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Die aristotelische Tugend als Lehrstück

Title: Die aristotelische Tugend als Lehrstück

Term Paper , 2006 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Steinmetz (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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‚Die Jugend hat keine Tugend’ tönt ein gängiger – vornehmlich von betagteren Generationen geäußerter – Phraseologismus auf durchaus abwertende Art und Weise. Dass dieses Sprichwort der Jugend sauer aufstößt, darf nicht verwundern; stigmatisiert es sie doch als pietät- und sittenlos, ja gewissermaßen sogar als sozial inkompetent. Ein subversives Aufbegehren gegen derartige Evaluationen ist die notwendige Folge. Doch wie macht die Jugend ihren Anspruch, eine derartige Wendung der Falsifikation zu überführen, geltend? Ganz einfach, möchte man meinen – indem sie die Gegner von der eigenen Tugend überzeugt. Doch ist die Jugend dazu tatsächlich imstande? Ist die Jugend sich ihrer Tugend überhaupt bewusst? Ja, was bedeutet ‚Tugend’ überhaupt? Eine Begriffsreflexion scheint unabdingbar, wird doch der Terminus ‚Tugend’ – obwohl er in unserem Sprachgeschehen eine durchaus hohe Frequenz genießt – meist missverstanden. Aristoteles schafft Abhilfe. Den Tugendbegriff mithilfe aristotelischer Überlegungen zu explizieren und auf didaktische Weise zu plausibilisieren, soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Die Fragestellung, welche dem ersten Teil der Untersuchung zugrunde liegt, lautet schlichtweg: ‚Was ist Tugend im aristotelischen Sinn?’. Nach einer terminologischen Bestimmung und begrifflichen Explikation soll – im Sinne der Vermittlungsintention eines Lehrers – der aristotelische Begriff der Tugend didaktisch aufbereitet werden, um darauf basierend eine Lehrsequenz zu konstituieren. ‚Wie können die Schüler zu Klarheiten und Einsichten betreffs der aristotelischen Tugend (areté) gebracht werden?’ lautet demgemäß die Fragestellung des zweiten Teils der Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ARETÉ

2.1. TUGEND UND LOB

2.2. TUGEND ALS SYNTHESE VON VERNUNFT UND GEWÖHNUNG

2.3. SITTLICHE TUGEND ALS MITTE ZWISCHEN ZWEI EXTREMA

2.4. ZUSAMMENFASSUNG DER BESTIMMUNGEN BEZÜGLICH DER TUGEND

3. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN

3.1. DIDAKTISCHE LEGITIMATION

3.2. METHODOLOGISCHE ÜBERLEGUNGEN

4. LEHRSEQUENZ

4.1. UNTERRICHTSEINHEIT 1

4.2. UNTERRICHTSEINHEIT 2

4.3. UNTERRICHTSEINHEIT 3

4.4. UNTERRICHTSEINHEIT 4

4.5. UNTERRICHTSEINHEIT 5

5. EIN WORT ZUM SCHLUSS

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit zielt darauf ab, den aristotelischen Tugendbegriff philologisch zu explizieren und didaktisch für den Ethikunterricht in der gymnasialen Oberstufe aufzubereiten, um Schülern ein reflektiertes Verständnis für gesellschaftliche Werte und eigenes tugendhaftes Handeln zu vermitteln.

  • Philosophische Begriffsbestimmung von Areté (Tugend) bei Aristoteles.
  • Analyse des Verhältnisses von Vernunft, Gewöhnung und sozialem Kontext.
  • Methodische Konzeption einer Lehrsequenz für den Ethikunterricht.
  • Untersuchung der Lehre der Mitte zwischen zwei Extremen.
  • Didaktische Vermittlung theoretischer Konzepte an alltagsnahen Beispielen.

Auszug aus dem Buch

2.3. Sittliche Tugend als Mitte zwischen zwei Extrema

Der lobenswerte Habitus lässt sich laut Aristoteles – dies ist wohl die prominenteste These der Nikomachischen Ethik – relational zu den gesellschaftlich als nicht lobenswert evaluierten Verhaltens-dispositionen inhaltlich näher bestimmen:

Die Tugend […] liegt auf dem Felde der […] Handlungen, wo das Übermaß verfehlt ist und der Mangel Tadel erfährt, die Mitte aber Lob erntet und das Rechte trifft.20

Derjenige, der den Schwachen und Armen zwar finanziell beizustehen vermag, allerdings partout nicht beizustehen gewillt ist – um das Beispiel der Nächstenliebe noch einmal aufzugreifen –, erfährt ebenso wenig Lob wie derjenige, der den Schwachen und Armen all sein Vermögen überlässt und sich folglich selbst der Armut preisgibt. Letzterer fällt der naiven Verschwendung, ersterer dem eigennützigem Geiz anheim. Nicht Lob, sondern Tadel wird beiden zuteil. Die Wahrheit liegt wie bei so vielem in der Mitte. Dies bedeutet allerdings keinesfalls, dass die Tugend sich mathematisch als Mittelwert quantifizieren lässt. Tugend bedeutet keine arithmetisch determinierte Mitte. Um dies näher zu explizieren sei ein längerer Passus aus der Nikomachischen Ethik zitiert:

In allem, was kontinuierlich und was teilbar ist, läßt sich ein Mehr, ein Weniger und ein Gleiches antreffen, und zwar entweder mit Rücksicht auf die Sache selbst oder mit Rücksicht auf uns. Das Gleiche aber ist ein Mittleres zwischen Übermaß und Mangel. Mittleres der Sache nach nennen wir dasjenige, was von beiden Enden gleich weit entfernt ist, und dieses ist bei allem eines und dasselbe, dagegen Mittleres für uns, was weder ein Übermaß noch einen Mangel hat, und dieses ist nicht bei allem eines und dasselbe. Wenn z. B. zehn viel sind und zwei wenig, so nimmt man sechs für das der Sache nach Mittlere, weil es um gleich viel mehr und weniger ist. Das ist die Mitte nach dem arithmetischen Verhältnis. Das Mittlere für uns kann dagegen so nicht bestimmt werden. Wenn für jemanden zehn Pfund zu verzehren viel sind und zwei Pfund wenig, so wird der Ringmeister nicht sechs vorschreiben. […] So meidet denn jeder Kundige das Übermaß und den Mangel und sucht und wählt die Mitte, nicht die Mitte der Sache nach, sondern die Mitte für uns.21

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung motiviert die Auseinandersetzung mit dem Tugendbegriff durch die Problematisierung gängiger Vorurteile gegenüber der Jugend und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der aristotelischen Definition und ihrer didaktischen Vermittlung.

2. ARETÉ: Dieses Kapitel expliziert das aristotelische Verständnis der Tugend als lobenswerten Habitus, das Zusammenspiel von Vernunft und Gewöhnung sowie die Lehre der Mitte zwischen den Extremen von Mangel und Übermaß.

3. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN: Hier werden die Legitimation und methodische Prinzipien für den Ethikunterricht erörtert, wobei der Fokus auf dem Nutzen für den Reflexionsprozess und die gesellschaftliche Orientierung der Schüler liegt.

4. LEHRSEQUENZ: In diesem praktischen Teil wird eine fünfstufige Unterrichtssequenz entworfen, die anhand von Fallbeispielen und Textarbeit (u.a. Schiller) zur schrittweisen Erarbeitung der aristotelischen Tugendbegriffe führt.

5. EIN WORT ZUM SCHLUSS: Das Schlusswort betont den Übergang von der erarbeiteten Lehrsequenz zu weiterführenden Themen wie Anthropologie und der normativen Begründung von Ethik.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Tugend, Areté, Habitus, Didaktik, Tugendethik, Mitte, Gewöhnung, Vernunft, Ethikunterricht, Lebensführung, Werte, moralische Erziehung, Reflexion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den aristotelischen Tugendbegriff und entwickelt ein Konzept, um diesen philosophisch zu bestimmen und für den Ethikunterricht in der Schule didaktisch fruchtbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Analyse der Tugend bei Aristoteles, ihrer Verbindung zu sozialen Kontexten und der praktischen Umsetzung dieses Wissens in konkreten Unterrichtseinheiten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Vermittlung einer reflektierten Einsicht in den aristotelischen Tugendbegriff, damit Schüler ihr eigenes Handeln sowie gesellschaftliche Wertevorstellungen besser begreifen und einordnen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine philologische Analyse klassischer Texte (Aristoteles, Schiller) mit didaktischen Theorien und methodischen Verlaufsprinzipien für den schulischen Unterricht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die pädagogische Reflexion über die Legitimation des Themas sowie den konkreten Entwurf einer Lehrsequenz mit verschiedenen Unterrichtseinheiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Aristoteles, Areté, Habitus, Tugendethik, didaktische Legitimation, gesellschaftliche Normen und reflektiertes Urteilsvermögen.

Warum ist für Aristoteles die Tugend keine mathematische Mitte?

Aristoteles unterscheidet zwischen einer mathematischen Mitte („Mitte der Sache“) und einer „Mitte für uns“, die kontextabhängig ist und sich an der jeweiligen Situation und dem handelnden Individuum orientiert.

Warum wird im Unterricht auch Friedrich Schiller einbezogen?

Schiller wird herangezogen, um den Unterschied zwischen naiver, unreflektierter Tugend und der vollendeten Tugend, die durch Vernunft und Urteilsfähigkeit ergänzt wird, durch Textarbeit zu verdeutlichen.

Wie unterscheidet sich die „Verstandestugend“ von der „sittlichen Tugend“?

Während die sittliche Tugend durch Gewöhnung im sozialen Umfeld entsteht, ist die Verstandestugend durch Belehrung und Wissen erwerbbar; Aristoteles betont jedoch, dass beide untrennbar zusammengehören.

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Details

Title
Die aristotelische Tugend als Lehrstück
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Philosophie)
Course
Antike Ethik (Didaktik der Philosophie)
Grade
1,0
Author
Michael Steinmetz (Author)
Publication Year
2006
Pages
34
Catalog Number
V74856
ISBN (eBook)
9783638729277
ISBN (Book)
9783638733328
Language
German
Tags
Tugend Lehrstück Antike Ethik Philosophie)
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Steinmetz (Author), 2006, Die aristotelische Tugend als Lehrstück, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74856
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