Eine Laientheatergruppe erhält einen neuen Regisseur. Dieser Spielleiter steuert zu stark, d. h. von ihm propagierte Verhaltensmuster sollen wie nachgeahmt übernommen werden, ohne die verschiedenen Voraussetzungen der Theaterspieler und ihren Lebenskontext adäquat zu berücksichtigen. Auf diese Weise wird kein kreatives Spiel gefördert, die Theaterstunden wirken statisch, Spielfreude fehlt. Aufgezeigt wird, wie wichtig gerade in der Anfangsphase des Schauspieltrainings die Ermöglichungsdidaktik ist, zunächst Hemmungen oder Blockaden bei den Schauspielern abzubauen und eine von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägte Atmosphäre zu schaffen, bevor dann bei der Einstudierung eines Theaterstücks auf die durchaus notwendige "Schiene" der Erzeugungsdidaktik umgeschwenkt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutungsmuster und Teilnehmerorientierung
3. Kreativitätsdrang als Antrieb
4. Lebendiges Lernen durch Ermöglichungsdidaktik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die didaktische Gestaltung von Lernprozessen in einer Laien-Theatergruppe, um aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Teilnehmerorientierung und Ermöglichungsdidaktik Kreativität gefördert und starre Erzeugungsdidaktik überwunden werden kann.
- Analyse von Deutungsmustern in der Erwachsenenbildung
- Bedeutung der Teilnehmerorientierung für den Lernerfolg
- Kreativität als Resultat von Ermöglichungsdidaktik
- Methoden der Theaterpädagogik zur Blockadelösung
- Dynamik zwischen ergebnisoffenem Lernen und straffer Regie
Auszug aus dem Buch
Kreativitätsdrang als Antrieb
Hoppe-Graff et al. (1999, S. 574) definieren Kreativität als eine Fähigkeit zum ungewöhnlichen (originellen), aber angemessenen Handeln. Die Originalität (etwas Neues schaffen, bisherige Zuordnungen und Etikettierungen aufgeben und durch neue, innovative ersetzen) ist Hauptfaktor der Kreativität, wobei im Gegensatz die Angemessenheit des Handelns nicht immer erkennbar ist. Die Angemessenheit ist gerade das Kriterium, welches zwischen kreativen und unsinnigen Handlungen unterscheidet.
Des Weiteren ist das „Konstrukt“ Kreativität keine einfache und keine einheitliche Fähigkeit, sondern wird als Resultat aus dem Zusammenwirken von unterschiedlichen Faktoren bzw. Fähigkeiten (z. B. kognitiver, motorischer oder emotionaler Art) betrachtet (vgl. Mandl/Winkler 2004b, S. IV).
Man sagt, kreative Menschen seien in einer speziellen Weise offen und neugierig für neue Erfahrungen, also experimentierfreudig. Es sind demnach Personen, die sich auf für sie unbekanntes Terrain vorwagen und da nicht ängstlich und zögernd am Rand stehen, sondern sich mit großer Offenheit in eine Thematik hineinbegeben. Kreativität gedeiht im Dialog. Der Austausch mit einem aufmerksamen Zuhörer ist inspirierend und ordnet die Gedanken. Der kreative Denker hört auch Kritikpunkte, die Argumente und Meinungen seiner Mitdenker. So braucht der Schauspieler den Regisseur, aber auch andere Schauspieler, und der Regisseur die Schauspieler.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Problematik einer starren Regieführung in einer Theatergruppe und führt das Konzept der Ermöglichungsdidaktik als Alternative ein.
2. Deutungsmuster und Teilnehmerorientierung: Dieses Kapitel erläutert, wie biographisch geprägte Sinnmuster das Handeln bestimmen und warum eine teilnehmerorientierte Pädagogik zwingend an diesen Mustern ansetzen muss.
3. Kreativitätsdrang als Antrieb: Hier wird Kreativität als Fähigkeit zum originellen Handeln definiert und dargelegt, wie Theaterübungen helfen können, Blockaden zu lösen und verborgene Potenziale zu entfalten.
4. Lebendiges Lernen durch Ermöglichungsdidaktik: Das Kapitel analysiert, wie selbstgesteuertes Lernen durch professionelle Rahmung (Ermöglichungsdidaktik) gefördert wird und wie sich im Laufe eines Theaterprojekts Didaktik-Formen dynamisch wandeln können.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass eine flexible Didaktik, die zwischen Ermöglichungs- und Erzeugungsdidaktik oszilliert, notwendig ist, um sowohl individuelle Kreativität als auch ein professionelles Endresultat zu erreichen.
Schlüsselwörter
Erwachsenenbildung, Ermöglichungsdidaktik, Erzeugungsdidaktik, Teilnehmerorientierung, Deutungsmuster, Theaterpädagogik, Kreativität, Selbststeuerung, Lebendiges Lernen, Schauspielkunst, Didaktik, Laienspiel, Gruppendynamik, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie in einer Laien-Theatergruppe ein konstruktives Lernklima geschaffen werden kann, um Kreativität statt starrer Reproduktion zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Bedeutung von Deutungsmustern, das Prinzip der Teilnehmerorientierung und der Übergang von ermöglichungsdidaktischen zu erzeugungsdidaktischen Phasen im Theaterprojekt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Regisseur zu befähigen, durch pädagogisches Verstehen und Ermöglichungsdidaktik das kreative Potenzial der Darsteller optimal auszuschöpfen.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden konstruktivistische Ansätze der Erwachsenenbildung und wissenssoziologische Konzepte zu Deutungsmustern angewandt.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Kreativität, die Rolle des Spielleiters als „Ermöglicher“ und die Notwendigkeit, Theaterübungen gezielt zur Blockadelösung einzusetzen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Ermöglichungsdidaktik, Teilnehmerorientierung und kreative Theaterpraxis charakterisieren.
Warum ist das Wir-Gefühl in der Theatergruppe so wichtig?
Das Wir-Gefühl wirkt der Heterogenität der Teilnehmer entgegen und bildet die notwendige Basis, damit die Gruppe in der finalen Inszenierungsphase auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten kann.
Kann Erzeugungsdidaktik auch positiv wirken?
Ja, in der letzten Phase einer Theaterinszenierung ist eine ergebnisorientierte Führung notwendig, sofern diese auf einer zuvor gemeinsam entwickelten Grundlage aufbaut und von den Beteiligten akzeptiert wird.
- Quote paper
- Roland Kops (Author), 2006, Erzeugungsdidaktik in einer Theatergruppe Erwachsenener, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75065