Das Thema Armut war im Jahr 2005 stark in den Medien vertreten. Veranstaltungen wie Live-Aid (http://www.live8live.com/), die öffentlichkeitswirksam die Verbindung zwischen Politik und Show-Business herstellten, konnten viele Menschen zur Unterstützung des Kampfes gegen Armut in den armen Ländern der Welt gewinnen.
Es stellt sich die Frage, inwieweit Armut in einem der reichsten Länder der Erde, das Deutschland trotz aller wirtschaftlicher Probleme immer noch ist, vorhanden ist und welche Probleme damit verbunden sind. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern eine eher egalitäre Gesellschaft hat (vgl. NOLLMANN/STRASSER 2002, S.21), nimmt die soziale Polarisierung zu, das heisst es gibt immer mehr Arme, während gleichzeitig die Reichen reicher werden (vgl. HUSTER 1997, S.2). Armut und auch Reichtum sind in Deutschland also weit verbreitet (vgl. NOLLMANN/STRASSER 2002, S.23) und es ist „eine Ausdünnung der Mittelschicht“ (KLAGGE 2005, S.24) zu beobachten.
Ab Ende der 1980er Jahre wurde „Armut im Wohlstand“ thematisiert (vgl. HUSTER 1997, S.321). Die Armutsforschung in Deutschland wurde in den 90er Jahren des 20.Jahrhunderts vor allem von den Sozialwissenschaften betrieben, während das Thema „Armut in Deutschland“ in der Geographie nur wenig bearbeitet wurde. Der Anstieg von Armut während der 1990er Jahre hat dazu geführt, dass dieses Thema in den Fokus der Sozialpolitik gerückt ist (vgl. KLAGGE 2005, S.23ff.). Desweiteren sind verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt oder der Paritätische Wohlfahrtsverband, im Bereich der Erfassung von Armut tätig.
Im Rahmen der folgenden Arbeit sollen verschiedene Armutskonzepte vorgestellt werden und von Armut betroffene Gruppen sowie die Ursachen für das Auftreten von Armut untersucht werden. Desweiteren soll die räumliche Verbreitung von Armut in Deutschland dargestellt werden und ein Blick auf Segregationsprozesse im städtischen Raum geworfen werden.
Gliederung
1 Einleitung
2 Armut in Deutschland
2.1 Armutsbegriffe und Armutskonzepte
2.1.1 Absolute Armut
2.1.2 Relative Armut
2.1.3 Der Ressourcenansatz
2.1.4 Der Lebenslagenansatz
2.1.5 Verdeckte Armut
2.2 Risikogruppen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
2.3 Gründe für das Auftreten von Armut
2.3.1 Arbeitslosigkeit
2.3.2 Struktureller Wandel der Gesellschaft
2.3.3 Armut trotz Erwerbstätigkeit
2.3.4 Niedriglohn
2.4 Daten zu Armut in Deutschland – Der Armutsbericht der Bundesregierung
2.5 Die räumliche Verteilung von Armut in Deutschland
2.5.1 Stadt-Land-Gegensatz
2.5.2 West-Ost-Gefälle
2.6 Armut in einer reichen Stadt
2.6.1 Segregation im städtischen Raum
2.6.2 Armut in einer reichen Stadt – die Stadt Hamburg als Beispiel
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Armut in Deutschland als einem der reichsten Länder der Erde und analysiert die mit dieser sozialen Polarisierung verbundenen Probleme. Ziel ist es, verschiedene theoretische Armutskonzepte darzustellen, die betroffenen Risikogruppen zu identifizieren, die Ursachen für das Auftreten von Armut zu ergründen sowie die räumliche Verbreitung und städtische Segregationsprozesse zu beleuchten.
- Verschiedene Definitionen und Ansätze zur Erfassung von Armut.
- Historische Entwicklung der Risikogruppen in der Bundesrepublik Deutschland.
- Ursachenfaktoren wie Arbeitslosigkeit, gesellschaftlicher Wandel und Niedriglohn.
- Regionale Disparitäten in der räumlichen Verteilung von Armut.
- Segregationsprozesse im städtischen Raum am Beispiel Hamburgs.
Auszug aus dem Buch
2.6.1 Segregation im städtischen Raum
In verschiedenen historischen Epochen haben immer wieder soziale Ausgrenzungsprozesse stattgefunden. Neu ist heutzutage, dass diese Ausgrenzung innerhalb einer wohlhabenden Gesellschaft stattfindet (vgl. ZEHNER 2001, S.143). „Die Segregation ist das wichtigste Organisationsprinzip der Gesellschaft im Wohnraum der Stadt“ (LICHTENBERGER 1998, S.239) und unter diesem Begriff versteht man in der Stadtgeographie „alle Vorgänge der Auseinanderschichtung von Bevölkerung“ (LICHTENBERGER 1998, S.240). Daher ist Segregation einer der wichtigsten Bereiche der Stadtgeographie, der bereits in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts von den Vertretern der Chicagoer Schule thematisiert wurde. Ein wichtiger Aspekt dieser Betrachtung ist, dass nicht nur der Zustand sondern auch der Prozess der Segregation von Interesse ist. In der Bundesrepublik wurde Segregation lange Zeit wenig untersucht, da in Deutschland extreme soziale Ungleichheiten nicht vorzufinden waren (vgl. KELLER 1999, S.15f.). Aktuell laufen jedoch Segregationsprozesse in den hoch entwickelten Ländern in einem raschen Tempo ab (vgl. ZEHNER 2001, S.142).
Die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit den 1970er Jahren in der Bundesrepublik trugen dazu bei, dass die soziale Struktur von Städten massiven Veränderungen unterlag. Für die Betrachtung von Armut im städtischen Raum sind vor allem die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt von entscheidender Bedeutung. So verschwanden Arbeitsplätze vor allem im sekundären Sektor und die Arbeitslosenquoten stiegen, während hochdotierte Stellen im Bereich Hightech, Finanzwesen und Marketing entstehen (vgl. KELLER 1999, S.28f.). Daher ist in wirtschaftlich erfolgreichen Städten in Deutschland eine stärkere soziale Polarisierung vorzufinden (vgl. KLAGGE 2005, S.61).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Armut in der wohlhabenden Bundesrepublik Deutschland ein und skizziert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit.
2 Armut in Deutschland: Dieses Hauptkapitel erläutert theoretische Armutsbegriffe, analysiert historische Risikogruppen sowie Ursachen und untersucht die räumliche Verteilung von Armut mit Fokus auf städtische Segregationsprozesse.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die gesellschaftlichen Konsequenzen der zunehmenden sozialen Polarisierung sowie die Schwierigkeiten staatlicher Gegensteuerung.
Schlüsselwörter
Armut, Deutschland, Soziale Polarisierung, Arbeitslosigkeit, Lebenslagenansatz, Segregation, Stadtentwicklung, Armutsbericht, Sozialhilfe, Risikogruppen, Einkommensschere, Niedriglohn, Armutsforschung, Hamburg, Wohlfahrtsstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Existenz und den Ausprägungen von Armut in der Bundesrepublik Deutschland sowie den damit verbundenen sozialen Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Armutskonzepten, den Ursachen von Armut, ihrer regionalen Verteilung sowie der soziogeographischen Segregation in Städten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Armut in einem der reichsten Industrieländer definiert und gemessen werden kann und welche Faktoren zur sozialen Ausgrenzung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, wertet den Armutsbericht der Bundesregierung aus und nutzt statistische Daten sowie geographische Konzepte zur Interpretation sozialräumlicher Prozesse.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Armut, die Analyse von Risikogruppen, Ursachenanalysen (wie Arbeitslosigkeit und Strukturwandel) und eine räumliche Betrachtung der Armutsverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Zentrale Begriffe sind Armut, soziale Polarisierung, Segregation, Armutsbericht, Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit und städtische Entwicklung.
Welche Rolle spielt die Stadt Hamburg in der vorliegenden Untersuchung?
Hamburg dient als detailliertes Fallbeispiel, um die Auswirkungen von Armut im städtischen Raum, Segregationsprozesse und die Entwicklung der sozialen Polarisierung in einem Stadtstaat zu verdeutlichen.
Warum wird im Fazit vor einer "Abwärtsspirale" gewarnt?
Der Autor warnt vor Prozessen in benachteiligten Stadtgebieten, bei denen Armut, mangelnde Bildung und eine kritische soziale Eigendynamik bestehende Ungleichheiten weiter verstärken können.
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- Daniel Stelzer (Author), 2006, Armut in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75272