Es wird geschätzt, dass sich zwischen 1800 und 1913 der Welthandel um das 25-fache vergrößerte, während die Weltproduktion nur auf das 2,2-fache stieg. Daraus wird ersichtlich, wie sehr sich die Wirtschaft im Laufe des »langen« 19. Jahrhunderts internationalisiert hat und in ganz neue Dimensionen hineingewachsen ist.1 Dies beinhaltete auch, dass der transkontinentale Handel nicht mehr nur aus Luxusgütern bestand, sondern vermehrt auch andere Handelsgüter wie Nahrungsmittel und Rohstoffe gehandelt wurden. In dieser Arbeit soll nun gezeigt werden, wie das Verlegen von Überseekabeln und der transkontinentale Verkehr mit Hilfe von dampfgetriebenen Schiffen es ermöglichte, diese neuen Märkte zu erschließen. Ende dieser Arbeit wird dabei speziell auf die Erschließung des argentinischen Marktes eingegangen wird.
Eine isolierte Betrachtung des Themas ist schwierig, da – sobald von der Erschließung neuer Märkte gesprochen wird – man sehr schnell bei der Entwicklung der Weltwirtschaft im Allgemeinen angelangt ist. Zu deren Herausbildung bedurfte es allerdings noch deutlich mehrerer Faktoren, als sie in dieser Arbeit behandelt werden. Um die Ausführungen in dieser Arbeit jedoch im gesamten Kontext besser einordnen zu können, soll an dieser Stelle gezeigt werden, welche Faktoren für die Erschließung neuer Märkte wichtig sind, jedoch hier nicht weiter betrachtet werden…
… Diese werden hier jedoch ebenfalls nicht näher betrachtet, da der Fokus dieser Arbeit auf den Basistechnologien Dampfschiff und Überseekabel liegt. Es sollte dem Leser im weiteren Verlauf jedoch bewusst sein, dass es noch eine Vielzahl von anderen Faktoren für die Erschließung von neuen Märkten gibt und diese im betrachteten Zeitraum als günstig für eine Marktintegration anzusehen sind.
In dieser Arbeit wird nun unter den oben genannten Einschränkungen in Kapitel 2 zunächst die Entwicklung des Dampfschiffes beschrieben. In Kapitel 3 werden die Besonderheiten und die Verbreitung von Tiefseetelegraphenkabeln betrachtet, während in Kapitel 4 vor allem die Erschließung von neuen Märkten, insbesondere des argentinischen thematisiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Dampfschiff
2.1 Entwicklung des Dampfschiffes
2.2 Dampfschiffe vs. Segelschiffe
2.3 Linienverkehr
2.4 Kühlschiffe
2.5 Transportkostenentwicklung
3 Überseekabel
3.1 Besonderheiten beim Aufbau von Seekabeln
3.2 Entwicklungsstufen der Seekabelverlegung
3.3 Kapitalgeber
3.4 Britische Vorherrschaft beim Ausbau des Weltkabelnetzes
3.5 Kostenentwicklung
3.6 Bedeutung für die Wirtschaft
4 Erschließung neuer Märkte
4.1 Auswirkungen der Kommunikationsrevolution auf den Markt
4.2 Das Beispiel Argentinien
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der technologischen Innovationen des 19. Jahrhunderts – namentlich des Dampfschiffs und der transkontinentalen Telegraphenkabel – auf die Erschließung neuer Märkte, wobei die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens als konkretes Fallbeispiel dient.
- Evolution der Dampfschifffahrt und deren Auswirkungen auf die Transportkosten.
- Technische und ökonomische Aspekte des weltweiten Seekabelnetzes.
- Die Rolle der britischen Vorherrschaft bei der globalen Telekommunikation.
- Zusammenhang zwischen verbesserter Informationsübertragung und Marktintegration.
- Analyse des argentinischen Export-Import-Systems im Kontext der Globalisierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Besonderheiten beim Aufbau von Seekabeln
Ein Tiefseekabel muss extrem stabil sein, da es extremen Belastungen ausgesetzt ist und es benötigt Isolationsmaterial, welches auch in den kalten Meerestiefen nicht spröde wird. Besonders die Suche nach einem geeigneten Material zur Isolation gestaltete sich zunächst sehr problematisch. Weder geteerter Hanf, noch Kautschuk oder andere zunächst getestete Materialien konnten den Telegraphendraht aus Kupfer zunächst zufriedenstellend isolieren. Erst mit der Entdeckung von Guttapercha wurde ein Stoff gefunden der alle benötigten Eigenschaften aufwies. Guttapercha ist bei 50 – 60° Celsius knetbar, während es bei 0 – 25° lederartig, zäh und biegsam ist. Da es vor Licht geschützt seine Elastizität über Jahre erhält, war es das perfekte Material für Seekabel. Als schließlich Werner von Siemens 1847 die sog. Guttaperchapresse erfand, mit welcher Telegraphenkabel perfekt mit Guttapercha ummantelt werden konnten, war eines der wesentlichen technischen Probleme bei der Herstellung von Seekabeln gelöst.
Das zweite Problem war die Gestaltung der Kabelummantelung, da diese zum einen sehr stabil und zum anderen so flexibel sein musste, dass das Kabel auf eine Kabeltrommel aufgerollt werden konnte, um von einem Schiff zum Verlegen transportiert werden zu können. Nach anfänglichen Misserfolgen setzten sich Mehrschichtenarchitekturen bei den Kabeln durch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die enorme Welthandelsausweitung des 19. Jahrhunderts und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der Bedeutung von Dampfschiffen und Überseekabeln.
2 Dampfschiff: Darstellung der technischen Entwicklung vom Dampfschiff, dem Wettbewerb mit Segelschiffen sowie der Einführung des Linienverkehrs und der Gefriertechnik.
3 Überseekabel: Analyse der technischen Anforderungen an Seekabel, der Etappen der weltweiten Kabelverlegung sowie der Finanzierung und britischen Dominanz.
4 Erschließung neuer Märkte: Erläuterung der ökonomischen Mechanismen hinter der Marktintegration durch Kommunikationsfortschritte und Anwendung auf das Beispiel Argentinien.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Dampfschifffahrt und Telegraphie als Basis-Innovationen für die Integration in den weltweiten Markt.
Schlüsselwörter
Dampfschiff, Überseekabel, Globalisierung, Argentinien, Welthandel, Kommunikation, Marktintegration, Transportkosten, Guttapercha, Telegraphennetz, Kühltechnik, Industrialisierung, Britische Vorherrschaft, Warenbörsen, Infrastruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die technischen Fortschritte im Transportwesen (Dampfschiffe) und in der Telekommunikation (Seekabel) im 19. Jahrhundert die Erschließung globaler Märkte ermöglicht haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Hauptfelder sind die Evolution der Antriebstechnik in der Schifffahrt, der Aufbau des globalen Seekabelnetzes, die ökonomische Logik hinter diesen Investitionen sowie die Integration Argentiniens in das Welthandelssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Basisinnovationen die Transportkosten senkten und die Informationsgeschwindigkeit steigerten, was eine fundamentale Voraussetzung für die weltweite Marktintegration darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und zeitgenössischen Statistiken sowie Abbildungen basiert.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische und ökonomische Entwicklung der Schifffahrt, den Aufbau der Seekabel sowie die konkrete Anwendung dieser Entwicklungen auf die argentinische Wirtschaftsentwicklung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Marktintegration, technologische Basisinnovationen, transkontinentaler Verkehr, Kabelkartelle und Export-Import-System.
Warum spielt die Kühltechnik eine so wichtige Rolle für Argentinien?
Die Einführung der Kühlschiffe ermöglichte den Transport von frischem Rindfleisch über den Atlantik, wodurch Argentinien seine hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte profitabel nach Europa exportieren konnte.
Welchen Einfluss hatte Großbritannien auf den Aufbau des Seekabelnetzes?
Großbritannien agierte aufgrund seiner führenden Position in der Elektrotechnik, der Verfügbarkeit von Kapital und seiner kolonialen Handelswege als monopolistischer Treiber beim Aufbau des Weltkabelnetzes.
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- Johannes Hösl (Author), 2007, Überseekabel und dampfgetriebene Schiffe aus Eisen im transkontinentalen Verkehr , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75238