Spannungsreduktion hin zum situationsabhängigen Motivationsbegriff.
4.0. Motivationstheorien: Vorstellung zentraler kognitiver und psychologischer Modelle, darunter Heckhausens Motivationsmodell sowie die Flow-Theorie und Selbstbestimmungstheorie.
5.0. Motivation und ihre praktische Umsetzung: Analyse der Lernmotivation, von Zielkonflikten und praktischen Einflussmöglichkeiten durch Lehrkräfte im Unterricht.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Motivationsforschung für die pädagogische Praxis und den Wunsch nach einem perfekten Schüler.
Schlüsselwörter
Motivation, Motiv, Leistungsmotivation, Lernmotivation, Heckhausen, Selbstbestimmungstheorie, Flow-Theorie, extrinsische Motivation, intrinsische Motivation, Fremdsteuerung, Selbststeuerung, Leistungshandeln, Pädagogische Psychologie, Unterrichtsgestaltung, Kausalattribuierung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die psychologischen Konstrukte Motiv und Motivation und untersucht, wie diese das menschliche Verhalten steuern und wie Pädagogen dieses Wissen zur Förderung von Lernmotivation im Unterricht nutzen können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Motivationspsychologie, die Unterscheidung zwischen Motiv und Motivation, die Erläuterung wichtiger psychologischer Theorien sowie die praktische Anwendung im schulischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Entstehung von Motivation zu schaffen und aufzuzeigen, wie Lehrer durch gezielte methodische Ansätze und ihr eigenes Verhalten die Lernmotivation von Schülern positiv beeinflussen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender psychologischer Modelle und Theorien, um diese für die pädagogische Praxis nutzbar zu machen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Beschreibung der Motivationsmodelle (z.B. nach Heckhausen, Deci & Ryan) und der Anwendung dieser Erkenntnisse auf schulische Probleme wie Zielkonflikte, Unterrichtsgestaltung und den Einsatz von Bekräftigungsmethoden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Intrinsische und extrinsische Motivation, Selbstbestimmung, Leistungshandeln sowie didaktische Motivationsförderung charakterisiert.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen Motiv und Motivation?
Die Autorin verdeutlicht, dass Motive überdauernde Persönlichkeitsdispositionen sind, während Motivation einen situativen, kurzfristigen Zustand beschreibt, der durch die Wechselwirkung von Motiven und aktuellen Situationsanreizen entsteht.
Welchen Einfluss hat die Lehrerpersönlichkeit laut der Untersuchung auf die Motivation?
Die Arbeit stellt heraus, dass eine angstfreie Umgebung und ein demokratischer Unterrichtsstil, bei dem der Lehrer als authentisches Vorbild agiert, eine essenzielle Voraussetzung für die Motivationsförderung und eine positive emotionale Bindung zwischen Lehrer und Schüler sind.
- Quote paper
- Maria-Carina Holz (Author), 2007, Motiv und Motivation. Wechselwirkungen von ,,Selbststeuerung’’ und ,,Fremdsteuerung’’ menschlichen Verhaltens und Handelns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74799