Lebenswelt im Fernsehen - Lebenswelt am Fernsehen

Bedeutung der medial inszenierten Lebenswelten für ihre Rezipienten im Kontext ihrer sozialen Lebenswelten am Beispiel der Soap-Opera 'Gute Zeiten - Schlechte Zeiten'


Diplomarbeit, 2006

195 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen zu den Beziehungen medial- inszenierter- und sozialer Lebenswelten
2.1. Forschungsansätze zu Beziehungen medial inszenierter- und sozialer Lebenswelten
2.1.1. Überblick zu Medium- und Rezipienten- orientierten Forschungsansätzen
2.1.2. Die Cultural Studies
2.1.3. Der Sozialökologische Ansatz nach Uri Bronfenbrenner
2.1.4 Der Medienökologische Ansatz nach Dieter Baacke
2.2. Zu den Merkmalen medial inszenierter Lebenswelten und ihre Wirkung
2.2.1. Die medial- inszenierten Lebenswelten als Produkt
2.2.2. Die medial- inszenierten Lebenswelten als textuelle Präsentation im Fernseh- Medium
2.2.3. Die medial- inszenierten Lebenswelten als Genre
2.2.4 Zusammenfassung
2.3. Zu den Merkmalen sozialer Lebenswelten und ihrer Wirkung bei der Rezeption medial- inszenierter Lebenswelten
2.3.1. Die Merkmale sozialer Lebenswelten nach dem sozialökologischen Ansatz im Vergleich mit dem medienökologischen Ansatz
2.3.2. Der Alltag als Gestaltungsstrategie in den sozialen Lebenswelten
2.3.3 Zusammenfassung
2.4. Mögliche Bedeutungen medial- inszenierter Lebenswelten für die Alltagsgestaltung ihrer Rezipienten
2.5 Zusammenfassung

3. Untersuchung der Bedeutung medial- inszenierter Lebenswelten für ihre Rezipienten im Kontext ihrer sozialen Lebenswelten-am Beispiel der Soap Opera `GZSZ`
3.1. Untersuchungsmethode
3.1.1. Untersuchungsgegenstand
3.1.2. Untersuchungsfrage
3.1.3. Ausgangshypothese
3.1.4. Diskussion und Auswahl geeigneter Methoden
3.1.5 Methodenverfahren
3.2. Untersuchung der Merkmale der medial- inszenierten Lebenswelt von `GZSZ`
3.2.1. Die medial- inszenierte Lebenswelt von `GZSZ` in ihrer Produktion und ihre textuelle Präsentation im Fernseh- Medium
3.2.2. Die medial- inszenierte Lebenswelt von `GZSZ` in ihrer Erzählung als `Genre`
3.2.3. Die medial- inszenierte Lebenswelt von` GZSZ`
3.2.4 Die medial- inszenierten Lebensweltthemen in `GZSZ`
3.3. Untersuchung der Merkmale der Rezipienten und ihrer sozialen Lebenswelt
3.3.1. Untersuchung Anne und ihrer sozialen Lebenswelt
3.3.2. Untersuchung Tilo und seiner sozialen Lebenswelt
3.3.3 Untersuchung Pauline und ihrer sozialen Lebenswelt
3.4. Untersuchung einer möglichen Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelt `GZSZ` für ihre Rezipienten und deren Alltagsgestaltung
3.4.1. Untersuchung der Bedeutung von `GZSZ` für Anne
3.4.2. Untersuchung der Bedeutung von `GZSZ` für Tilo
3.4.3 Untersuchung der Bedeutung von `GZSZ` für Pauline
3.5 Zusammenfassung

4. Ergebnisse zu den Bedeutungen der medial- inszenierten Lebenswelt von `GZSZ` für ihre Rezipienten im Kontext ihrer sozialen Lebenswelten
4.1. Zusammenfassung von Merkmale der medial- inszenierten Lebenswelt von `GZSZ`- denen sich die Rezipienten zuwandten
4.1.1. Von den Rezipienten interessierte stereotype Figuren
4.1.2. Stereotype Beziehungen und ihre thematischen Konflikte
4.1.3. medial- inszenierte Gesellschaftsthemen und Gesellschaftsbilder
4.1.4 Die medial- inszenierte Lebenswelt als Produkt
4.2. Zusammenfassender Vergleich der Rezipienten und ihrer sozialen Lebenswelten
4.2.1. Die persönlichen Merkmale der Rezipienten im Vergleich
4.2.2. Die sozialen Lebenswelten der Rezipienten im Vergleich
4.2.3 Der Alltag der Rezipienten und deren Gestaltungsstrategien im Vergleich
4.3. Die Soap Opera `GZSZ` und ihre Bedeutung für ihre Rezipienten und deren Alltagsgestaltung
4.3.1. Bedeutungszuschreibung zur `Alltagsstrukturierung`
4.3.2. Bedeutungszuschreibung zur `utilitaristischen Synthese`
4.3.3 Bedeutungszuschreibung zur `norminativen Bereichsabgrenzung`
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse zur Untersuchung

5. Die Bedeutung der Ergebnisse für die soziale Arbeit

6 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Menschen eignen sich ihre Lebenswelten an, um ihren Alltag kompetent gestalten zu können. In einer immer rasanteren Entwicklung durchdringen Medien die Lebenswelten und gestalten diese mit. Lebenswelten werden dadurch zu einem Teil auch Medienwelten. Dazu gehören auch medial- inszenierte Lebenswelten, wie Soap Operas, im Fernsehmedium. Medial- inszenierte Lebenswelten der Soap Operas, nehmen besonders für jugendliche aber auch für ältere Zuschauer, quantitativ und qualitativ eine wichtige Position in ihren sozialen Lebenswelten ein.

Je nach theoretischer Orientierung, beurteilt die sozialpädagogische Praxis die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten von Soap Operas sehr unterschiedlich. Entweder werden Soap- Operas als inhaltlich manipulative `Werbeveranstaltungen` für einen bestimmten `Lifestyle` oder als mögliche `Ressource` der Orientierungshilfe im `Dschungel` der eigenen Lebenswelt angesehen.

Durch eigene Erfahrungen als interessierter Fernseh- und Soap Opera- Nutzer, bin ich zur Überzeugung gekommen, dass medial- inszenierte Lebenswelten vielfältigste Bedeutungen für die Alltagsgestaltung haben können. Dabei ist diese Bedeutung der Fernsehmedien und ihrer real- oder fiktiv- inszenierten Lebenswelten im Kontext der Rezipienten und ihrer individuellen sozialen Lebenswelt zu berücksichtigen.

Diese Arbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, welche Bedeutung eine medial- inszenierte Lebenswelt, wie eine Soap Opera, für ihre Rezipienten und deren Alltagsgestaltung haben kann. Im Bewusstsein des entscheidenden Kontextes von Rezipient und seiner sozialer Lebenswelt, muss nach möglichen Wechselwirkungen der medial- inszenierten Lebenswelten und der sozialen Lebenswelten der Rezipienten gefragt werden. Dabei ist wichtig auch nach der individuellen Art und Weise der Bedeutungszuschreibung einer Soap Opera, seitens der Rezipienten für den Alltag zu fragen.

Ziel der Arbeit ist es, die inhaltlichen- und strukturellen Merkmale der medial- inszenierten Lebenswelt der Soap Opera „GZSZ“ zu untersuchen, die mit dem Rezipienten und seiner sozialen Lebenswelt in Wechselbeziehung treten. Nachfolgend sind die Eigenschaften des Rezipienten und seiner sozialen Lebenswelt zu ermitteln, die mit der medial- inszenierten Lebenswelt von „GZSZ“ korrespondieren.

Es soll untersucht werden, ob- und wie die Rezipienten der medial- inszenierten Lebenswelt der Soap Opera `GZSZ` Bedeutung als `Ressource` für Möglichkeiten ihrer Alltagsgestaltung zuschreiben.

Für eine theoretische Fundierung zur Untersuchung, werden im ersten Kapitel die Merkmale von medial- inszenierten Lebenswelten im Kontext ihrer Rezipienten und den sozialen Lebenswelten beschrieben. Medial- inszenierte Lebenswelten sind produzierte Texte, die in bestimmten Erzählformen im Fernsehen präsentiert werden. Die sozialen Lebenswelten sind als `sozialökologisches Milieu` der Menschen beschreibbar. Die sozialen Lebenswelten bilden die Bedingungen, unter denen Alltag durch bestimmte Handlungsstrategien gestaltbar ist.

Vor der eigentlichen empirischen Untersuchung im Kapitel 3, werden mögliche Wechselbeziehungen zwischen den medial- inszenierten- Lebenswelten im Kontext ihrer Rezipienten und der sozialen Lebenswelten, die eine Rolle für die Bedeutung der Soap Operas für den Alltag ihrer Rezipienten spielen können, auf theoretischer Grundlage diskutiert. Der medienökologische- und sozialökologische Ansatz, Theorien zum Alltagsbegriff und die Cultural Studies bilden dabei die wissenschaftliche Grundlage dieser Untersuchung.

Zur Untersuchung der medial- inszenierten Lebenswelt von `GZSZ` und ihre Rolle zur Bedeutung, verwende ich neben theoretisch- empirischen Material, auch aufgenommenes Videomaterial von `GZSZ` und Informationen aus dem Internetforum dieser Soap Opera. Für die Untersuchung der Eigenschaften der ausgewählten Beispielrezipienten, ihrer sozialen Lebenswelten und ihrer Rolle der Bedeutungszuschreibung, benutze ich ein Zuschauerprotokoll und führe anschließende Interviews zu den gebildeten Hypothesen durch. Das Zuschauerprotokoll, welches von den Rezipienten wie eine Art Tagebuch ausgefüllt wird, dient als Beobachtungsgrundlage für die Eigenschaften der Rezipienten und ihrer sozialen Lebenswelt, sowie ihrer Zuwendung zur medial- inszenierten Lebenswelt von `GZSZ`. Auf dessen Grundlage werden Hypothesen zur Bedeutungszuschreibung von `GZSZ` für die Alltagsgestaltung ihrer Rezipienten gebildet. Das Instrument des Interviews soll dazu beitragen, das Bild abzurunden und die Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Im abschließenden Kapitel 4 werden die Ergebnisse präsentiert. Beantwortet werden soll die Fragestellung, ob und wie die medial- inszenierte Lebenswelt von `GZSZ` als Ressource für ihre Rezipienten und deren Alltagsgestaltung dienlich ist. Im Kapitel 5 wird die Bedeutung der Ergebnisse und der entsprechenden Konsequenzen für eine lebenswelt- und alltagsorientierten Sozialarbeit herausgearbeitet.

2. Theoretische Grundlagen zu den Beziehungen medial- inszenierter- und sozialer Lebenswelten

Am Beispiel der Soap Opera `Gute Zeiten- Schlechte Zeiten`, soll die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten, für ihre Rezipienten und ihre Alltagsgestaltung im Kontext ihrer sozialen Lebenswelten, empirisch untersucht werden.

Dabei stellt sich erstens die Frage, nach den Merkmalen der medial- inszenierten Lebenswelt und deren Rezipienten. Zweitens, sind dabei mögliche Wirkungen zwischen der medial- inszenierter Lebenswelt und ihrer Rezipienten zu beleuchten. Zur Untersuchung dieser Fragestellungen ist es hilfreich, theoretische Überlegungen zu dieser Problematik heranzuziehen. Diese sollen ebenfalls dazu dienen, mit einer `Ausgangshypothese` in das Untersuchungsfeld zu gehen.

2.1. Forschungsansätze zu Beziehungen medial inszenierter- und sozialer Lebenswelten

Ob die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten, wie Soap Operas, für den Alltag ihrer Rezipienten vorwiegend problematisch, unproblematisch- oder differenzierter betrachtet wird, hängt von der Orientierung an theoretischen Erkenntnissen dazu ab. Die theoretischen Überlegungen können je nach ihrer historischen, ideologischen- oder wissenschaftlichen Ausrichtungen grob in zwei Forschungstraditionen unterteilt werden. Diese Forschungslinien orientieren sich entweder mehr am Medium oder am Rezipienten.

2.1.1. Überblick zu Medium- und Rezipienten- orientierten Forschungsansätzen

Die erste Forschungslinie fokussiert das Fernseh- Medium selbst und bezieht dessen Bedeutung für seine Rezipienten, entweder auf seine Inhalte oder mehr auf dessen Strukturen. Inhaltlichen Handlungen und Ideologien, in den medial- inszenierten Lebenswelten, werden direkte- bis manipulative Wirkungen zugeschrieben. Soap- Operas werden dabei als `manipulative Plattformen eines Konsum- Lifestyles` für die zumeist jugendlichen Käuferschichten angesehen. Struktur- bezogene Theorien gehen von einer strukturellen Wahrnehmungs- und Verhaltenslenkung der Fernseh- Medien aus. Im Bezug auf Soap Operas wird damit besonders ihre serielle Form angesprochen, die in ihrer Angebotsstruktur zeitlich und räumlich mit dem Alltag der Rezipienten korrespondiert.

Die zweite Forschungslinie fragt andersherum nicht nach der Wirkung der Medien, sondern was die Rezipienten mit diesen Medien machen[1].

Dabei wird gefragt, nach welchen Bedürfnissen oder Interessen sich die Rezipienten die medial- inszenierten Lebenswelten aneignen.

Im Folgenden werden in tabellarischer Form wichtige Vertreter dieser Forschungslinien kurz beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine lebenswelt- und alltagsorientierte Untersuchung muss, besonders den Ansatz der inhaltlichen Manipulation oder Wahrnehmungslenkung, als verkürzt betrachten. In diesen Ansätzen fehlt der ebenso wichtige Kontext der individuellen Verarbeitung und der lebensweltlichen Merkmale für eine Bedeutungszuschreibung medial- inszenierter Lebenswelten[2]. Die einseitige Fokussierung des Rezipienten als `Nutznießer` der medial- inszenierten Lebenswelten, ohne Rücksicht auf die `Angebotsstruktur` dieser `Medienwelten`, ist für eine lebenswelt- und alltagsorientierte Untersuchung ebenfalls zu einseitig. Der Rezipient zieht `irgendwie` `irgendwelchen` Nutzen aus den Medien. Wie dieser Nutzen gezogen wird und was aus den Medien als nützlich herausgenommen wird, bleibt unklar[3].

Die medial- inszenierten Lebenswelten von Soap Operas und deren Bedeutung für ihre Rezipienten und deren Alltagsgestaltung müssen vielmehr im Gesamtkontext beider Systeme untersucht werden[4]. Die Merkmale und Wirkungen der medial- inszenierten Lebenswelten der Rezipienten und ihrer sozialen Lebenswelten, hängen wechselseitig voneinander ab.

Mit den Cultural Studies, den sozial- und medienökologischen Ansätzen ist es möglich, die Merkmale der medial- inszenierten Lebenswelten und ihre alltägliche Bedeutung für den Rezipienten, im Kontext ihrer sozialen Lebenswelt zu beschreiben.

2.1.2. Die Cultural Studies

Leitidee

Bei den `Cultural Studies` handelt es sich um eine kultur- und sozialwissenschaftliche Forschungstradition, die kulturelle Phänomene unserer Gesellschaft untersucht[5]. Betrachtet wird das Spannungsverhältnis der kulturellen Phänomene als Kulturprodukt und ihrer Bedeutungszuschreibung durch ihre Konsumenten.

Einerseits beschreiben diese Produkte Ideologien, gesellschaftliche Bilder und institutionelle Produktionsbedingungen. Andererseits weisen die Konsumenten, diesen vermittelten Intensionen erst Bedeutungen zu. So entsteht im Kreislauf von Produktion- Vermittlung- Konsum und ihrer Reproduktion ein gesellschaftlich- kultureller Diskurs um die Symbole der Gesellschaft.

Als interdisziplinär arbeitende Forschungsdisziplin, ist es den Vertretern der `Cultural Studies` wichtig, integrierend Kultur- Literatur- Medien- und Sozialwissenschaften, für eine ganzheitlichere Analyse dieser Phänomene heranzuziehen. Besonderes Interesse gilt den kulturellen Produkten in Medien, wie Bücher, Radios und nicht zuletzt dem Fernsehen. Dabei wird auch der Streit um `Hoch- und Trivialkultur` aufgegriffen, indem ihre hierarchische Trennung kritisiert wird[6]. Gerade diese `Trivialkultur` im Fernsehen wirkt nicht einfach so `manipulativ- verdummend`, wie es gerade `bewahrpädagogische` Ansätze- oder die kritische `Frankfurter Schule` behaupten. Trivialkultur, wie Unterhaltungsshows von `Deutschland sucht den Superstar` bis zu Soap- Operas wie `GZSZ`, erfreuen sich großer Beliebtheit bei ihren Konsumenten. Die Konsumenten eignen sich diese höchst individuell an und weisen ihnen Bedeutungen, entsprechend ihrer lebensweltlichen Erfahrungen und Bedingungen zu. Kulturelle Produkte im Fernsehen können als Text in ihrer produzierten Bedeutungsintension und in ihrer rezipierten Bedeutungszuweisung betrachtet werden.

Medial- inszenierte Lebenswelt als Text

Um die Bedeutungszuweisung solcher Texte durch ihre Rezipienten und ihren Alltag untersuchen zu können, ist es notwendig, die Produktion dieser Texte und deren Rezeption im Hinblick auf ihre Beziehung zueinander zu betrachten.

Texte in Fernsehmedien können als codierte Bedeutungszusammenhänge im Diskurs ihrer Produktion und ihrer Rezeption angesehen werden[7].

Damit wird das von Vertretern oder Anwendern wie Hall oder Fiske entwickelte- und weiterentwickelte `Encoding- Decoding- Modell` von Fernseh- Texten angesprochen. Der Encoding- Prozess wird durch die Produktionsbedingungen und Intensionen der Produzenten bestimmt, die im Kontext und Diskurs kultureller- gesellschaftlicher- oder wirtschaftlicher- und herstellungstechnischer Bedingungen eingebettet sind.

Soziale Lebenswelt wird codierend in ihren Bildern, Ideologien, Mythen und Klischees inszeniert und als `Textur` im Programmangebot des Fernsehens präsentiert.

Der Begriff `Textur` spricht die Decoding- Seite des Rezipienten an.

Die encodierte `Inszenierung von sozialer Lebenswelt` stellt für den Rezipienten ein strukturelles- und inhaltliches `Ausgangsangebot` dar, welches als Medienbotschaft, nicht determinierend, auf den Rezipienten einwirkt. Vielmehr entsteht dessen Bedeutung, im Kontext der Bedeutungszuschreibung, durch den Rezipienten. Erst über den Rezipienten wird die `Textur` als Angebot zum eigentlichen `Text`[8].

In der Fragestellung, zur Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelt im Fernsehen, ist das Verständnis des Rezipienten höher zu bewerten, als das was der Produzent damit `gemeint` haben könnte. Gerade in einer pluralistisch- ausdifferenzierten Gesellschaft und ihren wirtschaftlichen Bedingungen für die Produktion, ist es für die `Texthersteller` wichtig, den Rezipienten möglichst offene `Textangebote` zu machen.

Diese `polyseme Textstruktur`[9] ermöglicht einerseits dem Produzenten von möglichst vielen Rezipienten überhaupt verstanden zu werden, andererseits ermöglicht es dem Rezipient auf höchst individuelle Art und Weise, im Kontext seiner Lebenswelt, diese Texturen als Text zu interpretieren und sich diese anzueignen.

Relevanz für die Untersuchung

Die Eigenschaften, der medial- inszenierten Lebenswelten, können als Texte beschrieben werden, die in einem Herstellungsprozess produziert wurden.

In die Texte sind Produktionsbedingungen, sowie gesellschaftliche, kulturelle und ideologische Intensionen eingeschrieben. Die Merkmale einer medial- inszenierten Lebenswelt, wie die Soap Opera, sind als encodierte, offene- und polyseme Angebotsstruktur anzusehen. Die medial- inszenierten Themen, gesellschaftlichen Bilder oder Mythen wirken nicht determinierend auf den Rezipienten ein. Die Wirkung ergibt sich erst durch Dispositionen des Rezipienten selbst und seiner lebensweltlichen Umwelt, als Diskurs um symbolische Bedeutungen. Die Textur der medial- inszenierten Lebenswelt, wird erst mit seiner interpretierenden Aneignung durch den Rezipienten und seiner Bedeutungszuweisung für sich und seine Lebenswelt zum Text.

Folgender sozial- und medienökologischer Ansatz, dient der genaueren Untersuchung der Merkmale der Rezipienten und ihrer sozialen Lebenswelt sowie der Aneignung und Bedeutungszuschreibung der medial- inszenierten Lebenswelt für deren Alltagsgestaltung.

2.1.3. Der Sozialökologische Ansatz nach Uri Bronfenbrenner

Leitidee von Lebenswelt

Die Idee des `Sozialökologischen Ansatzes` formuliert sich aus der Tradition, das Erleben, Verhalten und die Entwicklung von Menschen im Kontext von sozialen und natürlichen Umwelten zu erklären[10].

Die Umweltsysteme bieten für das Individuum eine Art Ressourcen- oder Informationsanreize, die raumabhängig, bestimmte Anforderungen an dieses stellen, aber auch Möglichkeiten der Aneignung für den Menschen bieten.

Dadurch entsteht eine Wechselbeziehung zwischen Umweltanforderungen, durch ihre Einwirkungen auf das Individuum und der individuellen Aneignung dieser Umwelt. Die Umwelten können als Potenzial, aber auch als gegebene Begrenzung, für menschliches Verhalten und seine Entwicklung betrachtet werden[11]. Menschliche Entwicklung vollzieht sich in Sozialisation, durch Beziehungen zu anderen Menschen. Sie geben dem sich entwickelnden Menschen, zuerst in der Mutter- Kind Dyade, später in den familiären Beziehungen, den Freundschafts-, Partner-, Arbeitsbeziehungen Rahmenbedingungen. Bestimmte, den Räumen entsprechende Verhaltensmuster, werden in Rollen erlernt und bewältigt.

Das Individuum ist aber auch in der Lage, diese individuell zu interpretieren, Verhaltensmöglichkeiten zu proben, Rollen auch in Frage zu stellen.

Die Beziehung von Umwelt und Mensch, gestaltet sich durch komplexe Wechselbeziehungen, zwischen Umweltanforderungen und Umweltaneignung. Diese geschehen durch sozialisierende Kommunikation, in dem er sich durch Anpassungs- und Gestaltungsleistungen, Kompetenzen für seine Lebensführung und seiner Entwicklung aneignet. Dabei unterscheidet Bronfenbrenner, zwischen den räumlichen- und zeitlichen Systemstrukturen, den sozialen- und objektiven Beziehungen und den molaren Tätigkeiten und Aktivitäten.

Die sozialökologischen Räume- ihre sozialen Beziehungen und molaren Tätigkeiten

Die räumlichen- und zeitlichen Systemstrukturen der sozialen Lebenswelt des Menschen, formuliert Bronfenbrenner in einem so genannten `Mehrebenen- Modell`. Dazu gehören die ineinander aufbauenden Ebenen des Mikro-, Meso-, Exo-Makro- und Chronosystems[12]. Neben den objektiven räumlichen Bedingungsstrukturen, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, den daraus gegebenen Rollenanforderungen und des entsprechenden Rollenverhaltens und seiner molaren Tätigkeiten und Aktivitäten, zentrale Elemente seiner Sozialisation[13].

Am Beispiel der kindlichen Entwicklung und der Situation sozial Erwachsener, werden die einzelnen Systeme in ihren Zusammenhängen beschrieben.

Im `Mikrosystem `, macht das Kind seine ersten räumlich-, sozialen-, objektiven Aneignungs-, Anpassungs- und Bewältigungs- Erfahrungen.

Dabei erlernt das Kind alltagskompetent, die familiären Beziehungen, zu Eltern und Geschwistern und objektiv- subjektiv bezogenen molaren Tätigkeiten und Aktivitäten im familiären Wohnraum[14].

Für den sozial- erwachsenen Menschen stellt das `Mikrosystem `, je nach Aufenthaltsort, seine private Wohnung oder dessen Arbeitsstelle.

Entsprechend führt er verschiedene informelle- oder formelle Beziehungen und verhält entsprechende Rollen und molare Tätigkeiten des Familienvaters oder des Arbeitskollegen[15].

Mit zunehmendem Alter, erwirbt das Kind weiter räumlich-, sozial- und objektiv strukturierte Alltagskompetenz im `Mesosystem`. Im sozialen Umfeld der Gemeinde oder der Stadt, baut das Kind erstmals Beziehungen zu anderen Personen, außer der Familie auf. Dies können Spielkameraden im Wohngebiet oder familiäre Besuche bei Verwandten sein. In den `behavioral settings`[16] lernt das Kind sozial und räumlich angemessene Verhaltensregeln, im Sinne von Normen und Werten kennen. Die in diesen räumlich- sozialen Netzwerken, zu erlernende und zu verhaltende Alltagskompetenz, wird komplexer und stellt das individuelle- soziale Wachstum, in den Kontext der räumlichen Aneignung, durch molare Tätigkeiten und Aktivitäten. Für den sozial- Erwachsenen, bedeutet das `Mesosystem`, den Kontext der verschiedenen Mikrosysteme seiner Aufenthalte. Dazu kann der sozial- räumliche Zusammenhang seiner eigenen Wohnung, die der Freunde-oder Familie oder des beruflichen Umfeldes, gehören[17].

Das `Exosystem` stellt die unzugänglichen Lebensbereiche des Individuums dar. Die sich entwickelnde- und sich verhaltende Person interagiert nicht direkt in diesen Räumen, wird aber durch die dortigen Vorgänge beeinflusst. Dabei handelt es sich um gesellschaftliche Institutionen, mit standardisierten Verhaltensregeln- und Handlungserwartungen.

Beispielsweise ermöglichen Qualifikationsstandards für Beruf und Schule, den Menschen bestimmte soziale Zugänglichkeiten zu Berufen, in den entsprechenden Mikrosystemen. Für Kinder, können die Arbeitsstellen ihrer Eltern, ebenfalls `Exosysteme` darstellen. Der finanzielle Status oder die Ausbildung der Eltern, haben bekanntermaßen Einfluss auf Lernbedingungen des Kindes in der Schule. Institutionen wie Fernsehsender, haben als `Exosystem` Einfluss auf die mediale Umgebung der Mikroräume ihrer Rezipienten[18].

`Das Makrosystem` verweist auf den gemeinsamen kulturellen- und subkulturellen Kontext, der verschiedenen Mikro-, Meso- und Exosysteme. Das Makrosystem durchdringt mit seinen Werten, Normen und gesellschaftlich- kulturellen Vereinbahrungen, entweder alle Mikro-, Meso- und Exosysteme einer Gesellschaft oder ausschnittsweise bestimmte Alters- Berufsgruppen oder Subkulturen. Damit dient der `Makroraum` als `kulturelle Konstruktionsanweisung` für die Menschen[19].

Relevanz zur Untersuchung

Der sozialökologische Ansatz beschreibt die Entwicklung des Menschen in der Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Lebensumwelt. Im Laufe des Lebens, erschließt sich der Mensch immer mehr und andere Räume sowie komplexere soziale Beziehungen.

In seinen Gestaltungs-, Anpassungs- und Bewältigungsleistungen, wächst der Mensch lernend mit seiner Umwelt mit. In seiner Sozialisation muss das Individuum sein Wachstum und das Wachstum seiner Umwelt möglichst in Balance halten, ohne sich zu überfordern oder zu unterfordern.

Dazu bieten seine Person selbst und seine Umwelt soziale, materielle Hilfsmittel und Ressourcen, um seine Lebensweltthemen und Konflikte in Form von molaren Tätigkeiten und Aktivitäten regulieren zu können.

Wie im medienökologischen Ansatz noch erläutert wird, bestehen zunehmend soziale Lebenswelten aus Medienumwelten. Diese können ebenso Chancen, Risiken, Ressourcen und Hilfsmittel darstellen, um bestimmte Themen und Konflikte sichtbar zu machen oder zu bearbeiten. Zusammen mit dem medienökologischen Ansatz ist es möglich, Merkmale sozialer Lebenswelten nachzuzeichnen und zu untersuchen, wie solche Medienumwelten wie die Soap Opera `GZSZ`, zur Gestaltung des Alltages regulierend angeeignet werden können.

2.1.4 Der Medienökologische Ansatz nach Dieter Baacke

Leitidee

Die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten und deren Bedeutungszuschreibungen durch ihre Rezipienten, dürfen nicht isoliert von ihren lebensweltlichen Bedingungen untersucht werden[20]. In Dieter Baackes `medienökologischen Ansatz`, welcher auf Uri Bronfenbrenners `sozialökologischer Idee` von sozialer Lebenswelt aufbaut, werden Medien- Theorien kritisiert, die wie unter Laborbedingungen, die Wirkung von Medien auf den Rezipient, ohne die Bedingungsstrukturen der Rezeption zu berücksichtigen. So ist es beispielsweise nicht gerechtfertigt, wenn dabei quantitativ arbeitende Forschungsrichtungen, von der Anzahl und Häufigkeit des Konsums bestimmter Fernsehinhalte, einfach auf negative Wirkung in der Sozialisierung der Rezipienten schließen.

Beispielsweise können Soap Operas, im Gegenteil, gerade dazu beitragen, soziale Beziehungen in der `Peergroup` anzubahnen oder normatives Verhalten zu erproben[21].

Ob medial- inszenierte Lebenswelten sich positiv oder negativ auswirken, hängt vom Rezipienten und den sozialökologischen Lebensweltbedingungen seiner Zuwendung ab.

In Orientierung am sozialökologischen Ansatz, beschreibt Dieter Baacke lebensweltliche Eigenschaften, die für die Bedeutungszuschreibung medial- inszenierter Lebenswelten, für den Rezipienten und seinen Alltag, eine Rolle spielen.

Diese Eigenschaften sind nach seinem Ansatz mit der `tektonischen Struktur`, der `interaktiven Struktur` und den `Strukturen der Steuerung` beschreibbar.

Tektonische Struktur

In der tektonischen Struktur findet das Individuum seine lebensräumlichen Bedingungen in ihrer objektiven-, sozialen- und natürlichen Infrastruktur vor.

Die Räume können als `soziotope` Infrastruktur[22] offen, geschlossen, öffentlicher- oder privater Natur sein.

In seiner alltäglichen Sozialisation werden an das Individuum entsprechend der `behavioral settings`, soziale Verhaltenserwartungen herangetragen, die sich der Mensch in diesen Räumen anpassend, bewältigend und gestaltend aneignet. Die natürliche- und objektive Infrastruktur bildet den Materialcharakter der verschiedenen Räume.

Das Vorhandensein eines Fernsehgerätes oder eines Radios macht den Raum beispielsweise zu einem `Medienraum`.

Die verschieden Räume, in denen sich der Mensch aufhält, unterteilt Baacke in das `ökologische Zentrum`, den `ökologischen Nahraum`, die `ökologischen Ausschnitte`, und die `ökologische Peripherie`.

Wobei das `ökologische Zentrum` die unmittelbare Umwelt, beispielsweise der privaten Wohnung, darstellt.

Mit dem `ökologischen Nahraum` wird die nähere Wohnumgebung beschrieben. Dies stellt einen Verbund der Räume dar, in denen sich das Individuum beispielsweise privat- oder beruflich aufhält.

Der `ökologische Ausschnitt` beschreibt funktionale Räume, die mit formalen Rollenanforderungen verknüpft sind. Der Mensch verhält sich nach einer bestimmten `ausschnitthaften Rollenvorgabe`[23]. Diese kann der des Lehrers, des Mitarbeiter oder des Schülers entsprechen.

Die `ökologische Peripherie` beschreibt Räume des gelegentlichen- oder zufälligen Aufenthalts. Dazu gehört beispielsweise der Urlaubsort, der Kinobesuch oder eine unverhoffte Begegnung.

Interaktive Struktur

Die interaktive Struktur, beschreibt die sozialen Beziehungen und das entsprechende soziale Handeln, unter den Bedingungen der Räume, in denen kommuniziert wird. Dabei spielen individuelle Faktoren der Bedeutungszuweisung und thematischen Relevanzen, für die Situation, eine Rolle. Des Weiteren bestimmen die öffentlichen, privaten und funktionellen Strukturen auch Faktoren der informellen Kommunikation in der Gruppe oder formeller Faktoren in der formalen Organisation[24].

Strukturen der Steuerung

Die `Strukturen der Steuerung` beschreiben die `übergreifenden Netzwerke` von Handlungen und Maßnahmen im Verbundsystem der tektonischen- und interaktiven Strukturen. Dabei werden die Begrifflichkeiten des Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystems des sozialökologischen Ansatzes aufgegriffen.

Im Mikrosystem geht es um die unmittelbar erlebte Umwelt und die zwischenmenschlichen Beziehungen und Handlungen. Ein Beispiel wäre der familiäre Kontext in der privaten Wohnung.

Das Mesosystem beschreibt die Wechselbeziehungen der einzelnen Lebensräume, zu denen das Subjekt Zugang hat. Dies beschreibt beispielsweise für den Betreffenden den Kontext von Privatwohnung, Arbeitsstätte und Freizeiteinrichtungen in seiner Wohngemeinde.

Das Exosystem beschreibt Räume, die dem Individuum normalerweise nicht zugänglich sind. Die dortigen Institutionen haben aber Einfluss auf die Lebenswelt dieses Menschen. Zu diesen Institutionen können beispielsweise politische und wirtschaftliche Einrichtungen gehören. Zum Exosystem gehören auch Fernsehsender und Produktionsstätten mit ihrem Programmangebot. Diese produzierten `Medienwelten` treten beispielsweise mit dem Mikrosystem ’der Wohnung, als `Medienraum` in Wechselbeziehung.

Im Makrosystem sind die kulturellen-, gesellschaftlichen-, politischen-, wirtschaftlichen- und historischen Normen und Werte eingeschrieben. Diese bestimmen besonders die sozialen Rahmenbedingungen für die Lebenswelt und den Alltag, in der sich das Individuum sozialisierend bewegt[25].

Relevanz zur Untersuchung

Die Eigenschaften der sozialen Lebenswelt, und ihre Bedeutung in der Rezeption medial- inszenierter Lebenswelten, lassen sich aufbauend auf den sozialökologischen Ansatz mit dem medienökologischen Ansatz beschreiben und untersuchen. Die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelt, für den Rezipienten und seinen Alltag, ergibt sich aus dem räumlichen, individuellen, sozialen- und objektiven Kontext, vor, während- und nach ihrer Rezeption. Der medienökologische Ansatz beschreibt anschaulich, dass die Wirkung der medial- inszenierten Lebenswelten davon abhängt, ob sie in der privaten Wohnung oder im halböffentlichen Kino geschaut wird. Ebenfalls wird die Zuwendung und Bedeutungszuschreibung zum Medium durch parallele soziale- oder objektive Tätigkeiten und Aktivitäten, während der Rezeption bestimmt.

Dabei kann es sich um Parallelgespräche oder Routinetätigkeiten handeln. Die soziale und räumliche Einbindung in Freizeit und Beruf, sowie individuelle Dispositionen, wie thematische Relevanzen, bestimmen ebenfalls die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten.

Eine Lebens- und Alltagsorientierte Untersuchung muss dementsprechend auf die Merkmale und die Wirkung der sozialen- und medial- Inszenierten Lebenswelt eingehen können. Im Folgenden werden die Merkmale und wechselseitigen Wirkungen der medial- inszenierten und sozialen Lebenswelten erläutert.

2.2. Zu den Merkmalen medial inszenierter Lebenswelten und ihre Wirkung

Die `Gemachtheit` der medial- inszenierten Lebenswelten, wie die der Soap Operas, bezieht sich auf ihren Herstellungsprozess als Produkt. Das Produkt ist unter den institutionellen, technischen, gesellschaftlichen, kulturellen und historischen Rahmenbedingungen zu beurteilen und zu beschreiben. Diese Rahmenbedingungen weisen auf die textuelle Präsentation und Inszenierung von sozialer Lebenswelt, im gesellschaftlichen Diskurs mit dem Rezipienten, hin. Die Art und Weise, wie und was `erzählend`, medial inszeniert wird, beschreibt die Eigenschaft des `Genres` als Textsorte. Dazu gehört die strukturelle Erzählweise ebenso, wie die Themenwahl und ihre Motive in Mythen, gesellschaftlichen Bildern und Stereotypen. Diese Eigenschaften der medial- inszenierten Lebenswelten weisen auf die `Angebotsstruktur` hin, die ihre Wirkung für den Rezipienten und seine Alltagsgestaltung beschreibt.

2.2.1. Die medial- inszenierten Lebenswelten als Produkt

Die Eigenschaft, der medial- inszenierten Lebenswelt als Produkt, beschreibt ihre Einbettung in den Kontext der sozialen Lebenswelt, als gesellschaftliches, kulturelles- und soziales Milieu und ihren Herstellungsprozess als `gemachtes Werk`.

Das Produkt als Institutionelles- medial- inszeniertes Standartwerk

Die Art und Weise der Encodierung[26] der medial- inszenierten Lebenswelt, hängt zunächst vom Ort der Produktion und seiner interaktiven- und tektonischen Struktur ab. Medial- inszenierte Lebenswelten werden in Institutionen, wie Produktionsfirmen und Studios hergestellt, sowie in Fernsehsendern zur Präsentation am Bildschirm der Rezipienten ausgestrahlt. Die sozialen Beziehungen und objektiven technischen Bedingungen und Möglichkeiten, im Mikro- und Mesosystem, beschreiben die institutionelle- und damit standardisierte Art und Weise der Herstellung dieser medial- inszenierten Texte[27].

Die Art und Weise der Standardisierung, Institutionalisierung und damit auch der Inszenierung von sozialer Lebenswelt, hängt von weiteren kulturellen, wirtschaftlichen, politischen- und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Makrosystems ab, mit denen diese Institutionen in Wechselbeziehungen treten.

Das Produkt im Kontext der gesellschaftlichen Systeme

Das Makrosystem einer Gesellschaft, gibt kulturelle, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche Rahmenbedingungen vor, auf welche Art und Weise überhaupt so eine medial- inszenierte Lebenswelt hergestellt werden kann.

Im politischen System Deutschlands, haben die Produzenten weitgehend politisch unabhängige Freiheiten, was medial- inszeniert werden kann. Rechtlich muss sich eine Senderinstitution als `öffentlich- rechtlich`, wie ARD oder `commerziell`, wie RTL einordnen.

Dies bringt die Fernsehsender in unterschiedliche Wechselbeziehungen mit dem wirtschaftlichen System, welches in Deutschland marktwirtschaftlich organisiert ist. Dies hat wiederum Auswirkungen für den Herstellungsprozess und die Art und Weise der medialen Inszenierung. Je nach dem, ob ein Sender von Werbeeinnahmen abhängig ist oder auf Gebühren zurückgreifen kann, muss er auf die Quote und Zusammensetzung der Rezipienten achten, die eine Sendung, wie eine Soap- Opera erreichen soll. Der `Text` muss dementsprechend nach Alter, Interessen, zu einem möglichst großen Publikum `geöffnet sein, oder kann für eine kleinere Interessengruppe produziert werden.

Je nach wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Abhängigkeiten oder Unabhängigkeiten, sowie individueller- sozialer Interessen und wirtschaftlich- technischen Möglichkeiten treten diese Fernseh- Institutionen mit den Systemen der Gesellschaft in Wechselbeziehungen. So fließen in die Produktion auch politische- kulturelle- und gesellschaftliche Werte ein, die sich in standardisierter medialer Inszenierung von historisch gewachsenen Gesellschaftsbildern, Mythen und Klischees gesellschaftlicher Gruppen oder Personen widerspiegeln.

Durch zahlreiche Fernsehsender mit unterschiedlichsten textualen Angeboten und der technischen Art der Fernseh-medialen- Übertragung, werden diese medial- inszenierten Lebenswelten dem Rezipientenpublikum am Bildschirm als `Medienumgebung ` präsentiert.

2.2.2. Die medial- inszenierten Lebenswelten als textuelle Präsentation im Fernseh- Medium

Medial inszenierte Lebenswelt als Fernsehtextur

Die Textualität der medial- Inszenierten Lebenswelt, meint die encodierte Bedeutungseinheit der Bilder, Töne und Szenen, die vom Produzenten hergestellt werden, und medial übertragen, auf dem Bildschirm präsentiert werden[28].

In der Bedeutungseinheit, spiegelt sich die symbolische Vermittlung von sozialer Lebenswelt wieder. Die Textualität entsteht aus ihrer Eingebundenheit, in ihrem gesellschaftlichen, kulturellen Kontext[29].

Die medial- inszenierte Lebenswelt, `erzählt` soziale Lebenswelt und Fernsehen wird so zum `Geschichtenerzähler`. Fernsehen wird zum `kulturellen Forum`, bei dem Gesellschaft mit sich selbst im Diskurs steht[30]. In der Verbindung von pluralistischer Gesellschaft und wirtschaftlichen Bedingungen für commerzielle Sender, muss diese textuelle Bedeutungseinheit möglicht offen für das potenzielle Publikum und ihre unterschiedlichen Interessen sein[31].

Produzenten müssen Texturen wie beispielsweise Soap Operas, aus diesen Gründen vereinfachen und auf den `kleinsten gemeinsamen Nenner` von Bedeutungen bringen. Texturen sind polysem strukturiert, was eine möglicht große Interpretationsvielfalt seitens der Rezipienten ermöglicht.

Dies ermöglicht einen größtmöglichen gemeinsamen kulturellen- gesellschaftlichenVerständigungshintergrund, mit dem sich Produzenten und Rezipienten diskursiv über Gesellschaft verständigen können.

Das Verständigungsmedium stellt das Fernsehen als `öffentlich- kulturelles Forum` dar. Der Diskurs geht über Inszenierung und Aneignung gesellschaftlicher Bilder, Themen, Mythen und stereotypen Klischees vonstatten.

Die Lebenswelt als inszeniertes Programmangebot als `Erzählung von Lebenswelt`

Zahlreiche Fernsehsender- Institutionen öffentlich- rechtlicher- und commerzieller Art, bieten ein zeitlich ununterbrochenes Angebot an fiktional- oder real- inszenierten Lebenswelten an. Dazu gehören beispielsweise Nachrichten, Unterhaltungsshows, Filme oder Serien, wie Soap Operas.

Für den Rezipienten, präsentiert sich am Bildschirm, ein `horizontal- und vertikal ununterbrochenes Programmangebot` von `Medienwelt` als `Aufführung`. Mit dem `horizontalen Angebot`, werden die zahlreichen Fernsehsender und ihre Präsentation am Bildschirm als Kanalangebot angesprochen.

Das `horizontale Programmangebot`, ist inzwischen zu einem zeitlich ununterbrochenen Programm der einzelnen Sendeanstalten geworden. Dadurch präsentiert sich für den Rezipienten am Bildschirm eine endlose und ununterbrochene Aneinanderreihung von medial- inszenierten Erzählungen von Lebenswelt[32].

Auch wenn die Abgrenzungen und Bedeutungen der einzelnen `Erzählformate` wie es beispielsweise fiktive Soap Operas sind, durch diesen `Programmflow`[33] zusehends verwischen, können sie als einzelne `Textformate` betrachtet werden. Folgend wird das einzelne `Text- Format` des Fernseh- Genre, betrachtet.

2.2.3. Die medial- inszenierten Lebenswelten als Genre

Das Fernseh- Genre als Erzählstandart

Trotz des ununterbrochenen und fragmentarisch anmutenden Programmflusses von inszenierten Erzählungen im Fernsehmedium, können einzelne Textsorten untersucht und unterschieden werden. Dies ist auch den institutionellen Herstellungsprozess und dem Erzählzuschnitt auf bestimmte Rezipientengruppen und ihren Sehgewohnheiten für Erzählstandarts geschuldet[34].

Mit dem Genre, wird strukturell und inhaltlich eine bestimmte Erzählform umschrieben, die in allen Medienformen zu finden ist.

Die Programmform des Fernseh- Mediums, weist dem Genre in diesem Medium auch diese Struktur des Erzählens zu. Fiktional- oder real- inszenierte Lebenswelten haben einen seriellen Charakter. Genres im Fernsehen, werden oft seriell als Folge erzählt, gleich, ob es die täglichen Nachrichten, Boulevardmagazine- oder die Endlosserien, wie die Soap Operas sind[35]. Zur strukturellen Erzählform gehört es auch, dass pro Folge eine Geschichte abgeschlossen oder weitererzählt wird. Wie im Untersuchungskapitel am Beispiel von `GZSZ` noch beschrieben wird, gehören weitere Stilmittel der parallel verlaufenden und fragmentarisch erzählten Geschichtsstränge, sowie so genannte `Cliffhanger` oder `Recaps` dazu, die für die Zuschauerbindung eine wichtige Rolle spielen.

Inhaltlich werden im Genre die dort spezifisch favorisierten Themen und Motive von Gesellschaftsbildern, Klischees, Mythen und Stereotypen inszeniert. Historisch- kulturelle Bilder von `Gut und Böse`, `Recht und Unrecht`, bestimmte Bilder von Geschlechter- oder anderer Verhaltensrollen, bestimmte soziale- und personaler Stereotype oder aktuelle gesellschaftlich- politische Themen, Werthaltungen und Tugenden werden dort in einer bestimmten Art und Weise inszeniert[36].

2.2.4 Zusammenfassung

Die Wirkung der medial- inszenierten Lebenswelten, für die Alltagsgestaltung und der sozialen Lebenswelt ihrer Rezipienten, ergibt sich aus strukturellen- und inhaltlichen Eigenschaften der medial- inszenierten Lebenswelt, die mit dem Rezipienten und seiner sozialen Lebenswelt korrespondieren.

Die strukturelle Wirkung medial- inszenierter Lebenswelten

Fernseh-medial- inszenierte Lebenswelten, werden im Fernsehmedium inszeniert. Das Fernsehmedium stellt den `Medienraum` zumeist im nichtöffentlichen- privaten Bereich her. So können die medial- inszenierten Lebenswelten potenziell die sozialen Interaktionen, Tätigkeiten und Aktivitäten im privaten Mikroraum, als `Medienumgebungen` mit strukturieren[37].

Die Art und Weise der Mitstrukturierung, hängt ebenfalls von der Zuwendung und Bedeutungszuweisung des Rezipienten ab.

Die medialen Lebenswelten werden real- oder fiktional, in einem Programmangebot der verschiedenen Sender präsentiert. Durch das zeitlich- und räumlich permanente Angebot an Erzählungen von Lebenswelten und der Eigenschaft des Fernsehens, als `privates und freizeitliches` Medium, sind inszenierte Lebenswelten für den Rezipienten permanent und privat verfügbar. Das Fernsehprogramm in seiner seriellen Angebotsstruktur passt sich dem Alltag der Rezipienten an und strukturiert diesen aber gleichzeitig rituell mit[38]. Am Morgen laufen die Morgenmagazine, mittags und nachmittags die Talkshows und bis zu den Abendspielfilmen, laufen die Soap Operas und die Nachrichtensendungen.

So können sich bestimmte Aktivitäten und Tätigkeiten im `Wohn-, Medien-, Mikro- Raum` des Rezipienten, je nach Interesse, nach den Zeitpunkten der interessierten Sendungen richten.

Im sozialökologischen Ansatz wird das Fernsehen, als ein `dezentrales` Medium[39] bezeichnet. So kann eine medial- inszenierte Lebenswelt, wie eine Soap- Opera die Bedeutung der `medialen Hintergrundkullisse` für weitere interaktive- oder objektive Tätigkeiten und Aktivitäten gewinnen. Im horizontalen- und vertikalen Programmangebot, liegen die Fernseh- Texturen als offene- und polyseme Erzählstandarts als Genres vor.

Die fiktionalen- und realen Inszenierungen von Lebenswelt, sind in ihrer Art und Weise des Erzählens, der Themen und Motive vorstrukturiert. Dadurch haben diese eine Lenkungsfunktion für die Wahrnehmung und Handlungen der Rezipienten vor dem Bildschirm[40].

Ein Genre hat ein `Wiedererkennungswert` und erleichtert dem Rezipienten durch erlernte `Genrekompetenz`, wann er den Fernseher für bestimmte Zwecke einschalten muss. Hat er `gelernt`, die besten Informationen in der `Tagesschau` zu bekommen, wird er jeden Tag ab 20.00 Uhr ARD einschalten. Möchte er spannende Geschichten und wissen, `wie es weiter geht` schaltet sich der Rezipient vielleicht ab 19.40 Uhr bei `GZSZ` in RTL ein[41].

Genres haben zwar eine vorstandardisierte Angebotsstruktur im Erzählstil, allgemeine und standardisierte Textformen. Aber diese Texturen weisen beabsichtigte und unbeabsichtigte `Lücken` auf, die durch Widersprüchlichkeiten, dramaturgisch- technische Fehler, allgemeine Standardisierungen, für ein breites Publikum, oder bestimmter Stilmittel in Fortsetzungsgeschichten entstehen.

Diese Lücken veranlassen den Rezipienten mit dem Texturmaterial interpretierend zu arbeiten. Bei Fortsetzungsgeschichten kann er beispielsweise darüber spekulieren, wie die Geschichte weitergeht. Die Polysemie der produzierten Textur, erlaubt eine Vielfalt von Interpretations- und Bedeutungszuweisungen, seitens ihrer Rezipienten. Dies regt den Rezipienten an, die Textur auf den eigenen Alltag, eigener Lebenssituationen und Themen zu übertragen und entsprechend umzuformen.

Die inhaltliche Wirkung der medial- inszenierten Lebenswelten

Die Inhaltliche Wirkung der medial- inszenierten Lebenswelt erklärt sich,

wie bei ihrer strukturellen Rolle, als potenzielles Angebot an `Medienwelt` in der

Lebenswelt des Rezipienten.

Das inhaltliche Angebot kommt aus dem Genre- Format. Es bietet dem Rezipienten, nicht nur eine bestimmte Art des Erzählens als Dramaturgie an, sondern auch eine Eingrenzung bestimmter Lebensweltthemen, figuraler Darstellungen als soziale- oder personale Stereotype, Bilder, Klischees und Mythen der sozialen Lebenswelt als Gesellschaft. Wichtig sind auch fiktionale- oder reale Inszenierungen als Vergangenheits-, Gegenwarts-, und Zukunfts-Darstellungen.

Je nach eigenen kulturellen, politischen Menschen- Weltbild, kann sich der Rezipient der Inhalte der `Medienumwelt` bedienen, um sich mit ihnen zu identifizieren, zu distanzieren, oder diese auf Themen und Erfahrungen in der eigenen sozialen Lebenswelt zu projizieren oder zu übertragen. Besonders wichtig sind diese Bilder von inszenierter Lebenswelt, zur Aneignung für den eigenen Alltag. Die Inszenierung von politischen- oder wirtschaftlichen Themen, in Nachrichten- Magazinen, Reportagen oder Diskussionsrunden, können zu Meinungsbildung[42] und norminativ zum Wertesystem des Rezipienten beitragen oder ihn dazu anregen, seine `lebensweltliche Wirklichkeit` zu gestalten. Fiktionale Serien wie Soap- Operas oder reale Unterhaltungsshows, können zur Entspannung oder Spannung, für den Rezipienten angeeignet werden. Durch die Darstellung von Stereotypen, die sich in bestimmten Situationen, auf eine bestimmte Art und Weise verhalten, können dem Rezipienten ermöglichen, seinen Alltag `virtuell` durch psychische Aktivität zu erproben.

Fernsehen und seine Bilder, werden auch als `Traummaschine` bezeichnet, die dem Zuschauer erlauben, wirklichkeitsmodulierend vom Alltag Abstand zu nehmen und `Exkursionen` in seine eigene `Phantasiewelt` erlauben[43]. Die strukturelle, und erst recht die inhaltliche Wirkung, der medial- inszenierten Lebenswelt, ist als `mediales Angebot` für den Rezipienten zu betrachten. Die Wirkung und Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelt für den Rezipienten, ist erst vollständig, durch die Art und Weise der Zuwendung und Bedeutungszuschreibungen, durch den Rezipienten selbst, sowie unter den Merkmalen seiner sozialen Lebenswelt, erklärbar. Aus diesem Grunde sind eine Beschreibung der sozialen Lebenswelt des Rezipienten und deren Wirkung unverzichtbar.

2.3. Zu den Merkmalen sozialer Lebenswelten und ihrer Wirkung bei der Rezeption medial- inszenierter Lebenswelten

Die Wirkung der medial- inszenierten Lebenswelten auf den Rezipienten, entfaltet sich unter seiner Bedeutungszuschreibung, im Kontext lebensweltlichen Bedingungen seiner Umwelt. Zur Beschreibung der Eigenschaften der sozialen Lebenswelt, werden Begriffe des sozialökologischen Ansatzes von Uri Bronfenbrenner und die des Alltages eingeführt. Der medienökologische Ansatz von Dieter Baacke, der auf den sozialökologischen Ansatz aufbaut, wird dabei vergleichend mit einbezogen. Abschließend werden mögliche Wirkungen der sozialen Lebenswelt, für die Rezeption der medial- inszenierten Lebenswelt erörtert.

2.3.1. Die Merkmale sozialer Lebenswelten nach dem sozialökologischen Ansatz im Vergleich mit dem medienökologischen Ansatz

Begriffe der sozial- und medien- ökologischen Ansätze im Vergleich

Beide, aufeinander aufbauende Ansätze, gehen von einer Sozialisierung des Menschen in einem räumlichen- sozialen- objektiven Umfeld aus. Das Individuum eignet sich diese, in Tätigkeiten und Aktivitäten, für seine Lebens- und Alltagskompetenz an. Zu den Begrifflichkeiten der Räume, der sozialen- und objektiven Umwelt und der Dynamik der räumlichen Zusammenhänge, gibt es Unterschiede, die aber in ihrer Sinnhaftigkeit von ähnlichen Überlegungen ausgehen.

Räumlich sind Baackes `ökologische Zentrum` mit dem `Mikroraum`, der `ökologische Nahraum` mit dem `Mesoraum` und der `ökologische Ausschnitt` mit dem `Makroraum` in ihrer `tektonischen Struktur` vergleichbar. Baacke beschreibt hier ebenfalls die sozialisierende- räumliche Aneignung, durch den sich entwickelnden Menschen, im `ökologischen Zentrum`, dem `ökologischen Nahraum` und dem `ökologischen Ausschnitt`. Dabei ist der `ökologische Ausschnitt` mit `Mikrosystemen` vergleichbar, die durch ihren funktionalen- und formellen Charakter, nur ein bestimmtes, ausschnitthaftes Verhalten, als Schüler, Mitarbeiter etc., fordern.

Der sozialisierende Gedanke der menschlichen Entwicklung, findet sich in den `soziotopen` und `behavioral Settings` der `tektonischen Struktur` wieder. Die `Soziotope` stellen die `sozialen Beziehungsgeflechte` dar. Die `behavioral Settings`, umschreiben die sozialen Verhaltenserwartungen in ihrer formellen- und informellen Struktur, beispielsweise der `ökologischen Ausschnitte`[44].

Dies spricht auch die `interaktive Struktur` mit ihren entsprechenden individuellen Faktoren und den sozialen- formalen- und informellen Faktoren in Gruppen oder Organisationen, der jeweiligen Räume, an.

Mit der `tektonischen Struktur`, wird darüber hinaus, der natürlich-, künstlich-, technisch- objektive `Materialcharakter, der öffentlichen-, nichtöffentlichen-, geschlossenen-, offenen-, künstlichen-, natürlichen Räume, angesprochen.

Die sozialisierende Aneignung der `tektonischen- und interaktiven Struktur`, hängt mit den entsprechenden regulierenden molaren Tätigkeiten und Aktivitäten zusammen.

Den eher statisch- und linear anmutenden Raumzusammenhängen Bronfenbrenners, stellt Baacke mit den `Strukturen der Steuerung` diese Lebensräume in einen netzwerkartigen- und dynamischen Zusammenhang[45]. Dadurch sollen die Wechselbeziehungen zwischen den Räumen, als Mikro-, Meso-, Exo- und Makrosystem verdeutlicht werden.

In der Weiterentwicklung des sozialökologischen- Ansatzes, wurde in der Berücksichtigung von Dynamik, in der sozialökologischen Lebenswelt, der Begriff des `Chronosystems` eingeführt[46]. Sozialisation in der Aneignung der Lebenswelt, ist nur im fortschreitenden zeitlichen Rahmen erklärbar. Lebenswelten in ihren Räumen, Systemen und Strukturen, sind auch in einem historisch gewachsenen Kontext zu betrachten. So sind auch lebensweltliche Erfahrungswerte, gegenwärtige Aktivitäten und Zukunftspläne der Menschen, beschreibbar.

Mit den sozial- und medien- ökologischen Ansätzen, kann soziale Lebenswelt in ihren räumlichen- und zeitlichen Eigenschaften beschrieben werden. Die Räume bieten den sich sozialisierten Individuum, soziale- und materiell- objektive Rahmenbedingungen für seine anpassende- gestaltende- und bewältigende Entwicklung zur Lebens- und Alltagskompetenz. Das Wachstum des Menschen steht in der beständigen Wechselbeziehung mit dem Wachstum seiner sozialen Umwelt, die sich in räumlicher Aneignung und Anforderung widerspiegelt.

Nun ist zu fragen, welcher Strategien sich der Mensch ermächtigt, um sich kompetent und regulierend in den Wechselbeziehungen zwischen individueller Aneignung und lebensweltlichen Anforderungen verhalten zu können. Diese Strategie ist mit der Begrifflichkeit des `Alltages` zu verbinden. Folgend werde ich `Alltag` und seine Eigenschaften, sowie dessen lebensweltliche Bewältigungsstrategien als Regulative, beschreiben.

2.3.2. Der Alltag als Gestaltungsstrategie in den sozialen Lebenswelten

Der Mensch steht zeitlebens, im Spannungsverhältnis seines subjektiven-, wahrnehmenden- und verhaltenden Wachstums und dem räumlich- sozialen- und objektiven Wachstum seiner sozialen Lebenswelt. Mit der Begrifflichkeit des Alltages und seiner Gestaltungsstrategien, wird die individuelle Regulation dieses Spannungsverhältnisses beschrieben und in Zusammenhang mit der sozial- und medienökologischen Betrachtung von sozialer Lebenswelt gestellt. Eng im Zusammenhang mit Alltag und seiner Gestaltung, stehen die Begriffe der `Lebenswelt- Themen` und ihren `Relevanzen`, die aus den Überlegungen von Schütz- und Luckmann entnommen wurden.

Begrifflichkeit von Alltag in der sozialen Lebenswelt

Im Spannungsverhältnis zwischen der menschlichen Entwicklung und den lebensweltlichen Bedingungen, entstehen Widersprüchlichkeiten und Unsicherheiten, die das Individuum durch Gestaltungsstrategien regulieren muss.

In den verschiedenen sozialisierenden Entwicklungsstadien, lernt der Mensch, die entsprechenden Anforderungen und Möglichkeiten, in den sozialökologischen Räumen, mit ihren tektonischen- und interaktiven Umweltbedingungen in den verschiedenen Umweltsystemen kennen.

Durch dieses Erfahrungs- und Verhaltenswissen, entsteht eine `Bedingungsstruktur des vertrauten Bereiches` als Alltag. Alltag stellt für das Individuum ein `Sicherheitskonzept`, durch Vertrautheit und Orientierung, in seinen lebensweltlichen Zusammenhängen dar. Aber erst in der subjektiven Bedeutungszuschreibung dieser Spannungsverhältnisse zu den Umweltbedingungen und ihrer Thematisierung als `Lebensweltthema`, stellt sich für den Menschen sein Alltagsgeschehen her[47]. In den Anpassungs- Aneignungs- und Gestaltungs-Leistungen, der menschlichen Sozialisation, weist der Verhaltende dem Alltagsgeschehen, Bedeutung zu. Zwar tritt der Alltag dem Individuum symbolisch, als `Symbolische Gewalt` mit ihren Zwängen, Routinen- dem `grauen Alltag` mit seinen eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten in den verschiedenen Umwelten und durch die verschiedenen Umwelten, gegenüber. Aber der Mensch handelt auch gegen ihn, in dem er im Alltag handelt[48]. Dabei bietet die Lebenswelt Ressourcen, denen das Individuum `thematische Relevanz` zur Regulation, als Konfliktreduktion zuweist.

Zu wichtigen Möglichkeiten der Konfliktreduktion des Alltages, gehören die `utilitaristische Synthese`, die `norminative Bereichsabgrenzung`, die `Wirklichkeitsgestaltung` und `Wirklichkeitsmodulation`. Um die Zufälligkeiten des Alltages regulieren zu können, gibt es zwei Arten der `Dissonanzminderung`[49], die der Routinetätigkeiten und der ritualisierten Handlungsabläufe[50].

Alltagsgestaltung als Regulation des Alltages in der sozialen Lebenswelt

Utilitaristische Synthese

In der `utilitaristischen Synthese` versucht der Handelnde, die Widersprüchlichkeiten, zwischen sich und seiner alltäglichen Umwelt, in Balance zu bringen, in dem er sie in ein für sich sinnvolles `Ganzes` integriert[51]. Dies geschieht durch subjektive emotionale, wie rationale Nützlichkeitserwägungen. Die Bedingungen der sozialen Lebenswelt und ihre Ressourcen sind `Mittel zum Zweck`. Die räumliche Ressource der privaten- nichtöffentlichen Wohnung mit ihren tektonischen Ressourcen, kann beispielsweise dem Rückzug, der Erholung oder der privaten Gespräche dienen. Die sozialen Beziehungen im räumlichen `Netz der Lebenswelt`, können zur Ressource der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, oder für das Bedürfnis nach Bindung dienen.

Für die utilitaristische Synthese, als Regulative der Nützlichkeitserwägungen, werden bestimmte objektive- soziale Bedingungen, als thematisch relevant erachtet und als Ressource angeeignet. Materielle Ressourcen, wie beispielsweise Haushaltsgegenstände oder Medien, können `als Mittel zum Zweck` für bestimmte individuelle oder soziale Bedürfnisse nach Essen, Erholung, Information oder sozialer Bindung angeeignet werden[52].

norminative Bereichsabgrenzung

Sicherheit in der situativen Konfliktreduktion, geben soziale Beziehungen zu Menschen. Mit der sozialisierenden Aneignung immer neuerer Räume, im Mesosystem, wird das Individuum mit verschiedenen sozialen- und räumlich- objektiven Rahmenbedingungen, informeller- und formeller Natur konfrontiert. Dabei muss sich das Individuum mit verschiedenen Normen, Werten, Verhaltenserwartungen- und Möglichkeiten im Makrosystem auseinandersetzen. Identifikation mit sozialen Beziehungen zu einzelnen Menschen und Gruppen, bedeutet auch sich gegenseitig mit den Anderen, in den Weltbildern, Normen und Werten zu bestätigen oder zu distanzieren. Identität, als Sicherheitskonzept, wird durch das `Zugehörigkeitsgefühl` zu größeren und kleineren Gruppen oder einzelnen Menschen und deren `Rückbestätigung` gewährleistet. Dieses `Zugehörigkeitsgefühl` bedeutet für den einzelnen, sich den Normen und Werten des `Makrosystems` bestimmter Gruppen zuzuordnen und sich von anderen gleichzeitig abzugrenzen[53].

Wirklichkeitsgestaltung

Die Wechselbeziehungen zwischen Umwelt und Individuum durch Alltagshandeln, beziehen sich unter anderem, auf die Art und Weise ihrer subjektiven Umwelt- Wahrnehmung, der einzelnen Personen und ihrer Art oder Möglichkeit, diese sich anzueignen, zu gestalten oder umzugestalten. Um die Einschränkungen durch gesellschaftliche oder milieu- bedingte Rahmenbedingungen aufzulösen, schließen sich Menschen zusammen, um die „gemeinsam erlebten Missstände“ zu beseitigen. So schließen sich Bürgerinitiativen zusammen, um gegen eine Straße durch ihr Wohnviertel, juristisch vorzugehen. Schüler protestieren, weil die Schule geschlossen wird, oder es schließen sich Menschen in einer Partei zusammen, um gesellschaftlich etwas zu erhalten oder zu verändern. Dabei werden beispielsweise juristische Gesetze aus Makrosystemen für das Mikrosystem `Bürgerinitiative`, im Nahraum des Wohnumfeldes genutzt, in dem der vorgeschriebene Rechtsweg eingehalten wird, um wiederum andere Vorschriften zu ändern. In einer Gesellschaft von sehr ausdifferenzierten Mikrosystemen, ist es wichtig, für die Wirklichkeitsgestaltung Öffentlichkeit herzustellen. Dabei spielen Massenmedien als `Öffentlichkeitsforum`, wie das Fernsehen eine entscheidende Rolle[54].

Wirklichkeitsmodulation

Das Alltagshandeln der `Wirklichkeitsmodulation`, erschließt sich in den Räumen der `Phantasie und Vorstellung` des Individuums.

Hier stellt sich die Person in Tagträumen und der Träume vor, „wie etwas sein könnte“ und spielt im imaginären `so tun- als ob`, den Alltag in ihrer Erprobung durch.

In der Wirklichkeitsmodulation entlastet sich der Mensch von den Zwängen der Alltagsroutine. Es bedeutet, ein `hinter- sich- lassen` der Umwelträume und ihren Routinen und Zwängen. Er ist aber diesen Umwelten verwachsen, die Wirklichkeitsmodulation verweist auf dessen Wirklichkeit und andersherum.

Der `Phantasieraum` wird zu einer Ressource der Verarbeitung von lebensweltlichen Erfahrungen und Eindrücken.

Sozialisation kann geprobt werden und schließlich zur Wirklichkeitsgestaltung des Alltages, beitragen. Wirklichkeitsmodulation ist aber auch mit dem `realen` Umweltraum der `ökologischen Peripherie` verbunden. Dieser Raum bietet die Möglichkeit der Exkursionen in neue Welten. Dies kann beispielsweise der Urlaub in unbekannten Regionen oder `Entdeckungstouren` in `Medienwelten` mit ihren spannenden Geschichten in Büchern oder des Fernsehens, sein[55].

Alltagsstrukturierung

Routinetätigkeiten sind `unproblematisch gewordene` Handlungsabläufe im Alltag. Dazu gehört der routinierte Umgang mit Arbeitsabläufen, im Bereich der Arbeitsstelle oder im familiären Umfeld, die Hausarbeit. Sie entlasten durch „ihre Alltäglichkeit“ von bewusster Konzentration in der Handlung, welche ein hohes Maß an Energie erfordern kann. Beispielhaft wäre der Fahranfänger, für den die Autoführung, noch problematisch ist. Routine kann man auch als Zeichen für erlernte und damit bewältigte Bedeutungsstrukturen des Alltages beschreiben. Durch die bewusste Entlastung, erschließen sich die `Sinnbezirke` im Phantasieraum, die Wirklichkeitsmodulierend wirken können. Singen oder `nicht bei der Sache sein`, bei langweiligen Routinetätigkeiten, ermöglichen dadurch Entlastung. Routine besitzt also die Doppelnatur des Alltages, auf der einen Seite dem Individuum in der Situation Struktur und Sicherheit zu geben, aber durch den `Routinezwang` auch auf die Ausbruchsversuche, in Form von Gestaltung zu verweisen[56]. Ritualisierte Handlungsabläufe, gehören zu der Alltäglichkeit des Chronosystems. Durch ihre alltägliche Wiederholung, machen sie Situationen wiederholbar und vergleichbar. Dies dient ebenfalls der Orientierungshilfe und der Strukturierung der Lebenswelt[57]. Rituale können sehr festliche sein, wie Hochzeitsrituale oder sakrale, wie eine Krönung oder eben auch profane, wie den täglichen Mahlzeiten, der Handschlag oder die allabendliche Fernsehserie.

2.3.3 Zusammenfassung

Die Wirkung in der Art und Weise der Zuwendung zur medial- inszenierten Lebenswelt, ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis des Rezipienten und seiner sozialen Lebenswelt.

Diese sind, mit den sozialökologischen Merkmalen, der räumlichen- und zeitlichen Systeme, deren tektonischen- und interaktiven Strukturen und der molaren Tätigkeiten und Aktivitäten der Rezipienten, untersuchbar. Dabei ist ebenfalls zu fragen, mit welchen Merkmalen die mediale Zuwendung, stattfindet oder nicht- stattfindet.

Die Strukturen der Steuerung- und ihre Merkmale in der medialen Zuwendung

Die Strukturen der Steuerung, beschreiben die sozial- räumlichen Netzwerke, des Mikro- Meso- Exo- Makro- und Chronosystems, im Zusammenhang mit der Rezeption der medial- inszenierten Lebenswelten im Fernsehen.

Während der Fernsehrezeption, stellt das Mikrosystem die unmittelbare Umwelt dar. Zumeist ist das Fernsehen ein Medium der privaten und freizeitlichen Situationen in der eigenen Wohnung.

Die Wechselbeziehungen zu den anderen Umwelten, des möglichen Zugangs innerhalb des `Mesosystem`, besitzen ebenfalls eine potenzielle oder tatsächliche Steuerungsfunktion, während der Rezeption der medial- inszenierten Lebenswelten. Beispielsweise können Ereignisse in anderen Räumen von Freunden, der Familie oder Besuche im der eigenen Wohnung, den Rezipienten dazu veranlassen, den Raum zu wechseln oder den Fernseher abzuschalten.

Gesellschaftliche Institutionen, und ihre Bedingungen, als `Exosystem`, besitzen für die Rezeption ebenfalls Lenkungsfunktionen, ohne Zugänglichkeit für diese Personen zu besitzen. Dazu gehören beispielsweise die sozialen- und technischen Produktionsbedingungen der `Medienwelten`. Durch `mediale Übertragung` anderer sonst nicht zugänglicher Räume und ihrer Ereignisse, in Nachrichten oder Dokumentationen, können ebenfalls Wechselbeziehungen mit dem Rezipienten auf der `anderen Seite des Bildschirms` eintreten.

Das Makrosystem beschreibt das Normen- und Wertesystem des Rezipienten, welches gesamtgesellschaftlich oder seinem subkulturellen Milieu entspricht. Bestimmte Interessen, Meinungen, persönliche Weltbilder bestimmen Wirkungen in der Zuwendung zu den medialen Inszenierungen des gesellschaftlichen Makrosystems.

Das `Chronosystem` beschreibt die zeitliche Zuwendung zu den medial- inszenierten Lebenswelten. Die persönliche Zeitstruktur der räumlichen Aufenthalte und ihrer tektonischen- und interaktiven Merkmale, lenkt die mediale Zuwendung mit. Das Chronosystem und ihrer Bedeutungszuweisung durch den Rezipienten, bestimmt mit, ob eine Sendung zu einer bestimmten Zeit gesehen werden kann- oder will.

Die tektonischen Struktur- Merkmale in der medialen Zuwendung

Die tektonische Struktur, gibt die materiellen- und sozialen Rahmenbedingungen der Mikro- Meso- und Makro- Räume vor, in denen sich der Mensch aufhält. Dabei steht während der Zuwendung zur medial- inszenierten Lebenswelt, der Mikroraum- als `Medienraum`, im Mittelpunkt der Betrachtung. Zu den materiell- objektiven Bedingungen während der Rezeption, gehört einerseits der Wohnraum selbst, mit seiner Raumaufteilung, seiner materiellen Ausstattung an Möbeln und den Haushaltsgegenständen. Andererseits gehören neben dem Fernsehen, auch andere Medien, wie Radios, Computer, Bücher oder Handys zur `Medienumgebung` des `Medienraumes`. Der nichtöffentliche- und private Bereich der Wohnung, gibt die sozialen Rahmenbedingungen zur medialen Zuwendung vor. Fern- gesehen, wird zumeist im familiären und privaten Kontext, als Einzelperson, in der Partner- oder Freundschaftsbeziehung und der Familienbeziehungen. Im sozialen- und objektiven Kontext des Medienraumes, besitzt Fernsehen eine `dezentrale Stellung`.

Der Mikroraum der Wohnung, dient nicht zentral der Zuwendung zu den medial- inszenierten Lebenswelten, sondern in erster Linie, der sozialen- und objektiven Wohnumgebung, die mediale Zuwendung in Wechselbeziehungen zu anderen Tätigkeiten, Aktivitäten und materiellen- wie sozialen Ressourcen stellen.

Weitere soziale- und objektive Rahmenbedingungen, während- oder außerhalb der Rezeption, geben die Meso- Räume in der Rezeption vor. Die Wohnumgebung als soziales- und objektives Milieu, gibt beispielsweise alternative Ressourcen, außer dem Fernsehen, in der Freizeitgestaltung vor.

So kann gemeinsam mit Freunden entschieden werden, ob man lieber zusammen einen Fernsehabend verbringt, ins Kino oder eine Disco geht. Die Bedeutung der medial- inszenierten Lebenswelten im Fernsehen als Ressource, ist demnach im Kontext anderer Räumlicher- medialer- objektiver- und sozialer Ressourcen, während- oder außerhalb der Fernseh- Rezeption, zu sehen.

Die Interaktiven Struktur- Merkmale in der medialen Zuwendung

Zu den sozialen Ressourcen gehören die Menschen, mit denen die mediale Zuwendung geteilt- oder nicht geteilt wird. Fernsehen kann alleine, im Kreise der Familie oder mit dem Lebenspartner geschaut werden. Erst in der interaktiven Struktur, kann festgestellt werden, ob Fernsehen und das `Eintauchen` in mediale Sozialwelten, als `Beziehungsersatz` soziale Inkompetenz zementiert. Der medialen Zuwendung kann aber in einem Fernsehabend mit Freunden, der Familie oder den Partnern, auch die gegenteilige Bedeutung zugewiesen werden. Medial- Inszenierte Lebenswelten, können für Gespräche über- und mit Medien in der `gemeinsam verbrachte Zeit` angeeignet werden. Die sozialen Interaktionen bestimmen die Art der fernsehmedialen Zuwendung, als `Fernseh- Rezeptions- Interaktions- Aneignungssituation`. Die Fernseh- Rezeptions- Situation entsteht durch eine distanziertere Zuwendung, durch Parallelgespräche. Dabei gehen die Rezipienten auf das mediale Geschehen ein oder sprechen über nicht- mediale Themen. Die distanziertere Zuwendung ist durch einen Wechsel zwischen aktiver und bewusster Zuwendung zur `Medienwelt` und dem sozialen Geschehen am Fernsehen, gekennzeichnet. `Die Fernseh- Interaktions- Situation` kennzeichnet eine intensive Zuwendung zum Geschehen `in den medial- inszenierten Lebenswelten`, bei besonders hoher thematischer Relevanz oder der `fehlenden Möglichkeit` für soziale Parallelgespräche. `Die Fernseh- Aneignungssituation` in Gesprächen über- und mit Medien, Kennzeichnet Situationen während der Rezeption selbst und Medien- Gespräche in anderen Mikro- Räumen, der Schule oder der Arbeitsstätte. Soziale Anerkennung und Bindung in der Gruppe, kann `Medien` eine hohe Bedeutung zuweisen. Dabei spielt die medial- inszenierte Lebenswelt als Ressource, für die Alltagsgestaltung eine besondere Rolle.

[...]


[1] Vgl. Ayaß in Holly (1993), S.31 zit. nach Katz/Foulkes 162: 378

[2] Vgl. Ayaß in Holly (1993), S.28ff.

[3] Vgl. Ayaß in Holly (1993), S.32

[4] Vgl. Ayaß in Holly (1993), S.34f.

[5] Vgl. Kutschera (2001), S.115

[6] Vgl. Schumacher (2000), S.142

[7] Vgl. Schumacher (2000), S.156f.

[8] Vgl. Kutschera (2001), S.117 zit. nach Winter 97:59

[9] Vgl. Ayaß in Holly (1993), S.34 zit. nach Fiske: 1987; Kutschera (2001), S.122

[10] Vgl. Grundmann (2000), S.17f.

[11] Vgl. Grundmann (2000), S.22

[12] Vgl. Grundmann (2000), S.26ff.

[13] Vgl. Grundmann (2000), S.29ff.

[14] Vgl. Grundmann (2000), S.30

[15] Vgl. Grundmann (2000), S.32

[16] behavioral settings: den Räumen entsprechende soziale Bedingungen und Rollenanforderungen

[17] Vgl. Grundmann (2000), S.33f.

[18] Vgl. Grundmann (2000), S.35f.

[19] Vgl. Grundmann (2000), S.37f.

[20] Vgl. Kutschera (2001), S.66

[21] Schell in Cippitelli (2001), S.69; Götz (2000), S.19, S.29

[22] `soziotope Infrastruktur` bedeutet, das den Räumlichkeiten entsprechende soziale Milieu

[23] Vgl. Kutschera (2001), S.69f.

[24] Vgl. Kutschera (2001), S.69f.

[25] Vgl. Kutschera (2001), S.70

[26] Vgl. Schumacher (2000), S.157

[27] Vgl. Hickethier (1996), S.169f.

[28] Vgl. Hickethier (1996), S.23ff.

[29] Vgl. Mikos (2003), S.21

[30] Vgl. Mikos (1999), S.45, S.53

[31] Vgl. Mikos (2002), S. 123ff.

[32] Vgl. Hickethier (1996), S.22

[33] Vgl. Hickethier (1996), S.203

[34] Vg. Hickethier (1996), S.23

[35] Vgl. Hickethier (1996), S.204

[36] Vgl. Hickethier (1996), S.199

[37] Vgl. Hickethier (1996), S.20f.

[38] Vgl. Mikos (1998), S.67ff.; Mikos (2001), S.80ff.; Mingot in Holly (1993), S.154f.

[39] Ein Medienraum, in dem das Medium nicht die Hauptfunktion innehält, definiert das Medium als `dezentral`. Dazu gehört beispielsweise die Kaufhausmusik oder das Fernseh- und Radio- Medium in der Wohnung. Im Gegensatz dazu ist das Kino im Kinosaal, ein `zentrales` Medium

[40] Vgl. Mikos (2001), S.177ff.

[41] Vgl. Mikos (2001), S.86

[42] Vgl. Hickethier (1996), S.12ff.

[43] Vgl. Mikos (2001), S.60ff.

[44] Vgl. Kutschera (2001), S.69f.

[45] Vgl. Kutschera (2001), S.70

[46] Vgl. Grundmann (2000), S.39f.

[47] Mikos (1994), S.27

[48] Vgl. Mikos (1994), S.28

[49] Vgl. Mikos (2001), S.60

[50] Vgl. Mikos (1994), S.31

[51] Vgl. Mikos (1994), S.29

[52] Vgl. Mikos (1994), S.30

[53] Vgl. Mikos (1994), S.30

[54] Vgl. Mikos (1994), S.30

[55] Vgl. Mikos (1994), S.30

[56] Vgl. Mikos (1994), S.31f.

[57] Vgl. Mikos (1994), S.32f.

Ende der Leseprobe aus 195 Seiten

Details

Titel
Lebenswelt im Fernsehen - Lebenswelt am Fernsehen
Untertitel
Bedeutung der medial inszenierten Lebenswelten für ihre Rezipienten im Kontext ihrer sozialen Lebenswelten am Beispiel der Soap-Opera 'Gute Zeiten - Schlechte Zeiten'
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena  (Sozialwesen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
195
Katalognummer
V74917
ISBN (eBook)
9783638690713
ISBN (Buch)
9783640797721
Dateigröße
1028 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Vorteile hat Herr Poßdack für seine Arbeit zweifellos ein glattes „sehr gut", (1,0) verdient.
Schlagworte
Lebenswelt, Fernsehen, Lebenswelt, Fernsehen, Soap Opera
Arbeit zitieren
Marco Poßdack (Autor), 2006, Lebenswelt im Fernsehen - Lebenswelt am Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74917

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