Grundlegende und notwendige Fähigkeiten zum erfolgreichen Schriftspracherwerb
1. Einleitung
Lange bevor ein Kind in die Schule kommt und dort intensiv mit Sprache, Schrift, und deren Reflexion konfrontiert wird, hat es gelernt, sich mitzuteilen und sprachlich auszudrücken, wodurch es auch schon ein gewisses Maß an Sprachbewusstsein entwickelt hat. Da das Kind vom Beginn seines Lebens von einer sprachlichen Umwelt umgeben ist, kommt es gar nicht umhin dieser auszuweichen. Es entsteht also schon sehr früh ein bestimmtes Gefühl für die Sprache, das bei jedem Kind aber individuell unterschiedlich ausgeprägt ist. „Der Schuleintritt ist demnach nicht die Stunde null für den Schriftspracherwerb, denn die Kinder unterscheiden sich bereits bei der Einschulung enorm hinsichtlich der Vorläufermerkmale, die den späteren Erfolg beim Lesen – und Schreibenlernen in erheblichem Ausmaß vorhersagen.“1
Diese Vorläufermerkmale sind grundlegende und notwendige Voraussetzungen für den erfolgreichen Schriftspracherwerb. Dazu gehören zum einen die akustische und optische Sprachwahrnehmung und zum anderen der bewusste Umgang mit lautsprachlichem Material, also der phonologischen Bewusstheit. Ist eine dieser beiden Ebenen gestört, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch beim Lesen und/ oder Rechtschreiben Probleme auftreten werden.
Da die Überprüfung dieser Fähigkeiten vor dem Schuleintritt, wie eine Reihe von Längsschnittuntersuchungen gezeigt hat, offensichtlich eine Vorhersage für den späteren Erfolg beim Lesen und Schreibenlernen erlaubt, sind schon einige Test – und Trainingsverfahren wie zum Beispiel das „Bielefelder Screening“, oder das Würzburger Programm zur Förderung der phonologischen Bewusstheit „Hören, Lauschen, Lernen“, entwickelt worden, um frühzeitig Probleme zu erkennen und gegebenenfalls zu fördern. Denn Kinder, bei denen Lese – Rechtschreibschwierigkeiten vorhersagbar scheinen, profitieren in großem Maße von einer Förderung ihrer Sprachwahrnehmung und phonologischen Bewusstheit, da sich die Schwierigkeiten so erst gar nicht ausprägen können. Eine frühzeitige Förderung ist folglich von enorm großer Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachwahrnehmung
3. Phonologische Bewusstheit
4. Griebl, Simone & Wildegger – Lack, Elisabeth: Bild – Wort – Karten fördern spielerisch phonologische Bewusstheit und segmentierendes Lesen für Vorschule 1. Klasse, 2. Klasse
5. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig – Holstein: Förderung der phonologischen Bewusstheit zur Vorbeugung Von Lese – Rechtschreibschwierigkeiten
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb, wobei ein besonderer Fokus auf der präventiven Bedeutung von Sprachwahrnehmung und phonologischer Bewusstheit bei Kindern liegt.
- Bedeutung von Vorläufermerkmalen für den Lese- und Schreiblernprozess
- Untersuchung der Sprachwahrnehmung und deren Teilaspekte (phonematisch, melodisch, rhythmisch, artikulatorisch, optisch)
- Definition und Relevanz der phonologischen Bewusstheit
- Vorstellung ausgewählter Förder- und Trainingsprogramme
- Frühzeitige Erkennung und Interventionsmöglichkeiten bei Risikokindern
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Lange bevor ein Kind in die Schule kommt und dort intensiv mit Sprache, Schrift, und deren Reflexion konfrontiert wird, hat es gelernt, sich mitzuteilen und sprachlich auszudrücken, wodurch es auch schon ein gewisses Maß an Sprachbewusstsein entwickelt hat. Da das Kind vom Beginn seines Lebens von einer sprachlichen Umwelt umgeben ist, kommt es gar nicht umhin dieser auszuweichen. Es entsteht also schon sehr früh ein bestimmtes Gefühl für die Sprache, das bei jedem Kind aber individuell unterschiedlich ausgeprägt ist. „Der Schuleintritt ist demnach nicht die Stunde null für den Schriftspracherwerb, denn die Kinder unterscheiden sich bereits bei der Einschulung enorm hinsichtlich der Vorläufermerkmale, die den späteren Erfolg beim Lesen – und Schreibenlernen in erheblichem Ausmaß vorhersagen.“
Diese Vorläufermerkmale sind grundlegende und notwendige Voraussetzungen für den erfolgreichen Schriftspracherwerb. Dazu gehören zum einen die akustische und optische Sprachwahrnehmung und zum anderen der bewusste Umgang mit lautsprachlichem Material, also der phonologischen Bewusstheit. Ist eine dieser beiden Ebenen gestört, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch beim Lesen und/ oder Rechtschreiben Probleme auftreten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Vorläufermerkmalen beim Schuleintritt und begründet die Notwendigkeit einer frühzeitigen Förderung von Sprachwahrnehmung und phonologischer Bewusstheit.
2. Sprachwahrnehmung: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Teilbereiche der auditiven und visuellen Wahrnehmung, die für den Schriftspracherwerb kritisch sind, und ordnet sie in ein Ursachenmodell ein.
3. Phonologische Bewusstheit: Das Kapitel definiert phonologische Bewusstheit und unterscheidet zwischen der Form im weiteren und engeren Sinne, um deren Bedeutung als notwendige Voraussetzung für das Lesen- und Schreibenlernen zu verdeutlichen.
4. Griebl, Simone & Wildegger – Lack, Elisabeth: Bild – Wort – Karten fördern spielerisch phonologische Bewusstheit und segmentierendes Lesen für Vorschule 1. Klasse, 2. Klasse: Es wird ein spezifisches, flexibles Trainingsprogramm vorgestellt, das auf spielerische Weise die phonologische Bewusstheit durch Bild- und Wortkarten fördert.
5. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig – Holstein: Förderung der phonologischen Bewusstheit zur Vorbeugung Von Lese – Rechtschreibschwierigkeiten: Dieses Kapitel präsentiert ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Konzept zur Prävention, das Übungen sowohl für den Kindergarten als auch für den Schulanfang umfasst.
6. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die frühzeitige Förderung dieser Fähigkeiten trotz genetischer Dispositionen effektiv ist und für eine gelungene schulische Entwicklung als essenziell erachtet wird.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Sprachwahrnehmung, phonologische Bewusstheit, Lese-Rechtschreibschwäche, Prävention, Vorläufermerkmale, Lautdifferenzierung, Schulanfang, Sprachbewusstsein, auditiv, visuell, Frühförderung, Diagnostik, Lernschwierigkeiten, Legasthenie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den notwendigen Voraussetzungen, die ein Kind mitbringen muss, um erfolgreich lesen und schreiben zu lernen, mit einem Fokus auf die Rolle der Sprachwahrnehmung und phonologischen Bewusstheit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die auditiven und optischen Wahrnehmungsprozesse, die Einordnung der phonologischen Bewusstheit sowie praktische Trainingsprogramme zur frühzeitigen Unterstützung von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Förderung der identifizierten Vorläufermerkmale Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bereits präventiv vermieden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Fachliteratur, Längsschnittuntersuchungen sowie der Analyse spezifischer Förder- und Trainingsprogramme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Sprachwahrnehmung und phonologischen Bewusstheit sowie die detaillierte Vorstellung und Einordnung zweier konkreter Praxismodelle zur Förderung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind Schriftspracherwerb, Prävention, phonologische Bewusstheit, Sprachwahrnehmung, Frühförderung und Lese-Rechtschreibschwierigkeiten.
Warum ist eine ganzheitliche Sprachauffassung bei Kindern mit Lernschwierigkeiten oft problematisch?
Kinder mit einer ganzheitlichen Auffassung neigen dazu, Wörter nur in ihrer Form zu überfliegen, anstatt Details zu beachten. Dies erschwert die präzise Lautdifferenzierung und erhöht das Risiko für Verwechslungen bei ähnlichen Wörtern.
Welche Rolle spielt die Kombination von verschiedenen Ebenen in der Förderung?
Das Ansprechen mehrerer Ebenen – etwa die Synchronität von Motorik, auditiver Wahrnehmung und Artikulation – erleichtert den Lernprozess, da verschiedene Hirnareale verknüpft werden und so die Speicherung von Laut-, Wort- und Satzschemata unterstützt wird.
Welchen Vorteil bietet die spielerische Vermittlung der Inhalte?
Die spielerische Vermittlung sorgt dafür, dass die Kinder keinen Leistungsdruck verspüren und die phonologische Bewusstheit mit Spaß trainieren, was nachweislich zu einem erhöhten Lerneffekt führt.
- Quote paper
- Irena Eppler (Author), 2006, Grundlegende und notwendige Voraussetzungen für den erfolgreichen Schriftspracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75310