Seit Beginn des 19. Jahrhunderts kann von Erwachsenenbildung im Sinne eines institutionalisierten und in bestimmter Wiese organisierten Prozesses des Lehrens und Lernens gesprochen werden. Zunächst entwickelte sich Erwachsenenbildung im Zusammenhang mit unterschiedlichen Aufklärungsprozessen in privater Initiative, allerdings beteiligte sich der deutsche Staat hier relativ früh.
"Gemäß Artikel 148 der Weimarer Verfassung von 1919 sollte das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden."
In die Tradition der Weimarer Republik trat die Erwachsenenbildung nach 1945 ein. In verschiedenen Landesverfassungen oder in den Schulgesetzen der Länder wurde das Recht auf Erziehung, Ausbildung und Erwachsenenbildung festgelegt.
Die Erwachsenenbildung sollte ab 1960 gemäß dem Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen in dessen Gutachten als freier Teil des öffentlichen Bildungswesen anerkannt und gefördert werden.
Ebenfalls sollten staatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ansprüche berücksichtigt werden, und somit wird von 1970 an ein neues Verständnis von Weiterbildung bedeutend, wozu formale Abschlüsse und berufliche Orientierung gehören. Dieses neue Verständnis fand sich dann 1973 in der von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung verabschiedeten Bildungsgesamtplan.
Dies führte u.a. dazu, dass die Ausgestaltung der Weiterbildung zu einem Hauptbereich des Bildungswesens als öffentliche Aufgabe gefordert wurde.
In den 70ern verabschiedeten die meisten Länder Erwachsenenbildungsgesetze, die primär die öffentliche Verantwortung für die Weiterbildung festschrieben. Auch die ersten Bildungsurlaubsgesetze stammen aus dieser Zeit; in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträgen fanden sich spezifische Weiterbildungsregelungen. In den ostdeutschen Ländern folgten die ersten Gesetze ab dem Jahre 1992.
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Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITUNG
Erwachsenenbildung – ein historischer Überblick
B. WEITERBILDUNGSPOLITIK
1. Definition Weiterbildung
2. Rechtliche Grundlagen der Weiterbildung
3. Finanzierung der Weiterbildung
4. Weiterbildungspolitik in den Bundesländern
4.1 Bayern
4.2. Baden-Württemberg
4.3 Niedersachsen
4.5 Hessen
C. SCHLUSSBEMERKUNG
Vorschläge für das zukünftige Bildungswesen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und politischen Rahmenbedingungen der Erwachsenenbildung in Deutschland. Das Ziel besteht darin, ein Verständnis für die rechtliche Verankerung, die Finanzierungsmodelle und die bundeslandspezifischen Besonderheiten der Weiterbildungspolitik zu entwickeln.
- Historische Entwicklung der Erwachsenenbildung in Deutschland.
- Definition und rechtliche Grundlagen des Weiterbildungssystems.
- Mechanismen der staatlichen sowie privaten Finanzierung.
- Vergleichende Analyse der Weiterbildungspolitik in ausgewählten Bundesländern.
- Herausforderungen und Zukunftsperspektiven für das Bildungswesen.
Auszug aus dem Buch
1. Definition Weiterbildung
Der deutsche Bildungsrat definiert Weiterbildung im Jahre 1970 als „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase.“
Weiterbildung umfasst zwei Bereiche: zum einen die berufliche Weiterbildung, worunter Fortbildung und Umschulung fällt; dieser Bereich ist folglich durch seine Funktion für die Berufswelt definiert. Berufliche Bildung dient vor allem dazu, sich den ständig wandelnden Anforderungen der Arbeitsplätze und des Arbeitmarktes anpassen zu können.
Zum anderen ist es der Bereich der Allgemeinbildung oder Erwachsenenbildung mit der Funktion der Bildung des Individuums – hier wird vorrangig auf persönliche Bedürfnisse und Interessen eingegangen – und der politischen Bildung. Politische Bildung vermittelt die Fähigkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, d.h. gesellschaftliche Rollen und Aufgaben verantwortlich und kompetent zu übernehmen.
Im Bereich der Weiterbildung haben die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien immer mehr Bedeutung; dadurch wird der Effekt des selbstgesteuerten Lernens positiv beeinflusst. Dies wurde 1997 im Beschluss Neue Medien und Telekommunikation im Bildungswesen festgehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Erwachsenenbildung – ein historischer Überblick: Dieses Kapitel zeichnet den Weg der Erwachsenenbildung von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Etablierung als öffentliche Aufgabe in der Bundesrepublik nach.
1. Definition Weiterbildung: Hier wird der Begriff Weiterbildung in berufliche Bildung sowie Allgemein- und politische Bildung differenziert und deren jeweilige Funktion erläutert.
2. Rechtliche Grundlagen der Weiterbildung: Das Kapitel beleuchtet die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Rolle des Staates bei der Förderung und Ordnung des Weiterbildungsbereichs.
3. Finanzierung der Weiterbildung: Hier werden die verschiedenen Finanzierungsströme, darunter staatliche Zuschüsse und Teilnehmergebühren, sowie die Kriterien für die Anerkennung von Einrichtungen analysiert.
4. Weiterbildungspolitik in den Bundesländern: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der strukturellen und bildungspolitischen Ansätze in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen.
Vorschläge für das zukünftige Bildungswesen: Das abschließende Kapitel diskutiert notwendige Verbesserungen, wie eine stärkere Koordination und den Ausbau der Qualitätssicherung, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen.
Schlüsselwörter
Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Weiterbildungspolitik, Subsidiarität, Pluralität, berufliche Weiterbildung, politische Bildung, Finanzierung, Bildungsurlaub, Volkshochschulen, Qualitätssicherung, Bildungsgesetz, lebenslanges Lernen, Weiterbildungsträger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die institutionellen und politischen Strukturen der Erwachsenenbildung sowie die Weiterbildungspolitik in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die rechtlichen Grundlagen, die Finanzierungsmodelle und die landesspezifische Ausgestaltung der Weiterbildungsangebote.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Weiterbildungslandschaft darzustellen und die unterschiedlichen politischen Strategien der Bundesländer aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachberichten, Gesetzen und bildungswissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Weiterbildung, den Finanzierungswegen und einer vergleichenden Darstellung der Bildungspolitik in vier ausgewählten Bundesländern.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind hierbei Subsidiarität, Trägervielfalt, staatliche Förderung und die Unterscheidung zwischen beruflicher und allgemeiner Weiterbildung.
Wie unterscheidet sich die Förderung in Bayern von der in Niedersachsen?
Während in Bayern das Prinzip der Pluralität und die Förderung über das EBFöG im Vordergrund stehen, zeichnet sich Niedersachsen durch spezifische Förderquoten für Personalkosten und die bevorzugte Unterstützung politischer Bildungsmaßnahmen aus.
Welche Rolle spielen Volkshochschulen innerhalb der Weiterbildungslandschaft?
Sie stellen in den untersuchten Bundesländern oft die zentrale oder wichtigste Veranstalterinstitution dar und decken einen signifikanten Teil des Angebots ab.
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- Melanie Klügl (Author), 2002, Erwachsenenbildung: Weiterbildung und Weiterbildungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7495