Einführung
„Islamische Menschenrechtserklärungen“ – ist diese Wortkombination nicht ein Widerspruch in sich?
Aufrufe zum Heiligen Krieg, die Diskriminierung religiöser Minderheiten in islamischen Ländern, die Rolle der muslimischen Frau, Khomeinis Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdi und viele weitere Beispiele von Menschenrechtsverletzungen auch in jüngster Zeit lassen diese Skepsis laut werden. Sie erwecken den Eindruck, Islam und Menschenrechte ständen prinzipiell im Gegensatz zueinander.
Um aber die oben gestellte Frage differenzierter beantworten und sich eine objektivere Meinung bilden zu können, müssen vorher eine Reihe von Sachverhalten und Begriffen geklärt werden, wie z.B.: Gibt es überhaupt den Islam? Was verbindet man in modernen Kulturen mit dem Begriff „Menschenrechte“? – Welche Positionen gibt es in der islamischen Welt zu diesem Thema und warum soll es spezielle Menschenrechtserklärungen für Muslime geben? – Solchen und ähnlichen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Was heißt Islam?
2.1. Die Binnendifferenzierung
2.2. Die Sektenbildung
2.3. Der Scharia-Islam und der Volksislam
2.4. Der Islam und die Konfrontation mit der Moderne
3. Die Entstehung der individuellen Menschenrechte und ihre universelle Bedeutung
4. Der Islam und die Menschenrechte
4.1. Die traditionelle Ulema – keine Menschenrechte
4.2. Die islamischen Menschenrechte
4.2.1. Zur Entstehung der Allgemeinen Islamischen Menschenrechtserklärungen
4.2.2. Der Text der Allgemeinen islamischen Menschenrechtserklärungen
4.2.3. Die Scharia in den islamischen Menschenrechtserklärungen
4.3. Versuche der Neudeutung des islamischen Rechts
4.4. Begründung der Menschenwürde durch den Koran
5. Rückblick und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den vermeintlichen Widerspruch zwischen dem Islam und dem Konzept universeller Menschenrechte. Das primäre Ziel ist es, ein differenzierteres Verständnis für die Debatten innerhalb der islamischen Welt zu schaffen und zu analysieren, ob und wie islamische Rechtsvorstellungen mit modernen Menschenrechtsansprüchen harmonisiert werden können.
- Grundlagen des Islam und interne Differenzierung
- Konfrontation des Islam mit der Moderne
- Analyse islamischer Menschenrechtserklärungen
- Neudeutung des islamischen Rechts durch Reformdenker
- Theologische Begründung der Menschenwürde im Koran
Auszug aus dem Buch
4.2.2. Der Text der Allgemeinen Islamischen Menschenrechtserklärungen
Jedes der 23 Rechte der Deklaration wird in der arabischen Version mit einem Zitat aus dem Koran oder aus dem Hadith des Propheten belegt, was deren Prinzip und Begründung darlegen soll. In der englischen und französischen Version wird lediglich auf Kapitel und Verse des Koran oder auf Prophetenworte verwiesen. Darüber hinaus existieren so viele Abweichungen zwischen dem Originaltext und den Übersetzungen, dass man fast von zwei Versionen sprechen kann. Z.B. kann aus den westlichen Dokumenten nicht klar ersehen werden, dass sich der Text ausdrücklich auf das religiöse Gesetz (Scharia) bezieht, da in dieser Fassung nur abstrakt von „dem Gesetz“ die Rede ist. Es könnte sich auch um das Gesetz des Landes handeln.
Der Titel „Menschenrechte im Islam“ wird gleich zu Beginn näher erläutert mit der Anmerkung, dass jedes der erwähnten Rechte der Erklärung an eine entsprechende Pflicht gekoppelt ist (vgl. Schwartländer, Johannes, 1993, S. 445 – 449).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Skepsis gegenüber der Vereinbarkeit von Islam und Menschenrechten und führt in die zentralen Fragestellungen ein.
2. Was heißt Islam?: Dieses Kapitel erläutert die religiösen Grundlagen, die Glaubenssätze und die kulturelle Vielfalt innerhalb des Islam, inklusive der Unterscheidung von Rechtsschulen und Strömungen.
3. Die Entstehung der individuellen Menschenrechte und ihre universelle Bedeutung: Hier wird der historische Ursprung der westlichen Menschenrechtskonzepte und deren Etablierung als universeller Maßstab durch die Vereinten Nationen beschrieben.
4. Der Islam und die Menschenrechte: Dieses Hauptkapitel untersucht die Spannungsfelder zwischen traditioneller Ulema-Lehre und dem Wunsch nach einem islamisch begründeten Menschenrechtskonzept.
5. Rückblick und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer schrittweisen Öffnung des islamischen Rechts für moderne Menschenrechte.
Schlüsselwörter
Islam, Menschenrechte, Scharia, Allgemeine Islamische Menschenrechtserklärung, Ulema, Fundamentalismus, Reformismus, Menschenwürde, Koran, Moderne, Sunna, Schia, Volksislam, Rechtsschulen, Religionsfreiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsverhältnis zwischen dem islamischen Glauben und dem Konzept universeller Menschenrechte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Interpretation der Scharia, die islamischen Menschenrechtserklärungen sowie die Debatte zwischen konservativen und reformorientierten muslimischen Denkern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Skepsis gegenüber der Vereinbarkeit von Islam und Menschenrechten zu untersuchen und aufzuzeigen, ob islamische Traditionen eine Basis für moderne Menschenrechte bieten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die religiöse Quellen, zeitgenössische Menschenrechtserklärungen und wissenschaftliche Diskursanalysen miteinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die historische Entstehung von Menschenrechten, die spezifisch islamischen Erklärungen der 1980er Jahre und moderne Versuche, das islamische Recht historisch-kritisch neu zu deuten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Islam, Scharia, Menschenrechte, Menschenwürde, Reformismus, Fundamentalismus, Koran und universelle Geltung.
Inwiefern beeinflussen die verschiedenen Rechtsschulen das Menschenrechtsverständnis?
Die Rechtsschulen unterscheiden sich in ihrer Auslegung, etwa durch das Billigkeitsprinzip der Hanafiten oder den Konservatismus der Malikiten, was den jeweiligen Handlungsspielraum für neue Interpretationen prägt.
Warum ist die Begründung der Menschenwürde durch den Koran so bedeutend?
Da viele Muslime den Koran als absolute Autorität anerkennen, stellt die Ableitung der Menschenwürde aus der „Stellvertreterrolle“ des Menschen vor Gott eine entscheidende Brücke zur Akzeptanz moderner Werte dar.
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- Claudia Rödiger (Author), 2000, Islamische Menschenrechtserklärungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/753